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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.04.2026

Der Sommer der alles änderte

Paradise Beach
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Meine Meinung

"Paradise Beach" hat mich vor allem aufgrund des Covers und Klappentextes neugierig gemacht. Der Einstieg ist mir gut gelungen und man bekommt beim Lesen schnell das Gefühl, Ada sehr nahe ...

Meine Meinung

"Paradise Beach" hat mich vor allem aufgrund des Covers und Klappentextes neugierig gemacht. Der Einstieg ist mir gut gelungen und man bekommt beim Lesen schnell das Gefühl, Ada sehr nahe zu kommen, die mit ihrem eigenen Körper und ihrer Vergangenheit ringt. Die Erzählerin, bewegt sich zwischen der Erschöpfung nach einer Endometriose‑Operation und Erinnerungen an einen Sommer, der sie bis heute beschäftigt. Diese beiden Ebenen greifen ständig ineinander, und genau das macht den Roman für mich so eindringlich.

Gut gelungen ist der Autorin auch die Offenheit mit der sie körperliche Erfahrungen beschreibt. Schmerz, Müdigkeit, Unsicherheit zu einem Thema, das meiner Meinung ohnehin zu selten im Gespräch ist. Die Rückblenden in den Sommer 2003 haben für mich eine eigene Spannung. Die Atmosphäre ist warm und gleichzeitig angespannt, weil man spürt, dass Ada damals vieles nicht einordnen/zuordnen konnte. Die schlichte und ruhige Sprache der Autorin mochte ich sehr. Teilweise zieht sich durch diese Ruhe die Geschichte allerdings auch an manchen Stellen.

Fazit-> "Paradise Beach" ist für mich ein Roman, der vor allem über Atmosphäre und Innenleben und Offenheit funktioniert. Wer eine klare Handlung oder schnelle Entwicklungen erwartet, wird hier nicht fündig.

Klappentext

Ada schläft kaum noch, seit sie nach ihrer Endometriose-OP Medikamente nimmt. Sie lauscht den Geräuschen ihres Wohnhauses und erinnert sich zurück: an den Sommer ihrer Jugend, den sie zusammen mit ihrer Cousine Lill in ihrer Heimat an der Ostseeküste verbringt. Die Tage sind bestimmt vom Perfektionieren des eigenen Körpers und der Begegnung mit Elja, die Adas Welt ins Wanken bringt. Doch mitten in diesem Jahrhundertsommer 2003 beginnt ein Schmerz, und mit ihm das Schweigen, das Ada zunehmend von ihrer Außenwelt trennt.


Über die Autorin

Dara Brexendorf, geboren 1991, lebt als freie Autorin und Literaturvermittlerin in ihrer Heimatstadt Kiel. Sie moderiert die Lesebühne im Literaturhaus Schleswig-Holstein, ist Teil des Podcasts LITERARISCH, SOLIDARISCH und des Literaturmagazins DER SCHNIPSEL. Sie studierte Medien- und Literaturwissenschaften in Kiel und Mainz, anschließend Literarisches Schreiben in Hildesheim. 2025 erhielt sie den LILIENCRON-NACHWUCHSPREIS für Lyrik aus Schleswig-Holstein.

Quelle: Verlag / vlb


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Veröffentlicht am 07.04.2026

Der Sycamore-Plan

Das Buch der Schuld
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Meine Meinung

Das "Buch der Schuld" von Catherine Chidgey hat mich sofort in seinen Bann gezogen und viele viele Seiten zu Beginn ratlos gelassen. Von Anfang an liegt eine dichte und unheimliche Stimmung ...

Meine Meinung

Das "Buch der Schuld" von Catherine Chidgey hat mich sofort in seinen Bann gezogen und viele viele Seiten zu Beginn ratlos gelassen. Von Anfang an liegt eine dichte und unheimliche Stimmung über allem, die mich beim Lesen nicht mehr losgelassen hat. Mein Kopf war voller Fragen und ich war wirklich auf die "Aufklärung" gespannt. Vieles bleibt wirklich lange rätselhaft und ich musste mich darauf einlassen, nicht sofort alles verstehen zu wollen.

Die Drillinge, die in einer streng kontrollierten Umgebung aufwachsen, haben mich fasziniert und irritiert zugleich. Ihr Buch der Schuld gibt es wirklich, ebenso wie ein Buch der Träume. Die drei Mütter – Mutter Morgen, Mutter Mittag und Mutter Nacht – prägen das Leben der Drillinge mit strengen Ritualen und einer fast unheimlichen Fürsorge, die mehr Kontrolle als Geborgenheit vermittelt.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Art, wie Chidgey Realität und Unwirklichkeit miteinander verschmelzen lässt. Genau dieses Gefühl der Unsicherheit hat für mich den Reiz ausgemacht.

Die moralischen Fragen, die das Buch aufwirft, haben mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt.

Natürlich gibt es Momente, in denen die Handlung verwirrend wirkt, aber ich denke es passt in diese fiktive Konzept, ich denke diese Welt soll irritieren und den Leser aus der Komfortzone holen - das schafft es meiner Meinung nach aus.


Fazit: Eine verstörende und zugleich faszinierende Leseerfahrung. Wenn man den Klapptext liest, hat man noch keine Idee in welche Richtung die Story geht :)!


Klappentext

In einem alternativen England, 1979. Die Drillinge Vincent, Lawrence und William wachsen in einem Heim für Waisen auf. Das alte Herrenhaus ist abgelegen und weitläufig, die Jungen erhalten Privatunterricht und es fehlt ihnen scheinbar an nichts. Doch warum dürfen sie keinen Kontakt zu Kindern außerhalb des Heims haben? Warum müssen sie täglich eine besondere Pille schlucken? Und warum träumen alle drei regelmäßig von einem kleinen Mädchen in einem dunklen Wald? Erst als einer der Jungen eines Tages beschließt, die Pille nicht mehr zu schlucken, löst sich ein Geheimnis nach dem anderen auf – und die drei Brüder kommen der finsteren Geschichte auf die Spur, die ihrer Existenz zugrunde liegt.


Über die Autorin

Catherine Chidgey hat deutsche Literatur studiert und lange in Berlin gelebt. Ihre Romane wurden mehrfach preisgekrönt und in Bestenlisten aufgenommen. Sie lebt in Neuseeland und unterrichtet Creative Writing an der University of Waikato.

Quelle: Verlag / vlb

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Koch-Dates, viel Mut und Neubeginn

Keeping it casual
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Meine Meinung

Mich konnte bei "Keeping it Casual" vor allem der Klappentext ansprechen. Ich hatte gehoft in eine Geschichte einzutauchen, die gleichzeitig leicht und emotional ehrlich ist und das war ...

Meine Meinung

Mich konnte bei "Keeping it Casual" vor allem der Klappentext ansprechen. Ich hatte gehoft in eine Geschichte einzutauchen, die gleichzeitig leicht und emotional ehrlich ist und das war sie auch.

Die Protagonistin Maxine und ihre Situation haben mich sofort berührt. Ihr Leben bricht an mehreren Stellen gleichzeitig auseinander und ich konnte gut nachvollziehen, wie überfordernd sich das für sie anfühlen musste. Die Autorin schafft es eine authentische Mischung aus Verletzlichkeit und innerer Stärke darzustellen.

Die Art, wie sich die Verbindung zwischen Max und Johnny entwickelt, hat für mich etwas sehr Echtes. Dass sie sich zunächst nur über Nachrichten austauschen und dabei gemeinsam kochen, fand ich eine ganz tolle Idee. Ich mochte, wie langsam sich Vertrauen aufbaut und wie viel Persönlichkeit in diesen Chats steckt.

Was mich besonders angesprochen hat, war die Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit.

Der moderene, warme Schreibstil hat mir sehr gefallen. Die Rückblenden fand ich sehr positiv und diese haben mir geholfen, Maxines Vergangenheit besser zu verstehen.

Fazit: "Keeping it Casual" hat mich daran erinnert, dass Neuanfänge oft dort entstehen, wo man sie nicht erwartet und dass das auch gut so ist.


Klappentext

Bei Maxine läuft es alles andere als rund: Erst erhält sie eine beunruhigende Diagnose, dann entdeckt sie, dass ihr Freund sie betrügt. Ihre beste Freundin Alice findet, Max braucht dringend Ablenkung - und meldet sie kurzerhand bei Tinder an. So lernt Max Johnny kennen: charmant, witzig und überraschend vertraut. Gemeinsam kochen sie sich per Chat durch das Familienkochbuch von Max’ Ex - ohne sich je zu begegnen, denn beide wollen nichts Ernstes. Doch aus dem harmlosen Spiel wird mehr, als Max vor einer entscheidenden Operation steht und alles, was sie bisher für wichtig hielt, hinterfragt. Aber hat sie den Mut, für das Leben - und die Liebe - einzustehen, die sie sich wirklich wünscht?

Über die Autorin

Karina May ist Autorin und Host des erfolgreichen Podcasts That Rom Com Pod. Ihr Debütroman Keeping it casual stand auf der Longlist des Indie Book Awards. Wenn Karina nicht gerade schreibt oder Autor:innen für den Podcast interviewt, kann man sie auf Reisen oder beim Schlürfen von Champagner auf Buchveranstaltungen antreffen - natürlich alles im Namen der Recherche. (Quelle Bastei)

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Wie stark prägen Familie, Herkunft und gesellschaftliche Bedingungen unser Leben?

Real Americans
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Meine Meinung

"Real Americans" hat mich in seiner Mischung aus Familiengeschichte, Identitätssuche, Forschung und gesellschaftlichen Fragen sofort gepackt. Besonders eindrücklich fand ich, wie der Roman ...

Meine Meinung

"Real Americans" hat mich in seiner Mischung aus Familiengeschichte, Identitätssuche, Forschung und gesellschaftlichen Fragen sofort gepackt. Besonders eindrücklich fand ich, wie der Roman über drei Generationen hinweg zeigt, wie Herkunft, Chancen, Entscheidungen, Erwartungen das Leben prägen.

Die Handlung begleitet eine chinesisch-amerikanische Familie über mehrere Generationen. Zuerst steht Lily im Mittelpunkt, die Ende der 1990er-Jahre in New York lebt und sich in Matthew verliebt, der aus einer sehr wohlhabenden Familie stammt. Schon hier wird deutlich, wie stark soziale Unterschiede das Leben und Beziehungen beeinflussen können.Später verschiebt sich die Perspektive auf ihren Sohn Nick, der äußerlich seinem weißen Vater ähnelt und sich deshalb besonders stark fragt, wo er eigentlich hingehört und schließlich auf die Vergangenheit von Lilys Mutter May. Durch diese verschiedenen Perspektiven entsteht ein größerer zeitlicher Rahmen, der zeigt, wie sehr die Geschichte und vor allem die Entscheidungen einer Familie das Leben der nächsten Generation prägt.

Die Themen Herkunft, Klasse und genetische Selbstbestimmung haben mich dabei am stärksten beschäftigt, weil der Roman immer wieder die Frage stellt, wie viel unseres Lebens durch Gene (vs. Erziehung / Umfeld) bestimmt wird und wie viel wir selbst beeinflussen können. Lily selbst empfand ich als glaubwürdig zerrissen zwischen familiären Erwartungen und ihrem eigenen Weg, und gerade diese Spannung hat den Roman für mich lebendig gemacht.

Ich fand die ersten zwei "Teile" des Buches sehr stark - ich war in den Geschichten gefangen, regelrecht gefesselt - den letzten Teil etwas schwächer.

Insgesamt bleibt es für mich ein berührendes filmreifes Werk, das mit sehr gut unterhalten konnte.


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Veröffentlicht am 04.03.2026

Fahren ohne Halt

Grüne Welle
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Meine Meinung

"Bei der nächsten roten Ampel würde sie wenden." (ZITAT)

"Grüne Welle" hat mich zuerst aufgrund des Klappentextes fasziniert. Während des Lesens hat mich der Roman vor allem aufgrund ...

Meine Meinung

"Bei der nächsten roten Ampel würde sie wenden." (ZITAT)

"Grüne Welle" hat mich zuerst aufgrund des Klappentextes fasziniert. Während des Lesens hat mich der Roman vor allem aufgrund seiner stillen Intensität gepackt. Die (zuerst) namenlose Protagonistin, die sich nach einem Kinobesuch in der Nacht "verfährt" und einfach weiterfährt, wurde für mich zu einer Projektionsfläche für innere Unruhe, die Lust auszubrechen und unterschwellige Sehnsucht, Ängste, Sorgen, Belastungen. Je länger ich lese, desto stärker spüre ich dieses Gefühl des Getriebenseins, die Weiterfahrt ohne Halt (mit Tankstop), das gleichzeitig befreiend und beunruhigend wirkt.

Die Sprache ist knapp, direkt, eindringlich. Vieles bleibt unausgesprochen und offen, was ich in diesem Roman aber nicht als störend empfand.

"Es kam ihr vor, als würde die kleinste Bewegung die ganze Aufmerksamkeit der Welt auf sie ziehen, als würde sie dadurch ihre Schuld anerkennen, nicht nur für den Tod des Rehs, das sie betrachtete wie ein Gemälde, sondern für alles erdenklich andere auch."

P.s: Ich hätte es schön gefunden, wenn die Autorin ein anderes Ende mit den Jugendlichen gewählt hätte.


Über die Autorin

Esther Schüttpelz, geboren 1993 in Werne, studierte Jura in Münster und arbeitete als Rechtsanwältin, bevor sie freie Schriftstellerin wurde. Für ihren Roman ›Ohne mich‹ wurde sie 2023 mit dem Debütpreis der lit.Cologne ausgezeichnet. Sie lebt im Münsterland.

Quelle: Verlag / vlb


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