Historischer True Crime Fall
1736 - Chronik einer Kopfgeldjagd"1736 - Chronik einer Kopfgeldjagd" ist unglaublich spannend. Die Geschichte der beiden Meisterdiebe Agnes und Andreas Roß ist packend erzählt und akribisch recherchiert. Die Gefangenschaft, Folter, Flucht ...
"1736 - Chronik einer Kopfgeldjagd" ist unglaublich spannend. Die Geschichte der beiden Meisterdiebe Agnes und Andreas Roß ist packend erzählt und akribisch recherchiert. Die Gefangenschaft, Folter, Flucht und Hinrichtung wird so lebendig und detailreich beschrieben, dass man das Gefühl hat, dabei zu sein. Man spürt die düstere und dreckige Atmosphäre in Franken und Schwaben des 18.Jahrhunderts. Armut, Hunger und Kälte waren die ständigen Begleiter der armen Bevölkerung. Überfluss und Dekadenz die der Reichen und Adligen. Dazwischen einfache Bauern und Handwerker. Der Umgang war rauh und brutal. Trotzdem gab es strikte Regeln und auch Menschlichkeit.
Authentisch wird erzählt wie die Schlinge des gräflichen Geheimrats Dr. Pistorius sich immer enger um die Hälse der Diebe zieht und das ganze unausweichlich in einem Desaster enden wird. Ich habe bis zum Schluss mitgefiebert und Adreas und Agnes die Daumen gedrückt.
Die beiden sind für mich unglaublich sympathisch und ich habe großes Mitleid mit ihnen. Ging es ihnen doch nie darum sich zu bereichern, sondern nur um Mundraub für sich und ihre Kinder. Die Vorstellung, dass diese Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht und dass sie exemplarisch für die Armen dieser Zeit steht, macht mich unglaublich traurig.
Der blinde Eifer mit dem Dr. Pistorius die beiden mitleidlos jagt, ist abstoßend. Warum ist er so unnachgiebig?
Ein interessanter Charakter ist auch sein Assistent Kraus. Dieser wechselt ständig zwischen Gehorsam und Mitgefühl. Manchmal sieht es so aus als würde er sich von dem blinden Eifer des Geheimrats anstecken lassen, dann siegt doch die Menschlichkeit. Ich wüsste zu gerne, was aus ihm geworden ist.
Genauso wie mich das weitere, wahrscheinlich traurige, Schicksal von Agnes und den Roß Kinder interessieren würde.
Ich habe mich richtig in der Geschichte verloren und habe alles um mich herum vergessen.
Besonders Highlight für mich: Teile der Geschichte spielen in Altdorf bei Nürnberg, wo ich als Rheinländer zwei Jahre gelebt habe. Das hat mich sehr gefreut. In dieser Zeit habe ich auch bei einem Stadtrundgang über den Henker von Nürnberg mitgemacht, an den ich wären der Lektüre häufig denken musste. Bei weiterem kein angesehener Beruf zu dieser Zeit.
Eine absolute Leseempfehlung für alle die historische Kriminalfälle lieben.