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Veröffentlicht am 22.02.2018

Die letzte Etappe auf der Reise durch Neapel

Die Geschichte des verlorenen Kindes
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Nach langem Warten habe ich endlich den letzten Band der neapolitanischen Saga lesen dürfen und er hat mich gleichzeitig traurig und fröhlich gemacht.

Traurig, weil es der letzte Teil einer wunderschönen ...

Nach langem Warten habe ich endlich den letzten Band der neapolitanischen Saga lesen dürfen und er hat mich gleichzeitig traurig und fröhlich gemacht.

Traurig, weil es der letzte Teil einer wunderschönen Buchreihe ist und die Reise durch Neapel und die Freundschaft von Elena und Lila nun zu Ende geht.

Fröhlich, weil es sich mal wieder um eine wunderschöne Geschichte handelt, flüssig und rasant geschrieben, jede Seite zum Verschlingen. Elena Ferrantes Schreibstil ist wie kein zweiter, ich würde ihn als typisch italienisch beschreiben. Schnelle Dialoge, viel Temperament.

Elena und Lila sind in die Jahre gekommen, aber ihre Freundschaft erlebt wie in jungen Jahren ihre Höhen und Tiefen. Schicksalsschläge rauben ihnen den Atem aber ihre Bindung bleibt bestehen.

Bevor das Buch erschienen ist habe ich mich oft nach dem Ende gefragt und ich finde es äußerst gelungen, nichts Vorhersehbares, keine Klischees und eine schöne Abrundung. Obwohl ich auch die anderen Bücher dieser Reihe geliebt habe, hat mir dieses doch am besten gefallen.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Die Nachtigall singt

Die Nachtigall
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Zugegeben, es gibt keine Art von Geschichten, die mich mehr fesselt als jene der französischen Résistance zur Zeit des zweiten Weltkriegs. Von daher hatte diese Geschichte also direkt gute Karten bei mir. ...

Zugegeben, es gibt keine Art von Geschichten, die mich mehr fesselt als jene der französischen Résistance zur Zeit des zweiten Weltkriegs. Von daher hatte diese Geschichte also direkt gute Karten bei mir. Das sie mich aber so fasziniert hätte ich wirklich nicht geglaubt...

Isabella und Vianne sind sehr unterschiedliche Schwestern mit einer schwierigen Kindheit. Als dann der zweite Weltkrieg ausbricht verkörpern sie, auf welch unterschiedliche Weise sich der Krieg auf das Leben der Frauen in Frankreich auswirkt.

Vianne ist die zarte und liebende Ehefrau und Mutter, zerfressen von Sorgen und Angst um ihren Mann an der Front und ihre Tochter umgeben von Gewalt. Sie muss ihr Haus mit einem Nazi teilen und zusehen wie ihre Freunde deportiert werden.

Isabella hingegen ist unabhängig und stark. Immer wieder wird ihr geraten "mehr Angst zu haben" denn ihre Taten werden geleitet von der Wut auf die Nazis und dem Tatendrank ihnen die Stirn zu bieten. Sie schließt sich der Résistance an und begibt sich in lebensbedrohliche Gefahren um ihren Prinzipien treu zu bleiben.

Stückweise werden beide Frauen gebrochen aber trotzdem bleiben sie stark und kämpfen sich durch die Grausamkeiten, die der Krieg mit sich bringt. So wechselt die Stimmung zwischen Spannung, Hoffnung, Angst und Freude. Jede Seite kann den Leser in einen neuen Gefühlszustand schubsen, so dass man nicht mal mehr blinzeln möchte um möglichst schnell weiter zu lesen.

Der Erzählstil wechselt immer wieder zwischen Isabelles und Viannes Sichtweise hin und her, so dass wir beide bei der Austragung ihres persönlichen Krieges begleiten können. Ich kann mich nicht entscheiden welche von beiden ich faszinierender und aufregender finde.

Alles in allem kann ich nur sagen, dass dies der beste Roman ist, den ich zu diesem Thema bis jetzt gelesen habe.

Veröffentlicht am 07.12.2017

Ein unglaublich berührende Geschichte

Die Geisha
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Wir begleiten ein junges Mädchen, dass zusammen mit ihrer Schwester aus ihrem bitterarmen Heimatdorf fortgerissen wird um sich als Geisha ausbilden zu lassen. Das Ganze spielt in Japan kurz vor dem Ausbruch ...

Wir begleiten ein junges Mädchen, dass zusammen mit ihrer Schwester aus ihrem bitterarmen Heimatdorf fortgerissen wird um sich als Geisha ausbilden zu lassen. Das Ganze spielt in Japan kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges. Wir begleiten Chiyo durch alle Qualen und Schikanen, denen sie auf diesem steinigen Weg ausgesetzt ist. Eine schicksalshafte Begegnung mit einem Fabrik-Direktor gibt ihr dann die Motivation zu einer der bekanntesten Geishas Japans zu werden.

Man hat hier fast den Eindruck als würde man eine Biographie lesen, so tief taucht man in das Leben von Chiyo ein. Sie ist eine sehr zarte Person, die sich nur nach Sicherheit und Zuneigung seht. Doch sie muss sich in der rauen Welt, in die sie hineingestoßen wurde, zurechtfinden und entwickelt einen Kampfgeist um ihr Ziel zu erreichen.

Gleichzeitig tauchen wir tief in die Kultur Japans ein, erfahren wie Geishas gelebt haben und wie sie überhaupt zu Geishas werden. Die Kultur mit ihren Bräuchen und Sitten und wie sich diese durch den zweiten Weltkrieg und die nachgehende Besatzung ändern werden unglaublich spannend erklärt.

Arthur Golden hat einen wundervollen Schreibstil, der sehr berührend und tiefgehend ist. Ich hatte diese 600 Seiten in wenigen Tagen durch, da ich fast schon süchtig nach dieser Geschichte wurde.

Veröffentlicht am 07.12.2017

Ein Muss!

Beim Leben meiner Schwester
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Diese Geschichte beschreibt den Alptraum aller Eltern, die eigene Tochter erkrankt im Alter von nur 2 Jahren an Leukämie und ihre Tage scheinen gezählt. Die Eltern entscheiden sich ein zweites Kind, ein ...

Diese Geschichte beschreibt den Alptraum aller Eltern, die eigene Tochter erkrankt im Alter von nur 2 Jahren an Leukämie und ihre Tage scheinen gezählt. Die Eltern entscheiden sich ein zweites Kind, ein sogenanntes „Designer-Baby“, zu bekommen, dass Kates Leben retten soll. Anna wächst als lebensfrohes Mädchen auf und liebt ihre Schwester Kate über alles, trotz der vielen Krankenhausaufenthalte und Schmerzen, die sie über sich ergehen lassen muss. Doch eines Tages beschließt sie einen Anwalt aufzusuchen um sich frühzeitig vor dem Gesetz als Erwachsene erklären zu lassen und das Recht auf ihren Körper einzufordern. Der Grund ist die Niere, die sie ihrer totkranken Schwester spenden soll. Sie hat also die Wahl zwischen einem Leben mit nur einer Niere oder dem sicheren Tod ihrer Schwester.

Wie immer in Jodi Picoults Büchern geht es um schwere und anspruchsvolle Themen. Krebs, das Leid zweier junger Mädchen, ein Kind, das über ihren eigenen Körper bestimmen will. Die Familie stürzt von einem Drama in das nächste und niemand möchte sich auch nur vorstellen in ihrer Haut zu stecken.

Ebenfalls üblich für Jodi Picoult ist es, die Geschichte aus vielen Perspektiven zu erzählen. Anna, ihre Eltern, ihr Bruder, ihr Anwalt und ihre Jugendhilfe kommen zu Wort und werfen unterschiedliche Lichter auf diese tiefgehende Geschichte. Obwohl es hier viele Fronten gibt, kann man sich in jede Person hineinversetzen und versteht die Zwickmühlen in denen sie stecken.

Es ist eine Geschichte die ans Herz geht und sehr berührt. Zu Anfang scheint es, dass das ganze Drama aufgedeckt vor einem liegt, doch es kommt trotzdem zu Wendungen mit denen man nicht rechnen kann.

Veröffentlicht am 03.12.2017

Der Marsianer

Der Marsianer
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Mark Watney wird beim Abbruch seiner Marsmission verletzt. Die Crew denkt er wäre tot und lässt ihn schweren Herzens zurück. Allerdings kommt er wieder zu sich und muss irgendwie versuchen sein Überleben ...

Mark Watney wird beim Abbruch seiner Marsmission verletzt. Die Crew denkt er wäre tot und lässt ihn schweren Herzens zurück. Allerdings kommt er wieder zu sich und muss irgendwie versuchen sein Überleben zu sicher. Wie er im ersten Satz seines Logbuches ganz richtig feststellt: Er ist total am Arsch!

Marks Logbuch ist quasi sein Tagebuch, er hält alles was er denkt, fühlt und tut darin fest. Alleine auf einem unbewohnten Planeten, unendlich weit von der Erde entfernt, auf der jeder zunächst denkt er wäre tot hat er natürlich eine ganze Menge Emotionen. Angst, Trauer, Wut, Hoffnung und Glück. Und wir dürfen die komplette Bandbreite hautnah miterleben. Wäre das alles wirklich passiert, könnte Marks Erfahrungsbericht über dieses Ereignis nicht mitreisender sein.

Mark erklärt alles was er tut, und das hat natürlich eine ganze Menge mit Wissenschaft zu tun. Er muss komplexe Geräte reparieren, Pflanzen anbauen, Wasser und Sauerstoff gewinnen und den Mars erforschen um überhaupt den Hauch einer Chance zu haben. Auf der Erde rauchen den NASA Wissenschaftlern natürlich auch ordentlich die Köpfe. Ich kann nicht beurteilen ob all die verrückten Dinge die getan und erfunden werden tatsächlich in der Realität so funktionieren würden (ich schätze mal eher nicht) aber es wird doch alles so erklärt, dass es nicht komplett an den Haaren herbeigezogen rüberkommt. Kein Problem wird auf magische Art und Weise gelöst, sondern aufgedröselt und schlüssig Stück für Stück abgearbeitet.

Trotz seiner Lage ist Mark ein unglaublich interessanter und lustiger Mensch. Es gab einige Momente, in denen ich beim lesen wirklich lachen musste. Und das ist natürlich eine schöne Abwechslung zu seinen Marserkundungen und Forschungen.

Was kommt als nächstes? Wie geht es weiter? Wann bahnt sich die nächste Katastrophe an und wie will er sich dieses Mal daraus retten? Ich konnte dieses Buch kaum aus der Hand legen, man will einfach mehr, mehr, mehr…

Diese Geschichte hat einfach alles was man sich wünschen kann. Durch den tagebuchartigen Stil wird man richtig mitgerissen und fiebert die ganze Zeit mit. Vielen Dank Andy Weir für die wundervollen Lesestunden, die ich durch dieses Buch hatte.