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Veröffentlicht am 04.05.2026

Leider „nur“ ein Coffee Table Kochbuch

Dirty Bistro
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Max Strohe kannte ich bisher nur von seinen launigen Spiegel-Kolumnen und seiner Autobiografie „Kochen am offenen Herzen“. Besonders gerne mag ich aber auch dem kreativen Namen seines Restaurants in Berlin: ...

Max Strohe kannte ich bisher nur von seinen launigen Spiegel-Kolumnen und seiner Autobiografie „Kochen am offenen Herzen“. Besonders gerne mag ich aber auch dem kreativen Namen seines Restaurants in Berlin: „Speiselokal Tulus Lotrek“, mal so ganz anders benamt als die klassischen Fine Dining Tempel.

Nun ist also sein erstes Kochbuch „Dirty Bistro“ erschienen, auf das ich mich sehr gefreut hatte. Aber bereits beim ersten Durchblättern wich die Freude großer Ernüchterung, sind doch samt und sonders die Hauptzutaten fast aller Rezepte nicht nur sehr kostenintensiv, sondern auch – wenn überhaupt - nur mit immensem Aufwand zu beschaffen, insbesondere dann, wenn man nicht in der Großstadt lebt.

Erwartet hatte ich aufgepeppte Gerichte aus der klassischen Bistro-Küche, gerne auch noch mit besonderen Strohe typischen Twists, die innerhalb eines akzeptablen Zeitrahmens zu realisieren sind. Keine Frage, die Rezepte sind ausgefallen, innovativ und überraschend, allerdings nur eingeschränkt für Menschen mit einer Fisch-und/oder Krustentier-Allergie geeignet. Dazu kommt, dass die Zubereitungen auch für erfahrene Hobbyköche und –köchinnen selbst dann, wenn man die Zutaten beschaffen konnte, extrem zeitintensiv und deshalb leider nicht alltagstauglich sind. Schade.

Mein Fazit: „Dirty Bistro“ ist ein repräsentatives Coffee Table Book mit schönen Bildern und netten Geschichten für Strohe-Fans bzw. Fans von Köchen, die aus der Reihe tanzen. In unserem Haushalt wird es sich aber wohl aus den oben genannten Gründen keinen festen Platz im Küchenregal erobern, in dem die regelmäßig genutzten Kochbücher stehen.

Veröffentlicht am 07.04.2026

Zuviel Drumherumgerede killt die Interessante Ausgangssituation

Ein guter Blick fürs Böse
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Eine kalifornische Vorstadt in den späten Sechzigern. Drei Frauen, deren Ehemänner als Serienmörder entlarvt und verurteilt wurden. Das Getuschel der Nachbarn hinter vorgehaltener Hand, die Zweifel an ...

Eine kalifornische Vorstadt in den späten Sechzigern. Drei Frauen, deren Ehemänner als Serienmörder entlarvt und verurteilt wurden. Das Getuschel der Nachbarn hinter vorgehaltener Hand, die Zweifel an deren Ahnungslosigkeit haben, während selbst Beverly, Elsie und Margot sich immer wieder fragen, wie sie die Anzeichen übersehen konnten. Kann man mit diesen Selbstvorwürfen, dieser Schuld, diesem Stigma weiterleben?

Sie können, weil sie müssen, denn das Leben geht weiter. Beverly kümmert sich um ihre beiden Kinder, archiviert aber gleichzeitig Zeitungsausschnitte über gewaltsame Übergriffe auf Frauen, Elsie legt den Fokus (vergeblich) auf ihre berufliche Karriere in einer Nachrichtenredaktion und Margot betäubt ihre Schuldgefühle mit Alkohol und wechselnden Männerbekanntschaften.

Doch dann häufen sich in den Nachrichten Meldungen über junge Frauen die eines gewaltsamen Todes gestorben sind, und ja, es scheint, als würde einmal mehr ein Serienmörder sein Unwesen treiben. Die Polizei tappt im Dunkeln, hat weder Plan noch Verdächtige, ist aber gleichzeitig auch blind für die Hinweise, die Beverly ihrem Polizisten-Lover gibt.

Wäre das nicht eine perfekte Ausgangslage für das Freundinnen-Trio, um den Mörder zu stellen? Wer, wenn nicht sie, können das Böse erkennen, sind prädestiniert dafür, den Täter zu entlarven und sich damit auch von peinigenden Schuldgefühlen zu befreien? Und so entschließen sie sich (auf Initiative von Beverly), den Täter ausfindig zu machen und seiner gerechten Strafe zuzuführen.

„Ein guter Blick fürs Böse“ wird zwar vordergründig als Kriminalroman vermarktet, versucht aber über weite Strecken einen feministisch geprägten Blick zurück in die Zeit eines beginnenden gesellschaftlichen Wandels zu werfen, in der die drei Frauen die ihnen zugedachten Rollen - zumindest in Ansätzen - in Frage stellen. Auch und gerade dann, wenn man ihnen Steine in den Weg legt. Und ja, ich scheue mich, das Buch als historischen Roman zu bezeichnen, denn dafür hätte es meiner Meinung eine intensivere Sicht auf die gesamt gesellschaftlichen Veränderungen im Kalifornien der sechziger Jahre bedurft.

Arnott baut die Story langsam auf, zu langsam für meinen Geschmack, kreist immer wieder um die Themen Geschlechterrollen, Freundschaft, aber auch Schuld und Sühne, was leider insbesondere in der ersten Hälfte zu Lasten der Spannung geht. Hier hätte sie straffen können und sollen, was dem Tempo durchaus zuträglich gewesen wäre, insbesondere weil die Anzahl der Verdächtigen sehr übersichtlich ist. Und auch die Konzentration auf die Charakterisierung der drei Frauen war dem Spannungsfaktor nicht wirklich zuträglich, hat sich wiederholt und meine Geduld überstrapaziert, so dass ich mich stellenweise fast schon zum Weiterlesen zwingen musste. Von einem Kriminalroman erwarte ich mir mehr: Mehr Tempo, mehr Action, mehr Spannung. Und vor allem weniger Drumherumgerede.

Veröffentlicht am 07.03.2026

Interessante Ausgangslage, die Erwartungen weckt

Giftiger Grund
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Eigentlich kann er atmosphärisch erzählen, der Herr Knüwer, hat er ja bereits mit seinem preisgekrönten Vorgänger „Das Haus, in dem Gudelia stirbt“ bewiesen, in dem er tief in die Psyche seiner Hauptfigur ...

Eigentlich kann er atmosphärisch erzählen, der Herr Knüwer, hat er ja bereits mit seinem preisgekrönten Vorgänger „Das Haus, in dem Gudelia stirbt“ bewiesen, in dem er tief in die Psyche seiner Hauptfigur eintaucht. So auch meine Erwartung an „Giftiger Grund“.

Hier nun der Einstieg in die Story mit dem Lost Place, der vergessenen und verratzten Tankstelle. irgendwo im Nirgendwo. Natürlich ein passender Hintergrund, wobei sich allerdings beim Lesen zunehmend herausstellt, dass dies nur eine vernachlässigbare Klammer ist, die die Geschichte, die er zu erzählen hat, zusammenhält.

Drei Akteure: Joran, der frisch entlassene Häftling, verurteilt für eine Straftat, die bei genauerem Hinsehen einen unglücklichen Hintergrund hat. Charu, die – ja, was ist sie eigentlich – Influencerin, Fotografin, die ihren Social Media Account mit Fotos von verlassenen, zerfallenden Gebäuden füllt. Und Edda, ein kleines Mädchen, das Nacht für Nacht die Tankstelle aufsucht...

Wir lernen diese drei Personen kennen, tauchen häppchenweise, aber leider auch recht oberflächlich, in ihre persönlichen Geschichten ein, bis sich ihre Wege kreuzen.

Knüwer macht das ziemlich geschickt. Die Perspektivwechsel bringen Abwechslung, generieren durch die alternierenden Kapitel Tempo, machen neugierig und lassen die Leserinnen Vermutungen über den Fortgang der Story anstellen.

Allerdings ist meiner Meinung nach die Ausgangslage dieser Geschichte, die als „psychologischer Kriminalroman“ vermarktet wird, wesentlich interessanter als das Endergebnis, das sich in konventionellem Friede, Freude, Eierkuchen auflöst und leider den Eindruck erweckt, als hätten wir es hier eher mit einem Schreibversuch des Autors, als mit einer fein ausgearbeiteten Erzählung zu tun, die es mit „Gudelia“ aufnehmen kann.

Fazit: Interessante Idee, mittelmäßig ausgeführt. Erwartungen nicht erfüllt.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Debüt mit Schwächen

Kala
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Es sind hohe Erwartungen, die die Besprechungen in den Kultur-Rubriken der irischen und englischen Medien für Colin Walsh wecken, wenn sie reihum sein Debüt mit den literarischen Thrillern der großartigen ...

Es sind hohe Erwartungen, die die Besprechungen in den Kultur-Rubriken der irischen und englischen Medien für Colin Walsh wecken, wenn sie reihum sein Debüt mit den literarischen Thrillern der großartigen Tana French oder mit Donna Tartts Ausnahmewerk „Die geheime Geschichte“ vergleichen. Das macht neugierig, insbesondere dann, wenn man die beiden genannten Autorinnen kennt und schätzt.

2003. Sommer in Kinlough. Die sechs Teenager Kala, Aoife, Helen, Aiden, Joe und Mush genießen den Sommer. Riskante Wettrennen, heimliche Pints, die ersten Küsse. Doch dann verschwindet am 3. November die furchtlose Kala, nach außen furchtlos, aber im Inneren eine verletzte und zutiefst verunsicherte Seele. Niemand weiß, wo sie abgeblieben ist, und plötzlich ist nichts ist mehr wie zuvor. Die Jahre vergehen, und die Freunde zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen. Anlässlich einer Hochzeit treffen sich 2018 drei von ihnen wieder in ihrer Heimatstadt: Mush, der Kinlough nie verlassen hat, Helen, die mittlerweile in Kanada lebt, und Joe, der auf eine Karriere als Musiker zurückblicken kann. Man trifft sich, die alte Vertrautheit stellt sich wieder ein. Doch dann werden in einer Baugrube die sterblichen Überreste Kalas gefunden und fast zeitgleich verschwinden wieder zwei Teenager, die beiden Schwestern Donna und Marie. Ängste werden wach, alte Erinnerungen an die Ereignisse rund um Kalas Verschwinden gelangen wieder an die Oberfläche. Was ist vor fünfzehn Jahren geschehen? Und wer ist dafür verantwortlich?

Erwachsenwerden, Freundschaften, Familiengeheimnissen, Gehen, Bleiben und Zurückkommen, das sind die Themen, die Walsh in seinem Debüt behandelt und in zwei Zeitebenen aus Sicht von Mush, Helen und Joe Revue passieren lässt. Es überlappt sich, dreht sich im Kreis und wird wiederholt, so dass man sich fragt, wann er endlich auf den Punkt kommt. Auch wenn die Charakterisierungen überwiegend als gelungen gelobt werden, kann ich dem nur bedingt zustimmen, denn vieles, auch was die Storyline angeht, habe ich so oder so ähnlich schon weitaus besser gelesen und überrascht deshalb nicht. Langer Rede kurzer Sinn, der Vergleich mit Frech und Tartt hinkt und hat meine hohen Erwartungen leider nicht erfüllt. Schade!

Veröffentlicht am 10.01.2026

Lest lieber "Shutter Island"

Die stumme Patientin
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War okay, leidlich spannend, aber mehr auch nicht.

"Faszinierend, kunstvoll geplottet, ausßergewöhnlich" - die Blurbs der Autorenkollegen überschlagen sich förmlich. Aber offenbar hat noch keine/r von ...

War okay, leidlich spannend, aber mehr auch nicht.

"Faszinierend, kunstvoll geplottet, ausßergewöhnlich" - die Blurbs der Autorenkollegen überschlagen sich förmlich. Aber offenbar hat noch keine/r von ihnen Dennis Lehans "Shutter Island" gelesen...