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Veröffentlicht am 08.04.2026

- Zwischen Fluch, Tinte und Hoffnung -

Sepia 3: Sepia und der Fluch des Tintendrachen
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Mit "Sepia und der Fluch des Tintendrachen" hat Theresa Bell ihrer Trilogie einen Abschluss geschenkt, der mich von der ersten Seite an mitgerissen hat. Dieses Buch ist nicht einfach nur spannend, sondern ...

Mit "Sepia und der Fluch des Tintendrachen" hat Theresa Bell ihrer Trilogie einen Abschluss geschenkt, der mich von der ersten Seite an mitgerissen hat. Dieses Buch ist nicht einfach nur spannend, sondern zugleich atmosphärisch, fantasievoll und voller Herz. Für mich war es ein Finale, das noch einmal alles aufbietet, was die Reihe so besonders macht: Magie, Abenteuer, Freundschaft und die tiefe Liebe zu Geschichten.

Die Tintenstadt Flohall steht diesmal am Abgrund. Ein unheimlicher, eisiger Nebel frisst sich durch die Welt, raubt Licht, verschluckt Bücher und lässt sogar Häuser verschwinden. Allein diese bedrohliche Ausgangslage sorgt sofort für Spannung. Sepia bleibt kaum Zeit zum Handeln, denn sie will nicht nur Flohall retten, sondern auch ihre verschwundenen Tintenwesen-Freunde wiederfinden. Gemeinsam mit Niki und Sanzio begibt sie sich auf eine gefährliche Reise, die sie durch ein verborgenes Portal in eine sagenumwobene Welt führt. Dort stößt sie auf die Geschichte der legendären Flo – und auf ein Geheimnis, das viel düsterer ist, als zunächst zu ahnen war.

Besonders gefallen hat mir, wie Theresa Bell klassische Fantasy-Elemente mit einer modernen, glaubwürdigen Freundschaftsgeschichte verbindet. Sepia ist eine Figur, mit der ich auch in diesem dritten Band sofort mitgefiebert habe. Sie ist mutig, klug und gleichzeitig nahbar, weil sie nicht unfehlbar ist. Gerade das macht sie so stark. Auch das Zusammenspiel mit Niki und Sanzio hat mir wieder sehr gefallen, weil die Freundschaft zwischen den Figuren nie nur Beiwerk ist, sondern das Herz der Geschichte bildet.

Der Schreibstil liest sich angenehm flüssig und hat mich mühelos durch die Seiten getragen. Gleichzeitig ist die Handlung temporeich erzählt, ohne dabei oberflächlich zu wirken. Immer wieder gibt es Momente voller Spannung, Staunen und auch emotionaler Tiefe. Am Ende fügt sich alles stimmig zusammen, und ich hatte wirklich das Gefühl, dass diese Geschichte genau so enden musste. Das ist für mich bei einem Trilogie-Finale nicht selbstverständlich.

Auch optisch ist das Buch ein kleines Schmuckstück. Das hochwertige Hardcover, das Lesebändchen, die Vignetten zu Beginn der Kapitel und das wunderschön illustrierte Cover machen das Lesen noch besonderer. Gerade für Fantasy-Fans ist dieses Buch auch als Geschenk ein echter Treffer.

Für mich ist "Sepia und der Fluch des Tintendrachen" ein würdiger, packender und rundum gelungener Abschluss. Das empfohlene Lesealter liegt zwar bei 10-12 Jahren, aber ich finde, dass auch Erwachsene an dieser magischen Geschichte große Freude haben können. Wer Abenteuer liebt und daran glaubt, dass Geschichten eine eigene Macht besitzen, sollte sich dieses Finale nicht entgehen lassen.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Zwischen Sehnsucht und Anpassung

Die Verwandlungen der Füchsin
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Mit Die Verwandlungen der Füchsin von Yang Zhi habe ich mein erstes Manhua gelesen – und war vom ersten Moment an überrascht, wie viel Gefühl, Tiefe und Aussagekraft in diesen 230 Seiten stecken. Dieses ...

Mit Die Verwandlungen der Füchsin von Yang Zhi habe ich mein erstes Manhua gelesen – und war vom ersten Moment an überrascht, wie viel Gefühl, Tiefe und Aussagekraft in diesen 230 Seiten stecken. Dieses hochwertig gestaltete Klappbroschur-Buch erzählt weit mehr als nur eine fantastische Geschichte über Fuchsgeister: Für mich war es eine poetische, kluge und berührende Parabel über Identität, Erwachsenwerden und die Frage, ob wir unserem eigenen Herzen folgen oder uns dem anpassen, was andere von uns erwarten.

Im Mittelpunkt stehen zwei Füchsinnen, die über Jahrhunderte hinweg immer wieder menschliche Gestalt annehmen. Beide verfolgen dabei ein ganz eigenes Ziel. Die eine sehnt sich nach wahrer Liebe und nach einem Menschen, der sie in ihrer wirklichen Natur annimmt. Die andere wählt den Weg der Leistung, der Anerkennung und der Anpassung, in der Hoffnung, eines Tages selbst ganz Mensch werden zu können. Aus dieser Gegensätzlichkeit entwickelt sich eine Geschichte, die gleichermaßen märchenhaft und erschreckend nah an unserer Realität ist. Denn obwohl die beiden die Menschen durchschauen, ihre Gedanken lesen und Herzen beeinflussen können, bleiben sie doch nicht verschont von deren Schwächen, Abgründen und Intrigen.

Besonders beeindruckt hat mich, wie lebendig und nahbar die beiden Hauptfiguren gezeichnet sind. Ich konnte mich auf ganz unterschiedliche Weise in beide hineinfühlen. Gerade weil ihre Wünsche so verschieden sind, spiegeln sie zwei Haltungen wider, die wohl viele Menschen in sich tragen: den Wunsch, um seiner selbst willen geliebt zu werden, und die Versuchung, sich Anerkennung durch Anpassung zu verdienen. Diese innere Spannung macht das Manhua für mich so spannend und gleichzeitig so tiefgründig.

Auch erzählerisch hat mich das Buch sehr überzeugt. Die Handlung ist dicht, vielschichtig und dabei stets fesselnd. Jede Wendung eröffnet neue Perspektiven, und nach und nach setzt sich alles zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Dabei gelingt Yang Zhi etwas, das ich sehr mag: Die Geschichte wirkt nie überladen, sondern bleibt klar, konzentriert und prägnant. Sie kommt mit vergleichsweise wenigen Worten aus und entfaltet ihre Wirkung gerade dadurch umso stärker.

Hinzu kommt die visuelle Gestaltung, die ich wirklich wunderschön fand. Die Zeichnungen sind ausdrucksstark, stimmungsvoll und oft geradezu bildgewaltig. Sie tragen die Emotionen, die Zwischentöne und die philosophischen Fragen dieser Geschichte auf ganz besondere Weise. Warmherzigkeit, Humor, Melancholie und Gesellschaftskritik greifen hier ganz selbstverständlich ineinander.

Für mich ist Die Verwandlungen der Füchsin eine eindrucksvolle, kluge und berührende Fabel, die noch lange nachhallt. Ein Werk über Sehnsucht, Selbstfindung und die Risiken der Anpassung – poetisch, spannend und voller Bedeutung. Für mich steht fest: Dies war ganz sicher nicht mein letztes Manhua. Ich halte dieses Buch für altersübergreifend lesenswert, weil es auf mehreren Ebenen berührt und zum Nachdenken anregt. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Frühling aus Tinte und Mut

Flora Brimble und der verlorene Frühling
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„Flora Brimble und der verlorene Frühling“ von Marcus Raffel ist ein fantasievolles Kinderbuch, das mich mit seiner magischen Atmosphäre und seinen liebenswerten Figuren schnell für sich eingenommen hat. ...

„Flora Brimble und der verlorene Frühling“ von Marcus Raffel ist ein fantasievolles Kinderbuch, das mich mit seiner magischen Atmosphäre und seinen liebenswerten Figuren schnell für sich eingenommen hat. Die Geschichte spielt in dem kleinen englischen Dorf Rye, wo der Winter einfach nicht enden will. Auch Flora selbst fühlt sich so grau und mutlos wie die Welt um sie herum. Doch an ihrem Geburtstag beginnt für sie mit einer besonderen Tinte das größte Abenteuer ihres Lebens: Sie macht sich auf die Suche nach der Maikönigin, um den Frühling zurückzuholen …

Besonders schön finde ich, wie Marcus Raffel seine Figuren gestaltet. Flora ist eine Heldin, mit der ich sofort mitfühlen konnte. Sie ist nicht einfach nur mutig, sondern wächst Schritt für Schritt über sich hinaus. Gerade das macht sie glaubwürdig und nahbar. Auch die Begegnungen auf ihrer Reise verleihen der Geschichte ihren besonderen Charme: ein kluger Kobold, ein sprechendes Eichhörnchen und dazu eine Hexe, die alles daransetzt, Flora scheitern zu sehen. Diese Mischung aus liebenswerten, schrägen und bedrohlichen Figuren sorgt dafür, dass die Handlung lebendig und abwechslungsreich bleibt.

Was mir ebenfalls sehr gefallen hat, ist die Botschaft des Buches. Hinter der abenteuerlichen Quest steckt viel mehr als nur Magie und Spannung. Es geht um Angst und darum, sich ihr entgegenzustellen. Es geht um Hoffnung, gerade dann, wenn alles trostlos erscheint. Und es geht um Freundschaft, Fantasie und die Frage, wie viel Kraft in Geschichten stecken kann. Das ist sehr stimmungsvoll erzählt und wirkt an keiner Stelle belehrend.

Auch sprachlich hat mich das Buch überzeugt. Der Stil liest sich flüssig, atmosphärisch und angenehm bildhaft. Gerade für ein Kinderbuch ab etwa zehn Jahren finde ich das sehr gelungen, weil die Sprache zugänglich ist, ohne dabei an Zauber zu verlieren. Die Geschichte hat Tempo, aber auch genug Herz, um den Figuren und ihrer Entwicklung Raum zu geben.

Für mich ist Flora Brimble und der verlorene Frühling ein rundum gelungenes Fantasy-Abenteuer mit viel Wärme, Witz und Magie. Wer klassische Kinderfantasy liebt, gerne mit mutigen Heldinnen mitfiebert und eine Geschichte sucht, die spannend und hoffnungsvoll zugleich ist, sollte sich dieses Buch unbedingt gönnen. Es ist sehr lesenswert und wie gemacht für alle, deren Lieblingsjahreszeit der Frühling ist.

Absolut klasse sind im Übrigen auch das wunderschöne Cover und der Farbschnitt!

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Wenn eine Maus das Leben wieder ankurbelt

Eine Maus namens Merlin
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Manchmal braucht es keinen großen Knall, um etwas in uns zu verändern. Manchmal reicht ein winziger Gast, der völlig ungeplant in unser Leben tritt, und plötzlich ist da wieder Bewegung. Genau dieses leise ...

Manchmal braucht es keinen großen Knall, um etwas in uns zu verändern. Manchmal reicht ein winziger Gast, der völlig ungeplant in unser Leben tritt, und plötzlich ist da wieder Bewegung. Genau dieses leise Wunder erzählt Simon van Booy in „Eine Maus namens Merlin“: melancholisch, tragikomisch, unglaublich empathisch und am Ende so tröstlich, dass ich das Buch mit einem rundum wohligen Gefühl wieder zugeklappt habe.

Im Mittelpunkt steht Helen Cartwright, 83 Jahre alt, Witwe, erschöpft von Verlust und Einsamkeit. Nach sechzig Jahren in Australien kehrt sie in die Nähe von Oxford zurück – in den Ort, in dem sie geboren wurde. Sie kauft ein kleines Haus mit senfgelber Tür und lebt dort zurückgezogen, Tag für Tag in einer Routine, die eher nach „Warten“ klingt als nach Leben.

Und dann taucht Merlin auf: eine Maus, klein, unscheinbar und doch der Auslöser für etwas, das Helen längst nicht mehr für möglich gehalten hat. Zunächst will sie den unerwarteten Besucher natürlich wieder loswerden. Aber gerade diese Versuche führen sie hinaus: in den Tierhandel, in die Bibliothek, in den Eisenwarenladen. Es sind keine spektakulären Stationen – aber genau darin liegt die Magie. Schritt für Schritt, fast widerwillig, tritt Helen wieder in Kontakt mit Menschen. Begegnungen entstehen, Nachbarn werden wieder zu Stimmen, zu Gesichtern, zu Möglichkeiten. Und während Merlin in der Küche aus einem kleinen Flaschendeckel trinkt, beginnt Helen, sich selbst wieder näherzukommen.

Was mich besonders berührt hat: Die Geschichte ist stimmig und ruhig erzählt, unprätentiös im besten Sinne. Van Booy setzt nicht auf platte Effekte, sondern auf feine Beobachtungen. Die Maus wird dabei zu einem wunderschönen Symbol: dafür, dass im Kleinen oft das Großartige liegt und dass Wunder oft dort passieren, wo man sie am wenigsten erwartet. Und dass es zweite Chancen gibt, nicht als kitschige Lebenswende, sondern als leises Wiederverbinden mit dem, was im Inneren noch da ist.

Auch die Darstellung der Figuren finde ich sehr gelungen. Alle sind sympathisch, menschlich und unaufgeregt gezeichnet. Helen wirkt glaubwürdig in ihrer Trauer und ihrer Skepsis, und gerade deshalb fühlt sich ihr vorsichtiges Aufblühen so echt an. Sprachlich hat mich der Roman ebenfalls überzeugt: Er ist sensibel, charmant und zugleich pointiert. Diese Mischung aus Feinsinn und Komik trägt durch das ganze Buch. Und ja: Das Cover ist einfach nur zauberhaft. Es ist ein Blickfang, der den Ton der Geschichte perfekt einfängt.

Fazit: „Eine Maus namens Merlin“ ist ein Roman über Einsamkeit, Verlustängste und die heilende Kraft der Freundschaft, aber vor allem auch über Lebensfreude und Lebensmut, die manchmal in der kleinsten Begegnung beginnen. Für mich persönlich war es eine echte Trostlektüre: hoffnungsvoll, berührend und auf eine stille Art beglückend.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Ein Briefladen gegen die Eile in der Welt

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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Was für ein wundervoller Roman! Beim Lesen hatte ich das Gefühl, langsamer und aufmerksamer zu werden, so als würde jemand sanft die Hand auf meine Schulter legen und sagen: Lass dir Zeit!

Im Mittelpunkt ...

Was für ein wundervoller Roman! Beim Lesen hatte ich das Gefühl, langsamer und aufmerksamer zu werden, so als würde jemand sanft die Hand auf meine Schulter legen und sagen: Lass dir Zeit!

Im Mittelpunkt steht Hyoyeong, eine junge Frau, die sich selbst irgendwo zwischen Alltag und Erwartungen verloren hat. Als sie im Briefladen zu arbeiten beginnt, begegnet sie Menschen, die ihre innersten Gedanken nicht in Chats oder Sprachnachrichten, sondern in handgeschriebenen Briefen festhalten. Hoffnungen, Zweifel, Sehnsüchte, alles bekommt Raum, alles darf existieren. Während Hyoyeong zuhört und liest, findet sie Schritt für Schritt zurück zu sich selbst. Fast unmerklich und ganz ohne Pathos.

Was mich besonders berührt hat, ist die Grundidee des Romans: Worte als Brücke. Briefe als Möglichkeit, Nähe herzustellen, selbst dann, wenn man sich vielleicht nie persönlich begegnet. Die Autorin, Baek Seungyeon, erzählt davon ruhig und klar, ohne sprachliche Schnörkel, aber mit viel Gefühl. Die Sprache ist zugänglich, warm und trägt diese cozy Stimmung, die die Lektüre des Buchs so angenehm macht. Ich habe mich beim Lesen oft dabei ertappt, wie ich langsamer umblätterte, um diesen gewissen Vibe nicht zu verlieren.

Auch formal ist der Roman sehr lesefreundlich gestaltet. Zu Beginn helfen kurze Steckbriefe, die Figuren einzuordnen, am Ende erleichtert ein Glossar den Zugang zu koreanischen Begriffen und Speisen. Besonders hilfreich fand ich auch die Lautschrift der Namen, ein kleines Detail, das viel ausmacht und zeigt, wie sorgfältig dieses Buch gemacht ist.

Das Cover passt perfekt zur Geschichte: Es wirkt ruhig, einladend, fast wie ein Versprechen. Und genau so fühlt sich auch der Inhalt an. Es ist eine Geschichte über Freundschaft, über die Suche nach Glück und auch ein bisschen über die Liebe. Nicht als großes Ziel, sondern als etwas, das in kleinen Momenten auftaucht.

Für mich ist dieser Roman die ideale Lektüre für ein entspanntes Wochenende auf dem Sofa mit meinem Lieblingstee und einer kuscheligen Decke. Und ich habe das Buch mit einer leisen Sehnsucht geschlossen: nach mehr echten Worten, nach Briefen – und nach Briefläden, die nicht nur in Romanen existieren.

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