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Veröffentlicht am 19.04.2026

Erschreckend anders ...

Ich, die ich Männer nicht kannte
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ICH, DIE ICH MÄNNER NICHT KANNTE
Jacqueline Harpman
ET: 14.03.26
Vierzig Frauen werden in einem Käfig in einem Keller gefangen gehalten. Sechs Männer bewachen sie, sorgen für Nahrung und achten darauf, ...

ICH, DIE ICH MÄNNER NICHT KANNTE
Jacqueline Harpman
ET: 14.03.26
Vierzig Frauen werden in einem Käfig in einem Keller gefangen gehalten. Sechs Männer bewachen sie, sorgen für Nahrung und achten darauf, dass sie Abstand zueinander halten – sprechen jedoch kein Wort mit ihnen. Stattdessen drohen sie mit ihrer Peitsche.

Wie die Frauen dorthin gekommen sind, wissen sie nicht mehr. Ihre Erinnerungen an ein früheres Leben, an Familien und Kinder, sind nur noch bruchstückhaft vorhanden – ausgelöscht durch die vielen Drogen, die sie zu Beginn nehmen mussten. Die namenlose Ich-Erzählerin ist die Jüngste unter ihnen und kennt kein Leben außerhalb dieses Kellers.

Eines Tages geschieht das Unfassbare: Als ein Wächter gerade die Käfigtür öffnen will, ertönt ein schriller Alarm. Die Aufpasser verschwinden plötzlich und kehren nicht zurück. Den Frauen gelingt es, den Schlüssel zu greifen und sich zu befreien.

Doch die Welt außerhalb ihres Gefängnisses ist nicht die, die sie erwartet haben. Schnell wird klar, dass sie sich nicht mehr auf der Erde befinden. Auf der Suche nach einer Stadt ziehen sie los – nur um weitere unterirdische Gefängnisse zu entdecken, in denen jeweils vierzig Männer oder Frauen eingesperrt sind. Anders als sie hatten diese jedoch nicht das Glück, den Schlüssel zu erreichen …

Ob sich am Ende klärt, warum die Menschen gefangen gehalten werden und was mit den Wächtern geschehen ist, müsst ihr selbst herausfinden.

Was für eine krasse Dystopie! Der Roman erschien ursprünglich 1995 und wurde nun im Klett-Cotta Verlag neu aufgelegt. Wer düstere, geheimnisvolle und atmosphärische Geschichten liebt, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.

Ich habe das Buch sowohl gelesen als auch gehört und habe der Stimme von Vera Teltz im Hörbuch sehr gerne gelauscht.

Gerne empfehle ich euch das Buch beziehungsweise das Hörbuch.
4/5

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  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.04.2026

Sehr gute Unterhaltung

Salto
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SALTO
Kurt Prödel
ET: 23.02.26
Sprecher: Lukas von Horbatschewsky

Marco hat sein Abitur als Jahrgangsbester abgeschlossen – auch wenn das in seiner Stufe vielleicht nicht allzu viel aussagt. Trotzdem ...

SALTO
Kurt Prödel
ET: 23.02.26
Sprecher: Lukas von Horbatschewsky

Marco hat sein Abitur als Jahrgangsbester abgeschlossen – auch wenn das in seiner Stufe vielleicht nicht allzu viel aussagt. Trotzdem verfolgt er konsequent seinen Plan, Medizin zu studieren. Dieser Traum verbindet ihn mit seiner verstorbenen Mutter, die sich gewünscht hatte, gemeinsam mit ihm im selben Krankenhaus zu arbeiten – sie als Krankenschwester, er als Arzt.

Zusammen mit seiner Freundin Claire will Marco dafür nach München gehen. Doch daraus wird nichts: Er erhält keine Zusage von den Universitäten, bei denen er sich beworben hat. Als einzige Möglichkeit bleibt ihm ein Medizinstudium an einer privaten Universität in Budapest – eigentlich unbezahlbar. Unerwartet ergibt sich jedoch eine finanzielle Lösung, die ihm diesen Weg doch eröffnet.

In Budapest entwickelt sich jedoch alles ganz anders, als Marco es sich vorgestellt hat. Das Leben selbst funkt dazwischen und stellt seine Pläne auf den Kopf. Was genau passiert, sollte man am besten selbst entdecken.

Der Roman ist eine außergewöhnliche Liebes- und Coming-of-Age-Geschichte, die unerwartet eine tiefgreifende Wendung nimmt. Marco war mir als Protagonist sehr sympathisch, während ich zu Claire leider keinen richtigen Zugang gefunden habe. Das Hörbuch hat mir gut gefallen: Lukas von Horbatschewsky liest angenehm und bringt die Stimmung der Geschichte gut rüber. Als kleinen Kritikpunkt möchte ich anführen, dass mir der Teil, rund um seine Krankheit stellenweise etwas zu detailliert war.

Fazit:
Ein Coming-of-Age Geschichte über Träume, Realität und die unvorhersehbaren Wendungen des Lebens. Ein Hörbuch, das ich sehr gerne gehört habe.
4/5

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.03.2026

Sehr guter Read!

Alles, wovor ich Angst habe, ist schon passiert
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ALLES, WOVOR ICH ANGST HABE, IST SCHON PASSIERT
Wencke Mühleisen
ET: 25.03.25

„Wenn Veränderung Verlassen bedeutet, dann bedeutet Veränderung auch Verlassenwerden.“ (S. 217)
Mit fast 70 Jahren wird die ...

ALLES, WOVOR ICH ANGST HABE, IST SCHON PASSIERT
Wencke Mühleisen
ET: 25.03.25

„Wenn Veränderung Verlassen bedeutet, dann bedeutet Veränderung auch Verlassenwerden.“ (S. 217)
Mit fast 70 Jahren wird die Protagonistin von ihrem Mann verlassen – ein Schock, der tief sitzt. Nach einer Phase der Starre wächst jedoch in ihr der Wunsch, wieder ins Leben zurückzufinden. Doch wie – und vor allem wo – findet man in diesem Alter noch einen verlässlichen Partner?

Die Realität ist ernüchternd: Die meisten Männer in ihrem Umfeld sind verheiratet, und die Pandemie verstärkt ihre Isolation zusätzlich. Schließlich versucht sie ihr Glück auf einem Datingportal. Doch auch dort wird sie enttäuscht: Männer in ihrem Alter suchen meist deutlich jüngere Frauen, während ihre eigenen Matches nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Mit zartem Humor beschreibt sie ihre Begegnungen und Gedanken – vom Schmerbauch bis hin zu unerwünschten Einblicken, die sie lieber vermeiden würde.

Ob es der Protagonistin gelingt, ihr Glück neu zu finden, sollte man am besten selbst herausfinden.

Wencke Mühleisen ist hier ein sehr authentischer und literarisch überzeugender Roman gelungen. Einige Stellen haben mich zum Schmunzeln gebracht, andere wiederum sehr berührt und zum Nachdenken angeregt. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Geschichte zwar schonungslos realistisch ist, am Ende aber auch Hoffnung und Mut vermittelt.

Fazit:
Ein sehr gutes Buch, das ich gerne weiterempfehle – besonders für eine reifere Leserschaft.
4/5

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Feine Geschichte ...

Villa Rivolta
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VILLA RIVOLTA
Daniel Speck
ET: 25.02.26

Mailand, Italien 1945:
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Valeria und Piero, die sich seit Kindertagen kennen. Doch während Piero der Sohn des großen Automobilherstellers ...

VILLA RIVOLTA
Daniel Speck
ET: 25.02.26

Mailand, Italien 1945:
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Valeria und Piero, die sich seit Kindertagen kennen. Doch während Piero der Sohn des großen Automobilherstellers Renzo Rivolta ist und in der prächtigen Villa lebt, arbeitet Valerias Mutter als Haushälterin für die Familie. Schon früh hat Valerias Mutter ihr eingeschärft, dass sie nichts anfassen oder annehmen darf, dass ihre Grenze die Küche ist und sie im Haus eigentlich nicht willkommen ist. Trotzdem besucht Valeria immer wieder Piero, und zwischen den beiden entwickelt sich eine enge Freundschaft.

Wir begleiten sie bis ins Erwachsenenalter durch die goldenen Jahre Italiens. Während Piero Valeria nur freundschaftlich verbunden bleibt, verliebt sie sich in ihn. Zu spät erkennt sie, dass ihre unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergründe immer zwischen ihnen stehen werden.

Mailand, Italien 1979:
Der 14-jährige Tonino, der Sohn der alleinerziehenden Valeria, findet in einem Graben im Garten eine deutsche Pistole aus dem Zweiten Weltkrieg. Er macht den Fehler, die Waffe mit in die Schule zu nehmen. Als er versucht, sie mit einem Freund gegen einen Walkman zu tauschen, werden die beiden von einem Lehrer erwischt. Tonino wird daraufhin von der Schule suspendiert. Als er seine Mutter fragt, wie die Pistole überhaupt in den Garten gekommen ist, beschließt Valeria, ihm endlich die Wahrheit zu erzählen – eine Wahrheit, über die bislang geschwiegen wurde.

Daniel Speck erzählt hier eine große Familiengeschichte. Es geht um politische Umbrüche, um soziale Ungleichheit und um eine Liebe, die von Anfang an unter schwierigen Vorzeichen steht.

Besonders gut gefallen hat mir das eingewobene Stück Zeitgeschichte: der Bau der Isetta, die Höhen und Tiefen des Familienunternehmens, soziale Missstände sowie das Dolce Vita der Reichen. Gleichzeitig gibt der Roman spannende Einblicke in die Unterschiede und Spannungen zwischen Nord- und Süditalien.

Ich durfte das Buch lesen und hören. Sehr gerne habe ich dem Autor gelauscht.
Fazit:
Eine feinsinnige Erzählung, die mich sehr gut unterhalten hat. Wer bereits „Bella Germania“ mochte, wird auch hier wieder auf seine Kosten kommen.
4/5

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2026

Tolle Hörstunden

Villa Rivolta
0

VILLA RIVOLTA
Daniel Speck
ET: 25.02.26

Mailand, Italien 1945:
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Valeria und Piero, die sich seit Kindertagen kennen. Doch während Piero der Sohn des großen Automobilherstellers ...

VILLA RIVOLTA
Daniel Speck
ET: 25.02.26

Mailand, Italien 1945:
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Valeria und Piero, die sich seit Kindertagen kennen. Doch während Piero der Sohn des großen Automobilherstellers Renzo Rivolta ist und in der prächtigen Villa lebt, arbeitet Valerias Mutter als Haushälterin für die Familie. Schon früh hat Valerias Mutter ihr eingeschärft, dass sie nichts anfassen oder annehmen darf, dass ihre Grenze die Küche ist und sie im Haus eigentlich nicht willkommen ist. Trotzdem besucht Valeria immer wieder Piero, und zwischen den beiden entwickelt sich eine enge Freundschaft.

Wir begleiten sie bis ins Erwachsenenalter durch die goldenen Jahre Italiens. Während Piero Valeria nur freundschaftlich verbunden bleibt, verliebt sie sich in ihn. Zu spät erkennt sie, dass ihre unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergründe immer zwischen ihnen stehen werden.

Mailand, Italien 1979:
Der 14-jährige Tonino, der Sohn der alleinerziehenden Valeria, findet in einem Graben im Garten eine deutsche Pistole aus dem Zweiten Weltkrieg. Er macht den Fehler, die Waffe mit in die Schule zu nehmen. Als er versucht, sie mit einem Freund gegen einen Walkman zu tauschen, werden die beiden von einem Lehrer erwischt. Tonino wird daraufhin von der Schule suspendiert. Als er seine Mutter fragt, wie die Pistole überhaupt in den Garten gekommen ist, beschließt Valeria, ihm endlich die Wahrheit zu erzählen – eine Wahrheit, über die bislang geschwiegen wurde.

Daniel Speck erzählt hier eine große Familiengeschichte. Es geht um politische Umbrüche, um soziale Ungleichheit und um eine Liebe, die von Anfang an unter schwierigen Vorzeichen steht.

Besonders gut gefallen hat mir das eingewobene Stück Zeitgeschichte: der Bau der Isetta, die Höhen und Tiefen des Familienunternehmens, soziale Missstände sowie das Dolce Vita der Reichen. Gleichzeitig gibt der Roman spannende Einblicke in die Unterschiede und Spannungen zwischen Nord- und Süditalien.

Ich durfte das Buch lesen und hören. Sehr gerne habe ich dem Autor gelauscht.
Fazit:
Eine feinsinnige Erzählung, die mich sehr gut unterhalten hat. Wer bereits „Bella Germania“ mochte, wird auch hier wieder auf seine Kosten kommen.
4/5

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