Falsche Botschaft!
Meine dunkle VanessaVanessa schläft mit fünfzehn das erste Mal mit ihrem Englisch-Lehrer, Jacob Strane. Strane ist der einzige Mensch, der sie wirklich versteht und für sie steht fest: es ist Liebe und alles was zwischen ...
Vanessa schläft mit fünfzehn das erste Mal mit ihrem Englisch-Lehrer, Jacob Strane. Strane ist der einzige Mensch, der sie wirklich versteht und für sie steht fest: es ist Liebe und alles was zwischen den beiden passiert, passiert mit ihrem Einverständnis. Jahre später wird Strane von einer ehemaligen Schülerin wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt, ändert das Vanessas Blick auf ihre eigene Vergangenheit?
Meine dunkle Vanessa von Kate Elizabeth Russell erleben wir aus der Perspektive Vanessas zu drei verschiedenen Zeitpunkten. Russell gelingt es unglaublich gut diese Perspektiven und Gedanken zu beleuchten und einzufangen, dabei geht sie ins Detail und man kann die Dunkelheit der Geschichte förmlich spüren.
Und obwohl Russell wirklich gut den Inhalt übermittelt und man die Details der Geschichte erkennt, die Arbeit darin förmlich spürt, gibt es zu viel Aspekte, die mir absolut nicht gefallen.
Weswegen es mir selten schwerer fiel eine (schlechte) Rezension zu schreiben, auch weil ich das Thema und das Gespür für solche Übergriffe super wichtig finde, dennoch bleibt am Ende ein fader Beigeschmack an der Geschichte haften.
Aber von vorn: Vanessas Perspektive aus der Vergangenheit gefällt mir am besten. Ihre ambivalenten Gefühle für die Situation, das Erlauben von Dingen und doch der große Zwiespalt, die Zweifel und immer wieder der Schimmer von Erkenntnissen, dass er vielleicht doch mehr dafür macht, dass sie etwas zustimmt, was sie eigentlich nicht möchte. Diese Details wurden unglaublich gut gestreut und dennoch fühlt man als Leser:in, dass Vanessa Opfer wurde.
Umso schlimmer ist dann die Perspektive Vanessas in der Gegenwart. Opfer sexuellen Missbrauchs werden kleingeredet, weil sie weniger schlimme Dinge erfahren haben als sie selbst und das obwohl ihr selbst weiterhin die Erkenntnis fehlt, dass ihr wirklich etwas angetan wurde. Ja, diese Gedankenwelt gibt es und doch fehlt mir der Aufbruch, der extrem wichtig ist. Opfer haben es heutzutage schwer genug, da braucht es keine Protagonistin, die klaren Missbrauch nicht erkennt. In diesem Buch wird sämtliche Hoffnung zerstört, dass Opfern geglaubt wird und ich hatte am Ende das Gefühl, dass der Geschichte der rote Faden fehlt. Ich weiß nicht, was die Autorin mir mit dieser Geschichte vermitteln wollte.
Auch die ambivalenten Gefühle in der Gegenwart hätten (!) funktionieren können, wenn der Aufbruch gekommen wäre, wenn Vanessa den Punkt erreicht hätte zu Erkennen, dass sie zum Opfer wurde. Aber der kam nicht und so bleibt Vanessa als unsympathische Protagonistin zurück und das obwohl ihr Leid aus der Vergangenheit enorm groß ist.