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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2022

Interessanter Einblick in das Leben einer Bergarbeiterfamilie

Die Sehnsucht nach Licht
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Mein Interesse an "Die Sehnsucht nach Licht" von Kati Naumann hat das Thema Bergbau geweckt, da ich bis jetzt noch kein Buch darüber gelesen habe und meine
Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

In dem ...

Mein Interesse an "Die Sehnsucht nach Licht" von Kati Naumann hat das Thema Bergbau geweckt, da ich bis jetzt noch kein Buch darüber gelesen habe und meine
Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

In dem Roman historischen Roman folgt man der Familie Steiner aus dem Schlematal im Erzgebirge, deren Familiengeschichte eng mit dem Bergbau im Schlematal verknüpft ist.

Anhand von zwei Zeitsträngen, einem in der Gegenwart rund um Luisa, die als Führerin in einem Besucherbergwerk arbeitet, und einem anderen in der Vergangenheit, der sich von 1908 bis zur Wendezeit erstreckt, wird man Zeuge der Tragödien und freudigen Momente der Familie Steiner und der historischen Entwicklung des Bergbaus in dieser Zeitspanne. Geschickt werden beide Erzählstränge miteinander verknüpft, wobei das Mysterium rund um das Schicksal des Großonkels Rudolf für mich den Spannungsbogen hochgehalten hat.

Der Schreibstil der Autorin ist detailliert und atmosphärisch, wodurch es einem beim Lesen einfach gelingt, in die faszinierende Geschichte über den Bergbau im erzgebirgischen Schlematal und der fiktiven Geschichte über die Familie mit all ihren Tiefen und Höhen einzutauchen. Neumann schafft es hierbei, authentische Charaktere zu zeichnen und den Zeitgeist sowie den Alltag und die Traditionen einer vom Bergbau geprägten Familie und Region einzufangen.
Doch so spannend es beim Lesen auch war, mehr über das Leben einer Bergarbeiterfamilie, den Uranbergbau und die Auswirkungen der jeweiligen politischen Situation zu erfahren, lässt die Spannung besonders im Mittelteil des Buches nach. Auch der Schreibstil, der oft mehr Erzählen als Zeigen ist, war dem Lesegenuss stellenweise abträglich.

Trotz mancher Schwächen ist "Die Sehnsucht nach Licht" von Kati Naumann insgesamt ein teils fesselnder und sehr informativer historischer Roman über den Bergbau im Erzgebirge und allein deswegen lesenswert.

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Veröffentlicht am 18.10.2022

Düstere Dystopie - poetisch, aber emotionslos erzählt

Das Gesetz der Natur
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In Neuamerika leben die Menschen nach dem Gesetz der Natur in einer apokalyptisch anmutenden Welt, die den Anfängen des menschlichen Zusammenlebens gleicht. Nach einer nicht näher beschriebenen Atomkatastrophe ...

In Neuamerika leben die Menschen nach dem Gesetz der Natur in einer apokalyptisch anmutenden Welt, die den Anfängen des menschlichen Zusammenlebens gleicht. Nach einer nicht näher beschriebenen Atomkatastrophe wurde fast die ganze Weltbevölkerung ausgelöscht und die Welt war lange Zeit so stark verseucht, dass viele Mutanten auf die Welt kamen. Eine solche Mutantin ist die Hauptprotagonistin Gaia Marino. Versteckt in den Wäldern lebt sie zu Beginn des Buches das Leben einer Aussätzigen mit zwei Männern zusammen. Was Gaia besonders macht, ist, dass sie Lesen kann, denn in den neu entstandenen Gesellschaften nach der Katastrophe ist das Lesen nur wenigen Auserwählten gestattet. Als sie in Gefangenschaft gerät, rettet genau diese Fähigkeit ihr das Leben. Sie verspricht, sich auf die Suche nach den letzten Büchern zu machen.

Die Stimmung des Romans ist passend für eine Dystopie, düster und teils melancholisch gehalten. Erzählt wird die Geschichte um Gaia in einem lyrischen und teils predigt- bzw. bibelähnlichen Schreibstil, der nicht immer leicht zu lesen ist und durch seine fehlende persönliche Note verhindert, dass eine emotionale Nähe zu der Hauptprotagonistin sowie den anderen Charakteren aufgebaut wird. Besonders im Mittelteil des Buches leidet darunter der Spannungsbogen erheblich. Zum Ende hin nimmt der Roman dann wieder an Fahrt auf, endet jedoch ziemlich abrupt und lässt viele Fragen offen die (hoffentlich) in den nächsten Bänden geklärt werden.

"Das Gesetz der Natur" von Solomonica de Winter kann mit einem interessanten Setting und einer tollen Idee aufwarten, jedoch konnte die Umsetzung mich nicht komplett begeistern. Besonders der Mittelteil hatte ein paar Längen und sprachlich stand der Roman sich manchmal selbst im Weg, was das Eintauchen in die Geschichte erschwerte. Für Liebhaber von düsteren und anspruchsvolleren Dystopien jedoch empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 23.06.2022

Was ist Wahrheit und was nicht?

His Dark Whisper
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Zu Beginn von „His Dark Whisper“ begegnen die Leser*innen Keegan, der er es bis jetzt nicht leicht in seinem Leben hatte. Er ist von Zweifeln und pessimistischen Gedanken geprägt und auch nicht ohne Hass. ...

Zu Beginn von „His Dark Whisper“ begegnen die Leser*innen Keegan, der er es bis jetzt nicht leicht in seinem Leben hatte. Er ist von Zweifeln und pessimistischen Gedanken geprägt und auch nicht ohne Hass. Als Keegan sich an einem absoluten Tiefpunkt in seinem Leben befindet, wird Lark, die Stimme in seinem Kopf, zu einer realen Person und nimmt ihn auf die Reise in eine andere Welt voller Gefahren und Abenteuer und auch auf eine Reise zu sich selbst. Doch wieso erscheint Lark genau zu diesem Zeitpunkt? Was ist Fiktion und was ist Realität?

Das Buch ist spannend von Anfang bis zum Ende und voll von überraschenden Wendungen. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive Keegans mit Ausnahme einiger Kapitel, die aus Sicht von Paro erzählt werden. Es ist ein Mix aus Fantasyroman und Elementen aus anderen Mythologien. Von den ersten Seiten an ist mir besonders Keegan ans Herz gewachsen, auch wenn er im Verlauf der Geschichte nicht immer einfach war zu mögen. Keegans persönliche Charakterentwicklung ist nachvollziehbar und authentisch, er ist nicht perfekt und hat seine guten wie schlechten Seiten, aber er gibt nicht auf und kämpft weiter.

Der Schreibstil der Autorin gefiel mir gut, er ist atmosphärisch und leicht poetisch. Was mir nicht so gut gefiel, war, dass es mir teilweise etwas zu schnell ging, wodurch die Geschichte an manchen Stellen leicht verwirrend war. Auch war es nicht immer leicht zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden.

„His Dark Whisper“ ist kein leichtes Buch und keines, das man so nebenbei liest, man muss sich auf die behandelten Themen (Triggerwarnungen im Buch) und die Handlung einlassen können, doch wenn man dazu bereit ist, wird man mit einer gut erzählten und außergewöhnlichen Geschichte belohnt, die einem zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Historische Spurensuche mit erzählerischen Schwächen

Unter dem Strand
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Turid Müllers Roman "Unter dem Strand" versucht Gegenwart und Vergangenheit zu einer komplexen Geschichte über Erinnerung, Schuld und das Schweigen der Gesellschaft zu verbinden . Ausgangspunkt ist die ...

Turid Müllers Roman "Unter dem Strand" versucht Gegenwart und Vergangenheit zu einer komplexen Geschichte über Erinnerung, Schuld und das Schweigen der Gesellschaft zu verbinden . Ausgangspunkt ist die Journalistin Cay, die eigentlich nur einen kurzen Artikel zum 80. Jahrestag des Untergangs der „Cap Arcona“ verfassen soll, dabei aber eine Leiche am Strand findet. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermittlen und trifft dabei auf langgehütete Geheimnisse, Verrat und Nachwirkungen der Herrschaft der Nazis.

Die Autorin verwebt den aktuellen Erzählstrang rund um Cay und ihren Ermittlungen mit einer zweiten Erzählebene aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Aus der Perspektive des Häftlings Leon werden die Gräuel des Konzentrationslagers geschildert, wodurch der historische Hintergrund eindringlich dargestellt wird. Das Wechselspiel zwischen den Zeiten ist grundsätzlich packend, doch nicht immer gelingt die Balance. So wirken besonders die Passagen um Cay stellenweise langatmig, hier versucht die Autorin zu viel auf einmal in die Handlung zu packen. Zudem ist die Personenzeichnung von Cay unrund, ihre Handlungen und Motive bleiben unklar und ihr Charakter schwer greifbar.Dadurch verliert der Krimi zeitweise an Tempo, Glaubwürdigkeit und verliert sich in Nebensächlichkeiten.

Vor allem thematisch beeindruckt Müllers Buch. Ihr Anspruch ist es, auf verdrängte Geschichte aufmerksam zu machen. Die Recherche wirkt dementsprechend auch gründlich, und die Verbindung von historischem Stoff mit einer modernen Kriminalgeschichte weist Potenzial für einen spannenden historischen Krimi auf. Allerdings leidet die Umsetzung unter stilistischen Unebenheiten und einer Figurenzeichnung, die manchmal zu oberflächlich und widersprüchlich bleibt. Auch wirken Humor und Sarkasmus, wo sie auftauchen, mitunter deplatziert angesichts der ernsten Thematik.

Insgesamt ist "Unter dem Strand" ein ambitionierter Roman, der wichtige Fragen über Erinnerung und Verantwortung aufwirft. Trotz einiger erzählerischer Schwächen und Längen, regt der Roman zum Nachdenken über die Schatten der Vergangenheit an. Vom Kriminalfall und den Charakteren sollte man sich jedoch nicht zu viel erwarten.

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Veröffentlicht am 09.04.2026

Eindringliches Debüt mit erzählerischen Schwächen

Wassermann
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Lukas Hoffmanns Debütroman Wassermann erzählt die Geschichte von Luk, der vor sich selbst und seinem Leben in Deutschland nach Barcelona flieht, um dort ein Auslandssemester zu verbringen. Doch statt innerer ...

Lukas Hoffmanns Debütroman Wassermann erzählt die Geschichte von Luk, der vor sich selbst und seinem Leben in Deutschland nach Barcelona flieht, um dort ein Auslandssemester zu verbringen. Doch statt innerer Ruhe findet er sich mitten im katalanischen Unabhängigkeitskonflikt wieder, während ihn zugleich die Nachricht von der schwerkranken Mutter und einem psychisch erkrankten Freund aus der Ferne einholen. Zwischen Trauer, Schuld, Zweifel und der Suche nach Unabhängigkeit verknüpft Hoffmann große Themen mit individuellen Schicksalen.

Trotz dieses starken Ausgangspunkts kann der Roman seine inhaltlichen Versprechen nicht vollständig einlösen. Die Vielzahl an Themen – von persönlicher Krise über familiäre Bindungen bis hin zu politischem Engagement – wird nur oberflächlich angerissen, sodass keiner der erzählerischen Fäden die nötige Tiefe entfaltet. Auch der Erzählfluss leidet unter den zahlreichen Sprüngen zwischen Zeiten und Schauplätzen; so entsteht ein eher unruhiges, bisweilen unfokussiertes Gesamtbild. Da Hoffmann zudem auf relativ engem Raum viele Konflikte verarbeitet, bleibt Luk als Figur emotional schwer greifbar. Vor allem seine Vergangenheit, die sein Handeln erklären könnte, bleibt im Unklaren – und damit auch die emotionale Wucht, die der Roman eigentlich anstrebt.

Was jedoch überzeugt, ist Hoffmanns Stil. Seine Sprache ist ruhig, präzise und atmosphärisch dicht. Mit wenigen, sorgfältig gewählten Worten gelingt es ihm, Landschaften und innere Stimmungen eindrucksvoll einzufangen. Gerade in diesen Momenten zeigt sich das Gespür des Autors für Zwischentöne.

"Wassermann" ist ein Roman, der viel zu sagen hat, an seinen eigenen Ambitionen aber teilweise scheitert. Dennoch bleibt Hoffmanns Stimme vielversprechend und lässt auf kommende Werke hoffen.

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