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Veröffentlicht am 16.04.2026

Die Last der Herkunft

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Der Roman „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Alena Schröder erzählt auf zwei Zeitebenen und verbindet dabei sehr unterschiedliche Frauenleben miteinander.

Im ersten Erzählstrang begleitet ...

Der Roman „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Alena Schröder erzählt auf zwei Zeitebenen und verbindet dabei sehr unterschiedliche Frauenleben miteinander.

Im ersten Erzählstrang begleitet man Hannah im Jahr 2023. Sie ist eine unsichere junge Frau, die große Schwierigkeiten hat, Grenzen zu setzen und „Nein“ zu sagen. Besonders einschneidend ist das Auftauchen ihres Vaters, der sich ihr Leben lang kaum um sie gekümmert hat und plötzlich wieder Kontakt sucht. Hannahs innere Zerrissenheit und ihre Wut auf ihn sind für mich sehr nachvollziehbar dargestellt.

Der zweite Handlungsstrang führt in die Nachkriegszeit 1945 in den von den Russen besetzten Osten. Hier geht es um Marlen und ihre Adoptivmutter Wilma. Ihre Lebensgeschichte ist tragisch, berührend und hat mich emotional besonders gepackt.

Sowohl Hannah wie auch Marlen werden auf unterschiedliche Weise von ihren Eltern ausgenutzt. Thematisch kreist das Buch stark um Identität, die Suche nach dem eigenen Platz im Leben und die Frage, was man seinen Eltern oder überhaupt seinen Erzeugern schuldig ist. Diese Aspekte fand ich sehr gelungen und regen zum Nachdenken an.

Die beiden Erzählstränge verlaufen lange parallel und berühren sich kaum. Ich habe dabei ständig auf eine größere, überraschende Verbindung zwischen den Figuren gewartet. Die Auflösung am Ende empfand ich jedoch eher als klein und etwas enttäuschend.
Erstaunt hat mich außerdem zu erfahren, dass dieser Roman den Abschluss einer Trilogie bildet. Man kann das Buch zwar unabhängig lesen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass einige Zusammenhänge klarer werden, wenn man die vorherigen Teile kennt.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen: flüssig, angenehm und leicht zu lesen. Anfangs hatte ich etwas Mühe, die vielen Figuren einzuordnen, aber das hat sich im Laufe der Geschichte gelegt. Besonders die Charaktere sind überzeugend gezeichnet. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen.

FAZIT: Ein lesenswerter Roman mit starken Figuren, bewegenden Lebensgeschichten und interessanten historischen Einblicken. Trotz eines für mich etwas enttäuschenden Endes hat mich das Buch insgesamt überzeugt und zum Nachdenken angeregt. Ich spreche gerne eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Gelungener Auftakt mit einer sympathischen Ermittlerin

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
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Tatort Trelleborg von Mattias Edvardsson ist das erste Buch des Autors, das ich gelesen habe und ganz sicher nicht das letzte.

Die Handlung ist von Beginn an äußerst spannend: Im Jahr 1989 wird in einem ...

Tatort Trelleborg von Mattias Edvardsson ist das erste Buch des Autors, das ich gelesen habe und ganz sicher nicht das letzte.

Die Handlung ist von Beginn an äußerst spannend: Im Jahr 1989 wird in einem Waldstück in Südschweden die Leiche des achtjährigen Robin gefunden. Die junge Polizeimeisterin Gunni Hilding, die selbst noch mit ihrer schwierigen Kindheit und Jugend zu kämpfen hat, wird daraufhin ins Dezernat für Gewaltverbrechen berufen. Es gibt zahlreiche Verdächtige und schließlich scheint der Fall gelöst, doch Gunni bleiben Zweifel. Als 1994 erneut ein Junge ermordet aufgefunden wird, ist sie überzeugt, dass beide Fälle zusammenhängen.

Besonders gut gefallen hat mir der Schreibstil mit den kurzen Kapiteln. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen. Die Geschichte spielt in einer Zeit ohne Mobiltelefone, was für mich, die ich diese Ära noch selbst erlebt habe, einen ganz eigenen nostalgischen Reiz hatte. Ich fühlte mich zurückversetzt in eine Zeit, in der Rauchen noch allgegenwärtig und Frauen in Führungspositionen längst nicht selbstverständlich waren. Auch die immer wieder eingestreuten Verweise um die Ereignisse rund um die WM 1994 haben zur authentischen Atmosphäre beigetragen.

Gunni ist eine äußerst sympathische und vielschichtige Protagonistin. Man erfährt viel über ihr Innenleben, ihre Unsicherheiten und ihren Umgang mit der eigenen Vergangenheit, das macht sie sehr greifbar und menschlich. Ich hoffe sehr, in Zukunft noch mehr von ihr lesen zu können.

Der Krimi lebt von der Vielzahl an Verdächtigen und überraschenden Wendungen. Gerade wenn man glaubt, der Lösung nahe zu sein, tauchen neue Hinweise auf. Genau dieses Miträtseln liebe ich an diesem Genre. Einziger Kritikpunkt: Das Motiv des Täters wird am Ende meiner Meinung nach etwas zu knapp behandelt. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.

FAZIT: Ein gelungener und vielversprechender Auftakt zu einer neuen Krimireihe. Klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Spannend, düster und nicht immer leicht zu durchschauen

Vesselless – Mein verräterisches Herz
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Nizzara, Tochter des Königs von Zarr, wächst in einer Welt auf, die von ständigen Intrigen, Machtkämpfen und tödlichen Duellen geprägt ist. Um ihren Thron zu sichern, wird sie von ihrem Vater gezwungen, ...

Nizzara, Tochter des Königs von Zarr, wächst in einer Welt auf, die von ständigen Intrigen, Machtkämpfen und tödlichen Duellen geprägt ist. Um ihren Thron zu sichern, wird sie von ihrem Vater gezwungen, eine Vessel zu tragen, einen nicht abnehmbaren Ring, mit dem der Träger einen Geist an sich binden und dessen Macht und Fähigkeiten nutzen kann.

Die Handlung wird abwechselnd aus der Perspektive der beiden Hauptcharaktere Nizzara und Dagen erzählt. Ihre Gefühle und Gedanken wirken dabei sehr authentisch und nachvollziehbar. Vor allem Nizzaras Persönlichkeit ist stark, vielschichtig und mir äußerst sympathisch. Obwohl sie den ständigen Repressalien ihres Vaters ausgesetzt ist, versucht sie, Freiräume und Möglichkeiten zu finden, um ihr Mitgefühl und ihre Menschlichkeit zu bewahren. Dabei gerät sie immer wieder in Konflikt mit ihren Pflichten und den an sie gestellten Erwartungen.

Der Weltenbau ist äußerst innovativ und komplex. Der Leser begegnet Wesen aus unterschiedlichen Dimensionen, die bis zum Ende hin rätselhaft bleiben. Im letzten Viertel des Buches werden die Zusammenhänge jedoch zunehmend komplizierter und für mich teilweise schwer zu durchschauen. Hier hätte ich mir stellenweise etwas mehr Klarheit gewünscht.

Die Atmosphäre des Buches ist durchweg bedrohlich und düster. Die Kämpfe und Duelle sind bildhaft und grausam geschildert, was für mich gut zur finsteren Grundstimmung passt, aber möglicherweise nicht jedermanns Geschmack ist.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Ich fand sofort in die Handlung hinein, und die Spannung wird konstant hochgehalten, bevor sich die Ereignisse zum Ende hin regelrecht überschlagen. Die Liebesgeschichte zwischen Nizzara und dem Geist Dagen entwickelt sich sehr langsam und findet in einem fiesen Cliffhanger ein abruptes Ende.

FAZIT: Ein spannender Fantasyroman mit innovativem Weltenbau, der zum Ende hin viele Fragen offenlässt. Trotz kleinerer Schwächen spreche ich eine klare Leseempfehlung aus und freue mich bereits auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Faszinierend, beklemmend und deprimierend

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Ich bin ziemlich zwiegespalten aus diesem Roman gegangen.
Die auf dem Klappentext angekündigte Ausgangssituation hat mich sofort fasziniert: 39 Frauen und ein Mädchen lebt abgeschottet unter der Erde, ...

Ich bin ziemlich zwiegespalten aus diesem Roman gegangen.
Die auf dem Klappentext angekündigte Ausgangssituation hat mich sofort fasziniert: 39 Frauen und ein Mädchen lebt abgeschottet unter der Erde, ohne Erinnerung an ein Leben davor, bewacht von wenigen schweigsamen Männern. Der Grund für ihre Gefangenschaft ist unbekannt.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist die gedankliche Tiefe. Die Geschichte wirkt wie ein philosophisches Experiment über Freiheit, Identität und das, was vom Menschsein übrig bleibt, wenn alles Vertraute wegfällt. Das Mädchen, das nie einen Namen erhält und von den anderen nur "Kind" genannt wird, führt durch diese trostlose und hoffnungslose Welt. Der Schreibstil ist wunderschön, klar und unaufgeregt.

Gleichzeitig war die Lektüre für mich anstrengend. Äußerlich passiert kaum etwas. Fast alles spielt sich in den inneren Monologen des Mädchens ab. Die zahlreichen Wiederholungen, die Stille und die kreisenden Gedanken waren für mich als Leserin teilweise wirklich ermüdend.

Die Stimmung des Romans ist durchgehend melancholisch bis depressiv. Die Atmosphäre empfand ich als sehr erdrückend. Hoffnung blitzt zwar ab und zu auf, ist aber sehr unbeständig und wird immer wieder von einer tiefen Resignation überschattet.

Ob ich es als feministischen Roman bezeichnen würde, weiß ich nicht. Für mich steht weniger ein klares politisches Statement im Vordergrund als vielmehr eine existenzielle Auseinandersetzung mit Isolation und Sinnsuche.

Auch das Ende ließ mich etwas ratlos und auch frustriert zurück, denn eigentlich bleiben alle Fragen offen und die depressive Stimmung hält sich.

FAZIT: Ein ungewöhnliches, intensives Buch, das zum Nachdenken anregt, das ich aber nicht uneingeschränkt empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Die ungezähmte Wölfin

Rabid
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Seneca soll sich in einem Ritual mit ihrer Wölfin verbinden, darauf hat sie sich schon ihr Leben lang vorbereitet. Doch während des Prozesses wird sie brutal angegriffen und die Verbindung ist infolgedessen ...

Seneca soll sich in einem Ritual mit ihrer Wölfin verbinden, darauf hat sie sich schon ihr Leben lang vorbereitet. Doch während des Prozesses wird sie brutal angegriffen und die Verbindung ist infolgedessen nicht vollständig. Von ihrem Rudel wird sie daraufhin erniedrigt und im Revier eines angeblich brutalen anderen Alphawolfes ausgesetzt.

Wenn man dieses Buch liest, sollte einem klar sein, dass es hier beinahe durchweg um sexualisierte Inhalte geht. Von Anfang an wird Seneca vom Alpha ihres Rudels bedrängt und später beinahe vergewaltigt. Die Triggerwarnung auf den ersten Seiten des Buches verweist auf eine Internetseite, da hätte der Verlag durchaus deutlicher sein können.

Die Handlung ist insgesamt sehr spannend und es zieht mich sofort in die Geschichte. Die Erzählung wird in Ich-Form aus Sicht von Seneca erzählt, wobei sie in Verbindung mit ihrer Wölfin teilweise auch zur Wir-Form übergeht, was am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig ist. Senecas Verletzlichkeit, Verzweiflung, innere Zerrissenheit und Wut ist gut nachzuvollziehen und spürbar. Das macht sie authentisch.
Die romantisch-spicy Szenen haben für mich in die Handlung gepasst, sind jedoch sehr ausführlich. Einige Szenen empfinde ich als gewaltverherrlichend, was sicherlich in das Wolfsrudel-Thema passt, für mich aber trotzdem moralisch fragwürdig bleibt.

Die Welt, die hier erschaffen wird, greift das bekannte Werwolf-Motiv auf, entwickelt es aber auf eigene und interessante Weise weiter. Dabei bleibt alles in sich stimmig und nachvollziehbar.

Besonders deutlich wird der innere Konflikt von Seneca: Auf der einen Seite steht ihre Verletzlichkeit, geprägt von ihrem Trauma und der Trauer um den Verlust ihrer Mutter und ihres alten Lebens. Auf der anderen Seite erwartet die Wolfswelt Stärke und Härte. Auch die Werte des Rudels, geprägt von Loyalität und unbedingter Unterwerfung, geraten immer wieder in Konflikt mit Senecas Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung. Im Verlauf der Geschichte ringt sie darum, ihren eigenen Platz innerhalb der Wolfsgesellschaft zu finden.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig und sehr zugänglich, sodass man mühelos durch die Seiten gleitet. Die Handlung entwickelt schnell einen Sog, der es leicht macht, immer weiterlesen zu wollen. Weniger zugesagt hat mir jedoch die stellenweise sehr derbe Ausdrucksweise, die für meinen Geschmack manchmal etwas zu stark im Vordergrund stand.

Fazit: Eine fesselnde Geschichte mit viel Spannung und Tempo. Allerdings enthält das Buch zahlreiche brutale und gewalttätige Szenen, die nicht für alle Leserinnen und Leser geeignet sind.

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