Die Last der Herkunft
Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne TitelDer Roman „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Alena Schröder erzählt auf zwei Zeitebenen und verbindet dabei sehr unterschiedliche Frauenleben miteinander.
Im ersten Erzählstrang begleitet ...
Der Roman „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Alena Schröder erzählt auf zwei Zeitebenen und verbindet dabei sehr unterschiedliche Frauenleben miteinander.
Im ersten Erzählstrang begleitet man Hannah im Jahr 2023. Sie ist eine unsichere junge Frau, die große Schwierigkeiten hat, Grenzen zu setzen und „Nein“ zu sagen. Besonders einschneidend ist das Auftauchen ihres Vaters, der sich ihr Leben lang kaum um sie gekümmert hat und plötzlich wieder Kontakt sucht. Hannahs innere Zerrissenheit und ihre Wut auf ihn sind für mich sehr nachvollziehbar dargestellt.
Der zweite Handlungsstrang führt in die Nachkriegszeit 1945 in den von den Russen besetzten Osten. Hier geht es um Marlen und ihre Adoptivmutter Wilma. Ihre Lebensgeschichte ist tragisch, berührend und hat mich emotional besonders gepackt.
Sowohl Hannah wie auch Marlen werden auf unterschiedliche Weise von ihren Eltern ausgenutzt. Thematisch kreist das Buch stark um Identität, die Suche nach dem eigenen Platz im Leben und die Frage, was man seinen Eltern oder überhaupt seinen Erzeugern schuldig ist. Diese Aspekte fand ich sehr gelungen und regen zum Nachdenken an.
Die beiden Erzählstränge verlaufen lange parallel und berühren sich kaum. Ich habe dabei ständig auf eine größere, überraschende Verbindung zwischen den Figuren gewartet. Die Auflösung am Ende empfand ich jedoch eher als klein und etwas enttäuschend.
Erstaunt hat mich außerdem zu erfahren, dass dieser Roman den Abschluss einer Trilogie bildet. Man kann das Buch zwar unabhängig lesen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass einige Zusammenhänge klarer werden, wenn man die vorherigen Teile kennt.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen: flüssig, angenehm und leicht zu lesen. Anfangs hatte ich etwas Mühe, die vielen Figuren einzuordnen, aber das hat sich im Laufe der Geschichte gelegt. Besonders die Charaktere sind überzeugend gezeichnet. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen.
FAZIT: Ein lesenswerter Roman mit starken Figuren, bewegenden Lebensgeschichten und interessanten historischen Einblicken. Trotz eines für mich etwas enttäuschenden Endes hat mich das Buch insgesamt überzeugt und zum Nachdenken angeregt. Ich spreche gerne eine Leseempfehlung aus.