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Veröffentlicht am 10.04.2026

Eine Reise zu sich selbst

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Der Roman „Statt aus dem Fenster zu schauen“ von Anna Katharina Scheidemantel erzählt die ungewöhnliche Geschichte von Sophie, die kurzerhand ein Haus über Kleinanzeigen für gerade einmal 3000 Euro kauft ...

Der Roman „Statt aus dem Fenster zu schauen“ von Anna Katharina Scheidemantel erzählt die ungewöhnliche Geschichte von Sophie, die kurzerhand ein Haus über Kleinanzeigen für gerade einmal 3000 Euro kauft – ohne zu ahnen, worauf sie sich wirklich einlässt. Ohne jemandem Bescheid zu geben, reist sie mit dem Zug und ihrem Fahrrad von München nach Ostdeutschland. Statt eines gemütlichen Hauses erwartet sie dort allerdings eine heruntergekommene Ruine mit einem Loch im Dach.
Anfangs fehlt es an allem: kein Strom, kein warmes Wasser, kein Komfort. Doch Sophie beginnt Schritt für Schritt, sich ihr neues Leben aufzubauen. Sie streicht die Wände, legt einen Kartoffelacker an und schrubbt die Böden. Mit jeder kleinen Veränderung wird das Haus ein Stück wohnlicher und gleichzeitig scheint auch Sophie innerlich zur Ruhe zu kommen und zu heilen.
Ihr bisheriges Leben war geprägt von Erwartungen und Leistungsdruck: Ein Einser-Abitur, ein Studium, ein Praktikum. Stets war sie diejenige, die alles richtig machte und sich an alle Regeln hielt. Doch irgendwann wird ihr dieser vorgezeichnete Weg zu eng. Ihr Ausbruch ist mutig und radikal, ein bewusster Schritt in ein Leben, das niemand von ihr erwartet, nicht einmal sie selbst.
Der Schreibstil der Autorin ist angenehm flüssig und leicht zugänglich. Trotz der Herausforderungen, mit denen Sophie konfrontiert ist, bleibt die Sprache positiv und nie schwer oder selbstmitleidig. Man empfindet Mitgefühl für die Protagonistin, ohne dass ihre Geschichte ins Dramatische kippt. Immer wieder gab es Momente, die mich zum Schmunzeln gebracht hatten.

Insgesamt habe ich den Roman als eine sehr inspirierende und mutmachende Geschichte erlebt. Einziger kleiner Kritikpunkt für mich waren die sehr langen Kapitel, jedoch ist das Geschmackssache und schmälert den positiven Gesamteindruck kaum.

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Die Magie der kleinen Dinge entdecken

Das Jahr der Schmetterlinge
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Lea Korsgaard beginnt ihr Jahr mit einer ungewöhnlichen Idee: Sie will innerhalb von zwölf Monaten alle heimischen Schmetterlingsarten entdecken und das alles ohne jegliche Vorkenntnisse. Genau dieser ...

Lea Korsgaard beginnt ihr Jahr mit einer ungewöhnlichen Idee: Sie will innerhalb von zwölf Monaten alle heimischen Schmetterlingsarten entdecken und das alles ohne jegliche Vorkenntnisse. Genau dieser Ausgangspunkt macht das Buch so zugänglich. Denn als Leserin stand ich anfangs genauso ahnungslos da. Gemeinsam wächst man mit der Autorin in das Thema hinein.

Was zunächst wie ein naturkundliches Projekt klingt, entpuppt sich schnell zu einer vielschichtigen Reise. Es geht nicht nur um Schmetterlinge, sondern auch um Aufmerksamkeit, Geduld und das bewusste Wahrnehmen der Welt. Korsgaard verknüpft ihre Beobachtungen in der Natur mit persönlichen Begegnungen und Reflexionen über Beziehungen und das eigene Innehalten.

Besonders gelungen ist der leichte und flüssige Schreibstil. Die Sprache wirkt sehr einladend. Man spürt die Begeisterung der Autorin, aber auch ihre Zweifel und Rückschläge und genau das macht die Erzählung so authentisch. Die Mischung aus Naturerlebnis und persönlicher Entwicklung sorgt für angenehme Spannung.

Der Inhalt des Romane ist eine ungewöhnliche Idee, die überzeugend und mit viel Charme umgesetzt wurde.

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Kindgerechte Zeitreise in die Urgeschichte

Der rätselhafte Verwandte aus der Eiszeit
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Das Kindersachbuch „Der rätselhafte Verwandte aus der Eiszeit“ von Silke Vry nimmt die jungen Leser mit auf eine spannende Zeitreise in die Urgeschichte und erzählt auf sehr lebendige Weise von der Entdeckung ...

Das Kindersachbuch „Der rätselhafte Verwandte aus der Eiszeit“ von Silke Vry nimmt die jungen Leser mit auf eine spannende Zeitreise in die Urgeschichte und erzählt auf sehr lebendige Weise von der Entdeckung des Neandertalers. Die Autorin schafft es, dieses komplexe Thema der Archäologie und frühen Menschheitsgeschichte kindgerecht und verständlich zu erklären. So wird die kindliche Neugier geweckt und das Interesse an Geschichte spielerisch gefördert.

Besonders gelungen ist die Erzählweise: Schritt für Schritt werden die Forschungen rund um den Neandertaler erklärt, sodass man tatsächlich das Gefühl hat, selbst bei der Entdeckung dabei zu sein. Ohne zu überfordern, vermittelt das Buch, wie Wissenschaftler herausfanden, dass der Neandertaler ein enger Verwandter des modernen Menschen ist. Dabei verwendet Silke Vry eine Sprache, die locker und einladend wirkt, wodurch sich das Buch sehr gut zum Vorlesen oder Selbstlesen eignet.

Die Kombination aus spannendem Erzählstil und sachlichen Informationen macht das Buch für Kinder ab etwa 8 Jahren sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Nahbar, ehrlich, mitreißend

Wassermann
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Der Roman „Wassermann“ von Lukas Hoffmann hat mich sprachlich sehr überzeugt. Der Autor verwendet eine flüssige und bildhafte Sprache. Schon von der ersten Seite an lässt sich die Geschichte leicht verfolgen, ...

Der Roman „Wassermann“ von Lukas Hoffmann hat mich sprachlich sehr überzeugt. Der Autor verwendet eine flüssige und bildhafte Sprache. Schon von der ersten Seite an lässt sich die Geschichte leicht verfolgen, ohne dass man das Gefühl hat, sich durch komplizierte Passagen kämpfen zu müssen. Gerade diese klare Ausdrucksweise schafft eine Atmosphäre, die den Leser tief in die Handlung hineinzieht.
Besonders gelungen finde ich, wie Hoffmann Einblicke in die Gefühlswelt seines Protagonisten gibt. Die Emotionen werden authentisch dargestellt, sodass man als Leser schnell eine Verbindung zu der Hauptfigur aufbauen kann. Mir war der Protagonist von Anfang an sympathisch. Seine Gedanken und Erlebnisse sind meist nachvollziehbar und regen zum Nachdenken an. Durch diesen Zugang wird der Roman nicht nur unterhaltsam, sondern auch berührend.

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Geschichte, die unter die Haut geht

Ein Ort, der bleibt
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Der Roman ,Ein Ort, der bleibt' von Sandra Lüpkes erzählt eine ruhige, aber eindringliche Geschichte, die von der Familie Heilbronn handelt. Im Jahr 1933 verlässt die Familie Deutschland, weil der Vater ...

Der Roman ,Ein Ort, der bleibt' von Sandra Lüpkes erzählt eine ruhige, aber eindringliche Geschichte, die von der Familie Heilbronn handelt. Im Jahr 1933 verlässt die Familie Deutschland, weil der Vater Alfred jüdische Wurzeln hat. Eine neue Chance führt sie in die Türkei, wo unter Atatürk die Universitäten modernisiert werden. In Istanbul treffen sie auf andere Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern, die ebenfalls ihre Heimat verlassen mussten. Dort bauen sie sich ein neues Leben auf. Diesen Mut spürt man beim Lesen ganz deutlich.
Alfred beginnt mit der Arbeit an einem Botanischen Garten, der für ihn zu einem wichtigen Projekt wird. Unterstützung bekommt er von der jungen Wissenschaftlerin Mehpare. Sie wird nicht nur seine Assistentin, sondern auch ein fester Teil des Familienlebens.
Viele Jahre später reist Imke aus Deutschland in die Türkei. Sie soll ein Gutachten über genau diesen Botanischen Garten erstellen. Dabei stößt sie auf die Geschichte der Familie Heilbronn.

Durch dieses ungewöhnliche Thema habe ich beim Lesen viel über die Botanik gelernt.

Die Besonderheit des Romans liegt aber nicht nur am Thema. Die Autorin erzählt die Handlung aus verschiedenen Blickwinkeln und wechselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Diese Zeitsprünge sind gut verständlich und machen die Geschichte lebendig. So entsteht ein vielschichtiges Bild, das die Figuren und ihre Erlebnisse greifbar macht.
Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, sodass man leicht in die Handlung hineinkommt und gerne weiterliest. Insgesamt ist der Roman sehr berührend. Er verbindet persönliche Schicksale mit historischen Ereignissen und regt zum Nachdenken an, ohne dabei schwer oder kompliziert zu wirken.

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