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Veröffentlicht am 22.04.2026

Eine atemlose Jagd

Nebelbeute
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Worum geht’s?
Mila Weiß ist auf der Jagd. Endlich hat sie eine Spur. Eine Spur zu Toblach, den sie seit Jahren sucht. Er haust wie ein Geist in einem kleinen Bergdorf. Doch ist Mila wirklich die Jägerin? ...

Worum geht’s?
Mila Weiß ist auf der Jagd. Endlich hat sie eine Spur. Eine Spur zu Toblach, den sie seit Jahren sucht. Er haust wie ein Geist in einem kleinen Bergdorf. Doch ist Mila wirklich die Jägerin? Oder ist sie die Gejagte?

Meine Meinung:
Endlich ist er da, der dritte Fall für Mila Weiss und Jakob Krogh. Und auch mit seinem Thriller „Nebelbeute“ hat mich Benjamin Cors wieder komplett eingesogen. Und zwar so richtig. Waren die ersten beiden Fälle schon gnadenlos spannend? Absolut. Aber hier legt Cors nochmal nach. Schneller, düsterer, intensiver. Fast so, als hätte er beschlossen, uns diesmal wirklich keine Luft mehr zu lassen.

Mila ist näher dran als je zuvor. An Toblach. An ihrer Vergangenheit. An allem, was sie seit Jahren verfolgt. Aber was passiert, wenn man sein Ziel erreicht? Wer hier auch besonders stark ist: Lucy. Aber auch das restliche Team der Gruppe 4 funktioniert wie ein perfekt abgestimmtes System. Die Dynamik zwischen den Teammitgliedern und den Ermittlern vor Ort ist toll ausgearbeitet und bringt richtig Stimmung in das Buch.

Der Fall selbst? Ein einziges Chaos – im besten Sinne. Leichen, Spuren, Verdächtige. Zu viele? Vielleicht. Aber genau dieses Gefühl von Überforderung ist gewollt. Man hetzt durch die Seiten, während das Buch einfach weiterzieht, ohne Rücksicht. Es gibt keine Pause. Keine sicheren Momente. Und obwohl Milas Jagd auf Toblach lange aus Beobachten, Warten und Ausharren besteht, ist da keine Sekunde Leerlauf. Die Spannung sitzt unter der Haut, kriecht langsam nach oben. Und sobald die Gruppe 4 ins Spiel kommt, ist es endgültig vorbei mit der Ruhe. Ab da gibt es nur noch Tempo. Wendung auf Wendung. Gedanken, die sich überschlagen. Spuren, die ins Nichts führen. Und jedes Mal, wenn man denkt: Jetzt hab ich’s – kommt der nächste Schlag.

Ich wusste tatsächlich ziemlich früh, wer der Täter ist. Und lag sogar richtig. Aber sicher? War ich mir bis fast zum Schluss nicht. Und dann ist da noch Rochus. Dieser schweigende Zeichner. Eine Figur, die immer da ist. Unbemerkt. Unbeachtet. Bei ihm denkt man sich nur: Hätte, hätte, Fahrradkette…

Dieses Buch ist kein Thriller, den man gemütlich liest. Es ist einer, der dich packt, schüttelt und nicht mehr loslässt. Und ja, ich will sofort wissen, wie es weitergeht. Mehr Albträume. Mehr Abgründe. Mehr von allem.

Fazit:
„Nebelbeute“ von Benjamin Cors ist ein gnadenlos intensiver Thriller, der dich von der ersten bis zur letzten Seite durchhetzt. Düster, komplex und voller Wendungen, die dir den Boden unter den Füßen wegziehen. Die Figuren sind greifbar, die Spannung fast schon unangenehm dicht und der Fall ein einziges, perfekt inszeniertes Chaos. Wer glaubt, hier früh alles durchschaut zu haben, wird eines Besseren belehrt – garantiert. Für mich der bisher stärkste Band der Reihe und ein absolutes Muss für alle, die Thriller nicht nur lesen, sondern fühlen wollen.

5 mörderische Sterne von mir!

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Eine Frau, die man nicht vergisst

Die Briefträgerin
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Worum geht’s?
Nach ihrer Hochzeit zieht Anna mit ihrem Mann in ein kleines Dorf. Sie ist selbstbewusst, hat Ziele, will nicht nur Hausfrau und Mutter sein. Doch die Frauen in dem Dorf verstehen das nicht. ...

Worum geht’s?
Nach ihrer Hochzeit zieht Anna mit ihrem Mann in ein kleines Dorf. Sie ist selbstbewusst, hat Ziele, will nicht nur Hausfrau und Mutter sein. Doch die Frauen in dem Dorf verstehen das nicht. Als sie beginnt, als Briefträgerin zu arbeiten, ist das fast ein Skandal.

Meine Meinung:
In der Romanbiografie „Die Briefträgerin“ erzählt Francesca Giannone über das Leben ihrer Urgroßmutter – über eine Geschichte, die sie eher zufällig entdeckt hat und die sie dann nicht mehr losgelassen hat. Und genau dieses Gefühl spürt man auf jeder Seite: Diese Geschichte wollte erzählt werden.

Anna ist eine beeindruckende Frau. Eine, die ihren eigenen Weg gehen will. Mit einer stillen Stärke, die umso mehr Eindruck hinterlässt. Dass sie dabei in Carlo einen Mann an ihrer Seite hat, der sie unterstützt, macht ihre Geschichte umso schöner und wärmer. Und dann sind da noch die anderen Frauen: ihre Schwägerin, die all das verkörpert, was man sich unter einer italienischen Mamma der 1930er vorstellt – herzlich, bestimmt, verwurzelt. Und Giovanna, die zunächst so unscheinbar wirkt und doch – von Anna an die Hand genommen - eine Entwicklung durchmacht, die einfach schön ist.

Das Dorf selbst ist fast wie eine eigene Figur. Voller Leben, voller Stimmen, voller Klatsch und Tratsch. Mit all seinen kleinen Dramen, Gerüchten und unausgesprochenen Regeln. Eine Gemeinschaft, die gleichzeitig Geborgenheit gibt und Grenzen setzt. In die man hineinwachsen muss – und vielleicht nie ganz dazugehört. Dass Anna bis zum Schluss „die Fremde“ bleibt, tut ein bisschen weh, macht ihre Geschichte aber nur noch greifbarer. Denn so ist es einfach gewesen.

Und genau darin liegt die besondere Magie dieses Buches: Es ist ruhig. Unaufgeregt. Und gerade deshalb so intensiv. Es braucht keine großen Wendungen, keine lauten Ereignisse. Es lebt von seinen Menschen. Von ihren Beziehungen, ihren Entscheidungen, ihren kleinen und großen Momenten. Von den Dynamiken im Dorf und zwischen seinen Bewohnern. Es erzählt nicht nur die Geschichte der ersten Briefträgerin Italiens, sondern das Porträt eines echten Lebens. Eines Lebens, das gesehen werden will.

Ein Buch über Freundschaft und Verlust. Über das Ankommen – und das Anderssein. Über Mut, über Selbstbestimmung und darüber, sich selbst zu finden und sich dann treu zu bleiben. Und über die leisen, kostbaren Formen von Liebe und Familie. Ein Roman wie eine sanfte Umarmung.

Fazit:
„Die Briefträgerin“ von Francesca Giannone ist eine Romanbiografie, die tief berührt. Mit viel Feingefühl erzählt sie von einer starken Frau, die ihren eigenen Weg geht – gegen Widerstände, aber nie gegen sich selbst. Die Atmosphäre ist dicht, warm, voller Leben und wirkt dabei durchweg authentisch. Besonders die Figuren und die Dynamik im Dorf machen dieses Buch zu etwas ganz Besonderem. Es ist ein stilles, intensives Leseerlebnis, mit dem die Autorin ihrer Urgroßmutter ein wundervolles Denkmal schreibt. Ein echtes Wohlfühlbuch mit Tiefe, das zeigt, wie kraftvoll leise Geschichten sein können.

5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Mut beginnt im Dunklen

Wenn kleine Igel mutig sind
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Worum geht’s?
Der kleine Igel kann nicht einschlafen. Überall sind Geräusche und dann zittert auch noch die Erde. Also steht er auf, um seine Freunde zu fragen, was diese gegen die Angst tun.

Meine Meinung:
Das ...

Worum geht’s?
Der kleine Igel kann nicht einschlafen. Überall sind Geräusche und dann zittert auch noch die Erde. Also steht er auf, um seine Freunde zu fragen, was diese gegen die Angst tun.

Meine Meinung:
Das Kinderbuch „Wenn kleine Igel mutig sind“ von Sandra Grimm ist einfach wundervoll. Mit viel Feingefühl und genau dem richtigen Ton erzählt sie für Kinder ab 2 Jahren, wie man Mut findet, wenn sich die Nacht plötzlich ganz schön groß anfühlt. Das Ganze ist absolut goldig illustriert von Matthias Derenbach.

Und ganz ehrlich: Es ist schwer zu sagen, was mehr verzaubert – die Geschichte oder die Bilder. Beides greift so liebevoll ineinander, dass man beim Vorlesen fast vergisst, dass man eigentlich nur „ein kurzes Buch“ lesen wollte. Mein Kleiner war sofort hin und weg vom kleinen Igel – und ganz besonders vom Kuschelkäfer, den er von der Katze geschenkt bekommt. Alle Begegnungen, ob mit dem Eichhörnchen oder dem Hasenkind, fühlen sich warm, weich und einfach richtig geborgen an.

Auch die Geschichte selbst trifft ins Schwarze. Denn natürlich hört man nachts plötzlich Dinge, die tagsüber völlig egal sind. Und genau wie beim kleinen Igel hilft es auch meinem Kleinen, zu verstehen, woher ein Geräusch kommt. Dieses „Aha, das ist nur das!“ nimmt so viel Angst. Und selbst wenn nicht jede Idee hilft, ist es schön zu sehen, wie viele Möglichkeiten es gibt – und dass jedes Kind seinen eigenen Weg finden darf. Besonders gelungen ist, dass am Ende alle kleinen „Mutmacher“ nochmal übersichtlich zusammengefasst werden, jeweils passend zu den Tieren aus der Geschichte.

Und dann diese Illustrationen… wirklich zum Verlieben. Überall kleine Details, die man beim zweiten, dritten oder zwanzigsten Anschauen entdeckt. Die große Schnecke, deren Schneckenkind gemütlich auf Mamas Häuschen reitet. Oder der herrlich ernste Gesichtsausdruck des Igels, als er versucht, wie ein Glühwürmchen seinen Hintern zum Leuchten zu bringen – ich meine, wenn das kein Einsatz ist, was dann?

Dieses Buch zeigt nicht nur Wege aus der Angst, sondern macht das auf eine so sanfte, liebevolle und gleichzeitig humorvolle Art, dass man es einfach ins Herz schließen muss. Ein echtes kleines Wohlfühlbuch für die Abendroutine.

Fazit:
„Wenn kleine Igel mutig sind“ von Sandra Grimm ist ein liebevoll gestaltetes Kinderbuch, das Ängste ernst nimmt, ohne sie groß zu machen. Die Kombination aus einfühlsamer Geschichte und detailverliebten Illustrationen von Matthias Derenbach macht es zu einem echten Vorleseschatz. Besonders stark ist, wie alltagsnah und kindgerecht verschiedene Wege gezeigt werden, mit Angst umzugehen. Es tröstet, erklärt und schenkt gleichzeitig ein Gefühl von Geborgenheit. Für kleine Zuhörer ab 2 Jahren – und ihre müden Eltern – ein wunderbarer Begleiter durch die Nacht.

5 mutige Sterne von uns!

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Kurzweilig und wohlfühlig unterhaltsam

Les Bouttiers – Wir sind jetzt
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Worum geht’s?
Eigentlich wollte Elodie in die Fußstapfen ihrer Mutter treten und bei den Olympischen Spielen antreten. Doch als ihr Großvater die Familie nach Paris ruft, weil das Modehaus Bouttier vor ...

Worum geht’s?
Eigentlich wollte Elodie in die Fußstapfen ihrer Mutter treten und bei den Olympischen Spielen antreten. Doch als ihr Großvater die Familie nach Paris ruft, weil das Modehaus Bouttier vor großen Problemen steht, folgt sie dem Ruf und damit ändert sich für sie alles.

Meine Meinung:
Willkommen in einer Welt, in der Stoffe fließen, Blicke mehr sagen als Worte und jedes Lächeln ein kleines Geheimnis verbirgt.

Mit dem Roman „Les Bouttiers – Wir sind jetzt“ startet Antonia Wesseling ihre Love-Couture-Serie – und ehrlich, dieser Auftakt fühlt sich an wie die erste Folge einer Serie, bei der du dir denkst: Nur noch eine Folge… und plötzlich ist es 3 Uhr morgens. Der Schreibstil ist lebendig, elegant und herrlich leicht, sodass man nicht liest, sondern durch Paris flaniert – vorbei an Ateliers, Laufstegen und perfekt inszenierten Dramen. Die Vibes? Ganz klar: Gossip Girl, aber mit französischem Chic und einem Hauch Haute Couture. Intrigen, Blicke, unausgesprochene Wahrheiten – und natürlich Menschen, deren Probleme so luxuriös sind, dass man sie ihnen fast ein bisschen gönnt.

Erzählt wird aus drei Perspektiven: Elodie, die zwischen Vergangenheit und neuer Zukunft taumelt, Adam – der gefährlich charmante Sohn des Konkurrenzlabels Le Blanc – und Gabriel, der Adoptivcousin mit Geschichte, Gefühl und ordentlich emotionalem Sprengstoff. Und ja… dieses Hin und Her zwischen Adam und Gabriel bringt genau den Spice, den man heimlich liebt – auch wenn es einen gleichzeitig leicht die Augen rollen lässt. Zweigleisig ist halt so eine Sache.

Die Nebenfiguren bleiben eher im Hintergrund, setzen aber genau die richtigen Akzente: Elodies Großmutter mit Stil und Haltung, die Bouttier-Zwillinge, Zoe und natürlich Jaques, der Fahrer, der glaube ich mehr sieht, als er sagt. Und dann dieses Freundinnen-Kleeblatt: Elodie, Sophie, Claire und – ja, mir ist tatsächlich eben der Namen entfallen, die kleine Italienerin mit den türkisen Haaren, die eigentlich zu cool ist, um vergessen zu werden. Diese Dynamik? Pures Sex and the City trifft auf Modeatelier mit Herz Feeling.

Besonders stark: der Blick hinter die Kulissen der Modewelt. Konkurrenz, Kreativität, Herstellungsprozesse – man spürt die Leidenschaft, die Hektik, den Druck. Das ist nicht nur Glitzer, das ist auch Arbeit. Aber eben Arbeit in High Heels. Die Geschichte ist bunt, schillernd, emotional, manchmal herrlich überzogen – und genau deshalb so unterhaltsam. Ein bisschen Drama, ein bisschen Herzklopfen, ein bisschen „Was zur Hölle machst du da, Elodie?“ und ganz viel Serien-Suchtpotenzial. Hier bleibt eigentlich nur noch eins zu sagen: Wann zur Hölle erscheint Band 2!?!

Fazit:
„Les Bouttiers – Wir sind jetzt“ von Antonia Wesseling ist ein Auftakt, der sich anfühlt wie Champagner auf Eis: prickelnd, luxuriös und gefährlich schnell weg. Die Mischung aus Pariser Modewelt, Familiendrama und knisternden Beziehungen sorgt für echtes Serienfeeling mit Glam-Faktor. Trotz kleiner Schwächen – vor allem beim Liebes-Hin-und-Her – überzeugt der Roman mit Atmosphäre, Tempo und ganz viel Stil. Wer Geschichten liebt, die sich wie eine Netflix-Serie lesen, wird hier komplett abgeholt. Ich jedenfalls bin sowas von bereit für die nächste Runde Bouttier-Drama.

5 glamouröse Sterne von mir!

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Ein Meisterwerk und absolutes Highlight

Alchemised
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Worum geht’s?
Helena ist die letzte Überlebende des Widerstand. Ihre Erinnerungen sind verschwunden. Kaine Ferron, der High Reeve, soll diese zurückholen. War Helena wirklich nur eine einfache Heilerin? ...

Worum geht’s?
Helena ist die letzte Überlebende des Widerstand. Ihre Erinnerungen sind verschwunden. Kaine Ferron, der High Reeve, soll diese zurückholen. War Helena wirklich nur eine einfache Heilerin? Oder war sie tiefer involviert? Kennt sie den Verräter, nach dem der Necromancer Morrough sucht?

Meine Meinung:
Du schlägst das Buch auf. Und dann verschlingt es dich.

„Alchemised“ ist kein Buch, das man einfach liest und dann zur Seite legt. Es ist eines dieser seltenen Werke, die sich langsam, fast unmerklich, ihren Weg unter deine Haut bahnen, bis du irgendwann merkst, dass du längst viel tiefer darin gefangen bist, als dir lieb ist. Was hier erschaffen wurde, ist nicht nur eine Geschichte, sondern eine Welt – eine, die von Magie, Alchemie und Chymestrie durchzogen ist und sich gleichzeitig so greifbar anfühlt, dass sie dich nicht mehr loslässt. Unglaublich, welche Wort- und Bildgewalt in diesem Debüt (ja, ihr lest richtig, es ist ein Debüt-Roman) von SenLinYu stecken.

Der Einstieg fordert Geduld. Die Vielzahl an Figuren, Wesen und Strukturen verlangt Aufmerksamkeit, und ja – ohne den Glossar am Ende hätte ich an der einen oder anderen Stelle vermutlich kurz kapituliert. Auch Helena bleibt zunächst auf Distanz. Sie ist schwer zu greifen, fast fremd, und genau das passt erschreckend gut zu ihrer Situation. Denn während sie selbst Stück für Stück ihre Erinnerungen zurückerlangt, beginnen auch wir, sie wirklich kennenzulernen. Und im Laufe der Geschichte sind mir die Charaktere unheimlich ans Herz gewachsen. Nicht nur Helena, auch Lila, Soren, Pace, Kaine und die Chimäre Artemis.

Die Handlung setzt im Jahr 1789 ein und wir erleben Helena als Gefangene des High Reeve. Was sie dort durchmacht, ist nichts, was man leicht wegliest. Dieses Buch beschönigt nichts. Es zeigt Krieg in seiner ganzen Härte, in seiner Grausamkeit und in all den dunklen Facetten, die man oft lieber ausblenden würde. Nicht umsonst die Trigger-Warnung ganz zu Anfang. Und genau das macht es so intensiv, so unangenehm echt und gleichzeitig so unglaublich stark. Wenn die Geschichte dann in die Vergangenheit wechselt, beginnt sich langsam ein Gesamtbild zu formen. Man versteht mehr, sieht Zusammenhänge, erkennt Entscheidungen – und merkt gleichzeitig, wie viel noch im Verborgenen liegt. Es gibt ruhigere Momente, in denen man kurz durchatmen kann, aber die sind selten. Meistens sitzt man da, völlig gefangen, mit klopfendem Herzen und dem Gefühl, das alles gerade nicht nur zu lesen, sondern zu erleben.

Besonders beeindruckt hat mich, wie durchdacht diese Welt ist. Die medizinischen Forschungen, die Strukturen der Gilden, Resonanz, Vivimantie, Animantie, die unterschiedlichen Wesen und Kreaturen – alles passt und fühlt sich unheimlich glaubwürdig an. Nichts wirkt aufgesetzt. Es ist, als hätte diese Welt schon immer existiert und wir dürfen nur für einen Moment einen Blick hineinwerfen. Und genau darin liegt die eigentliche Stärke dieses Buches: Es lässt dich fühlen. Nicht oberflächlich, nicht nur für den Moment, sondern tief. Man leidet mit Helena, spürt ihren Verlust, ihre Verzweiflung, ihre Wut. Es gab Szenen, die mich wirklich getroffen haben, bei denen ich innehalten musste, weil sie so intensiv waren, dass man sie nicht einfach überliest.

Während des Lesens lief alles wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Und als ich das Buch schließlich geschlossen habe, war da erstmal nur Stille. Dieses Bedürfnis, kurz nichts zu tun, weil das, was man gerade erlebt hat, noch nachwirkt und sich erst setzen muss. Für mich ist „Alchemised“ nicht einfach nur ein gutes Buch. Es ist ein absolutes Highlight - wenn nicht sogar mein Lebens-Highlight!

Fazit:
„Alchemised“ von SenLinYu ist weit mehr als ein klassischer Dark-Fantasy-Roman – es ist ein intensives Leseerlebnis, das emotional fordert und gleichzeitig vollkommen in seinen Bann zieht. Die Welt ist detailreich und lebendig, die Charaktere vielschichtig und berührend. Die Geschichte ist düster, schonungslos und dabei unglaublich fesselnd erzählt. Dieses Buch setzt neue Maßstäbe in seinem Genre und bleibt lange im Kopf. Für mich ist es nicht nur ein Highlight, sondern mein persönliches Lebens-Highlight.

5 begeisterte Sterne von mir!

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