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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.04.2026

Nun sind sie die Großen in der Kita

Die Vorschulprofis: Wir sind die Großen in der Kita
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Für fünf Kinder in der Kita Kichererbse geht bald die Schule los. Zuerst steht für die Großen aber die Vorschule an. Die Gruppe um Erzieher Joschi kommt daher jeden Montag zusammen. Pippa, Aziz, Alma, ...

Für fünf Kinder in der Kita Kichererbse geht bald die Schule los. Zuerst steht für die Großen aber die Vorschule an. Die Gruppe um Erzieher Joschi kommt daher jeden Montag zusammen. Pippa, Aziz, Alma, Kisi und Emil sind schon ganz aufgeregt…

„Die Vorschulprofis - Wir sind die Großen in der Kita“ ist ein Vorlesebuch für Kinder ab fünf Jahren.

Das Buch beinhaltet elf Geschichten zum Vorlesen. Sie erzählen nicht nur von der Vorschule im Kitaalltag, sondern auch aus dem Familienleben der Kinder.

Inhaltlich geht es im Buch um den Übergang vom Kindergarten zur Grundschule. Dabei deckt es verschiedene Themen ab, die Vorschulkinder gerade bewegen oder noch beschäftigen werden: der bestehende neue Lebensabschnitt, der Abschied von der Kita, erste Freundschaften…

Die fünf Kinder und ihre Familien decken die Diversität der Gesellschaft ab, sodass sich jeder und jede kleine Zuhörerin und Zuhörer mit ihnen identifizieren kann.

Die Texte von Jasmin Schaudinn sind altersgerecht formuliert. Sie sind gut verständlich und verfügen über eine Prise Witz, sodass der Vorlesespaß nicht zu kurz kommt.

Nach jeder Geschichte sind Aktivseiten abgedruckt. Sie sind die große Stärke des Vorlesebuchs. Dort gibt es Spiel- und Bastelideen, zum Beispiel für die Stifthaltung, Mund-, Grob- und Feinmotorik. Auch spielerische Übungen zur Wahrnehmung, Konzentration und Koordination sind enthalten. Soziale Kompetenzen und Frustrationstoleranz können unter anderem ebenfalls mit dem Buch trainiert werden.

Neben der gedruckten Ausgabe gibt es außerdem zwei digitale Elemente: ein Video mit dem Vorschullied und eines zum Klatschspiel.

Die bunten, hübschen Illustrationen von Sandy Thißen wirken liebevoll und sind ausreichend detailliert. Sie ergänzen den Text wunderbar.

Mein Fazit:
„Die Vorschulprofis - Wir sind die Großen in der Kita“ ist ein gelungenes Vorlese- und Ideenbuch für Kinder im letzten Kindergartenjahr. Es hat nicht nur einen Unterhaltungswert, sondern gibt sinnvolle Anregungen, um wichtige Fähigkeiten für die Schulzeit zu fördern. Definitiv empfehlenswert!

Veröffentlicht am 22.04.2026

Bis plötzlich nichts mehr geht

Pause
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Das hat Hanna (36) gerade noch gefehlt. Nach einem psychogenen Anfall landet sie zuerst als Notfall im Krankenhaus und dann in ihrem ehemaligen Kinderzimmer in der Lüneburger Heimat. Im alten Zuhause bei ...

Das hat Hanna (36) gerade noch gefehlt. Nach einem psychogenen Anfall landet sie zuerst als Notfall im Krankenhaus und dann in ihrem ehemaligen Kinderzimmer in der Lüneburger Heimat. Im alten Zuhause bei Vater Wolfgang und Mutter Silvia wird Hanna mit einer ungeplanten Zwangsauszeit konfrontiert.

„Pause“ ist der Debütroman von Lena Kupke.

Erzählt wird die Geschichte in 24 Kapiteln in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Hanna. Diese Struktur ist einfach, aber sinnvoll.

Zwischenmenschliche Beziehungen stehen im Mittelpunkt der Geschichte, insbesondere innerfamiliäre Verbindungen. Dadurch bietet der Roman einige Anknüpfungspunkte und regt dazu an, die eigene Familiendynamik zu hinterfragen.

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt ist die Überlegung, wann und unter welchen Voraussetzungen ein Neustart angebracht ist. Was muss passieren, um das Leben umzukrempeln und einiges zu verändern?

Die Figuren wirken glaubhaft und lebensnah. Protagonistin Hanna ist sympathisch und besitzt hohes Identifikationspotenzial. Ihre Gedanken und Gefühle werden sehr gut deutlich.

Auf den rund 300 Seiten ist der Roman keineswegs langatmig, obwohl die Handlung nicht besonders umfangreich ist. Der Mix aus humorvollen, melancholischen Momenten und schmerzhaften Szenen macht ihn emotional bewegend, ohne ins Kitschige oder Alberne abzudriften.

Der Schreibstil ist ungekünstelt, aber sehr anschaulich und eindrücklich. Die Dialoge klingen authentisch.

Das moderne, künstlerisch anmutende Covermotiv ist wunderbar unaufgeregt und passt thematisch hervorragend. Der prägnante Titel harmoniert damit gut.

Mein Fazit:
Mit ihrem Debüt gelingt es Lena Kupke, Humor und ernste Themen mit Unterhaltungswert und Tiefgang zu kombinieren. „Pause“ ist ein berührender und lesenswerter Roman, der darauf hoffen lässt, dass die Autorin nachlegen wird.

Veröffentlicht am 10.04.2026

Diesseits und jenseits der Salzach

Der Fährmann
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Das Grenzgebiet von Deutschland und Österreich rund um die Jahrhundertwende: Das Bauernmädchen Elisabeth, genannt Lisi, und Wirtstochter Annemarie sind seit ihrer Kindheit eng befreundet. Schon in jungen ...

Das Grenzgebiet von Deutschland und Österreich rund um die Jahrhundertwende: Das Bauernmädchen Elisabeth, genannt Lisi, und Wirtstochter Annemarie sind seit ihrer Kindheit eng befreundet. Schon in jungen Jahren müssen beide hart anpacken. Auch für Hannes Winkler ist das weitere Leben bereits vorbestimmt: Er soll Fährmann werden. Josef Steiner hingegen soll den Hof seines Vaters übernehmen. Die vier jungen Leute ahnen nicht, dass sie nicht nur der Erste Weltkrieg vor Probleme stellen wird…

„Der Fährmann“ ist ein Roman von Regina Denk.

Der Roman besteht aus 23 Kapiteln sowie fünf Zwischenkapiteln. Erzählt wird aus personaler Perspektive, im Wechsel aus der Sicht von Hannes, Annemarie, Elisabeth und Josef. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von 1894 bis 1915. Trotz dieser komplexen Struktur fällt die Orientierung leicht, weil die Kapitel mit Zeit- und Personenangaben versehen sind.

Auf den 380 Seiten hält der Roman verschiedene Formen von Gewalt, viel Leid und sonstige Dramatik bereit. Zwar spielen Liebe und Freundschaft eine wichtige Rolle. Die düsteren, traurigen Themen überwiegen allerdings und fordern den Lesern einiges ab. Die Geschichte macht deutlich, wie Zwänge und Traditionen, wie patriarchale Strukturen und bedenkliche Konventionen den Alltag insbesondere von Frauen oftmals einschränken. Zugleich zeigt sie auf, wie hart das Leben auf dem Land für Jung und Alt vor etwas mehr als 100 Jahren war.

Schon nach wenigen Kapiteln hat mich der Roman in seinen Bann gezogen und trotz des Umfangs durchweg gefesselt. Nur zum Schluss hin wird die Handlung ein wenig unglaubwürdig, was mein Lesevergnügen jedoch nicht geschmälert hat.

Vor allem die beiden Protagonistinnen, Annemarie und Elisabeth, erhalten viel Raum. Sie sind die Sympathieträgerinnen. Zusammen mit Hannes und Josef entsteht ein interessantes, spannungsreiches Personenquartett.

Besonders in sprachlicher Hinsicht hat mich der Roman begeistert. Der Schreibstil der Autorin ist einzigartig und passt sehr gut zum historischen Setting. Der Text ist atmosphärisch und eindrücklich. Die dialektalen Zitate und die auf die Zeit abgestimmte Wortwahl wirken äußerst authentisch. Auch die sprachliche Varianz der verschiedenen Perspektiven empfinde ich als sehr gelungen.

Das stimmungsvolle Covermotiv fügt sich nicht nur gut zum Inhalt, sondern sticht positiv hervor. Der Titel legt den Fokus für meinen Geschmack ein wenig zu sehr auf Hannes, geht aber durchaus in Ordnung.

Mein Fazit:
Mit ihrem Roman „Der Fährmann“ hat mich Regina Denk überzeugt. Eine empfehlenswerte Lektüre, die mich mit ihrer Sprache bezaubert hat und Lust auf weitere Geschichten aus der Feder der Autorin weckt.

Veröffentlicht am 22.03.2026

Sichtbare und unsichtbare Narben

Das schönste aller Leben
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Ihre ersten Lebensjahre verbringt Vio, eigentlich Viola, im rumänischen Teil des Banats. Doch nach dem Sturz der Diktatur flieht sie im Jahr 1990 als Sechsjährige mit ihrer Mutter Rosalie, Vater Franz, ...

Ihre ersten Lebensjahre verbringt Vio, eigentlich Viola, im rumänischen Teil des Banats. Doch nach dem Sturz der Diktatur flieht sie im Jahr 1990 als Sechsjährige mit ihrer Mutter Rosalie, Vater Franz, Großmutter Margarethe und ihrem Großvater nach Deutschland. Obwohl Deutsch ihre Muttersprache ist, fällt es ihr nicht leicht, sich anzupassen und mit den Hiesigen mithalten zu können. Zudem sind die Erwartungen ihrer Eltern sehr hoch. Dennoch kämpft sie sich durch. Als junge Mutter gerät ihre Welt erneut ins Wanken: Nach einem Unfall trägt ihre zweijährige Tochter Sophie Narben davon. Wie soll ihr Kind mit diesem Makel ein glückliches Leben führen können? Dass Schönheit allerdings auch ihre Schattenseiten hat, muss Theresia Meininger in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfahren: Sie wird von Wien ins Banat verschleppt…

„Das schönste aller Leben“ ist der Debütroman von Betty Boras.

Eingeleitet mit einem Prolog, setzt sich der Roman aus kurzen Kapiteln zusammen. Erzählt wird auf drei zeitlichen Ebenen und aus mehreren Perspektiven. Dazu gehört auch eine ungewöhnliche Perspektive: die der „Banater Erde“.

Dass der Roman autofiktionale Elemente enthält, ist vor allem bei der Figur Vio ersichtlich. Sie wird mit viel psychologischer Komplexität und äußerst authentisch dargestellt. Ihre Gedanken und Gefühle lassen sich hervorragend nachvollziehen, ihr Verhalten ist durchweg stimmig. Auch die übrigen Charaktere werden lebensnah gezeichnet.

Auf der inhaltlichen Ebene beinhaltet die Geschichte drei zentrale Themenbereiche: Schönheit(sideale), Herkunft/Heimat und Mutterschaft. Dabei streift der Roman auch die Frage nach Identität, die Rolle von Migration und die Definition eines selbstbestimmten Lebens. Die Mischung verleiht ihm einen Facettenreichtum, ohne die Kapitel zu überfrachten. Immer wieder geht die Geschichte in die Tiefe, regt zum Nachdenken an und setzt feministische Impulse.

Auf den nur etwas mehr 230 Seiten kommt der Text ganz ohne Längen und Redundanzen aus. Die Handlung bietet einen Unterhaltungswert und immer wieder berührende Momente. Die Geschichte bleibt bis zum Schluss glaubwürdig. Interessante historische Details fügen sich auf harmonische Weise ein.

Überzeugt hat mich auch die sprachliche Varianz der verschiedenen Perspektiven. Mal wirkt der Text fast poetisch, mal schnörkellos, aber immer eindringlich.

Das Covermotiv ist nicht nur hübsch, sondern mit der Spiegelung, die für einen Bruch sorgt, auch sehr durchdacht. Die Darstellung der Banater Landschaft ist thematisch äußerst passend. Auch der Titel ist eine gute Wahl.

Mein Fazit:
„Das schönste aller Leben“ ist ein gelungener und unbedingt empfehlenswerter Roman. Nach ihrem vielversprechenden Debüt ist zu hoffen, dass wir in Zukunft mehr von Betty Boras lesen dürfen. Ein Highlight im Frühjahr 2025!

Veröffentlicht am 07.03.2026

Innerhalb und außerhalb der Jackentasche

Stock & Stein
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Stock und Stein leben in der Jackentasche eines Kindes, zusammen mit allerlei Krimskrams wie einer Büroklammer, einer Münze und einem Knopf. Doch heute ist Waschtag und die beiden werden unsanft von einem ...

Stock und Stein leben in der Jackentasche eines Kindes, zusammen mit allerlei Krimskrams wie einer Büroklammer, einer Münze und einem Knopf. Doch heute ist Waschtag und die beiden werden unsanft von einem Erwachsenen vor die Haustür befördert. Was soll nun bloß aus ihnen werden? Die Fantasie von Stock und Stein spielt verrückt…

„Stock & Stein“ ist ein Bilderbuch von Anne-Kathrin Behl, das vom Verlag für Kinder ab vier Jahren empfohlen wird.

Die Geschichte wird auf 24 Seiten erzählt. Dabei dominieren die liebevoll gezeichneten Illustrationen von Anne-Kathrin Behl. Sie sind wunderbar farbenfroh und kreativ. Zugleich wirken sie auf angenehme Weise modern.

Der Textanteil ist so gering, dass das Bilderbuch schon für Dreijährige nachvollziehbar sein dürfte. Der Wortschatz und die Syntax sind gut auf die Altersgruppe abgestimmt. Dabei fällt auf, dass der leicht verständliche Text überwiegend in Dialogen formuliert ist, was an einen Comic erinnert.

Sowohl Stock als auch Stein sind ungewöhnliche und erfrischend originelle Protagonisten. Sie werden sympathisch und niedlich dargestellt. Figuren, die man auf Anhieb ins Herz schließt.

Besonders klasse finde ich, dass das Kind und der Erwachsene nur angedeutet werden. Deren Geschlecht und genaues Aussehen bleiben so diffus, dass sich viele Kinder damit identifizieren können.

Die Geschichte handelt vor allem vom Vorstellungsvermögen. Was könnte den beiden zustoßen, in positiver oder negativer Hinsicht? Welche Pläne könnten sie schmieden? Die Einfälle der beiden sind lustig, teilweise ein bisschen albern, aber durchweg charmant. Die Gedankenexperimente sind daher unterhaltsam und lassen ein echtes Abenteuer nicht vermissen.

Mein Fazit:
„Stock & Stein“ von Anne-Kathrin Behl ist ein einzigartiges Bilderbuch, das mit Witz und Kreativität überzeugt. Sehr empfehlenswert!

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