Zypern
Das Flüstern der FeigenbäumeZypern, idyllisch im Mittelmeer gelegen, ist eine wunderschöne Ferieninsel doch deren Hauptstadt Nikosia ist auch die letzte geteilte Hauptstadt innerhalb Europas.
In „Das Flüstern der Feigenbäume“ thematisiert ...
Zypern, idyllisch im Mittelmeer gelegen, ist eine wunderschöne Ferieninsel doch deren Hauptstadt Nikosia ist auch die letzte geteilte Hauptstadt innerhalb Europas.
In „Das Flüstern der Feigenbäume“ thematisiert Elif Shafak den Bürgerkrieg in Zypern und in der Folge die Teilung der Insel in eine griechische und eine türkische Seite. Was dieser Konflikt mit den Menschen gemacht hat, Kriegstraumata, Fluchtgeschichten und Auswirkungen auf nachfolgende Generationen, all das erfahren wir beispielhaft anhand des griechischen Zyprers Kostas, seiner Frau Daphne, einer türkischen Zyprerin und deren gemeinsamer Tochter Ada, die in England geboren wurde und die Insel gar nicht kennt. Ada weiß so gut wie nichts über die Vergangenheit ihrer Eltern und das macht ihr als Teenagerin zu schaffen. Der Vater schweigt beharrlich, doch als die Tante nach dem Tod der Mutter anreist, stellt sie schnell fest, dass Gespräche mit ihr möglich sind und sie die Chance haben wird, mehr über ihre Wurzeln herausfinden zu können.
Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich den Feigenbaum, der im Roman eine eigene Erzählstimme bekommt. Mit diesem Kniff bekommen wir als Leser nochmal eine übergeordnete Perspektive auf den Konflikt und die Menschen und werden mit einer Menge „Baumwissen“ versorgt. Der Feigenbaum steht in der Taverne eines schwulen Paares und dient als Treffpunkt für die beiden Liebenden, Daphne und Kostas. Ein Steckling dieses Baumes immigriert auch später in einem Koffer mit nach London, so dass er auch von dort aus weiter berichten kann.
Ich fand das Buch berührend und interessant und ich liebe den poetischen Schreibstil der Autorin. Bei dieser verbotenen Liebe kamen mir natürlich sofort Romeo und Julia in den Sinn. Leider ist der Zypernkonflikt ja bis heute nicht wirklich gelöst und der Frieden muss immer noch durch UN Friedenstruppen gesichert werden.
Ich verstehe warum die Autorin dem Feigenbaum eine Stimme gegeben hat, bin aber kein großer Fan von magischen Realismus, auch in diesem Fall nicht.Deshalb gibt es hier bei mir einen halben Punkt Abzug.
Es war aber wirklich spannend diese Familiengeschichte eingebettet in die zyprische Geschichte zu lesen. Auf diese Weise wird Geschichte lebendig.
Dieses Buch ist auf jeden Fall eine Empfehlung und der sprechende Feigenbaum halt Geschmacksache.