Nur echte Klugscheißer können es sehen – das Klugscheißerchen von Marc Uwe Kling. Da hat es bei Familie Theufel mit Th allerdings große Chancen, der hier weiß jeder alles besser.
Mit wunderbarem Humor ...
Nur echte Klugscheißer können es sehen – das Klugscheißerchen von Marc Uwe Kling. Da hat es bei Familie Theufel mit Th allerdings große Chancen, der hier weiß jeder alles besser.
Mit wunderbarem Humor und großartigem Sprachwitz, aber auch mit viel Liebe und Zärtlichkeit erzählt der Autor die Geschichte, wie die beiden Kinder Tina und Theo auf dem Dachboden das Klugscheißerchen entdecken. Und sofort entfalten sich schnelle Dialoge darüber, wie die Dinge richtig sind oder heißen. Denn ein Klugscheißerchen hat einen absoluten Sinn für die Richtigkeit aller Dinge und ist da mehr als penibel.
Mit dem Hörbuch zeigt der Autor, dass er nicht nur witzige und freche, unterhaltsame und spannende Bücher schreiben, sondern sie auch genauso vorlesen kann. Mit großer Leichtigkeit schlüpft er in die verschiedenen Rollen und verleiht jeder eine eigene Ausdrucksweise. So wird der Vortrag überaus lebendig und mitreißend. Die musikalischen Noten dazu wirken häufig wie ein lustig-ironischer Kommentar zu Handlung.
Absolut empfehlenswert zu lesen oder besser noch sich vorlesen zu lassen vom Autor selbst!
Im dritten Teil der Vorgeschichte „Der geheimen Drachenschule“ müssen die Freunde und Drachenreiter Jeremias, Ash und Buckel zum einen gegen die schwarze Bibliothek zu Felde ziehen, mit Hilfe derer die ...
Im dritten Teil der Vorgeschichte „Der geheimen Drachenschule“ müssen die Freunde und Drachenreiter Jeremias, Ash und Buckel zum einen gegen die schwarze Bibliothek zu Felde ziehen, mit Hilfe derer die grauen Brüder die Drachen vernichten wollen. Außerdem macht ihnen ihr Erzrivale Marcus das Leben schwer. Doch ganz unerwartet dreht sich das bereits verloren geglaubte Los der Drachen …
Die Geschichte hat genau die richtige Mischung aus Spannung, Grusel und witzigen Begebenheiten, sodass man sich nicht zu sehr gruselt und großen Spaß beim Zuhören hat. Nur zu gerne wären man mit den Freunden unterwegs, die für einander einstehen, die aber auch alle ihre Macken haben und sich damit manchmal in Schwierigkeiten bringen, aus denen sie nur mit Mühe, Not und kluger Raffinesse zu befreien vermögen.
Das Hörbuch ist hervorragend gelesen. Der Sprecher hat eine phantastische Lesestimme, die er sehr geschickt einsetzt, sodass es nie langatmig wird und man dem Vortrag gebannt folgen kann. Auch die akustische Untermalung bisweilen macht das Ganze zu einem großen Hörvergnügen.
Florian Illies hat sich wieder einmal einem historischen und einem kulturgeschichtlichen Stoff in Hochkonzentrat gewidmet: ein Sommer im Jahre 1933, von Mai bis September, in Sanary sur Mar. Die erste ...
Florian Illies hat sich wieder einmal einem historischen und einem kulturgeschichtlichen Stoff in Hochkonzentrat gewidmet: ein Sommer im Jahre 1933, von Mai bis September, in Sanary sur Mar. Die erste Station von Thomas Mann und seiner Großfamilie im Exil im exzentrischen Kreis von Intellektuellen und Künstlern, die vor den Nazis geflohen sind oder einfach auch nur einen Sommer an der Küste des Mittelmeers mit dem typischen Charme und Flair verbringen sollen.
Mit feiner Ironie beschreibt Florian Illies insbesondere die Schrullen, wenn man es so nennen will, des Großbürgerlichen Thomas Mann, der auch in den Unbilden des Exils seinen gewohnten Komfort als Nobelpreisträger, erfolgreicher, international bekannter Autor und in die wohlhabende Familie Pringsheim Eingeheirateter zu genießen verlangt. Fast zynisch klingen seine Klagen über die Unbequemlichkeit der Reise nach Sanary, wenn man bedenkt, wie andere aus Deutschland geflohen sind und wieder anderen diese Flucht gar nicht erst gelang und sie in die Konzentrationslager verschickt wurden. Der ganze Kreis an exzentrischen, schillernden Figuren, der sich um die Familie Mann schart oder – wie die beiden Kinder Klaus und Erika – zur selben gehören entlockt dem Autor immer wieder ein paar ironische Seitenhiebe auf Befindlichkeit, Eitelkeiten und auch Selbstverliebtheiten, denen die Empathie für die Gefühlslage anderer gänzlich abgeht. Seien es Thomas Manns eigene Kinder, wie der ungewollte Sohn Michael oder der nicht ganz ernst genommene Golo, die darunter leiden, oder betrogene Ehefrauen und ausrangierte Geliebte, die manch anderer Gast in Sanary auf dem Gewissen hat.
Zugleich macht Illies die zunehmenden Repressalien der Nazis gegenüber den jüdischen Bürgern sowie den Andersdenkenden oder unkonventionell lebenden Künstlern und Intellektuellen und die damit beginnende Atmosphäre von Bedrohung, Angst und Schrecken gut fühlbar.
Dem entgegen setzt er beinahe poetisch die Stimmung in Sanary sur Mar, der warme Sommer, der auch ein Stück weit noch Unbeschwertheit und Genuss der französischen l‘art de vivre verspricht, die Villa, sagenhaft am Meer gelegen, die viel Komfort bietet, der intellektuelle Austausch in der Künstlergemeinde, die Treffen und Feiern, die Tagesroutinen, Sport und Vergnügungen, die bisweilen die Exilsituation vergessen lassen.
Mit großem Vergnügen lauscht man der großartigen Stimme von Stephan Schad, der genau den richtigen Ton für dieses Buch trifft. Die Fülle an Informationen und Details, die Florian Illies hier zusammengetragen hat, machen es zwar bisweilen nicht ganz einfach, alles mitzubekommen und mitzubehalten – man muss schon mit Konzentration folgen -, aber dennoch kann man immer wieder mühelos einsteigen und sich auf ein neues Kapitel aus diesem Sommer einlassen.
Dieses (Hör-)Buch verbindet eine Unmenge an Detailwissen mit viel Atmosphäre und großem Unterhaltungswert.
Ich lese sie einfach immer wieder gerne, die zuletzt erschienen Bücher von Carmen Korn. Auch wenn die Bücher viel gemeinsam haben, immer wieder jüngste deutsche Vergangenheit, immer wieder ein Kreis unterschiedlichster ...
Ich lese sie einfach immer wieder gerne, die zuletzt erschienen Bücher von Carmen Korn. Auch wenn die Bücher viel gemeinsam haben, immer wieder jüngste deutsche Vergangenheit, immer wieder ein Kreis unterschiedlichster Menschen, der sich zusammenfindet, immer wieder Hamburger Lokalkolorit, wird es mir nie langweilig mit ihren historischen Romanen.
So habe ich auch „In den Scherben das Licht“ mit viel Freude gelesen. Im Mittelpunkt ein halb von Bomben zerstörtes Haus, ein Keller als Zufluchtsort für zwei durch den Krieg heimatlos gewordene junge Menschen, die niemanden mehr haben und einen neuen Anfang suchen, ein Erdgeschoss, in der die alternde ehemalige Schauspielerin wohnt, die die Vergangenheit einholt in Form der beiden Männer, die einst um ihre Gunst buhlten: einen Kriegsgewinnler und ein jüdischer Kunstkritiker, der nur mit Mühe und Not Deportation und Lager überlebt hat.
Carmen Korn schreibt immer kleine feine Geschichten, die sich durch die Personenkonstellationen zusammenzufügen. Sie verleiht ihnen viel Charme durch das liebevoll gezeichnete Hamburg und viel Lebendigkeit durch die eingewobenen historischen Begebenheiten, mal die ganz großen Themen, wie die Judenverfolgung und die Frage nach Schuld und Vergebung, bisweilen die kleinen, reizvollen Details, wie ein ein Pepita-Kleid à la Lauren Bacall. Und schon hat man ein Bild vor Augen, ein Lied im Kopf, eine Stimmung im Gefühl.
Die Autorin entwirft viele Figuren, die man lieben kann, wie Viktor Francke, den jüdischen Intellektuellen, der nicht hadert mit seinem Los und seinen Verlusten, sondern nach einer Möglichkeit des Überlebens sucht, bei der die Kunst und die Kultur eine Rolle spielt, wie auch Professor Nast, für den Gisela arbeitet. Leute, mit denen man mitfühlen kann, wie Gisela und Gert, die Hoffnung zu haben wagen oder auch nicht, mit Hilfe des Suchdienstes verschollene Familie zu finden. Oder über die man sich aufregen kann, wie Marthe, die selbstbezogene Schnorrerin, die versucht, sich den Schwarzmarkt zu nutze zu machen und Pallutke, den Kriegsgewinnler, der immer Oberwasser zu haben scheint. Aber auch die eher unsympathischen Figuren haben immer einen Zug an sich, der den Leser versöhnlicher oder mitfühlender werden lässt. Und auch die Guten haben die ein oder andere Anfechtung zu durchleiden, damit nicht zu sehr in Schwarz und Weiß gedacht werden kann.
Geschrieben ist dies alles in einem leisen, feinen, unaufgeregten, unpathetischen Ton, der Raum lässt für eigene Gedanken und Gefühle und der sich einfach gut lesen lässt. Und den die Autorin selbst so wunderbar passend und mit einer sehr angenehmen Stimme auch eingelesen hat. Denn so lesenswert ihre Romane, so hörenswert sind diese auch als Hörbuch.
Nach der Jahrhundertrilogie und der Zwei-Städte-Saga ist das nun ein Einbänder, wenn man so will, angekündigt als der Abschluss sozusagen. Das wäre allerdings sehr schade, gäbe es keine kleinen, feinen Geschichten mehr aus dem Hamburg der jüngeren Vergangenheit mit den vielen liebgewonnen Figuren, die bisweilen sogar auch in einem der anderen Romane vorsichtig um die Ecke lugen.
Nach dem Tod ihres Mannes enthüllt er seiner Frau Hannah in Briefen, die er ihr hinterlassen hat, ein Geheimnis das ihr Leben im Nachhinein in den Grundfesten erschüttert. Dabei war ihr Leben wie das ihrer ...
Nach dem Tod ihres Mannes enthüllt er seiner Frau Hannah in Briefen, die er ihr hinterlassen hat, ein Geheimnis das ihr Leben im Nachhinein in den Grundfesten erschüttert. Dabei war ihr Leben wie das ihrer Schwester Sadie und auch das von Megan, die alle drei im alten Obstgarten der Familie, wo Hannah noch immer lebt, aufeinander treffen, alles andere als einfach. Das Jahr, in dem der Leser die drei begleitet, bringt in ihrem Leben viel in Bewegung. Und die Bienen und die Äpfelbäume tragen ihren Teil dazu bei, dass sich das Beziehungsgefüge der drei neu ausrichten kann, indem es sich an der Natur und ihrem steten Wandel orientiert.
Die Naturbeschreibungen in diesem Roman sind großartig und sehr intensiv. Man wäre als Leser selbst gern in diesem alten Garten. Bei der Betrachtung der Verlaufes der Natur innerhalb eines Jahres enthüllt sich dem Leser zum einen die Härte allen Lebens, das durch Werden und Vergehen gekennzeichnet ist. Zugleich bietet es ihm eine Reichhaltigkeit und Fülle, die kein menschengemachtes Leben je ersetzen könnte. In den Betrachtungen findet sich eine Tiefe und eine Ruhe, die nicht nur die Figuren des Buches zum Innehalten und Bedenken des eigenen Lebens veranlasst. Das Wunder, das sich täglich vor unseren Augen um uns herum in der Natur vollzieht, im Großen wie den Jahreszeiten wie im Kleinen, z. B. in einem Bienenstock oder im Wachsen eines Apfelbaumes macht die Autorin für uns erlebbar und erfahrbar, die wir im Alltag des Geschehens den Bezug zur Natur häufig vernachlässigen oder gar ganz verdrängt haben. Die Figuren des Romans nutzen die Herausforderungen, aber auch das Angebot der Natur, des Zurückgeworfenseins auf das Elementare und auf sich, um ihren Lebensweg zu überdenken. Und dass es dazu nie zu spät ist, zeigt sich daran, dass die Protagonistinnen ganz unterschiedlichen Alters sind und ganz unterschiedliche Lebensentwürfe haben.
Für mich ein besonders intensives Leseerlebnis waren die Briefe von John an seine Frau Hannah: Sie thematisieren neben der individuellen Lebensthematik sehr viele allgemeine Themen, wie die Unzulänglichkeit von Sprache, die Frage von Schuld und Vergeben, die Vergeblichkeit, etwas Geschehenes oder Gesagtes im Nachhinein ändern zu können. Und sie verraten sehr viel Interessantes und Wissenswertes über die Bienen, die oftmals Spiegel sind für das menschliche Leben, denn auch in ihrem Leben geht es um Sprache, um die Erwartungshaltung anderer an das Leben, um Vergeblich- und Vergänglichkeit und um das Überleben.
Ein sehr bedächtig geschriebenes Buch über die Frage, wie man leben will und kann, wobei der Rhythmus der Natur einen sehr gelungenen Rahmen dafür gibt, innezuhalten und nachzudenken.