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Veröffentlicht am 24.04.2026

Entscheidungen

Grüne Welle
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Entscheidungen

Was, wenn ich einfach etwas anderes mache? Wenn ich nicht nach rechts fahre, sondern nah links abbiege? Wenn ich mich in eine andere Linie des Busses setze und schaue, wohin er mich bringt?

So ...

Entscheidungen

Was, wenn ich einfach etwas anderes mache? Wenn ich nicht nach rechts fahre, sondern nah links abbiege? Wenn ich mich in eine andere Linie des Busses setze und schaue, wohin er mich bringt?

So ähnlich geht es unserer Protagonistin. Denn nach einem Kinobesuch verfährt sich eine Frau wegen einer Umleitung und fährt immer weiter von ihrem Zuhause weg. Während sie die Nacht und den folgenden Tag unterwegs ist, wird ihr klar, dass die Rückkehr zu ihrem Mann vielleicht gefährlicher ist als die unheimliche Reise selbst.

Es ist kein klassischer Roadtrip, sondern vielmehr ein leises “von den Problemen weg fahren” Weniger von äußeren Ereignissen als von Gedanken, Erinnerungen und Zweifeln angetrieben.
Die namenlose Protagonistin bleibt uns als Leser dabei jedoch recht distanziert. Ich konnte nicht alle Entscheidungen nachvollziehen und habe dann überlegt, was ich wohl machen würde.

Sprachlich konnte mich der Roman durch seinen ruhigen, teilweise fast kühlen Stil überzeugen. Auch wenn ich etwas gebraucht habe, um reinzukommen. Lange Gedankengänge und wenig äußere Handlung fordern Geduld. Es hat jedoch eine ganz eigene, besondere Atmosphäre. Dunkle Straßen und leere Rastplätze.

Der Roman wirkt als würde man nur einen kleinen Blick in das Leben der Protagonistin erhalten. Eine Geschichte zum Weiterdenken und überlegen, wie man selbst handeln würde. Kein Buch für jede Zeit im Leben, aber manchmal braucht es eben genauso ein Buch. Und auch kein Buch zum schnellen Durchlesen, sondern eines, das nachhallt. Gerade weil es viele Fragen offenlässt.

ISBN: 978-3257073812
Autorin: Esther Schüttpelz
Verlag: Diogenes
ET: 25.02.26
Umfang: 208 Seiten

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Wenn Bilder sprechen könnten

Zwei in einem Bild
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Wenn Bilder sprechen könnten

Haben wir uns das nicht alle schon mal gefragt? Zum einen ist es spannend zu wissen, was sie so alles sehen und hören, wenn man sich unbeobachtet fühlt. Auf der anderen Seite, ...

Wenn Bilder sprechen könnten

Haben wir uns das nicht alle schon mal gefragt? Zum einen ist es spannend zu wissen, was sie so alles sehen und hören, wenn man sich unbeobachtet fühlt. Auf der anderen Seite, was können sie uns über sich selbst erzählen?

Jean jedenfalls ist als Figur in einem Gemälde seines Vaters, Henri Matisse, gefangen. Als Museumsmitarbeiterin Claire entdeckt, wie sie in das Bild gelangen kann, erleben sie gemeinsam eine faszinierende Welt innerhalb der Kunstwerke. Doch ihr scheinbar grenzenloses Abenteuer wird plötzlich bedroht.

Die Idee selbst mag nicht neu sein, aber ich fand sie ganz toll umgesetzt. Ich habe mich ganz auf das Buch eingelassen und es als gegeben hingenommen, dass Figuren aus Bilder sprechen können. Was zunächst wie ein verwirrendes Spiel mit Realität und Fantasie wirkt, entfaltet sich beim Lesen erstaunlich selbstverständlich und mit einer schönen Leichtigkeit. Es fühlt sich fast natürlich an, dass Grenzen verschwimmen und ich mich irgendwo zwischen Museum, Kunstwerk und einer ganz eigenen Realität bewege.

Jean konnte ich dabei schnell in mein Herz schließen. In seiner stillen, fast zerbrechlichen Art passt er perfekt in die Welt, aus der er stammt. Gerade diese leise, zurückgenommene Erzählweise hat mich überrascht. Das Bild, in dem er selbst ist, ist “Die Musikstunde” von Matisse.

“Visuell stellt "Die Musikstunde" eine ruhige und intime Szene dar, in der der Künstler den Innenraum und die Beziehungen zwischen den Figuren sorgfältig komponiert. Im Zentrum spielt ein Kind Geige unter der Anleitung eines Erwachsenen, vermutlich eines Elternteils oder Lehrers.” Beim Lesen hatte ich tatsächlich ein etwas anderes Bild im Kopf. Aber genau das macht es am Ende ja noch spannender.

Claire bringt eine ganz andere Energie hinein. Ihre Begegnungen haben etwas Zartes, fast Unwirkliches. Es geht um zwei Menschen, die eigentlich nicht zueinander gehören können und sich trotzdem finden.

Sprachlich hat mich das Buch besonders abgeholt. Die Sprache ist ruhig, teilweise poetisch, ohne kitschig zu werden. Viele Szenen wirken nach. Eben so, als würde man selbst die Bilder im Museum ansehen.

Man sollte dieses Buch nicht zu sehr zerdenken. Es lebt davon, dass man sich darauf einlässt und diese kleinen Fantasien zulässt.

ISBN: 978-3455021189
Autor: Morgan Pager
Verlag: Hoffmann
ET: 04.03.26
Umfang: 352 Seiten

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Die Zukunft geht uns alle an.

The Factory – Es gibt kein Entkommen
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Die Zukunft geht uns alle an.

Daher nimmt der 13-jährige Asher an einem angeblichen Forschungsprojekt rund um saubere Energie in der geheimnisvollen „Factory“ teil. Es verspricht Bildung und Wohlstand. ...

Die Zukunft geht uns alle an.

Daher nimmt der 13-jährige Asher an einem angeblichen Forschungsprojekt rund um saubere Energie in der geheimnisvollen „Factory“ teil. Es verspricht Bildung und Wohlstand. Stattdessen entdeckt er eine streng überwachte Anlage mit gefährlichen Experimenten an Jugendlichen. Gemeinsam mit neuen Freunden versucht er, die wahren, schockierenden Ziele der Einrichtung aufzudecken und stößt dabei auch auf die mögliche Verstrickung seines eigenen Vaters.

Das Buch richtet sich zum größten Teil an Jugendliche, doch auch ich habe es gern gelesen und werde es sicher auch meinem Kind geben, wenn es das Alter zum Verstehen des Inhaltes erreicht hat. Wobei ich vermutlich eher 14, als 12 als Alter sehe.

Die Protagonisten fand ich gut beschrieben und ausgearbeitet. Denn gerade Asher wird hier sehr zugänglich und nahbar beschrieben. Für ein Jugendbuch wichtig, um sich selbst mit dem Gelesenen identifizieren zu können.

Die Story selbst war gut geschrieben und nachvollziehbar. Sie spielt nicht im Jetzt, sondern in einer Zukunft. Jedoch hatte ich zu Beginn etwas Probleme mit den Zeitebenen. Aber nachdem ich mich daran gewöhnt habe, war auch das in Ordnung. Könnte mir aber vorstellen, dass es bei jüngeren Lesern etwas zu Fragen kommen könnte.

Da es sich um eine Dilogie handelt, haben wir hier kein abgeschlossenes Ende und müssen uns für alle Auflösungen wohl auf den zweiten Band gedulden.

ISBN: 978-3737375474
Autorin: Catherine Egan
Verlag: Fischer
ET: 26.01.26
Umfang: 352 Seiten

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Wie kann es so weit kommen?

Lieblingsleichen
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Wie kann es so weit kommen?

Ein Krimi, der in Hamburg spielt? Da bin ich dabei. Und auch wenn es bereits der vierte Band einer Reihe ist, wollte ich den Krimi dennoch gern lesen.

Ein Serienmörder kün ...

Wie kann es so weit kommen?

Ein Krimi, der in Hamburg spielt? Da bin ich dabei. Und auch wenn es bereits der vierte Band einer Reihe ist, wollte ich den Krimi dennoch gern lesen.

Ein Serienmörder kün digt seine Taten durch Miniatur-Leichen im Hamburger Miniatur Wunderland an. Kurz darauf werden echte Obdachlose an identischen Orten ermordet und mit der zynischen Notiz „Lieblingsleiche“ versehen. Kommissar Knudsen ermittelt in einem Fall, der gesellschaftliche Abgründe offenlegt und schließlich endet er in einem dramatischen Showdown im Sachsenwald.

Es ist ein recht politischer Thriller, da das Motiv ausländerfeindlich ist. Das ist auch kein Spoiler, denn die Täter werden recht früh bekannt und wir verfolgen neben der Ermittlung auch deren Motive und Gedanken. In bestimmten Zusammenhängen mag ich es ganz gern, wenn der Täter recht früh bekannt wird, aber hier hat es mir persönlich nicht so gut gefallen. Ich hätte es lieber nach und nach erfahren.

Der Schreibstil selbst war flüssig und man konnte jederzeit die Handlung verfolgen, ohne über Ungereimtheiten zu stolpern.

Wie schon geschrieben, ist es ein Teil einer Reihe, doch war das hier kein Problem. Es gab kaum alte Hinweise oder Dinge aus der Vergangenheit, die eingebracht wurden und die man vielleicht nicht nachvollziehen könnte. Das fand ich gut und man kann das Buch daher auch gut als Einzelband lesen.

Alles in allem war das Buch spannend und man hat gerade am Ende mitgefiebert.

ISBN: 978-3442775149
Autor: Jan Jepsen
Verlag: btb
ET: 11.03.26
Umfang: 320 Seiten

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Veröffentlicht am 11.04.2026

Guter Thriller mit kleinen Schwächen

Bachelorette Party
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Guter Thriller mit kleinen Schwächen

Auf einer abgelegenen schwedischen Insel feiert eine Gruppe Freundinnen einen Junggesellinnenabschied. Doch die Journalistin Tessa erkennt Parallelen zu einem alten ...

Guter Thriller mit kleinen Schwächen

Auf einer abgelegenen schwedischen Insel feiert eine Gruppe Freundinnen einen Junggesellinnenabschied. Doch die Journalistin Tessa erkennt Parallelen zu einem alten Vermisstenfall. Als ihr Boot verschwindet, sind sie gefangen und als eine von ihnen stirbt, wird etwas deutlich klar. Jemand verfolgt einen tödlichen Racheplan.

Die Idee fand ich gut. Rache ist ein klassisches Motiv und kann auf unterschiedlichste Weisen eingesetzt werden.

Alles in allem fand ich den Thriller gut, doch hat mir an manchen Stellen due Spannung etwas gefehlt bzw. wurden durch ein paar Nebensächlichkeiten die Hauptstory unterbrochen und man kam ab und an raus.

Wir erleben unterschiedliche Zeitebenen und kommen so nach und nach der Auflösung näher. Die Protagonisten waren allerdings leider etwas grau. Sie waren da, haben ihre Aufgabe erledigt - doch gern hätte ich mir da noch etwas mehr Tiefe gewünscht.

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