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Veröffentlicht am 12.04.2026

Wild und atmosphärisch

Partypeople
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PARTY PEOPLE
Stefan Sommer
ET: 24.02.26

Ui, da bin ich wieder… Ich habe gerade durchgetanzt, den Beat im ganzen Körper gespürt, der Schweiß lief aus allen Poren – und die Drogen haben ihr Übriges getan. ...

PARTY PEOPLE
Stefan Sommer
ET: 24.02.26

Ui, da bin ich wieder… Ich habe gerade durchgetanzt, den Beat im ganzen Körper gespürt, der Schweiß lief aus allen Poren – und die Drogen haben ihr Übriges getan. Was für ein Ritt, den ich gemeinsam mit dem Ich-Erzähler erlebt habe!

Er ist DJ – entweder ganz oben, vollgepumpt mit allem, was man sich so einwerfen kann, immer an der Grenze zum „Over the Top“, oder ganz unten: vom Leben gelangweilt, einsam und genervt von den Menschen, die es eigentlich nur gut mit ihm meinen.

Stefan Sommer beschreibt das Leben eines Techno-DJs unglaublich intensiv, bildgewaltig und authentisch. Die vielen englischen Dialoge passen perfekt zur Szene und wirken keineswegs aufgesetzt.

Dass der Protagonist nicht besonders sympathisch ist, scheint klar beabsichtigt – und passt meiner Meinung nach sehr gut zur Geschichte. Weniger gefallen hat mir allerdings, dass es keinen durchgehenden Handlungsstrang gibt, sondern eher einzelne Episoden und Momentaufnahmen aus seinem Leben.

Besonders stark fand ich das erste Kapitel: das Intro, wenn der DJ die Bühne betritt, der ganze Park ausrastet, der Boden bebt und die Hände in die Höhe schnellen – das war richtig intensiv und hat mich sofort gepackt.

Fazit:
Ein wilder, atmosphärischer Trip, der mich an meine eigene Techno-Zeit erinnert hat.
Empfehlen würde ich das Buch vor allem jüngeren Leser:innen oder allen, die eine Affinität zur elektronischen Musikszene haben.
3½/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2026

Ein Buch das nachhallt ...

Ein volles Leben
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EIN VOLLES LEBEN
Joost Oomen
ET: 11.02.26

Dr. Theo Engel ist Allgemeinmediziner und arbeitet seit einigen Jahren in den Niederlanden als Sterbehilfearzt. Täglich erreichen ihn Anfragen von Menschen, die ...

EIN VOLLES LEBEN
Joost Oomen
ET: 11.02.26

Dr. Theo Engel ist Allgemeinmediziner und arbeitet seit einigen Jahren in den Niederlanden als Sterbehilfearzt. Täglich erreichen ihn Anfragen von Menschen, die unheilbar krank sind und sich wünschen, ohne Schmerzen aus dem Leben zu gehen. Doch die Hürden sind hoch: Sterbehilfe darf nur geleistet werden, wenn ein aussichtsloses und unerträgliches Leiden vorliegt – der bloße Wunsch zu sterben reicht nicht aus. Die vielen Vorgespräche, in denen Theo prüfen muss, ob die gesetzlichen Kriterien erfüllt sind, sind belastend. Schon lange fühlt er sich ausgebrannt, und jede neue Anfrage kostet ihn Kraft.

Eines Tages erhält er einen Brief von Gerrit Blauw. Gerrit möchte seinem Leben ein Ende setzen, weil er es als erfüllt betrachtet. Dem Schreiben legt er seine Lebensgeschichte bei. Wie diese genau aussieht, müsst ihr selbst herausfinden – nur so viel sei verraten: Es geht um eine große Liebe und um eine Giraffe.

Was für ein interessanter Ritt! Auf gerade einmal 190 Seiten passiert unglaublich viel, und manches ist herrlich skurril. Ich möchte gleich vorwegnehmen, dass mir das Buch gefallen hat und ich es gern gelesen habe – wenn auch mit gemischten Gefühlen. Besonders die Geschichte von Gerrit hat mir sehr gefallen. Es war schön, ihn von der Jugend bis ins Erwachsenenalter zu begleiten und Stück für Stück mehr über sein Leben zu erfahren.

Der Erzählstrang um Dr. Theo Engel hat mich dagegen eher belastet. Die vielen kranken Menschen, die unzähligen Anfragen – das hat mich beim Lesen immer wieder heruntergezogen. Versteht mich nicht falsch: Ich befürworte Sterbehilfe. Vielleicht hat mich dieser Teil aber gerade deshalb so beschäftigt, weil man mit zunehmendem Alter merkt, dass Themen wie Krankheit und Tod näher rücken. Mit diesem Teil der Geschichte hatte ich daher persönlich etwas mehr Schwierigkeiten.

Dennoch lässt sich der Roman leicht und flüssig lesen, und ich habe es sehr genossen, einmal eine ganz andere, ungewöhnliche Geschichte zu entdecken.

Fazit:
Ein Roman über Sterbehilfe und die Frage, was ein erfülltes Leben – und vielleicht auch ein guter Tod – sein kann. Ein besonderes Buch, das zum Nachdenken anregt und das ich gern weiterempfehle.
3½/5

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.11.2025

Ein Buch für entspannte Wintertage

Drei Tage im Schnee
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DREI TAGE IM SCHNEE
Ina Bhatter

Hannah ist 30, ausgebrannt und vom Alltag überfordert. Früher hat sie ihre Arbeit geliebt, doch inzwischen hetzt sie nur noch von Termin zu Meeting und wünscht sich nichts ...

DREI TAGE IM SCHNEE
Ina Bhatter

Hannah ist 30, ausgebrannt und vom Alltag überfordert. Früher hat sie ihre Arbeit geliebt, doch inzwischen hetzt sie nur noch von Termin zu Meeting und wünscht sich nichts sehnlicher, als einfach im Bett liegen zu bleiben. Um dem Stress zu entkommen, mietet sie sich ein Wochenende eine Hütte am See. Anfangs klingt das nach einer idyllischen Auszeit – doch der Schneefall macht alles ein wenig komplizierter.

Dann taucht die sechsjährige Sophie auf, voller Lebensfreude und Lust auf Schneeengel. Schnell entsteht zwischen den beiden eine besondere Verbindung: Hannah lässt sich treiben, baut Iglus, trinkt Kakao und findet Momente der Leichtigkeit. Dabei denkt sie über ihr eigenes Leben nach und reflektiert, was wirklich wichtig ist. Am Ende bleibt ein bisschen die Frage: War alles wirklich so oder nur ein Traum?

„Uns Erwachsenen wäre deutlich mehr geholfen, wenn wir nicht vergessen würden, wie es war, ein Kind zu sein.“ (S.5)

Eine kleine, warme Wintergeschichte über Neuanfänge, Selbstfindung und die Magie, die Kinder ins Leben bringen können. Das Buch liest sich schnell und leicht, ohne dabei oberflächlich zu sein. Wer sich auf eine ruhige, nachdenkliche Geschichte einlassen möchte, gönnt sich eine Wolldecke, eine Tasse Tee und ein paar Stunden Auszeit.

Fazit:
Ein Buch für entspannte Wintertage, das Ruhe schenkt und gleichzeitig Denkanstöße zum Entschleunigen liefert.
3½/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.11.2025

Nett, aber mit Längen

Die Sonne und die Mond
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DIE SONNE UND DIE MOND
Chris Kraus
ET: 20.8.25

Sonja „Sonne“ und Jana – von allen nur „Mond“ genannt – kennen sich seit Kindertagen. Als Jana nach Deggendorf zog, wurden die Mädchen schnell unzertrennlich. ...

DIE SONNE UND DIE MOND
Chris Kraus
ET: 20.8.25

Sonja „Sonne“ und Jana – von allen nur „Mond“ genannt – kennen sich seit Kindertagen. Als Jana nach Deggendorf zog, wurden die Mädchen schnell unzertrennlich. Sie teilten nicht nur viele Erinnerungen, sondern auch die schmerzliche Erfahrung, früh ein Elternteil verloren zu haben: Sonne ihren Vater durch Selbstmord, Jana ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall. Doch ein Ereignis führte zu einem Bruch, der sie für viele Jahre trennte.

Zehn Jahre später steht Mond, inzwischen eine erfolgreiche Kabarettistin, plötzlich wieder vor Sonne, die heute ein Bestattungsinstitut führt. Sie bittet sie, die Beerdigung ihres Mannes und seiner schwangeren Geliebten zu übernehmen. Sonne weigert sich zunächst, gibt ihrer ehemaligen Freundin schließlich aber nach. Schon bald nimmt Mond wieder einen immer größeren Platz in Sonnens Leben ein – und überschreitet Grenzen, die schon damals zur Entzweihung geführt haben.

Ein Buch, das weit über die Freundschaft von Sonne und Mond hinausgeht.

Der Schreibstil hat mich sehr angesprochen – ruhig, klar und zugleich poetisch, mit feinem schwarzen Humor gespickt. Chris Kraus zeichnet die beiden Frauen mit großem Gespür für ihre Widersprüche und Verletzlichkeiten. Themen wie Verlust, Freundschaft, Loyalität und die Frage nach dem Sinn des Lebens ziehen sich durch die Geschichte, stets begleitet vom Tod, der hier erstaunlich sachlich und unaufgeregt beschrieben wird.

Trotz einiger Längen ist es insgesamt eine kluge und fein erzählte Geschichte über Nähe, Distanz und das, was bleibt.
3,5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.11.2025

Ein besonderes Buch!

Treppe aus Papier
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TREPPE AUS PAPIER
Henrik Szántó
ET: 20.8.25

Was wäre, wenn ein Haus eine Geschichte erzählen könnte – was hätte es wohl alles zu berichten? Henrik Szántó gibt diesem Haus eine Stimme, aber nicht nur ihm, ...

TREPPE AUS PAPIER
Henrik Szántó
ET: 20.8.25

Was wäre, wenn ein Haus eine Geschichte erzählen könnte – was hätte es wohl alles zu berichten? Henrik Szántó gibt diesem Haus eine Stimme, aber nicht nur ihm, sondern auch den Wasserrohren, der Treppe, den Fenstern und all den Dingen, die in so einem Haus zu finden sind.
Und es gibt viel zu erzählen. Das Haus ist über 100 Jahre alt und hat schon viele Mieter kommen und gehen sehen.

Da war zum Beispiel die Familie Thon. Josef Thon war eigentlich Briefträger, aber als die Braunen an die Macht kamen, blühte er auf – über Nacht wurde er wichtig. Seine Tochter Irma freundete sich, eher aus Mangel an Spielgefährten, mit dem jüdischen Mädchen Ruth aus der vierten Etage an. Ruth hatte auf dem Dachboden ein Geheimversteck, und Irma war die Einzige, die davon wusste. Sie hatte versprochen, es niemals zu verraten.

Auch wenn das Haus gern in Erinnerungen schwelgt, gibt es auch in der Gegenwart einiges zu berichten. Nele wohnt heute in Ruths damaliger Wohnung und hat ihre ganz eigenen Sorgen. Das schlimmste aller Probleme: Sie weiß, dass sie ihr Gymnasium wohl nicht schaffen wird. Zum Glück lebt in der ersten Etage die 90-jährige Irma – und die kann ihr für die nächste Geschichtsklausur so einiges erzählen …

Was für eine tolle Idee, ein Haus eine Geschichte erzählen zu lassen! Schon allein das verdient fünf Sterne. Auch die Geschichten zwischen Nele und Irma oder Irma und Ruth konnten mich unglaublich fesseln. Zwischendurch gab es jedoch Passagen, die etwas langatmig oder überladen wirkten.
Ein ungewöhnliches Buch, das ständig zwischen den Zeiten wechselt – manchmal sperrig, dann wieder genial und berührend ist.

Fazit:
Das Buch konnte mich nicht durchgängig überzeugen, ist aber besonders und wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Eine Leseempfehlung für alle, die Geschichten mögen, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verweben – ungewöhnlich, leise und trotzdem voller Wirkung.
3½/5

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