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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.04.2026

Was bist du bereit zu opfern?

The Poet Empress
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Worum geht’s?

Wei wächst als Bauerstochter zu Zeiten der Hungersnot auf. Als der Thronfolger Prinz Terren Konkubinen auswählt, nutzt Wei die Chance, um so ihrer Familie zu helfen. Doch Terren ist grausam ...

Worum geht’s?

Wei wächst als Bauerstochter zu Zeiten der Hungersnot auf. Als der Thronfolger Prinz Terren Konkubinen auswählt, nutzt Wei die Chance, um so ihrer Familie zu helfen. Doch Terren ist grausam und das Leben am kaiserlichen Hof geprägt von Machtspielen und Intrigen. Um zu überleben muss Wei versuchen sich hier zu behaupten.

Wie war’s?

Diese Buch hat mich wieder total getroffen. Es ließ sich super lesen, aber täuscht euch nicht: Es ist brutal, düster und greift für ein Jugendbuch einige wirklich heftige Themen auf. Checkt ggf. die Triggerwarnungen.

Das Magiesystem war vergleichsweise dezent, aber besonders. Grob geht es um Sprache und das Verfassen von Gedichten zum Wirken von Magie. Das hat mich an Babel oder Blood over Bright Haven erinnert. Es fügt sich in ein Geflecht aus patriarchalen Strukturen ein, denn nur Männern ist es erlaubt Lesen zu lernen und damit Magie wirken zu können. Es geht also viel um Politik, Macht und Intrigen. Und hier behauptet sich Wei unglaublich gut.

Denn was ich sehr erfrischend fand war, dass wir mit Wei eine Protagonistin haben, die nicht hübsch, stark oder kampferprobt ist. Sie kann noch nicht mal lesen. Aber sie ist eine Strategin. Sie wächst mit ihren Aufgaben, lernt das Spiel am kaiserlichen Hof mitzuspielen, ohne ihre eigene Identität zu verlieren. Das war eine ziemlich gut umgesetzte Charakterentwicklung!

Die große Frage, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, ist: Was bist du bereit zu tun? Und wie sehr bist zu bereit dich zu verändern, um zu überleben? Eigentlich sind asiatische Settings nicht so meins, aber Shen Tao hat mich hier komplett abgeholt. Die Story ist so dicht gewebt, voller Emotionen und auch immer wieder sehr tragisch, sodass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Stell dir vor...

Der andere Arthur
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Worum geht’s?

Arthur Opp ist ein einsamer, übergewichtiger Literaturprofessor, der sein Haus nicht mehr verlässt. Sein einziger sozialer Kontakt ist eine jahrelange Brieffreundschaft mit seiner ehemaligen ...

Worum geht’s?

Arthur Opp ist ein einsamer, übergewichtiger Literaturprofessor, der sein Haus nicht mehr verlässt. Sein einziger sozialer Kontakt ist eine jahrelange Brieffreundschaft mit seiner ehemaligen Studentin Charlene. Als Sie ihn um Hilfe für ihren Sohn bittet, gerät sein isoliertes Leben ins Wanken. Parallel begleiten wir den jungen Kel, der mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hat.



Wie war’s?

Das war mein erstes Buch von Liz Moore, aber ganz sicher nicht mein letztes! Es lies sich unglaublich gut lesen und hat sich nach und nach zu einer immer tiefgreifenderen und emotionalen Geschichte entwickelt. Die Richtung, die das Buch genommen hat, habe ich nicht erwartet.

Was mir sehr gefallen hat, war die Umsetzung der beiden POVs. Der Wechsel ist nicht gekennzeichnet, aber Liz Moore arbeitet hier mit völlig verschiedenen Schreibstilen. Das erleichtert den Wechsel zwischen den Charakteren und macht die die jeweiligen Persönlichkeit sehr greifbar und real.

Die Geschichte ist zwischenzeitig wirklich tragisch und sehr emotional. Ich war immer wieder sehr ergriffen. Es geht um Einsamkeit, verpasste Chancen und die Frage, wer wir eigentlich sind. Gleichzeitig gibt es aber so viele schöne und hoffnungsvolle Momente. Liz Moore schreibt einfach sehr empathisch, sodass ich mich den Charakteren nicht entziehen konnte.

Ich will gar nicht mehr auf den Inhalt und die Charaktere eingehen, um durch die Rezension kein Überraschungsmoment kaputt zu machen. Das war für mich auch ein wenig das Besondere an diesem Buch.

Gebt diesem Buch unbedingt eine Chance! Mich hat es berührt und damit überrascht, wie es seine wahre Stärke nach und nach entfaltet.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Erwachsenwerden in dieser Welt

Wenn wir lächeln
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𝗪𝗼𝗿𝘂𝗺 𝗴𝗲𝗵𝘁'𝘀?
Jara verbringt den Sommer fast nur mit ihrer Freundin Anto. Ihre gemeinsame Zeit verbringen sie mit Alkohol, Partys und Baseballschlägern. Denn neben ihrer tiefen Freundschaft füreinander ...

𝗪𝗼𝗿𝘂𝗺 𝗴𝗲𝗵𝘁'𝘀?
Jara verbringt den Sommer fast nur mit ihrer Freundin Anto. Ihre gemeinsame Zeit verbringen sie mit Alkohol, Partys und Baseballschlägern. Denn neben ihrer tiefen Freundschaft füreinander empfinden sie eine tiefgreifende Wut. Gerade Anto durchschaut die Machtstrukturen und die Ungerechtigkeiten um sie herum viel früher, als es gut für sie ist und ist Jaras treibende Kraft.
Ein Buch über Freundinnenschaft, das Aufwachsen und die Kraft der eigenen Wut.

​𝗪𝗶𝗲 𝘄𝗮𝗿'𝘀?
Ooh Leute, das war ein intensives Buch, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.

Ich hatte erst ein paar Anlaufschwierigkeiten, denn Mascha Unterlehberg verwendet keine Kennzeichnung für die wörtliche Rede. Wenn man sich daran erstmal gewöhnt hat und es zulässt, dass wörtliche Rede und Gedanken ineinander übergehen, fühlt sich der ganze Schreibstil so echt und lebendig an.
Dazu kommen die nostalgischen 2000er Vibes. Ich war wieder 16.

Und so schön sich das anfangs vielleicht anfühlt, ist dieses Buch alles andere als romantisierend. Es ist erschreckend real.
Mascha Unterlehberg schildert die Situationen sehr intensiv, sodass Jaras Wut schmerzhaft deutlich wird. Ich saß beim Lesen da und war zeitweise einfach nur wütend. Wütend darüber, wie Mädchen in Rollen gedrängt werden und wie schwer es ist, daraus auszubrechen.

Generell fand ich Jaras Gefühle von​ Unzulänglichkeit und Unsicherheit gegenüber Anto und in der patriarchialen Gesellschaft so nachvollziehbar und wie wichtig für sie der Halt durch Anto. Ihre Freundinnenschaft ist tief und prägend, gleichzeitig auch immer wieder toxisch.

Das war ein Buch über Freundschaft, das Aufwachsen und die Kraft der eigenen Wut. Ein Buch, das wehtut und eindringlich schildert, warum wir manchmal eben nicht einfach nur lächeln wollen.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Authentisch, klug und berührend

Statt aus dem Fenster zu schauen
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𝗪𝗼𝗿𝘂𝗺 𝗴𝗲𝗵𝘁'𝘀?
Für alle steht schon lange fest: Aus Sophie wird mal was! Sophie selbst fühlt sich in ihrem Alltag aus Studium und Praktikum allerdings gefangen und will mehr. Sie will auf die andere Seite ...

𝗪𝗼𝗿𝘂𝗺 𝗴𝗲𝗵𝘁'𝘀?
Für alle steht schon lange fest: Aus Sophie wird mal was! Sophie selbst fühlt sich in ihrem Alltag aus Studium und Praktikum allerdings gefangen und will mehr. Sie will auf die andere Seite des Fensters und kauft aus einer Laune heraus auf Kleinanzeigen für 3000€ ein altes Haus in der ostdeutschen Provinz.

​𝗪𝗶𝗲 𝘄𝗮𝗿'𝘀?
Manchmal gibt es diese Bücher, die einen ganz leise und unvorbereitet mitten ins Herz treffen. Dieses gehört dazu. Ich wollte eigentlich nur kurz reinlesen, aber der Schreibstil hat mich sofort gepackt. Er ist so bildlich, voller genialer Vergleiche und sehr atmosphärisch, sodass ich mich gefühlt habe, als würde ich mich mit Sophie in diesem alten Haus befinden. Ich habe förmlich mit ihr den Kartoffelacker umgegraben.

​Sophie selbst empfand ich als sehr authentisch. Sie ist unzufrieden und in jugendlicher Naivität total spontan, wissbegierig und offen gegenüber Neuem. Sie gibt einfach nicht auf und sucht nach dem Sinn, diesem „Mehr“ im Leben, das wir uns doch alle irgendwie wünschen, oder?

​Obwohl eigentlich gar nicht so viel passiert, hat das Buch doch viel mit mir gemacht. Es setzt sich mit existentiellen Fragen auseinander, die ich mir selbst auch schon oft gestellt habe. Das macht es nicht nur leicht, Sophie zu verstehen, es ermutigt auch dazu das eigene Glück selbst in die Hand zu nehmen. Damit ist es für mich ein echtes kleines Highlight geworden, das zum Nachdenken anregt und viel gibt.

Ein Coming-of-Age Roman, der eine kleine Hommage daran ist, im Hier und Jetzt zu leben und die Dinge einfach mal anzugehen. Ganz egal, wie verrückt es vielleicht ist, es könnte ja etwas Gutes dabei herauskommen.
​Ein Buch, das bleibt.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Ein Meisterwerk

Blood over bright haven
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𝗪𝗼𝗿𝘂𝗺 𝗴𝗲𝗵𝘁'𝘀?
In Tiran ist Magie eine präzise Wissenschaft, doch sie hat einen Preis. Sciona wird als erste Frau in den hohen Rat der Magier aufgenommen, doch sie hat es alles andere als leicht. Gemeinsam ...

𝗪𝗼𝗿𝘂𝗺 𝗴𝗲𝗵𝘁'𝘀?
In Tiran ist Magie eine präzise Wissenschaft, doch sie hat einen Preis. Sciona wird als erste Frau in den hohen Rat der Magier aufgenommen, doch sie hat es alles andere als leicht. Gemeinsam mit ihrem Assistenten Thomil, einem ausgegrenzten Kwen, deckt sie die dunklen Geheimnisse der Stadt auf und ihr gesamtes Weltbild gerät ins Wanken.

​𝗪𝗶𝗲 𝘄𝗮𝗿'𝘀?
Puh. Ich muss erst mal tief durchatmen. Dieses Buch war so, so gut und für mich ein totales Highlight! 🫶🏻 Wenn ihr 𝘉𝘢𝘣𝘦𝘭 und 𝘌𝘪𝘯𝘦 𝘍𝘳𝘢𝘨𝘦 𝘥𝘦𝘳 𝘊𝘩𝘦𝘮𝘪𝘦 mochtet, dann ist das hier euer nächstes Lieblingsbuch. 😉
Es ist High Fantasy und wirklich unglaublich spannend umgesetzt!

Das Magiesystem ist akribisch ausgearbeitet und in ein akademisch-wissenschaftliches Setting verpackt. Aber hinter der Theorie steckt eine tiefgreifende Gesellschaftskritik. Es geht um das Aufbrechen patriarchaler Strukturen, um Unterdrückung und die Frage, welchen Preis Fortschritt haben darf.

​Die Charaktere sind total vielschichtig. Sciona ist nicht immer sympathisch. Sie ist ehrgeizig, manchmal arrogant und unterliegt ihren ganz eigenen, tief verwurzelten Wertevorstellungen. Aber genau das macht sie auch so authentisch! Sie ist keine perfekte Heldin, sondern eine Frau, die ihren eigenen Weg gehen will, in einem System, das nicht für sie gemacht wurde.

​Und das Ende…

​Ein intensives und hartes, aber auch kluges und atmosphärisches Buch, das viel zu bieten hat und das ich so schnell nicht mehr vergessen werde.

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