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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2026

Vergnüglicher Anfang, unbefriedigendes Ende

Die Reise ans Ende der Geschichte
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La Dolce Vita in Rom. Es ist Anfang der 90er Jahre und der Kalte Krieg ist Geschichte. Die russische Botschaft in Rom feiert ihr Gartenfest und alle sind da.
Auch Dieter Germeshausen, Agent und gar nicht ...

La Dolce Vita in Rom. Es ist Anfang der 90er Jahre und der Kalte Krieg ist Geschichte. Die russische Botschaft in Rom feiert ihr Gartenfest und alle sind da.
Auch Dieter Germeshausen, Agent und gar nicht amused vom plötzlichen Frieden zwischen den Supermächten, da er nun Angst vor Enttarnung hat. Auch Jakob Dreiser feiert mit, ein junger Dichter, der es schon zur Berühmtheit in der Literaturszene gebracht hat.

Das Buch startet aber nicht nur mit Feierlichkeiten, sondern auch gleich dramatisch.
Dann lernt man die verschiedenen Charaktere kennen und das war sehr vergnüglich. Spion oder Spionin zu sein ist ganz normal und niemand macht sich groß eine Kopf.
Ich mochte das Buch über weite Strecken wegen seiner Absurdität und der so herrlich gezeichneten Charaktere. Auch Nebenhandlungen werden so lebendig und humorvoll geschildert, dass das Lesen Spaß machte. Ein Highlight war eine Lesung in einem Goethe-Institut, eine anderes ein Sauna-Besuch.
Geschichten erzählen kann der Autor!

Gleichzeitig ist es aber auch beklemmend, denn während sich in der Buchhandlung alle in friedlicher Zeit wähnen, wissen wir es 2026 leider besser, so dass ich beim Lesen das "Little did we know-Gefühl" hatte.

Die Handlung nimmt dann aber immer absurdere Züge an. Es war irgendwann schon ziemlich abgefahren und gegen Ende hin auch eher zäh als spaßig. Das ging dann leider so weit, dass ich keine Lust mehr auf das Weiterlesen hatte, ich habe mich aber irgendwann doch aufgerafft.

Am Schluss saß ich mit großen Fragezeichen da und dachte mir - ist plötzlich das Papier ausgegangen? Schön und gut, dass man sich etwas für Fortsetzungen aufheben will, aber so kann man ein Buch nicht beenden. Jedenfalls nicht, wenn man mich für Folgebände begeistern will.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Ehrlicher Ehe-Rückblick

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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Das mit 192 Seiten eher schmale Büchlein hat es in sich. Die geringe Seitenzahl sollte nicht täuschen - man kann es nicht mal so eben schnell zwischendurch lesen.

Es geht um Christien und ihren Mann A., ...

Das mit 192 Seiten eher schmale Büchlein hat es in sich. Die geringe Seitenzahl sollte nicht täuschen - man kann es nicht mal so eben schnell zwischendurch lesen.

Es geht um Christien und ihren Mann A., der gerade verstorben ist.
Christien entrümpelt das gemeinsame Haus, das in den letzten Jahren zunehmend vernachlässigt wurde und sich gar nicht mehr nach einem Zuhause angefühlt hat.
Und mit der Herstellen der äußeren Ordnung geht auch ein inneres Groß-Reinemachen einher.

Der großen Liebe, die sie und A. (es bleibt im Buch bei dem einen Buchstaben) verbunden hat, folgte mit der Geburt der Kinder eine zunehmende Entfremdung. Geendet hat es mit der Pflege des todkranken Ehemanns, voraus ging eine Kommunikation via E-Mail, jede und jeder aus seinem Zimmer.

Gekämpft haben die Beiden um ihre Ehe, zahlreiche Therapeuten-Stunden besucht, gebracht hat es aber nichts.
Wobei - es gab auch andere Momente, man kann es nicht reduzieren auf ein absolutes Scheitern.

Augen öffnend war auch die Rolle, die Christien einnehmen musste oder eingenommen hat. Obwohl sie als Professorin einen anspruchsvollen Job hat, war sie doch komplett zuständig für Familie und Kinder und hat sich in diese Rollenzuweisung eingefügt.

Sie reflektiert, hadert und kann aber auch die guten Zeiten und Momente erkennen.

Kein leicht zu lesendes Buch, aber mit einer interessanten Thematik.
Wirklich nah wurde mir Christien allerdings nicht, es war ein Lesen aus der Distanz.

Veröffentlicht am 11.02.2026

Kein Buch für schnellen Konsum

Mathilde und Marie
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Ein kleiner Ort in Belgien, nicht mal vierhundert Einwohner, aber dafür einen unglaubliche Buchhandlung pro Kopf Quotienten.
Hierhin verschlägt es Marie, eine junge Französin zufällig, als sie aus ihrem ...

Ein kleiner Ort in Belgien, nicht mal vierhundert Einwohner, aber dafür einen unglaubliche Buchhandlung pro Kopf Quotienten.
Hierhin verschlägt es Marie, eine junge Französin zufällig, als sie aus ihrem alten Leben flüchten wollte.
Welch Glücksfall für Marie, dass sie in Redu landet - aber auch ein großes Glück für die Menschen, die in Redu leben. Marie wird sehr schnell zu einem wertvollen Teil der Dorfgemeinschaft.

Das Buch hat ein ganz eigenes Erzähltempo, das für mich sehr ungewohnt ist. Es passiert schon etwas, aber so ganz gemächlich, unaufgeregt und ohne Effekthascherei. Das muss man ein Stück weit auch aushalten können, mir fiel das schwer. Es waren viele schöne Einzelszenen, aber das große Ganze, das das Buch zusammenhält und trägt, das hat mich nicht abgeholt. Dabei gibt es den roten Faden, nicht falsch verstehen, es ist keineswegs ein Aneinanderstückeln von Einzelszenen.
Ich konnte nur beim Lesen nicht am Ball bleiben, habe manchmal die Seiten nur überflogen, die gewisse Faszination einer Handlung war da bei mir nicht gegeben, obwohl ich die Idee des Buches nach wie vor wunderschön finde.

Aber so ist das manchmal, jedes Buch muss auch ein wenig zur aktuellen Lebenssituation passen.
Die Leidenschaft des Autors für Bücher und Buchhandlungen kommt jedenfalls auf jeder Seite herüber.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2026

Ungewohnte Erzählweise

Eden
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Die Grundidee des Buches gefällt mir total gut: eine Sprachwissenschaftlerin aus Reykjavik zieht auf’s Land, schafft sich ihr Paradies mittels Natur und knüpft neue Kontakte und Freundschaften. Die Gleichung ...

Die Grundidee des Buches gefällt mir total gut: eine Sprachwissenschaftlerin aus Reykjavik zieht auf’s Land, schafft sich ihr Paradies mittels Natur und knüpft neue Kontakte und Freundschaften. Die Gleichung Island plus Liebe zur Sprache plus Natur sollte doch für mich aufgehen und ein Volltreffer werden?
Jein.

Ich mochte tatsächlich Vieles an dem Buch.
Zum einen den Platz, den die Sprache bekommen hat, hier habe ich Interessantes über die isländische Sprache erfahren. Nicht nur, dass der Buchstabe „Z“ abgeschafft wurde, die Grammatik ist so auf den ersten Blick nicht ohne. Gleichzeitig hat es den Lesefluss für mich aber erschwert, weil die Wörter einfach so ungewohnt für mich sind.

Dann die Charaktere. Allen voran Albas Vater und dessen Freund Hlynur, den wir nicht direkt kennenlernen, sondern nur über die Berichterstattung des Vaters und die beide rege Anteil nehmen an Albas Baum-Aufforstungsprojekt. Ich mochte sie sehr!
Auch die Beschreibungen des alltäglichen Dorflebens fand ich lesenswert.

Alba hingegen blieb für mich blass. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir so so rein gar nichts von ihrem Innenleben erfahren, nur ihre Reaktionen bzw. Nicht-Reaktionen auf Geschehnisse. Aber was geht in ihr vor? Warum reagiert sie nicht auf Fragen? Das bleibt alles im Dunkeln.

Ich habe mich echt schwergetan mit dem Buch, konnte immer nur kurze Stücke lesen. Viele Szenen verlieren sich, werden nicht weitererzählt.

Insgesamt interessant, aber durch den Schreibstil überhaupt nicht fesselnd.

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  • Cover
Veröffentlicht am 04.12.2025

Warmherzig mit Längen

Der Tag, an dem Barbara starb
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Margaret ist 89, verwitwet und zunehmend vergesslich. Als ihre Nachbarin und Freundin Barbara ermordet wird und eine Aufklärung durch die Polizei nicht in Sicht ist, nimmt Margaret zusammen mit ihrem Teenie-Enkel ...

Margaret ist 89, verwitwet und zunehmend vergesslich. Als ihre Nachbarin und Freundin Barbara ermordet wird und eine Aufklärung durch die Polizei nicht in Sicht ist, nimmt Margaret zusammen mit ihrem Teenie-Enkel selbst die Ermittlung auf. Denn Barbara hat ihr kurz vor ihrem Tod etwas wichtiges gesagt, nur kann sich Margaret einfach nicht erinnern.

Das Buch ist trotz Mord und Ermittlungen kein klassischer Krimi.
Es geht um Margaret, ihre Trauer um den verstorbenen Mann und die Beschwerden des Alters sowie das Gefühl, seiner Familie zunehmend zur Last zur fallen.
Das alles nimmt großen Raum ein - aber auf eine warmherzige und schön lesbare Weise. Das habe ich so zwar nicht erwartet, hat mir aber gut gefallen, ich konnte mich gut in Margaret hineinfühlen und es ist auch gut, mal in die Lebenswelten von alten Menschen einen Einblick zu bekommen.

Besonders mochte ich den Enkel James, der definitiv ein Oma-Kind ist und stets zu Margaret hält, auch wenn seine Mutter und Margarets Tochter zunehmend genervt von dem steigenden Betreuungsaufwand ist (was man aus ihrer Perspektive schon auch sehr gut nachvollziehen kann).

Aber natürlich geht es nicht nur darum, sondern auch um die Aufklärung des Mords. Hier hat das Buch aber seine Schwächen, das zog sich im Mittelteil doch ganz schön. Einen Spannungsbogen gab es nicht wirklich - hier ist noch Luft nach oben.

Insgesamt habe ich das Buch gern gelesen, gemächlich und mit Pausen, aber dennoch.
Wenn man gemütliche Bücher mag, kann ich es empfehlen, wenn man einen spannenden Krimi erhofft, eher nicht.