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SandraLief

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.04.2026

Lebenssommer, Dorfalltag, Humor und Aufbruch

Mirabellentage
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Mirabellentage von Martina Bogdahn erzählt die Geschichte der 54-jährigen Anna, die als Haushälterin im Pfarrhaus lebt und arbeitet. Ihr Leben ist geprägt von Routine, Pflichtgefühl und der engen Verbindung ...

Mirabellentage von Martina Bogdahn erzählt die Geschichte der 54-jährigen Anna, die als Haushälterin im Pfarrhaus lebt und arbeitet. Ihr Leben ist geprägt von Routine, Pflichtgefühl und der engen Verbindung zu „ihrem“ Pfarrer, mit dem sie seit Kindheitstagen befreundet ist. Als dieser stirbt und ein neuer Pfarrer kommt, gerät Annas bisherige Welt ins Wanken.

Zwischen Erinnerungen an ihre Vergangenheit, die sowohl humorvolle als auch traurige Momente bereithält, und ihren wachsenden Zukunftsängsten beginnt Anna, ihr Leben zu hinterfragen und in die Hand zu nehmen. Dabei schimmert immer wieder die leise Hoffnung durch, dass noch mehr auf sie wartet — wenn sie den Mut findet, etwas zu verändern.

Der Roman überzeugt durch seine humorvolle Erzählweise, lebensnahe Figuren und eine gelungene Mischung aus Nachdenklichkeit und Alltagskomik.

Ich habe wirklich viel gelacht und mich gut unterhalten gefühlt. Das Buch liest sich flüssig und ich mochte die Sprünge in Annas Vergangenheit mit den amüsanten Dorfgeschichten.

Das Ende finde ich sehr passend. Anna kann die Früchte ihrer jahrelangen Arbeit "ernten" und ist auf ihrem Weg nicht alleine. Auch wenn die Geschichte mit einem Todesfall beginnt, ist sie durchaus positiv gestimmt und macht Hoffnung auf einen schönen Neuanfang.

Das Cover finde ich sehr ansprechend gestaltet. Die süßen Mirabellen tauchen auch im Inhalt auf und man spürt den Lebenssommer.

Diesen schönen Roman empfehle ich allen Leserinnen und Lesern, die gut unterhalten werden möchten, das Leben auf dem Land kennen und Sinn für Humor haben.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Freiheit, Schönheitsideale und der Wunsch dazu zu gehören

Das schönste aller Leben
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Die Geschichte „Das schönste aller Leben“ handelt von Vio und ihren Eltern, die aus dem rumänischen Banat fliehen und sich ein Leben in Deutschland aufbauen. Und da ist noch Vios Ahnin Theresia, die im ...

Die Geschichte „Das schönste aller Leben“ handelt von Vio und ihren Eltern, die aus dem rumänischen Banat fliehen und sich ein Leben in Deutschland aufbauen. Und da ist noch Vios Ahnin Theresia, die im 18. Jahrhundert ins Banat verschleppt wird und sich unter schlimmsten Umständen ihre Freiheit erkämpft.

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt und springt in der Zeit. Es geht hier um Herkunft, Wurzeln, Mutterschaft, Schönheitsideale, Freiheit und Schuld.

Das Buch liest sich leicht, es ist flüssig geschrieben. Allerdings hat mich irgendwann die Erzählperspektive von Vio genervt. Ich konnte mich zunehmend nicht mehr in die junge Frau, die vollkommen in ihren Selbstvorwürfen und ihren Schönheitsvorstellungen aufgeht, reinversetzten. Natürlich ist es schlimm, wenn man schuld daran ist, dass das eigene Kind einen Makel bekommen hat aber als Mutter muss man sich zusammenreißen und stark für sein Kind sein.

Ich hätte mir gewünscht, dass Theresias Geschichte mehr Raum bekommen hätte. Über die Lebensumstände in Rumänien, den Donauschwaben und dem Banat zu lesen, hat mich sehr interessiert. Vios Trauma hat für mich, in dieser Geschichte zu viel Platz eingenommen.

Ich mag die Optik des Buches, es ist hübsch gestaltet und passt sehr gut zum Inhalt. Die Geschichte fand ich sehr interessant, authentisch und gefühlvoll beschrieben.

Ich empfehle dieses Buch allen, die gern auch mal etwas über eine andere Kultur lesen, selber ausgewandert sind oder einfach nur eine gute Unterhaltung suchen.

Ich denke, dass das Buch für den Deutschunterricht eine geeignete Lektüre wäre und auch für eine GFS. Es bietet eine gute Diskussionsgrundlage.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Schonungslose deutsche Geschichte die Spuren in uns hinterlassen hat

Im Schatten der Kraniche
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Ich habe dieses spannende Buch bis zur letzten Seite gelesen und ich bin irgendwie sprachlos.

Was für eine besondere Geschichte das ist. So tiefgehend und schonungslos. Ich muss immerzu an die Frauen ...

Ich habe dieses spannende Buch bis zur letzten Seite gelesen und ich bin irgendwie sprachlos.

Was für eine besondere Geschichte das ist. So tiefgehend und schonungslos. Ich muss immerzu an die Frauen in den Zeiten des Krieges denken und ich bin furchtbar schockiert, was sie alles erlebt haben und wie sich ihr Trauma durch Generationen ziehen.

Eigentlich umgehe ich bewusst das Thema mit dem Krieg, seit wir damals mit der Schule (10. Klasse) ein KZ besucht haben. Mich macht es immer wieder total fertig. Diese ganzen Grausamkeiten, die Menschen anderen Menschen angetan haben zu lesen, zu hören oder zu sehen, ist sehr traurig und bewegend. Als ich mich für das Buch entschieden habe, da dachte ich, dass das Thema mit der SS und dem ganzen Krieg nur am Rand sei...

Aber es ist sehr präsent und wird sehr offen geschildert. Es nimmt viel Platz ein und zieht sich durch Generationen bis in die heutige Zeit. Auch viele Begleitumstände, das ganze drum herum wird aufgezeigt. Beispielsweise, wie sich die Frauen in einem Luftschutzbunker gefühlt haben, in dem ganzen Dreck, mit viel Hunger, Durst und schrecklicher Hoffnungslosigkeit und Angst. Oder wie die Frauen auf den Dörfern die Kriegszeit erlebt haben, als das Land von den Nazis unterjocht und anschließend durch die Russen "befreit" wurde. Wir lesen von den Grausamkeiten der Überlegeneren und wie andere Völker, die bei uns leben (Sinti und Roma), misshandelt und behandelt wurden. Wir erfahren auch von fremden Sitten und Gebräuchen, von Gedanken und der Hoffnung der Menschen. Erleben was es mit ihnen macht und dass etwas von allem bleibt, weitergegeben wird, auch wenn man gar nichts mehr damit zu tun hat.

Eine meiner Lieblingsstellen ist auf Seite 78, als Amalia zur weinenden Anna spricht "Das ist ein fremder Schmerz, den du da fühlst. Der Schmerz zieht sich durch Familien, bis jemand ihn fühlt. Irgendwann wird ein Kind geboren, das fähig ist, den ganzen Schmerz seiner Vorfahren zu fühlen."

Nachdenklich macht mich auch die Szene auf Seite 237. " Du spürst etwas, aber du weißt nicht was es ist. Dass bedeutet nicht, das es nicht da ist. Sieh, wonach orientieren sich die Kraniche am Himmel?"

Der Roman springt in den Zeiten zwischen 1917 und heute. Die Kapitel sind kurz und der Leser weiß immer wo und wann er sich gerade befindet. Die Geschichte liest sich flüssig aber es ist eine sehr schwere "Kost" und die muss man erstmal verkraften.

Deshalb empfehle ich das Buch erst ab 18. So, wie Filme ja auch eine Altersangabe haben. Wenn dieses Buch in der Schule gelesen werden sollte, dann vielleicht erst in der Oberstufe und mit einfühlsamer und aufmerksamer Begleitung des Lehrers. Der dann auch aufkommende Fragen beantworten kann.

Danke für diese gut erzählte Geschichte, die auf wahren Geschehnissen basiert. Es ist meiner Meinung nach sehr wichtig, dass wir auch heute noch an das Thema erinnert werden, denn es hat in uns Spuren hinterlassen und wir können es heute noch fühlen.

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