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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.05.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Der Fährmann
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Schauplatz sind die beiden Dörfer Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts, die durch den Grenzfluss Salzach in Österreich-Ungarn und Deutschland getrennt sind. Man kennt sich und heiratet ...

Schauplatz sind die beiden Dörfer Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts, die durch den Grenzfluss Salzach in Österreich-Ungarn und Deutschland getrennt sind. Man kennt sich und heiratet über die Grenze hinüber. Der einzige, der davon ausgenommen ist der Fährmann. Er darf wegen des gefährlichen Berufs, den aber jeder braucht, keine Familie gründen. In Zeiten ohne Sozialversicherung würden seine Hinterbliebenen der jeweilige Dorfgemeinschaft zur Last fallen. Diese Ehelosigkeit führt oft dazu, dass der Fährmann ein Gspusi mit der einen oder anderen verheirateten Frau eingeht, was auch nicht ganz ungefährlich ist.

Soweit der historische Hintergrund vor dem dieser Roman spielt. Es ist auch die Zeit, in denen Frauen nichts, aber auch gar nichts zu sagen hatten, sondern möglichst viel Mitgift und Arbeitskraft in die Ehe mitbringen soll und für zahlreiche Söhne (Töchter sind nur eine Last) zu sorgen hat.

Der aktuelle Fährmann ist Hannes Winkler, ein Bauernsohn, der wegen seines älteren Bruders keine Chance hat, den elterlichen Hof zu übernehmen. Er liebt heimlich seine Jugendfreundin Elisabeth, die allerdings Josef Hofer, den Erben des größten Hofes diesseits der Salzach heiraten soll - so haben es die beiden Väter seit langem ausgemacht. Diese Entscheidung trifft nicht nur Hannes und Elisabeth, die seine Gefühle erwidert, hart, sondern auch die Wirtstochter Annemarie, Elisabeths beste Freundin, die sich Chancen auf eine Heirat mit Josef ausgerechnet hat. Doch Josef ist ein gewalttätiger Mann, der nur sein Vergnügen im Sinn hat und sich seinem ebenfalls brutalen Vater unterordnet.

Als Österreich-Ungarn an der Seite Deutschlands Serbien 1914 den Krieg erklärt, ist Josef wie Tausende andere junge Männer Feuer und Flamme für den Krieg. Man(n) verspricht, bis Weihnachten siegreich wieder zu Hause sein - das Ergebnis ist bekannt. Erst im Großen Krieg kann Josef endlich aus dem Schatten seines dominanten Vaters heraustreten. Als er dann, an Körper und Seele schwerst versehrt sowie morphiumsüchtig, auf den Hof, den Elisabeth, seine Mutter und Schwester in seiner Abwesenheit so gut wie möglich bewirtschaftet haben, zurückkehrt, bereitet er seiner Familie und da vor allem Elisabeth, die Hölle auf Erden. Das von den Frauen erwirtschaftete Geld gibt er ohne nachzudenken für Morphium aus. Er macht den Frauen Vorwürfe den Hof abgewirtschaftet zu haben. Als der erstgeborene Sohn Vinzenz verschwindet, eskaliert die unhaltbare Situation.

Meine Meinung:

Regina Denk hat mit diesem historischen Roman ein Dokument der patriarchalischen und oft archaischen Lebensart entworfen, in der die Männer über Leben und Tod ihrer Familien geherrscht haben. Die Frauen haben keinen Wert, sind oft nur ein personifiziertes Objekt, an dem man(n) sich, je nach Laune abreagieren konnte. Das muss Annemarie am eigenen Leib über sich ergehen, wie ehedem auch ihre Mutter, die Wirtin. Für die ist es selbstverständlich zur Ankurbelung des Schnapskonsums (und damit zum höheren Einkommen), ihre Tochter zu prostituieren.

Sprachlich ist der Roman ein Hochgenuss, auch wenn es für die eine oder andere Leserin schwer ist, über solche Zustände zu lesen.

Gerne hätte ich mehr über die alte Fanny gelesen, die als Kräuterfrau in einer Kate lebt. Natürlich abseits der Gemeinschaft und scheel angesehen. Ich bin sicher, hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand wird sie Hexe genannt. Dass Fanny letztendlich Annemarie als Lehrling aufnimmt und sie aus der übergriffigen Wirtsstube entkommt, ist für Annemarie eine gute Lösung.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der durch Regina Denks fesselnden Schreibstils in seiner düsteren und intensiven Art besticht, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.05.2026

Beste Krimiunterhaltung

Bretonisch mit Meeresrauschen
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In ihrem nunmehr 7. Fall, steht Tereza Berger so ziemlich alleine da. Ihre besten Freundinnen sind weggezogen und sie selbst hat Gabriel Mahon vor dem Traualtar stehen lassen. Dass er wieder im Lande ist ...

In ihrem nunmehr 7. Fall, steht Tereza Berger so ziemlich alleine da. Ihre besten Freundinnen sind weggezogen und sie selbst hat Gabriel Mahon vor dem Traualtar stehen lassen. Dass er wieder im Lande ist und sich nicht bei ihr gemeldet hat, findet sie, in Verkennung der Tatsachen, unerhört, zumal alle anderen Bewohner von Camaret-sur-Mer davon wissen.

Wenig später findet Tereza die Betreiberin der neuen Musikbar schwer verletzt auf einem Parkplatz auf. Sie ruft mit verstellter Stimme Rettung und Polizei. Sie will ja Gabriel nicht (oder vielleicht doch) begegnen. Was sie nicht weiß ist, dass der Parkplatz heimlich mittels Videokameras überwacht ist und Gabriel, der natürlich mit dem Fall betraut wird, die Gestalt erkennt, die sich über die Verletzte beugt, zumal sie seinen Ledermantel trägt ...

Es ist herrlich zuzusehen, wie Tereza versucht Gabriel aus dem Weg zu gehen. Allerdings hält sie es nicht lange aus und muss ihm ihre Erkenntnisse mitteilen. Denn der Fall ist nicht so, wie es den Anschein hat.

Meine Meinung:

Dieser 7. Krimi ist wieder beste Krimiunterhaltung. Gerne habe ich Tereza bei ihren nicht ungefährlichen Alleingängen über die Schulter geschaut. Schmunzeln musste ich, als sie Gabriels Motorrad, eine Royal Enfield, ohne sein Wissen in Betrieb nimmt, obwohl sie nur wenig Erfahrung beim Motorrad fahren hat. An seine Stelle wäre ich mehr als sauer gewesen! Aber er ist nach wie vor so verliebt in Tereza, dass er ihr (fast) keinen Vorwurf macht.

Der Schreibstil ist detailreich und flüssig. Wie immer fügt Autorin Gabriela Kasperksi das eine oder andere historische Detail ein.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 7. Krimi rund um die Buchhändlerin Tereza Berger, der mich bestens unterhalten hat, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.05.2026

Ein Plädoyer für eine friedliche Nahostlösung

Muscheln am Strand von Gaza
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In diesem sehr persönliches Buch erzählt der in Gaza geborene Hamsa Abu-Howidy, seine bisherige Lebensgeschichte, die von seiner Kindheit in Gaza, der Abkehr von der strengen Religiösität, der Folter durch ...

In diesem sehr persönliches Buch erzählt der in Gaza geborene Hamsa Abu-Howidy, seine bisherige Lebensgeschichte, die von seiner Kindheit in Gaza, der Abkehr von der strengen Religiösität, der Folter durch die Hamas und seiner Flucht gekennzeichnet ist.

Aufgewachsen in einer begüterten Familie, die zwar ihre früheren Besitzungen verloren hat, wird er von seinen Eltern dazu erzogen, Fragen zu stellen. Er lernt Englisch, liest Bücher abseits des Korans. Doch mit der Machtübernahme der Hamas ist es mit den kleinen Freiheiten vorbei. Weil er sich der Indoktrination der Hamas nicht beugen will, wird er mehrmals verhaftet und gefoltert.

Kurz vor dem 7. Oktober 2023 gelingt ihm die Flucht und landet in Deutschland. Dort wirbt er unermüdlich für eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts, wird sowohl von Sympathisanten der Palästinenser als auch von jene der Israelis angefeindet.

Leider sieht es aktuell nicht nach einer konstruktiven Lösung des Nahostkonfliktes aus.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch, das ein Plädoyer für eine demokratische und friedliche Lösung des Nahostkonflikts und sehr informativ ist, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.04.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Die Schatten der Schuld
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Just während der Feierlichkeiten zu ihrem 80. Geburtstag im Hamburger Rathaus wird Marlen Reinhardt, Reederin und Mäzenin, in Hamburg, von einem alten Mann niedergestochen und schwer verletzt. Die Identität ...

Just während der Feierlichkeiten zu ihrem 80. Geburtstag im Hamburger Rathaus wird Marlen Reinhardt, Reederin und Mäzenin, in Hamburg, von einem alten Mann niedergestochen und schwer verletzt. Die Identität des Mannes, dessen Tochter zu den geladenen Gästen zählt, weil sie Repräsentantin einer von Reinhardt unterstützten NGO ist, ist schnell klar, das Motiv nicht, denn der Mann, Danil Baumberger, macht einen verwirrten Eindruck.

Marlenes Enkeltochter Katharina, aussichtsreichste Kandidatin, die Nachfolge ihrer Großmutter im Familienunternehmen zu übernehmen, beginnt gemeinsam mit KHK Callsen und Privatermittler Simon Mahler Nachforschungen anzustellen. Als wenig später der Staatsschutz die Ermittlungen übernimmt und Callsen ausgebootet wird, scheint klar zu sein, dass hier etwas vertuscht werden soll.

Bei ihren Nachforschungen entdecken Katharina und Simon die Verstrickungen der Reederei in die NS-Zeit, über die in der Familie nicht gesprochen wird.

Als Katharina ihre Großmutter mit den Ergebnissen ihrer Recherchen konfrontiert, zeigt diese ihr wahres Gesicht: Sie ist nicht mehr die bewundernswerte Großmutter und toughe Geschäftsfrau, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchgesetzt hat, sondern eine knallharte Person, die buchstäblich über Leichen geht und ihre Enkelin vor ein Ultimatum stellt.

Wie wird Katharina sich entscheiden? Wird sie die Annehmlichkeiten wie Sportwagen und Wohnung an der Alster aufgeben sowie die Nachfolge im Konzern antreten? Oder wird sie ihrem Gewissen folgen und versuchen, das Unrecht das der Familie des Attentäters zugefügt worden ist, wenigstens publik machen? Denn eine „Wiedergutmachung“, im Sinne einer Wiedereinsetzung in den alten Stand, ist ausgeschlossen. Und kann man erlittenes Unrecht und Leid mit Geld abgelten?

Meine Meinung:

Michael Jensen, im Brotberuf Mediziner und Trauma-Therapeut, spricht mit diesem Roman, der uns abwechselnd von der Gegenwart in die NS-Zeit entführt, ein nach wie vor brisantes Thema an. Arisierung jüdischer Firmen und die daraus hervorgegangenen Konzerne, die heute (noch) Big-Player in der deutschen Wirtschaft sind sowie das Verschweigen dieses Unrechts. Selbst wenn der eine oder andere Firmeninhaber oder deren Erben die Firmengeschichte kennen, wie viele wären bereit, die Konsequenzen einer Restitution zu tragen? Herrscht in vielen Fällen nicht eher die Meinung von Marlene Reinhardt, die ihr der geschätzte Autor so trefflich in den Mund gelegt hat, vor?

"Hätte er [Katharinas Großvater] die Chance nicht ergriffen, dann wäre eben ein anderer gekommen. Und du hättest heute keinen Sportwagen und keine fünf Zimmer in Alsternähe."
Ein weiters höchst interessantes Thema, mit dem ich mich schon auseinandergesetzt habe, ist die transgenerationale Traumaforschung, die Autor Michael Jensen in diesen Roman integriert. Wie kann es sein, dass Nachfahren Traumata ihrer Großeltern oder Eltern entwickeln? Jensen zeigt dieses Phänomen am tragischen Beispiel von Danil Baumberger, der Sohn eines Shoah-Überlebenden, der selbst nach 1945 geboren worden ist.

An Hand von Rückblicken, die uns unter anderem in NS-Zeit, sowie in die 1960er-Jahre in einen Kibbuz führen, erfahren wir, welches Unrecht der Familie Baumberger angetan worden ist. Die Familie steht hier stellvertretend für Tausende jüdischen Unternehmerfamilien, denen dasselbe widerfahren ist.

Ebenso wird der Frage nach Schuld und Wiedergutmachung, die auch die Politik nicht ausklammert, nachgegangen. Resultiert das Mäzenatentum von Marlene Reinhardt unbewusst (?) aus dem schlechten Gewissen heraus? Oder sind die Summen, die sie an die NGO, deren Vorsitzende Francine Baumberger ist, reines Kalkül, steuerliche Absetzposten? Es scheint, als existiere hier eine Grauzone, in der sich Marlene stellvertretend für reale Konzernchefs hier befindet.

Wie wir es von Michael Jensen gewöhnt sind, hat er penibel recherchiert und Fakten mit Fiktion zu einem fesselnden Roman verquickt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem gelungenen Roman, der Fakten und Fiktion zu einem fesselnden Roman über die Schatten der Schuld, die über so manchem deutschen Großkonzern liegen, der auf Kosten von jüdischen Unternehmen erst so richtig groß geworden ist, aufmerksam macht, 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 13.04.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Die Zerstörung des Nahen Ostens
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Israels längster Krieg und die Zukunft des Nahen Ostens

Inhalt (übernommen):

„Der Nahe Osten vor einer neuen Ära der Gewalt. Israel setzt auf militärische Dominanz. Israel wie der Hamas nutzen Krieg ...

Israels längster Krieg und die Zukunft des Nahen Ostens

Inhalt (übernommen):

„Der Nahe Osten vor einer neuen Ära der Gewalt. Israel setzt auf militärische Dominanz. Israel wie der Hamas nutzen Krieg mehr als ein Frieden. Netanjahu wird von biblischen Zionisten getrieben, Trump von christlichen Evangelikalen.. Umfassend schildert Rainer Hermann die Fronten und zeigt, wie die Region eine friedliche Zukunft finden kann. Die Golfaraber befürworten einen wirtschaftlich verbundenen Nahen Osten, dessen Wohlstand den Weg zum Frieden ebnet.

Der Vulkan des Palästinakonflikts schien erloschen, als er am 7. Oktober 2023 mit einer zerstörerischen Wucht wieder ausbrach, die im Nahen Osten alles in Frage stellt. Israel führt seither den längsten Krieg seiner Geschichte und greift auch arabische Staaten an. Scharfsinnig analysiert Rainer Hermann die neue geopolitische Lage und die wachsende Isolation Israels. Er zeigt, wie sich eine neue antiisraelische Achse formiert, wie Iran für weitere Kriege aufrüstet und warum die Region vor einem sich ausweitenden Flächenbrand steht. Zugleich entwirft er Perspektiven für eine mögliche Neuordnung des Nahen Ostens – jenseits von Gewalt und Konfrontation. Die Golfaraber setzen sich für einen ökonomisch vereinten Nahen Osten ein, der über Wohlstand zu Frieden führt. Doch die Politik Israels und der USA wie auch der Terror der Hamas werden von religiösen Phantasien befeuert. Ein hochaktuelles Buch zur brisantesten Konfliktzone der Welt.“

Meine Meinung:

Seit nunmehr 5 Wochen führen die USA Krieg gegen den Iran, weshalb die Spekulationen im Kapitel „Kein Verlass auf Irans Verbündete“, ob Iran (See)Straße von Hormus sperren wird, überholt sind.

Dennoch kann ich dieses Buch nur ausdrücklich empfehlen, denn Autor Rainer Hermann gelingt es, die komplexe Lage der gesamten Region sehr gut darzustellen. Dazu muss er natürlich weit in der Vergangenheit zurückgehen und auch die Bibel zitieren, aus der sowohl Juden als auch Muslime ihren Anspruch auf Palästina begründen. Als dritte Kraft mischt das Christentum mit, Stichwort Jerusalem. Dennoch sind es, neben diesen religiösen (?) Themen, wirtschaftliche Interessen, die diese Konflikte am Köcheln halten, bis sie sich zu einem Flächenbrand ausbreiten. Die Frage ist, wie lange werden es sich die Golfstaaten gefallen lassen, dass ihre Interessen beeinträchtigt werden? Wann werden sie eingreifen?

Wird es genügen, wenn Trump und Netanjahu von der politischen Weltbühne verschwinden, um eine politische Lösung zu finden? Derzeit sieht es leider nicht danach aus. Zwar formieren sich sowohl in den USA als auch in Israel Widerstand gegen ihre Staatsoberhäupter, doch bis diese abgewählt werden, wird der Nahe Osten noch mehr Zerstörung erleiden und im Chaos versinken.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fundierten Sachbuch zu einer hochkomplexen Gemengelage, die Auswirkungen auf die ganze Welt und besonders Europa hat, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.