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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2026

Keine standardmäßige Geistergeschichte

Die Geister von La Spezia
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Das Cover passt hervorragend zum Inhalt des Buches. Es geht um die ungewöhnlichen Ermittlungen zweier Frauen, die sie durch eine Art Zeitreisen in das Haus der Geister führen in La Spezia. Mithilfe einer ...

Das Cover passt hervorragend zum Inhalt des Buches. Es geht um die ungewöhnlichen Ermittlungen zweier Frauen, die sie durch eine Art Zeitreisen in das Haus der Geister führen in La Spezia. Mithilfe einer Ermittlerin will die Ehefrau den vermeintlichen Unfall ihres Ehemannes aufklären. Die Umsetzung ist übernatürlich und originell: eine Fantasy und Science Fiction Idee, die auf einem real historischen Hintergrund aufbaut. Zudem hat es mein Interesse für Mary Shelley geweckt, da der Autor mit Hingabe in seine Figuren eingetaucht ist, von denen es nur so wimmelt. Bei dem Schreibstil musste ich mich schon sehr konzentrieren. Es wird viel in den Zeiten gesprungen. Es gibt langatmige Strecken und es packt einen nicht durchgehend, aber für mich hat es trotzdem funktioniert, wenn es auch etwas gedauert hat. Wenn man generell gern Science Fiction mag, hilft dieses Verständnis vielleicht. Zwar vielschichtig und komplex, aber keine standardmäßige Geistergeschichte.

Veröffentlicht am 14.11.2025

Großartiger Schreibstil

Dius
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Es geht in dem Roman "Dius" um eine ungewöhnliche Männerfreundschaft zwischen dem Kunstdozent Anton und dem Student Dius in den 80er Jahren. Eine psychologisch und menschlich interessante Beziehungswelt, ...

Es geht in dem Roman "Dius" um eine ungewöhnliche Männerfreundschaft zwischen dem Kunstdozent Anton und dem Student Dius in den 80er Jahren. Eine psychologisch und menschlich interessante Beziehungswelt, in der sich die beiden Männer mit Bewunderung und Respekt begegnen, erzählt Stefan Hertmans auch leidenschaftlich von Kunst und Musik.

Großartig ist die Sprachfertigkeit des Romans. Ich-Erzähler Anton blickt zurück und bedient sich sorgfältig der Präzision eines poetischen Sprachbildes. Ganz besonders, wenn es um Kunstwerke geht. Die daraus resultierende Vorstellungskraft hat bleibende Eindrücke bei mir hinterlassen. Unsympathische Figuren haben ihren Reiz und ihre Botschaft, aber einzig Antons Kenntnisse und Sicht war mir zu einseitig. Es bestimmt den passiven Ton des Romans und ließ mich wehmütig auf Dius blicken, dessen Faszination mich mehr ansprach. Auf der Gefühlsebene erreicht hat mich Stefan Hertmans damit leider nicht, aber die Intensität von Kunst und Musik war ein kultureller Genuss. Deshalb würde ich den Roman Kunstinteressierten empfehlen, die sich an hoher Sprachqualität und leiser Erzählweise erfreuen, wobei die Handlung in den Hintergrund rücken darf.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.11.2025

Der kleine Hase und die Liebe

Geliebt
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Auf der Suche nach etwas, das ihm fehlt, ohne zu wissen, was es genau ist wandert ein kleiner Hase von Herbst bis Sommer durch den Wald und spricht mit anderen Waldbewohnern.

Das Reh gibt ihm Geduld ...

Auf der Suche nach etwas, das ihm fehlt, ohne zu wissen, was es genau ist wandert ein kleiner Hase von Herbst bis Sommer durch den Wald und spricht mit anderen Waldbewohnern.

Das Reh gibt ihm Geduld mit auf den Weg, der Biber nimmt ihm die Sorge, nicht genug zu sein. Es sind die essenziellen Weisheiten der Begegnung auf meist 1-2 Seiten, alles drumherum wird der eigenen Vorstellungskraft überlassen. Als würde man ein Fotoalbum von jemand anderem ansehen. Also kein Kontext, viele Tierbegegnungen und viele philosophische Fragen.
Dazu zarte Illustrationen als eine Wanderung durch die Jahreszeiten. Die farbigen Aquarelle sind dabei eindrucksvoller als die Bleistift-Zeichnungen, aber immer einzigartig. Der Prolog und das Nachwort bestimmen dabei die Richtung: diese Buch soll helfen, Liebe zu erkennen und zu lieben, ohne sich zu verlieren.

Es ist eine zusammenhängende Geschichte, weil der Hase am Ende findet, was er gesucht hat. Aber es sind die Erkenntnisse seiner Reise, die bedeutend sind. Diese kann man auch selbst entdecken. Zuversicht, Liebe, Achtsamkeit und die kleinen Wunder Natur finden sich in "Geliebt". Für mich hat die nachdenkliche Suche des kleinen Hasen sich erst nach mehrmaligem Lesen entfaltet.

Ich finde, es ist ein Geschenkbuch für fantasiebegabte Erwachsene, die sich an zarten Illustrationen, philosophischem Tiefgang, positiven Denkanstößen und der Natur erfreuen. Als Buch für das gemeinsame Lesen mit Kindern eignet es sich leider nicht.

Veröffentlicht am 26.08.2025

Geheimnisse, Schweigen, Honig und Apfelbäume

Wilder Honig
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Der Roman „Wilder Honig“ erzählt von drei unterschiedlichen Frauen, die eine schwere Zeit durchmachen, und ihrem Neuanfang.

Die 70-jährige Hannah trauert um ihren Mann John. Sadie kommt in das walisische ...

Der Roman „Wilder Honig“ erzählt von drei unterschiedlichen Frauen, die eine schwere Zeit durchmachen, und ihrem Neuanfang.

Die 70-jährige Hannah trauert um ihren Mann John. Sadie kommt in das walisische Dorf, um ihrer sechs Jahre älteren Schwester beizustehen. Die Testamentseröffnung ist ein Schock für Hannah. Dann stößt die junge Megan
zu den Schwestern, was das Trio komplett macht.
Jede der drei hat ihre Geheimnisse und Wünsche und es geht darum, das sie sich selbst finden, loslassen und Hoffnung für die Zukunft finden. Es ist emotional geschrieben und behandelt die Schwesternschaft genauso wie die Liebe, die nicht ohne Bemühungen wachsen kann. Ebenso wie die Natur, die hier in ihrer Schönheit beschrieben wird. Das lässt die Landschaft und ihre Idylle vor dem geistigen Augen lebendig werden, auch wenn das kein Roman der Leichtigkeit ist. Die Atmosphäre ist ein großer Pluspunkt. Zentraler Bestandteil sind die elf Briefe, die John seiner Frau hinterlassen hat und in denen er seine Leidenschaft als Schriftsteller und Imker auch mit ihrer Ehe in Beziehung setzt. Diese Interpretation fand ich nur halb gelungen. Leider blieben mir auch die drei Frauen zu unnahbar. Es wird wenig miteinander gesprochen, das Schweigen hat eine symbolische Kraft, und nicht alle Geschichten bekommen gleich viel Aufmerksamkeit, was ich mir für Megan jedoch gewünscht hätte. Der Weg des Prozesses war lückenhaft und für mich nicht vollständig nachvollziehbar. Trotzdem hat mir das Ende gefallen und ich mochte es, etwas über die Bienenzucht, Honig und den Obstgarten zu lernen.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.07.2025

Rollenspiel der Verwirrung

Die Probe
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Der Anfang in Kombination mit dem Klappentext macht absolut neugierig, denn s geht um eine erfolgreiche Schauspielerin, deren Name nicht genannt wird, die auf einen jungen Mann trifft. Sie sind für ein ...

Der Anfang in Kombination mit dem Klappentext macht absolut neugierig, denn s geht um eine erfolgreiche Schauspielerin, deren Name nicht genannt wird, die auf einen jungen Mann trifft. Sie sind für ein gemeinsames Mittagessen im Restaurant und er behauptet, ihr Sohn zu sein, obwohl das unmöglich ist. Als ihr Mann im Restaurant auftaucht, nimmt das Drama seinen Lauf. Daraus entwickelt sich langsam ein psychologisches Vexierspiel. Das Auseinandersetzen mit lebensverändernden Fragen der Gegenwart und Vergangenheit. Der prägnante Schreibstil ist intensiv, sogar beklemmend, aber treffsicher und ebenso fordernd wie die Story selbst. Manch (für mein Empfinden) überflüssige Ausschweifung hätte es nicht gebraucht und machte den Roman an manchen Stellen langatmig, aber insgesamt fand ich ihn psychologisch interessant - vor allem im zweiten Teil es Buches, der alles auf den Kopf stellt.
Mir hat besonders gefallen, dass es ein Roman ist, der es einem nicht so einfach macht. Vieles bleibt ungeschrieben und der eigenen Interpretation überlassen. Literatur darf auch verwirren oder mit dem Schein spielen. Ganz besonders darf sie Fragen nach der Wahrheit aufwerfen. Diese „Probe“ ist Katie Kitamura elegant gelungen. Keine leichter Lesestoff, aber lohnenswert.