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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2026

Wenn Liebe zur Sehnsucht nach Anerkennung wird

Die Liebeshungrigen
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Karine Tuil schreibt in "Die Liebeshungrigen" mit einer Kälte, die nicht gefühllos ist, sondern hellwach. Ihr Roman seziert Menschen, die nach Liebe suchen und doch oft etwas anderes meinen: ...

Karine Tuil schreibt in "Die Liebeshungrigen" mit einer Kälte, die nicht gefühllos ist, sondern hellwach. Ihr Roman seziert Menschen, die nach Liebe suchen und doch oft etwas anderes meinen: Bestätigung, Einfluss, Bewunderung, einen Platz im Licht. Genau darin liegt seine Stärke. Tuil zeigt nicht das große Gefühl als romantische Erlösung, sondern als etwas Unruhiges, Hungriges, manchmal Beschämendes.

Besonders beeindruckt hat mich, wie sicher sie die Mechanik zwischen Innenleben und Außenwirkung beherrscht. Ihre Figuren wirken nie einfach sympathisch oder unsympathisch. Sie sind eitel, verletzt, klug, bedürftig, selbstgerecht, manchmal geradezu verloren — und dadurch erstaunlich glaubwürdig. Man erkennt in ihnen keine Helden, sondern Menschen, die sich vor anderen inszenieren und dabei sich selbst immer weniger entkommen.

Der Roman hat eine elegante Härte. Tuil schreibt präzise, ohne trocken zu werden, und sie vertraut auf Zwischentöne: auf Gesten, kleine Verschiebungen, Blicke, Machtverhältnisse, die nicht ausgesprochen werden müssen, um spürbar zu sein. Gerade diese Genauigkeit macht die Lektüre so intensiv. Nichts wirkt zufällig, und doch bleibt genug Luft für Ambivalenz.

Was "Die Liebeshungrigen" für mich besonders lesenswert macht, ist seine Gegenwärtigkeit. Das Buch erzählt nicht einfach von Beziehungen, sondern von einer Welt, in der Liebe, Ruhm, Jugend, Körper, Erfolg und moralische Haltung ständig miteinander verrechnet werden. Tuil hält dieser Welt keinen erhobenen Zeigefinger vor, sondern einen Spiegel — und der ist stellenweise unangenehm klar.

Ein kluger, scharf beobachteter und stilistisch sehr souveräner Roman. Nicht bequem, nicht gefällig, aber genau deshalb so stark. Für mich volle 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Eigenwillig und sehr lesenswert

Der Über-Dandy
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Der Über-Dandy ist ein Roman, der sich angenehm vom Gewohnten abhebt. Sebastian Brück verbindet Biografie, literarisches Spiel, Popkultur und eine fast schwebende, leicht exzentrische Erzählweise zu einem ...

Der Über-Dandy ist ein Roman, der sich angenehm vom Gewohnten abhebt. Sebastian Brück verbindet Biografie, literarisches Spiel, Popkultur und eine fast schwebende, leicht exzentrische Erzählweise zu einem Text, der vor allem durch seinen Ton und seine Idee überzeugt. Besonders gefallen hat mir, wie kenntnisreich und gleichzeitig leichtfüßig der Roman mit Inszenierung, Erinnerung und künstlerischer Selbststilisierung umgeht. Das wirkt nie beliebig, sondern sehr bewusst komponiert und sprachlich auffallend souverän.

Gerade die Atmosphäre und die vielen klugen Anspielungen machen den Reiz des Buches aus. Man merkt auf fast jeder Seite, dass hier mit großer Lust an Sprache und Literatur erzählt wird. Nicht jede Passage hat für mich die gleiche Kraft, und an manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr erzählerischen Zug gewünscht. Trotzdem überwiegt klar der positive Eindruck, weil der Roman so eigen, stilvoll und gedanklich anregend ist. Für mich ist Der Über-Dandy ein besonderes, intelligentes und sehr lesenswertes Buch, das sich gerade durch seinen Mut zum Eigenen von vielen anderen Romanen absetzt.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Leise Wucht

The Artist
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Schon das Cover von The Artist hat mich sofort angesprochen. Es wirkt ruhig, stilvoll und ein wenig geheimnisvoll – genau passend zu einem Roman, der nicht über große Effekte, sondern über Atmosphäre, ...

Schon das Cover von The Artist hat mich sofort angesprochen. Es wirkt ruhig, stilvoll und ein wenig geheimnisvoll – genau passend zu einem Roman, der nicht über große Effekte, sondern über Atmosphäre, Zwischentöne und innere Spannungen funktioniert. Auch die Gestaltung passt sehr gut zum Inhalt, weil sie schon optisch andeutet, dass hier Kunst, Wahrnehmung und feine emotionale Verschiebungen eine wichtige Rolle spielen.
Inhaltlich erzählt Lucy Steeds keine laute Geschichte, sondern eine, die sich langsam entfaltet und gerade dadurch so fesselnd ist. Im Mittelpunkt stehen ein junger Mann, der mit großen Erwartungen in die Welt der Kunst blickt, und die Menschen, denen er begegnet. Mehr muss man über den Inhalt eigentlich gar nicht wissen, denn gerade dieses vorsichtige Entdecken macht einen großen Teil des Reizes aus. Besonders gelungen fand ich, wie die Autorin Themen wie Kunst, Macht, Abhängigkeit, Sehnsucht und Selbstbestimmung miteinander verbindet, ohne dass es je konstruiert wirkt.
Der Schreibstil hat mir ausgesprochen gut gefallen. Er ist bildhaft und fein, aber nie überladen. Viele Szenen leben von Blicken, Stimmungen und kleinen Verschiebungen, sodass man beim Lesen das Gefühl hat, ganz nah an den Figuren zu sein. Genau das macht das Buch für mich so besonders: Es ist literarisch, aber nicht kühl, sondern sehr sinnlich und menschlich.
Auch die Figuren haben mich überzeugt. Sie wirken nicht glatt oder schematisch, sondern vielschichtig und glaubwürdig. Vor allem die Dynamik zwischen ihnen ist stark gezeichnet, weil vieles unausgesprochen bleibt und gerade dadurch intensiv wirkt.
Für mich ist The Artist ein Roman für Leser*innen, die leise, kluge und atmosphärisch dichte Bücher mögen. Wer eine schnelle, spannungsgeladene Handlung sucht, wird hier vielleicht etwas anderes bekommen als erwartet – wer sich aber gern auf Sprache, Figuren und feine Spannungen einlässt, wird mit einem besonderen Leseerlebnis belohnt. Mein Fazit: ein eindringlicher, eleganter und sehr stimmiger Roman, der noch lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Eleganter Nervenkitzel

Allmen und die verschwundene María
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Allmen und die verschwundene Maria hat mir richtig gut gefallen, weil der Roman genau das vereint, was die Reihe für mich so besonders macht: Stil, Witz und Spannung. Diesmal bekommt der Fall durch die ...

Allmen und die verschwundene Maria hat mir richtig gut gefallen, weil der Roman genau das vereint, was die Reihe für mich so besonders macht: Stil, Witz und Spannung. Diesmal bekommt der Fall durch die Entführung von María Moreno sofort eine viel persönlichere Dringlichkeit, und dass ausgerechnet das wertvolle Dahlienbild als Lösegeldforderung im Raum steht, gibt der Geschichte von Anfang an einen schönen, raffinierten Zug. Gerade dieses Zusammenspiel aus Kunst, Erpressung und Zeitdruck funktioniert für mich ausgezeichnet.
Besonders mochte ich, wie souverän Suter Allmen auch hier wieder zeichnet: kultiviert, leicht eitel, manchmal herrlich distanziert, aber nie ohne Charme. Dazu kommt Carlos, der der Geschichte Wärme und Tempo gibt, sodass das Zusammenspiel der beiden wieder großen Spaß macht. Der Fall ist spannend, ohne laut zu werden, und lebt nicht von billigen Überraschungen, sondern von Atmosphäre, Dialogen und dieser feinen Ironie, die Suter so gut beherrscht. Für mich ist das ein sehr stimmiger Allmen-Band: elegant, unterhaltsam und mit genau der richtigen Mischung aus Leichtigkeit und Nervenkitzel.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Stilvoll, charmant und herrlich unterhaltsam

Allmen und die Erotik
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Mit „Allmen und die Erotik“ beweist Martin Suter einmal mehr, wie stilvoll, klug und unterhaltsam die Allmen-Reihe ist. Der Roman verbindet feinen Humor, elegante Sprache und einen charmanten Hauptcharakter ...

Mit „Allmen und die Erotik“ beweist Martin Suter einmal mehr, wie stilvoll, klug und unterhaltsam die Allmen-Reihe ist. Der Roman verbindet feinen Humor, elegante Sprache und einen charmanten Hauptcharakter zu einem Lesevergnügen, das von der ersten bis zur letzten Seite begeistert. Besonders gefallen hat mir die Mischung aus Raffinesse, Leichtigkeit und Spannung. Allmen ist einfach eine großartige Figur, die man immer wieder gern begleitet. Für mich ein rundum gelungener Roman und verdiente 5 Sterne.

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