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Veröffentlicht am 10.05.2026

Sehr atmosphärisch

Wilde Häuser
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WILDE HÄUSER
Colin Barrett
CT: 19.03.26

Im Westen Irlands liegt die Kleinstadt Ballina in angespannter Stimmung: Das Wochenende des großen Festivals steht bevor.
Nicky und ihr Freund Doll besuchen eine ...

WILDE HÄUSER
Colin Barrett
CT: 19.03.26

Im Westen Irlands liegt die Kleinstadt Ballina in angespannter Stimmung: Das Wochenende des großen Festivals steht bevor.
Nicky und ihr Freund Doll besuchen eine Party. Es wird Whiskey getrunken, geknutscht und gestritten — bis Doll die Feier wütend verlässt und nie zu Hause ankommt.

Erst einige Tage später wird klar, dass er von zwei Kleinganoven entführt wurde. Doll soll für seinen Bruder Cillian geradestehen, den Kleindealer der Stadt, der bei seinem Boss noch eine offene Rechnung hat.

Die Entführer, Gabe und Sketch Ferdia, verstecken Doll im Haus von Dev. Der gutmütige junge Mann hat vor einem Jahr seine Mutter verloren und verlässt seitdem kaum noch das Haus, außer für Spaziergänge mit dem Hund. Dev war schon immer ein Außenseiter. Freunde hatte er nie, obwohl er sich immer danach sehnte. Nun scheint sich ihm endlich die Möglichkeit zu bieten, Teil einer Gruppe zu sein. Doch seine Sanftmütigkeit steht ihm dabei immer wieder im Weg.

Wie die Geschichte endet, solltet ihr besser selbst herausfinden.

Colin Barretts neuester Roman Wild Houses wurde mehrfach nominiert und ausgezeichnet. Unter anderem stand er auf der Longlist des Booker Prize 2024.

Die liebe @carola und ich sind in unserem ersten #buddyread nahezu atemlos durch die Seiten geflogen und tief in das düstere Drogenmilieu Ballinas eingetaucht.

Barrett zeichnet seine Figuren nicht mit großen bildhaften Beschreibungen, sondern erschafft vielmehr eine bedrückende Atmosphäre, die ihre Hoffnungslosigkeit spürbar macht. Ähnlich wie in den Büchern von Claire Keegan aus dem Steidl Verlag dominiert auch hier eine allgegenwärtige Perspektivlosigkeit.

Fazit:
Ein spannender und atmosphärischer Roman, der das Leben im Westen Irlands eindrucksvoll einfängt. Fesselnd geschrieben, auch wenn ich mir beim Plot am Ende noch etwas Größeres gewünscht hätte. Große Leseempfehlung!
4,5/5

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2026

Ein intensives Debüt

Weißer Sommer
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WEISSER SOMMER
Eva Pramschüfer
ET: 17.04.26

Almas Großvater, der seine letzten Jahre in Südfrankreich verbracht hat, ist gestorben. Auf der Suche nach einem Grabstein begegnet sie Théo, einem jungen Steinmetzmeister, ...

WEISSER SOMMER
Eva Pramschüfer
ET: 17.04.26

Almas Großvater, der seine letzten Jahre in Südfrankreich verbracht hat, ist gestorben. Auf der Suche nach einem Grabstein begegnet sie Théo, einem jungen Steinmetzmeister, der im Betrieb seines Vaters arbeitet. Zwischen ihnen ist sofort etwas da – dieses Gefühl füreinander bestimmt zu sein.

Théos Mutter hat ihn und seinen Vater vor Jahren verlassen. Geblieben ist ein liebevoller Vater, bei dem er zu einem ruhigen, gewissenhaften und warmherzigen jungen Mann heranwächst. Alma dagegen kennt kein solches Zuhause. Ihr Vater, ein erfolgreicher Anwalt, ist kaum präsent, ihre Mutter kühl und distanziert. Es fehlt nicht an Geld, aber an Nähe.

Als Alma für ihr Journalistikstudium zurück nach München geht, bleibt ihnen nur das Telefon. Sie sprechen jeden Tag, halten fest an dem, was zwischen ihnen entstanden ist. Und doch wächst mit der Entfernung auch die Sehnsucht – und die leise Angst, sich zu verlieren.

Zwei Jahre später verbringen Alma und Théo einen weiteren gemeinsamen Sommer im Haus ihrer Eltern in Frankreich. Doch nichts ist mehr so unbeschwert wie damals. Entscheidungen, die sie getroffen haben, und die Zeit, die vergangen ist, haben Spuren hinterlassen. Zwischen ihnen ist etwas ins Wanken geraten. Und trotzdem ist da noch immer dieses Gefühl. Die Frage ist nur: Reicht es noch?

Ob sie es schaffen, die Risse zwischen ihnen zu schließen, müsst ihr selbst herausfinden.

Eva Pramschüfer erzählt diese Geschichte auf zwei Zeitebenen. Anfangs war ich kurz unsicher, wo ich mich gerade befinde, doch nachdem sich das gelegt hatte, konnte ich mich auf ihre wundervolle Sprache vollkommen einlassen. Sie schreibt ruhig, eindringlich und sehr nah an ihren Figuren. Eine Geschichte über zwei Menschen, die sich vielleicht genau dann begegneten, als es am wenigsten gepasst hat.

Fazit:
Ein intensives, gefühlvolles Debüt, das leise unter die Haut geht. Eine Liebesgeschichte, die anders ist und lange nachklingt.
4,5/5

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 17.04.2026

Wundervoll persönlich ...

Ghost Stories
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GHOST STORIES
Siri Hustvedt
ET: 13.03.26

„Wenn wir noch hundert Jahre länger zusammenlebten, würden wir zu ein und derselben Person werden.“ (Tolino S. 253)

Der Autor Paul Auster, der Mann von Siri Hustvedt, ...

GHOST STORIES
Siri Hustvedt
ET: 13.03.26

„Wenn wir noch hundert Jahre länger zusammenlebten, würden wir zu ein und derselben Person werden.“ (Tolino S. 253)

Der Autor Paul Auster, der Mann von Siri Hustvedt, starb am 30. April 2024 um 18:58 Uhr. Sie waren 43 Jahre lang unzertrennlich.

In diesem Buch gibt uns die Autorin Siri Hustvedt einen Einblick durch das Schlüsselloch. Wir sehen das Ehepaar, wie es auf seinen grünen Stühlen sitzt, seine Manuskripte gegenseitig lektoriert und diskutiert. Wir gucken verschämt schnell weg, wenn die beiden sich ins Schlafzimmer begeben. Doch auch hier plaudert Siri weiter aus dem Nähkästchen. Wir erfahren, wie sie sich kennengelernt haben, wie Siri Paul einen Heiratsantrag machte, und werfen sogar einen genaueren Blick darauf, welche Unterhosenfarbe Auster trägt.

Familiengeheimnisse werden uns anvertraut. Und unser Blick durch das Schlüsselloch verschwimmt, als wir von dem Tod der Enkelin und von Austers Sohn aus erster Ehe erfahren.

Ab und zu wende ich den Blick ab. Geschichten über Basketball interessieren mich nicht. Aber als Siri die Krankengeschichte ihres Mannes in beinahe gnadenloser Ausführlichkeit schildert, tut mir das Herz weh. Was für eine Odyssee, die der Autor erleiden musste.

Ich könnte euch noch mehr erzählen. Von Siris Blick auf Nazi-Deutschland oder Donald Trump und von den wundervollen sieben Briefen an Enkelsohn Miles, der keine Erinnerungen an seinen Großvater haben wird. Doch bitte lest dieses schöne Buch einfach selbst – ihr seid bei diesem erstaunlichen Paar, das in Büchern lebte, eingeladen.

Fazit:
Ein Ausflug nach Brooklyn, mitten ins Herz von Siri Hustvedt. Ganz wunderschön in ihrer typischen Schreibweise.
4½/5

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.04.2026

Sehr atmosphärisch!

Der Sommer, der uns blieb
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DER SOMMER, DER UNS BLIEB
Greta Herrlicher
ET: 14.04.26

Einst waren sie beste Freunde: Britta, Pia und Martin – ein Dreiergespann, das unzertrennlich wirkte. Britta und Martin stammen aus sogenannten ...

DER SOMMER, DER UNS BLIEB
Greta Herrlicher
ET: 14.04.26

Einst waren sie beste Freunde: Britta, Pia und Martin – ein Dreiergespann, das unzertrennlich wirkte. Britta und Martin stammen aus sogenannten gutbürgerlichen Familien und waren seit jeher Nachbarskinder. Pia hingegen zog erst später in die Kleinstadt. Ihre familiären Verhältnisse waren unruhiger: Die Partner ihrer Mutter wechselten, ihre Stiefgeschwister hatten unterschiedliche Väter. Pia brachte frischen Wind mit, war weniger angepasst, freiheitsliebend und für jeden Unsinn zu haben. Es war eine unbeschwerte Kindheit – bis sich mit dem Erwachsenwerden etwas in ihrer Konstellation verschob und schließlich zum Bruch der Freundschaft führte.

Viele Jahre später treffen die drei wieder aufeinander: Britta erhält einen Anruf, dass ihr Vater verwirrt und desorientiert wirkt. Sofort reist sie in ihre Heimatstadt, wo sie auf Martin trifft, der noch immer im Haus seiner Mutter lebt und inzwischen die Firma seines verstorbenen Vaters leitet. Doch die Vergangenheit steht zwischen ihnen, und besonders Britta ist nicht bereit, sich noch einmal auf Martin einzulassen. Erst als die todkranke Pia wieder in ihr Leben tritt, sind die ehemaligen Freunde gezwungen, sich mit den Ereignissen des letzten gemeinsamen Sommers auseinanderzusetzen, der alles veränderte.

Besonders intensiv wirkt der Roman, weil die Autorin ihre Protagonisten abwechselnd zu Wort kommen lässt. Der Schreibstil ist angenehm leicht und zugänglich, sodass man nur so durch die Seiten fliegt. Die Rückblicke in die Jugend der drei haben mir besonders gut gefallen und bei mir einige Erinnerungen wachgerufen.

Ein kleiner Kritikpunkt für mich war, dass die Handlung an manchen Stellen etwas vorhersehbar und konstruiert wirkte.

Fazit:
Nicht nur die Gestaltung des Buches ist wunderschön, sondern auch die Geschichte. Ein sommerlicher Roman, der zum Nachdenken anregt und aus dem man einiges mitnehmen kann. Ich empfehle ihn sehr gern weiter.
4½/5

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Ein leiser Roman ...

Elbland
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„Was uns am meisten schmerzt, sind verpasste Gelegenheiten.“ (S.226)

ELBLAND
Claudia Kikl
ET: 12.03.26
Ninas Mutter Irma ist gestorben – und mit ihr verschwindet nicht nur ein Mensch, sondern auch ein ...

„Was uns am meisten schmerzt, sind verpasste Gelegenheiten.“ (S.226)

ELBLAND
Claudia Kikl
ET: 12.03.26
Ninas Mutter Irma ist gestorben – und mit ihr verschwindet nicht nur ein Mensch, sondern auch ein Stück Halt. Zurück bleibt eine ungewohnte Leere, aber auch eine Freiheit, die sich eher befremdlich als erleichternd anfühlt. Jahrelang hat Nina ihr Leben einfach weitergeführt, vieles hingenommen und verdrängt. Jetzt steht sie vor der Frage, wie es für sie weitergehen soll.

Um Abstand zu gewinnen, reist sie ins Riesengebirge nach Tschechien – an einen Ort, der einst für unbeschwerte Familienmomente stand. Dort beginnt sie, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Alte Erinnerungen tauchen auf, lange verdrängte Fragen drängen sich in den Vordergrund: Was ist damals wirklich passiert? Warum wurde so vieles nie ausgesprochen? In dieser stillen Umgebung begibt sich Nina auf eine vorsichtige, aber intensive Suche – nach Antworten, nach ihrer Mutter und letztlich auch nach sich selbst.

Der Roman entfaltet eine ruhige, aber eindringliche Atmosphäre, die lange nachwirkt. Im Zentrum stehen die Beziehung zwischen Mutter und Tochter sowie die Spuren, die unausgesprochene Erlebnisse hinterlassen.

Obwohl ich nicht vollständig mit der Protagonistin warm geworden bin, wirkt ihr Verhalten durchgehend authentisch und in sich stimmig. Besonders eindrucksvoll zeigt die Geschichte, wie sich ungelöste Konflikte und unausgesprochene Wahrheiten über Generationen hinweg fortsetzen können.

Der Roman erzählt diese Themen auf eine zurückhaltende und feinfühlige Weise, ohne dabei an Tiefe zu verlieren.

Fazit:
Ein leiser, nachdenklicher Roman über familiäre Prägungen, verdrängte Vergangenheit und die Suche nach Antworten.
4½/5

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