Profilbild von SophiaDango

SophiaDango

Lesejury Star
offline

SophiaDango ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SophiaDango über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.04.2026

Eindrücklich, intensiv und ehrlich - wenn alles aus der Bahn geworfen wird

Alle glücklich
0

Familie Holtstein hat nach außen ein gutes und zufriedenes Leben. Mutter Nina arbeitet halbtags in einer Arztpraxis, Vater Alexander ist Oberarzt mit Leib und Seele im Krankenhaus. Tochter Emilia geht ...

Familie Holtstein hat nach außen ein gutes und zufriedenes Leben. Mutter Nina arbeitet halbtags in einer Arztpraxis, Vater Alexander ist Oberarzt mit Leib und Seele im Krankenhaus. Tochter Emilia geht aufs Gymnasium und ist gerade das erste Mal verliebt, Sohn Ben studiert und wohnt noch zu Hause. Doch jedes Familienmitglied hat sein eigenes Geheimnis, das es zu hüten gilt. Langsam bahnen sich Risse an, die immer größer werden und die bald nicht mehr jedes Familienmitglied für sich allein kitten kann.

Ich habe bereits "Die Nacht der Bärin" der Autorin gelesen und war restlos begeistert. Auch das neue Buch der Autorin lohnt sich wieder einmal zu lesen.
Die Geschichte der Familie wird aus den vier verschiedenen Perspektiven der Familienmitglieder beschrieben, womit man immer mittendrin im Geschehen ist und die Gedanken und Gefühle perfekt zum Ausdruck kommen. Die kapitelweise abwechselnden Sichtweisen bringen eine sehr gute Dynamik in das Geschehen, die Figuren sind authentisch und realistisch dargestellt. Oft dachte ich beim Lesen, dass ich mit fast jeder Figur irgendwie mitfühlen kann, man fühlt das Unausgesprochene auf jeder Seite und wie jede Figur ihre eigenen Sorgen zu lösen versucht. Dabei verlieren sich die vier immer mehr als Familie aus den Augen und driften weiter auseinander. Die Risse innerhalb der Familie kommen schleichend, wir als Leser sehen sofort, was im Argen liegt, aber nach außen sind sie bis zuletzt die Vorzeigefamilie.
Ab und zu gab es ein paar Längen im Buch, die aber gut zur Geschichte passen, einzig das Ende konnte mich nicht wirklich überzeugen, hier hätte ich mir eine bessere Einbindung in die vorige Geschichte gewünscht, da es für mich sehr abrupt kam.

"Alle glücklich" ist ein intensives, leises Buch, das von seinen authentischen Charakteren lebt und nah an der Realität von vielen Menschen spielt. Es zeigt, wie schnell das Leben aus den Fugen geraten kann. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2026

Besondere Geschichte zweier Außenseiter und ihr Weg aus der Isolation - intensiv und hoffnungsvoll

Der andere Arthur
0

Der ehemalige Literaturprofessor Dr. Arthur Opp führt ein sehr zurückgezogenes Leben in seinem Haus in Brooklyn. Da er extrem adipös ist, verlässt er das Haus so gut wie gar nicht mehr und bringt nur den ...

Der ehemalige Literaturprofessor Dr. Arthur Opp führt ein sehr zurückgezogenes Leben in seinem Haus in Brooklyn. Da er extrem adipös ist, verlässt er das Haus so gut wie gar nicht mehr und bringt nur den Müll nach draußen. Als ihn seine ehemalige Studentin Charlene kontaktiert, mit der er lange Zeit in engem Briefkontakt stand, eröffnet sie ihm, dass sie einen 17-jährigen Sohn, Kel, hat. Kel selbst träumt von einer Sportlerkarriere und tut alles dafür, ein Sportstipendium zu bekommen. Aber Charlene ist krank und bittet Arthur deshalb, Kel zu helfen. Arthur selbst schämt sich wegen seiner Erscheinung und beginnt, sein Leben Stück für Stück umzukrempeln.

Von Liz Moore hatte ich bereits "Der Gott des Waldes" gelesen und war restlos begeistert. Und auch "Der andere Arthur" kann durchaus mithalten und hat mich begeistert.
Die Geschichte wird abwechselnd in längeren Kapiteln aus Arthurs und Kels Ich-Perspektive geschrieben. Beide sind Außenseiter, zwar in unterschiedlichen Lebenssituationen, aber sie eint, dass sie einsam und isoliert leben. Während Arthur ein gutes Leben genießt, ein Haus und genügend Geld zur Verfügung hat, lebt Kel am Existenzminimum. Arthur sucht sich eine Putzhilfe nach Charlenes Anruf und Yolanda kommt nun regelmäßig und bringt sowohl im Haus als auch in Arthurs Leben Ordnung hinein. Sie ist ein wunderbar gezeichneter Charakter, der zwar eine Nebenrolle hat, aber unglaublich einfühlend und authentisch dargestellt wird. Generell sind alle Figuren detailreich und ehrlich beschrieben, jede und jeder hat sein Päckchen zu tragen und auch die jeweiligen Lebenssituationen sind tragisch, aber auch authentisch beschrieben.

Der Schreibstil passt zu den jeweils erzählenden Charakteren und ist lebendig und bildhaft. Die Tragik und Reichweite der Situationen und Figuren kommen hervorragend rüber und auch wenn man die Richtung des Romans ahnt, entwickelt er sich doch anders, als ich es eingeschätzt hatte. Der Roman zeigt sehr gut, wie schnell eine Person in Einsamkeit und gesellschaftliche Isolation rutschen kann, aber auch Wege, wie man sich langsam wieder einem zufriedeneren Leben nähern kann und mithilfe von anderen einen Weg zurück ins Leben findet. Zu keiner Zeit ist der Roman zu deprimierend, vielmehr zeigt er die Lichtblicke und Hilfsangebote auf, die man sich nur trauen muss anzunehmen. Ein kleiner Kritikpunkt sind für mich die Längen, die es vor allem in Kels Kapitel gab und das Ende, bei dem es für mich noch offene Fragen gab.

"Der andere Arthur" ist eine besondere Geschichte, die mich hoffnungsvoll zurückgelassen hat und durchaus mit dem Bestseller "Der Gott des Waldes" mithalten kann. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.03.2026

Spannende Ermittlungsarbeit in der Steiermark - packend und realitätsnah

Steirerzwist
0

Im ihrem fünfzehnten Fall ermitteln erneut Sandra Mohr und Sascha Bergmann in der Steiermark. Als Sandra aus dem Urlaub wieder kommt, wird eine Joggerin tot in der Mur gefunden - ihr wurde die Kehle durchtrennt. ...

Im ihrem fünfzehnten Fall ermitteln erneut Sandra Mohr und Sascha Bergmann in der Steiermark. Als Sandra aus dem Urlaub wieder kommt, wird eine Joggerin tot in der Mur gefunden - ihr wurde die Kehle durchtrennt. Kurz darauf wird ein Obdachloser nicht weit vom ersten Fundort ebenfalls tot aufgefunden. Schnell stellt sich heraus, dass die Tote keine Unbekannte ist: sie ist Direktorin eines 5-Sterne-Hotels im Ort. Wie und was haben die beiden Toten miteinander zu tun? Die beiden Ermittler haben alle Hände voll zu tun mit den Ermittlungen, denn der oder die TäterIn ist immer noch auf freiem Fuß...

Ich hatte zuvor noch nichts von Claudia Rossbacher gelesen und hatte zunächst Sorge, ob ich schnell in den fünfzehnten und damit erstmal letzten Krimiroman rund um Sandra Mohr hinein finde. Aber auch ohne Vorkenntnis aus den vorigen Bänden ist man schnell in der Handlung.
Die Kapitel sind meist aus der Sicht Sandras geschrieben, die auch im Mittelpunkt der Ermittlungen steht. Neben der Mammutaufgabe, den oder die TäterIn so schnell es geht zu finden, kommen familiäre Probleme, die sehr gut und detailliert dargestellt sind, hinzu. An ein paar Stellen wurde mir persönlich Sandras Privatleben etwas zu detailliert geschildert, was der Handlung und Spannung aber keinen Abbruch tut. Sandra und Sascha sind ein tolles Team, wenn sie auch sehr unterschiedlich sind und gelegentlich mal die Fetzen fliegen. Auch die Ermittlungen sind sehr genau und präzise beschrieben, man merkt beim Lesen schnell, dass die Autorin sehr viel Mühe, Zeit und Recherche investiert hat um die Ermittlungen so realitätsnah zu beschreiben, wie es geht.

Das Motiv hinter den Taten wird im Laufe der Handlung immer klarer und am Ende kam die Auflösung nicht mit einem großen Knall. Den kleinen Plottwist ganz am Ende, der nochmal Spannung schaffen sollte, hätte es für mich nicht gebraucht. "Steirerzwist" ist ein sehr guter, spannender und kurzweiliger Krimi, der sich schnell und angenehm lesen lässt. Nebenbei lernt man auch die Steiermark kennen, die mir bislang noch nicht wirklich bekannt war.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2026

Bitterböse Satire - humorvolles und kurzweiliges Gedankenexperiment

Das Geschenk
0

In Berlin staunt man nicht schlecht als eines Tages zunächst ein paar Afrikanische Elefanten gesichtet werden und irgendwann 20.000. Der botswanische Präsident hat diese 20.000 Elefanten nach einem Beschluss ...

In Berlin staunt man nicht schlecht als eines Tages zunächst ein paar Afrikanische Elefanten gesichtet werden und irgendwann 20.000. Der botswanische Präsident hat diese 20.000 Elefanten nach einem Beschluss der Deutschen Bundesregierung nach Deutschland bringen lassen: die Einfuhr von Jagdtrophäen nach Deutschland wird per neuem Gesetz untersagt und damit bricht ein wichtiger Wirtschaftszweig Botswanas weg. Ab sofort muss sich vor allem der Bundeskanzler um dieses akute und vor allem nervenaufreibende Problem kümmern. Im Nu bricht in Deutschland Chaos aus und jede/r versucht, die Elefanten irgendwie für sich zu nutzen oder auch zu bekämpfen.

Nachdem ich bereits begeistert "Trophäe" der Autorin gelesen habe, war ich gespannt auf dieses Gedankenexperiment. Das Buch ist mit knapp 144 Seiten recht schmal, aber es ist eine gelungene und bitterböse Satire, die mit dem Vorgängerroman in jedem Fall mithalten kann.
Die Kapitel sind unterschiedlich lang und mit den Tagesangaben versehen, seit denen die Elefanten in Berlin sind. Die Sichtweise ist hauptsächlich die des Bundeskanzlers, der zunächst von einem Terroranschlag ausgeht und direkt alle Hände voll zu tun hat, sowohl Elefanten als auch Bevölkerung in Schach zu halten. Geschickt zeigt die Autorin auf, wie zunächst versucht wird, Lösungen für den Umgang mit den Elefanten zu finden, die fast alle zufrieden stellen sollen. Immer mehr zeigt sich jedoch, dass Deutschland für die Dickhäuter nicht den idealen Lebensraum bieten kann und schnell stößt jede/r an seine Grenzen. Vor allem der Bundeskanzler ist sehr darauf bedacht, seine eigene Haut zu retten und gerade den rechten Parteien nicht in die Karten zu spielen. Schnell wird deutlich, was jeder weiß, aber worüber nicht gesprochen wird: Politik ist fast immer ein schmutziges Geschäft, das von Taktierereien bis Bauernopfern reicht.
Beim Lesen musste ich oft schmunzeln wegen der absurden Situationen, die sich oft ergeben, oft war ich aber auch ratlos und verstört, wie gehandelt wird.

Ich hätte mir an manchen Stellen mehr Details gewünscht und vielleicht auch andere Perspektiven, da hier vorrangig die Politik und der Bundeskanzler im Fokus stehen. "Das Geschenk" ist völlig anders als "Trophäe" der Autorin, kann aber durchaus mithalten. Eine runde und kurzweilige Satire!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.01.2026

24 Kapitel in 12 tollen Kurzgeschichten - perfekt für die Vorweihnachtszeit

A Season of Love and Secrets
0

In zwölf Geschichten, die sich jeweils über zwei Kapitel erstrecken, werden Geschichten rund um die romantische Weihnachtszeit mit Herzklopfen und Überraschungen erzählt. Zwölf Autoren nehmen den Leser ...

In zwölf Geschichten, die sich jeweils über zwei Kapitel erstrecken, werden Geschichten rund um die romantische Weihnachtszeit mit Herzklopfen und Überraschungen erzählt. Zwölf Autoren nehmen den Leser mit auf die Reise und versüßen einem die Vorweihnachtszeit.

Erstmal finde ich das Cover und die Aufmachung des Buches wunderschön mit Farbschnitt, der tollen Haptik des Buchumschlags und den kleinen Illustrationen vor jedem Kapitel. Das macht wirklich was her und Lust auf die Weihnachtszeit. Jedes Kapitel hat genau die richtige Länge, sodass man das Buch wirklich gut als "Adventskalender" lesen kann.
Einige Autorinnen kannte ich noch nicht und die Kurzgeschichten waren perfekt um den Schreib- und Erzählstil kennenzulernen. Jeder Autorin hat ganz eigene und besondere Wintermomente geschaffen und man kann sich jeden Tag auf neue Überraschungen und Geschichten freuen.
Die Kurzgeschichten hatten meist überraschend viel Tiefe auf wenigen Seiten und waren abwechslungsreich. Natürlich können einen nicht alle Geschichten und Autor
innen gleichermaßen begeistern, aber ich habe mich jeden Tag gefreut, in eine Welt einzutauchen - man macht Halt in München und New York, ist in der wirklichen Welt und Fantasiewelten unterwegs.

"A Season of Love and Secrets" ist perfekt um es sich in der Vorweihnachtszeit richtig gemütlich zu machen und jeden Tag in der meist stressigen Zeit im Dezember einen Moment innezuhalten und in eine Geschichten abzutauchen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere