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Veröffentlicht am 14.04.2026

Ein eindrucksvoller Roman von zeitloser Aktualität.

Die beste aller Beziehungen
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Die beste aller Beziehungen ist ein Roman, den ich gerne weiterempfehle.
Es ist eines der wenigen Bücher, bei denen ich mich mit einer Rezension schwer getan habe, weil es so komplex daher kommt.
Es ist ...

Die beste aller Beziehungen ist ein Roman, den ich gerne weiterempfehle.
Es ist eines der wenigen Bücher, bei denen ich mich mit einer Rezension schwer getan habe, weil es so komplex daher kommt.
Es ist ein echter Wälzer, ein Schmöker, eine brobdingnagische Aufgabe.
Es ist schwer, es ist anstrengend, es fordert heraus. Denn Protagonistin Martina hinterfragt wirklich jede Regung, jedes Wort.
Und es ist wundervoll.
Mit der Feststellung im Vorwort, es sei „auf eine vollkommen andere Art ungeschminkt“, denn „ungeschminkt“ bedeute heute etwas grob Intimes, nahezu Pornografisches, konnte ich zunächst unter großem Widerstand nicht ganz mitgehen - denn wo führt es uns hin, die ursprüngliche „ungeschminkte Wahrheit“ derart zu „radikalisieren“, sie in ein Extrem hineinzudenken?
Doch vielleicht liegt hierin tatsächlich der Kern einer Wahrheit unserer Zeit.
Wenn authentische und integre Ehrlichkeit, wie die unserer Protagonistin es oft ist, zu etwas stilisiert wird, das heute zwangsläufig als etwas grob Intimes, Pornografisches gefühlt werden muss, ist es dann nicht kein Wunder, dass sie selten wird, verpönt, kritisiert, dass sie Angst macht und wir mit ihr nicht mehr vertraut sein können?
Gerade in Zeiten des wieder zunehmenden sozialen Misstrauens, einer dialoggestörten Zeit?
Dass eine Martina als „herausfordernd“ kategorisiert werden muss, weil sie „ihre Beziehungen ernst nimmt“, weil sie sie reflektiert, durchdenkt, gestalten will - aber eben auch auf den Prüfstand stellt, hinterfragt, kritisiert, anzweifelt und sich damit verletzlich zeigt, angreifbar?
Weil sie aus der Reihe tanzt?
„Grob intim“, „pornografisch“ als Klassifizierung dafür, wie wir ehrlich, wahrhaftig sein einordnen: Krasser, absoluter, extremer; das ist ein Symptom unserer Zeit. Aber auch: ängstlicher, feiger, narzisstischer, kränkbarer, distanzierter, isolierter. Wenn wir Offenheit und Authentizität so empfinden.
Vielleicht ist es das, was den Ansatz dieses Buches so interessant macht. Eben weil er uns zeigt, wie es sein kann, wie es sein darf, wenn wir lieben, wenn wir in Beziehung gehen. Welche auch immer, übrigens.
Ein Buch von 1976, neu aufgelegt. So aktuell jetzt, wie schon seinerzeit. Das scheint erstaunlich.
Ich denke, es ist ganz genau das, was immer schon dem „Ungeschminkten“ inhärent war, woran wir uns heute wieder erinnern dürfen. Ehrlichkeit. Echtheit. Integre Authentizität.
Ein Zurück zur echten Verbindung, statt zur ängstlichen Distanz, zur gelebten Akzeptanz und dem Erforschen von Unterschieden, statt zum Erzwingen von Gemeinsamkeit als Konformität. Ein Miteinander, statt eines Gegeneinanders. Im Dialog.
Zu einem „Normal“-Denken, statt einer empfindlichen Übersteigerung der Begrifflichkeiten, die uns letztlich voneinander entfernt und ausbrennt. Denn: was darf man eben dann noch sagen, wenn jede Ehrlichkeit des eigenen Fühlens und jede Gestaltung der eigenen Beziehungen als „grob“ intim, mit einem nahezu pornografischen Charakter automatisch auch als potenziell grenzverletzend, übergriffig, weil eindring-lich, bewertet wird? Als Angriff; auf den Anderen, das Andere, die Anderen? Als Rütteln am auf tönernen Füßen gebauten Selbstbild; des Einzelnen, aber auch der Gesellschaft?
„Ungeschminkt“ ist nicht grob intim, pornografisch, oder ungeschont, grob, verletzend. Es ist echt. Es ist verbindend. Es ist nah. Und es ist sicher dringend an der Zeit, dass wir die Angst vor dem Nah-Sein wieder ablegen. Und dafür eben auch die Angst vor Konfrontation, vor Verletzlichkeit, Echtheit. Wir haben verlernt, uns sichtbar zu machen und wir haben verlernt, die volle Verantwortung für uns selbst und unsere Beziehungen zu übernehmen. Auch für die zu uns selbst.
Martina, einfach als Kind ihrer Zeit, aber auch als Vorreiterin dieser, geht uns da ganz gut voraus. Natürlich weit überspitzt hier und da, doch dieser Roman hat eine zeitlose, allgemeingültige Wahrheit, die ganz unabhängig seines zeitlich-politischen Kontextes stattfindet; auch wenn selbiger durchaus interessant nachzuvollziehen ist.
Wir sind in einer Zeit in Beziehung, die uns, individualistischer denn je, vor die Frage stellt, wie man trotz Freiheit lieben kann. Eben jene Frage, die Martina andersherum stellt: wie kann man trotz Liebe frei sein? Am Ende ist es einerlei, die Antwort bleibt gleich. Wir müssen reden. Miteinander und auch mit uns selbst. Ein Hoch also auf Martina und ihr mutiges Beispiel, aus dem wir heute wie damals so viel mitnehmen können. Es ist der Mühe wert.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

Ein Buch mit Merzweg!

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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Mit „Die Känguru-Rebellion“ hat Marc-Uwe Kling wie gewohnt auch dieses Mal ein Meisterwerk geschaffen - es ist so absolut großartig, dass ich mich vor Lachen gar nicht wieder eingekriegt habe.

Glücklicherweise ...

Mit „Die Känguru-Rebellion“ hat Marc-Uwe Kling wie gewohnt auch dieses Mal ein Meisterwerk geschaffen - es ist so absolut großartig, dass ich mich vor Lachen gar nicht wieder eingekriegt habe.

Glücklicherweise - denn sonst wäre es ein harter Brocken.

Thematisch möchte man heulen, doch Kling bringt eine enorme Faktendichte mit extremem Empörungspotenzial mit so viel, mehr oder weniger subtil, charmant-flachem Witz rüber, dass man am Ende „Ich rebelliere!“ lach-brüllend, hoffnungsvoll die Fäuste in die Luft wirft und sich nach den nächsten Lieblingsmenschen zum Solidarisieren umsieht.

Plötzlich sieht man die Menschen, die einem auf der Straße begegnen, wieder mit ganz anderen Augen und begreift, dass es oft nur darauf ankommt, wie man selbst auf die Welt zugeht.
Das Känguru und sein Schreiber sind uns da exzellente Lehrmeister in Sachen Hartnäckigkeit.
Gemäß dem Motto „stumpf ist Trumpf!“ werden kurzfristig Massen mobilisiert und zeigt sich, das was stoisch wirkt, am Ende doch eigentlich inspirierende Genialität ist, vor der man den Hut ziehen möchte.

Politisch-großindustriell-kapitalistische Zusammenhänge werden hier salvenartig, atemlos pointiert an den Pranger genagelt und so einprägsam humorvoll wiederholt, dass es auch wirklich niemand mehr nicht verstehen kann.
Nach dem Buch ist man schlauer mit 110% weniger Resignation.
Und garantiert AfD ausgemerzt.

Ich durfte es über Netgalley kostenlos vorab als Hörbuch in der Live-Lesungs-Version hören und habe dieses Buch jede Sekunde gefeiert.

Marc-Uwe Kling liest selbst - und das unfassbar gut.
Klingt, als säßest du quatschend mit Känguru und seinem Mitbewohner Daheim auf dem Sofa; nachdem das Känguru drei Tage durchgefeiert hat.
Diese Stimme; rotzig wie ein Reibeisen und doch so sympathisch.
In Kombination mit Eckkneipen-Herthas neuem Podcast der absolute Brüller. Klings eigenes Schmunzeln-Müssen dann und wann macht es umso charmanter.
Sicher eines der besten, lockersten, motivierendsten Bücher zum Thema „aktuelle Lage“ überhaupt.

Apropos: Ich rebelliere! Machst du mit?!

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Ein inspirierender Alltagshelfer, der neugierig macht und Leichtigkeit schenkt.

Was dein Leben leichter macht
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Ich durfte „Was dein Leben leichter macht“ im Rahmen einer Leserunde als kostenloses Rezensionsexemplar lesen und hatte viel Freude mit dem Buch.

Bei mir ist es so, dass die Kapitel sehr polarisierend ...

Ich durfte „Was dein Leben leichter macht“ im Rahmen einer Leserunde als kostenloses Rezensionsexemplar lesen und hatte viel Freude mit dem Buch.

Bei mir ist es so, dass die Kapitel sehr polarisierend waren. Es gab neben denen, die sofort meine Begeisterung gefangen haben, immer wieder einzelne Themen, die Widerstände in mir angesprochen haben, denen mich zu nähern schwieriger war, das ist etwas, das ich als besonders positiv erlebe.

Einen zu begeistern und zu catchen, mit Themen, die die eigene Komfortzone abdecken, lustigen Anekdoten und rührenden Beispielen, das ist nicht so schwer, das können viele. Aber Themen, die schwieriger sind, so aufzubereiten, dass man sich damit beschäftigen mag, erfordert ein besonderes Fingerspitzengefühl, das Sina Haghiri hier so schön gelingt.

Und auch erst dann, wenn man den Widerstand spürt, den Rand der Komfortzone erreicht, aber sich wohl und sicher fühlt, hinzuschauen, kommen solche Themen in die Umsetzung.

Der Clou: neben den eher klassischen, wie schwere Krankheit, unerfüllter Kinderwunsch und Tod, ist es eben sehr individuell, für wen welches Thema außerhalb der Komfort-Zone liegt; den schmalen Grat dazwischen zu bewandern und jeden abzuholen ist gelebte Handwerkskunst.

Ich fühle das auch darin, dass ich das Buch häufig aus der Hand gelegt habe, weil ich mich gesättigt gefühlt habe, auch manche Themen für eine spätere, bewusste und tiefgreifende Auseinandersetzung gelassen.

Es entsteht eine bunte Mischung, die es schafft, schwere Themen mit Leichtigkeit zu verbinden, Hoffnung und Selbstwirksamkeit zu stiften.

Es gelingt dem Buch, unkonventionelle Lösungen aufzuzeigen und dazu anzuregen, zu eigenen, kreativen Lösungsideen zu finden. Es inspiriert zum Umdenken und dazu, zurück zur Eigenverantwortlichkeit zu finden, das gefällt mir sehr.

Neben einem leichten, sympathischen, warmherzigen Stil, dem sicher eine breite Leserschaft gut folgen kann, vermittelt es auch den Eindruck einer soliden, gut strukturierten fachlichen Kompetenz.
Anfänger werden hier fündig, aber auch für Leser, die bereits ein wenig Vorerfahrung mitbringen finden sich immer mal wieder neue Aspekte und Blickwinkel in den schon bekannten Themen, die Neugierde wecken und interessant sind, hin und wieder auch humorvoll.

Die Unterteilung in vier große Abschnitte - Alltag, Psyche, Gesundheit, Gesellschaft - und deren jeweilige Unterteilung in kurze, prägnante, gut lesbare Kapitel, lässt einen Eindruck von Kurzweiligkeit entstehen, den ich sehr angenehm finde. Zudem ermöglicht es das gezielte Nachschlagen in dem Bereich, der einen aktuell jeweils am meisten interessiert. So fühlt sich das Lese-Erlebnis wirklich hilfreich an.

„Was dein Leben leichter macht“ ist ein guter Alltagshelfer, ein sanfter Begleiter, mit dem man kann, aber nicht muss und der Psychologie und Therapie frei-denkt. Deshalb würde ich es weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Mask off! Ein sympathisches Buch in der Du-Form, das mit Konventionen bricht und uns aufzeigt, wie obsolet sie mehr denn je sind.

GESTRANDET
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GESTRANDET ist ein immersives Buch aus der Kategorie ‚mal ganz anders‘ für Menschen, die sich gestrandet fühlen und auch für solche, die gerne ausbrechen und stranden würden, um freigespült neu zu sich ...

GESTRANDET ist ein immersives Buch aus der Kategorie ‚mal ganz anders‘ für Menschen, die sich gestrandet fühlen und auch für solche, die gerne ausbrechen und stranden würden, um freigespült neu zu sich selbst zu finden.
Wer sich für C.G. Jungs Archetypen interessiert und Lust hat, spielerisch in sie einzusteigen, wird an GESTRANDET Freude haben.
Es ist ein persönliches Buch mit variablen Deutungsmöglichkeiten, ein Buch das über die eigene Tiefe und das Sich-Anfreunden mit den individuellen Schatten der eigenen Persönlichkeit in die Leichtigkeit und Selbstbestimmtheit führt.
In ein authentisches, integres, klares Selbst - oder das, das du eben eigentlich immer schon warst, es aber vielleicht in der Lautstärke der Welt vergessen hast.
Es ist ein Buch für dich ganz persönlich, das dich einlädt, an die Hand nimmt und dich in deine Eigenverantwortlichkeit und Kraft zurückführt.
Dich daran erinnert, dass du deine Masken absetzen darfst und es deine Entscheidung ist, ob du ihr Gewicht weiter tragen möchtest.
Es ist ein Buch für bunte Köpfe, für Mutige, für Kreative, für Laute, für Leise und für alle dazwischen. Für Menschen, die gerne denken, fühlen und mit Sprache spielen.
Ein sympathisches Buch in der Du-Form, das mit Konventionen bricht und uns aufzeigt, wie obsolet sie mehr denn je sind.
Du begegnest darin verschiedenen Wegbegleitern, die dich einladen und inspirieren, dich an ihnen zu spiegeln, dich in ihnen zu erkennen, wenn du bereit bist, diese Reise anzutreten.
Es ist ein Buch zum Kreuz-und-quer-Blättern, wirken lassen, für den Nachklang; zum immer mal wieder lesen, neu fühlen.
Für eine Standortbestimmung und Neuverortung.
Es ist Arbeit, ja, ganz klar! UND es ist Befreiung, wenn du willst.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Ausgesprochen faszinierend zu lesen: intensiv, tiefgehend, psychologisch relevant.

Das Tränenhaus. Roman
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Ein wunderbares Buch; heute so aktuell, wie damals. Fast ist es erschreckend, dass es nahezu nichts an Bedeutung eingebüßt hat.

„Corneliens“ Erleben rührt mich sehr an; sie ist diese Art von Frau, mit ...

Ein wunderbares Buch; heute so aktuell, wie damals. Fast ist es erschreckend, dass es nahezu nichts an Bedeutung eingebüßt hat.

„Corneliens“ Erleben rührt mich sehr an; sie ist diese Art von Frau, mit der ich mich absolut identifiziere. Ein bunter, weiter Kopf - sehr intelligent, aber auch sehr sensitiv - in einer grauen, engen Welt.

Die Beobachtungen von Gabriele Reuter sind so intensiv, tiefgehend und psychologisch relevant. Zart, stark, oft erhellend metaisierend, doch auch in einer wunderschönen poetischen Sprache, in ihrer Bildhaftigkeit unheimlich klar, feinfühlig-pointiert. Ein sehr besonderer Stil.

Für mich war das ausgesprochen faszinierend zu lesen.

In meiner, wohl wenig hinterfragten, Wahrnehmung waren Zeiträume vor hundert, zweihundert, dreihundert Jahren in Fragen der Persönlichkeitsentwicklung gleichgesetzt quasi mit der Steinzeit (vielleicht waren die in ihrer Sozialisierung sogar auf andere Weise weiter, als wir heute).

„Das Tränenhaus“ zeigt eindrücklich auf, wie sehr unsere heutigen Themen auch Menschen, Frauen, zu dieser Zeit schon auf eben jene Weise begleitet haben und wie differenziert und bewusst die Auseinandersetzung mit entsprechenden Fragen doch durchaus bereits war.

Dass es immer schon diese einzelnen bunten Köpfe gab. Die, die viel fühlen, viel sehen, viel hören; die, die Bestehendes hinterfragen.

Gabriele Reuter gehörte offensichtlich zu dieser Riege von Frauen, die ihrer Zeit voraus sind, Systemsprenger, die notwendige gesellschaftliche Veränderungen mutig und klar in die Welt bringen und die Gefahr des Skandals in Kauf nehmen. Die nicht still bleiben. Doch eine besondere Art von Widerstand, von Rebellion leisten, indem sie das Getöse mitzumachen verweigern, ihre Stimme nur da erheben - reflektiert, klar, standhaft, in unumstößlicher Ruhe - wo es darauf ankommt. Und damit oft mehr bewegen, als jedes laute Gebrüll. Und so am Ende überzeugen und mitnehmen.

Die Figur der Cornelie hat mich absolut gefesselt und fasziniert. Sie ist von Beginn an eine als tief wahrnehmend und selbstbewusst geschilderte Persönlichkeit, doch ihre Transformation aus dem verletzten Sich-Abgrenzen in eine solidarisch-fürsorgende, kraftvolle und vertrauensvolle Frau in gesunder Homöostase, liest sich berührend und beeindruckend.

Ihre zudem sehr körper- und wahrnehmungsbetonte Sprache erzeugt Momente der Achtsamkeit in der Herangehensweise, in ihrer Betrachtung ihrer, der Situation der Frau generell, deren gesellschaftlicher Position und Verstrickungen.

Sehr interessant und ansprechend sind für mich auch die Zeittafel und die historische Einordnung, in Form eines Nachwortes, am Ende des Buches. Hier wird noch einmal deutlich, dass das beim Lesen aufkommende Gefühl einer Verbindung zu feministischen Bewegungen, eines möglicherweise autobiografischen Kontextes, und der Bedarf nach Solidarität, insbesondere auch unter Frauen, zentrale Bedeutung haben - die wir ohne Weiteres heute übernehmen können.

Eine äußerst gelungene Abrundung, finde ich, die neugierig macht und Lust auf mehr. Die gewissermaßen den Forscherdrang weckt. Die Lust, zu denken, zu gestalten, zu formen. Sich zu verbünden für ein gutes Leben. Für alle, nicht Einzelne.

Dass Reclam genau diese Sparte vergangener Literatur heute wieder aufgreift freut mich sehr, passt historisch gesehen gut und setzt ein Statement, das dann auch noch in einem wunderschönen, ansprechenden Gewand daherkommt und die besonders Sinn-betonte Erfahrungswelt des Buches äußerlich durch eine sehr besondere Haptik einleitet. Mich hat das sofort gepackt.

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