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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.04.2026

Reiche Menschen

Noch fünf Tage
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Lis arbeitet in London in einem sehr angesagten und sehr teuren Sternelokal, bis sie eines Tages gefeuert wird, weil der Chef einen Fehler gemacht hat und ihr die Schuld in die Schuhe schiebt. Doch dadurch ...

Lis arbeitet in London in einem sehr angesagten und sehr teuren Sternelokal, bis sie eines Tages gefeuert wird, weil der Chef einen Fehler gemacht hat und ihr die Schuld in die Schuhe schiebt. Doch dadurch bekommt sie die Chance für einen der reichsten Männer der Welt und seine Familie zu arbeiten und mehr Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen. An Silvester kocht sie ein ganz besonderes Menü, wenig später ist die Familie tot und auch Lis hat nur noch fünf Tage zu leben. Vom Krankenbett aus versucht sie in Erfahrung zu bringen, wer ihr das angetan hat, doch die Zeit wird knapp.
Das Buch ist sehr ungewöhnlich, der Plot hervorragend. Man erfährt über die Arbeit für die Reichen und Schönen, denen jeder Wunsch sofort von den Augen abgelesen werden muss. Das Personal wird zwar geschätzt, so lange es spurt, die Menschen werden aber letztendlich doch wie Sklaven behandelt, die man scheuchen kann.
Lis muss sich mit ihrem eigenen Tod auseinandersetzen, was ihr nicht leichtfällt, und mit der Zukunft ihrer Tochter, die bei ihrem Ex-Mann wahrscheinlich nicht gut aufgehoben ist. Bei allem hilft ihr Esme, eine Krankenschwester, die sie betreut.
Durch die Vielzahl der Aspekte ist das Buch sehr abwechslungsreich, ist aber trotzdem so gut strukturiert, dass man es leicht lesen kann. Dazu kommt die Spannung, die bis zum Schluss anhält.
Ich könnte mir das Buch gut als Vorlage für einen Film vorstellen. Aber vorher muss man es unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Tragisch

Ein Ort, der bleibt
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Sandra Lüpkes hat früher Krimis geschrieben, die vorwiegend an der Nordsee spielen, aber seit einigen Jahren hat sie sich historischen Romanen zugewandt, die sich mit realen Personen in der ersten Hälfte ...

Sandra Lüpkes hat früher Krimis geschrieben, die vorwiegend an der Nordsee spielen, aber seit einigen Jahren hat sie sich historischen Romanen zugewandt, die sich mit realen Personen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts befassen. Nachdem mir "Die Schule am Meer" sehr gut gefallen hatte, wollte ich unbedingt auch ihr neues Buch lesen.
Das Buch nimmt uns mit nach Istanbul. Dort baut sich der Genetikprofessor Alfred Heilbronn 1933 eine neue Zukunft auf, nachdem er in Deutschland nicht mehr erwünscht war.
Im Vordergrund des Buches stehen allerdings die Frauen, die alle mit dem Botanischen Garten in Istanbul zu tun hatten, den der Professor hat anlegen lassen.
Magda, Alfreds Ehefrau und ebenfalls promovierte Biologin, hat sich in das Hausfrauendasein zurückgezogen und kümmert sich um die beiden Kinder. Allerdings ist sie immer noch interessiert an biologischen Fragen und ihrem Mann eine wertvolle Gesprächspartnern.
Im Institut wird Heilbronn von Mehpare unterstützt, einer ehrgeizigen Biologin, die ihm hilft die Flora der Türkei zu kartieren und den Botanischen Garten aufzubauen.
In der Jetztzeit reist Imke nach Istanbul, dort soll sie mit einem Kollegen ein Gutachten über den jetzigen Zustand des Garten schreiben und findet viele Spuren zu den Heilbronns.
Das sind drei unterschiedliche Frauen, die aber alle ihre Stärken und Schwächen haben und die von Lüpkes realistisch, aber liebevoll geschildert werden. Aber auch die politischen Verhältnisse in der damaligen und in der heutigen Türkei kommen zur Sprache ebenso wie der Einfluss von diktatorischen Regimes damals und heute.
Das Schicksal der so verschiedenen Frauen hat mich bewegt und zum Nachdenken angeregt. Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst!

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Sensibel

Warum du schweigst
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Das Buch beginnt mit einer ganzen Seite volll Kontaktadressen, an die man sich bei sexuellem Missbrauch wenden kann. Aber dann geht es los mit der Geschichte von Lena, die in einer Frauenmannschaft Fußball ...

Das Buch beginnt mit einer ganzen Seite volll Kontaktadressen, an die man sich bei sexuellem Missbrauch wenden kann. Aber dann geht es los mit der Geschichte von Lena, die in einer Frauenmannschaft Fußball spielt, sie ist richtig gut. Deshalb ist sie froh, als der alte Trainer aufhört und ein junger, dynamischer Mann das Ruder übernimmt. Charly fordert die Mädchen und schnell zeigen sich die ersten Erfolge. Alles wäre gut, wenn Charlys Verhalten nicht bei Lena und den anderen Mädchen ungute Gefühle auslösen würde. Er wird immer übergriffiger und viele der Spielerinnen bemerken das. Aber niemand spricht darüber, bis es zum Eklat kommt.

Das Buch ist vorwiegend für Jugendliche geschrieben und macht Mut sich gegen Übergriffe zu wehren. Schon in einem frühen Stadium, wenn nur ein Gefühl des Unwohlseins auftritt, sollte man dem Täter Grenzen setzen. Der Täter geht aber geschickt vor, indem er sich Mädchen aussucht, die unsicher sind und sich nicht richtig wehren.

Schäuble geht das Thema sehr sensibel an, er zeigt die Unsicherheiten der Mädchen auf und die Mechanismen, die der Täter nutzt, werden an diesem Beispiel klar. Die Opfer sind häufig für ihr ganzes Leben gezeichnet, während die Täter mit geringen Strafen davonkommen. Auch das wird am Beispiel von Lena klar, denn sie hat Probleme sich auf eine Beziehung zu ihrem Freund Tim einzulassen und muss sich schließlich Hilfe bei einer Therapeutin suchen.

Das alles ist sehr bitter und ich hoffe, dass das Bewusstsein in der Bevölkerung für dieses Thema wächst. Hoffnung habe ich allerdings wenig, denn die Diskussionen in den asozialen Medien z.B. zum Fall Pelicot sind erschreckend.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Naturgewalt

Der letzte Leuchtturm
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Noch immer bin ich atemlos nach dem Ende dieses beeindruckenden Buches. Wow!
Ich hatte eine beschauliche Geschichte über das Leben eines Leuchtturmwärters und seines Sohnes auf einer einsamen Insel erwartet ...

Noch immer bin ich atemlos nach dem Ende dieses beeindruckenden Buches. Wow!
Ich hatte eine beschauliche Geschichte über das Leben eines Leuchtturmwärters und seines Sohnes auf einer einsamen Insel erwartet und bekommen habe ich ein Buch wie eine Naturgewalt.
Die beiden leben nach dem Tod der Ehefrau und Mutter allein auf der Shetlandinsel Muckle Flugga am Rande des britischen Imperiums und schützen die Schiffe davor an den gefährlichen Felsen zu zerschellen. Der hartherzige, um seine Frau trauernde Vater geht davon aus, dass sein Sohn einmal den Posten übernehmen wird, doch Ouse ist ein begabter Künstler. Er näht wunderbare Teppiche und strickt fantasievolle Pullover. Als der chaotische, depressive Schriftsteller Firth auf die Insel kommt, um sich dort umzubringen, gerät das fragile Gleichgewicht zwischen Vater und Sohn aus den Fugen.
Nur selten hat mich die Sprache in einem Buch so beeindruckt wie in diesem. Da sind Sätze, die auf der Zunge zergehen wie Butter, aber auch harte, grausame Worte, die den Atem rauben. Wunderbare Naturschilderungen und skurrile Ereignisse wechseln sich ab mit harten Passagen, die direkt ins Herz gehen.
Da ist auch der Übersetzer Stephan Kleiner zu loben, der das Werk genial ins Deutsche übersetzt hat.
Das Buch ist nicht leicht zu lesen, man muss sich erst an den Stil gewöhnen, aber je länger man liest, umso mehr erkennt man die außerordentliche Qualität des Buches. Durchhalten lohnt sich!

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Berührend und sensibel

Unter Wasser
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Als Marissas Mutter gestorben ist, gehen sie und ihr Vater nach Thailand, wo der Vater die Meeresforschung seiner Frau fortsetzen will. Marissa findet in Arielle eine Seelenfreundin, die beiden unternehmen ...

Als Marissas Mutter gestorben ist, gehen sie und ihr Vater nach Thailand, wo der Vater die Meeresforschung seiner Frau fortsetzen will. Marissa findet in Arielle eine Seelenfreundin, die beiden unternehmen alles zusammen. Bis der schreckliche 26. Dezember 2004 kommt, der Tag des Tsunamis. Acht Jahre später begegnen wir Marissa in New York. Sie trauert immer noch um ihre Freundin. Als ein schwerer Hurrikan droht, gerät sie in eine schlimme Krise.
Beide Erzählstränge werden abwechselnd erzählt, aber sind immer mit dem Datum versehen, damit man sich gut orientieren kann.
Das Buch hat mich sehr fasziniert. Besonders die Beobachtungen beim Tauchen sind sehr eindrucksvoll und gut geschrieben. Korallenriffe, herrlich bunte Fische und besonders die Mantarochen haben mich begeistert. Man glaubt das alles selbst zu sehen.
Dagegen gingen die Schilderungen der Situation nach dem Tsunami unter die Haut. Ich kann mich noch gut an die Bilder der Katastrophe erinnern, die genau am 2. Weihnachtstag über die Menschen in Südasien hereinbrach und vermutlich über 200 000 Tote forderte. Tara Menon schildert die Situation sensibel und realistisch.
Obwohl das Buch nur 200 Seiten umfasst, hinterlässt es doch einen tiefen bleibenden Eindruck, was nicht zuletzt auch an dem wunderschönen Cover liegt, das sehr gut zum Inhalt passt.

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