Diesen Roman kann mensch wirklich in sehr kurzer Zeit lesen und so hatte ich eine unterhaltsame Lektüre. Auch wenn ich den Vorgänger nicht kannte, habe ich mich sofort in die Handlung eingefunden. Der ...
Diesen Roman kann mensch wirklich in sehr kurzer Zeit lesen und so hatte ich eine unterhaltsame Lektüre. Auch wenn ich den Vorgänger nicht kannte, habe ich mich sofort in die Handlung eingefunden. Der Ton ist flapsig, ungefiltert und einfach ziemlich passend für den Kater. Seine Sicht auf die Welt war oft witzig und manchmal auch echt erschütternd.
Das ist auch der größte Punkt, den ich dem Roman explizit positiv anrechne: Die politischen Aussagen, vor denen der Autor nicht zurückschreckt. Aus Sicht des Katers kommen uns Dinge wie Ländergrenzen, Kriege und Intensivtierhaltung noch einmal doppelt so sinnlos und grausam vor. Ich erhoffe mir, dass über den Unterhaltungswert der Geschichte diese Ansichten auch in das Bewusstsein der Lesenden eindringen.
Für mich hätte es allerdings noch deutlich emotionaler sein dürfen. Die Katerperspektive sorgt durch ihre Nüchternheit leider auch für eine gewisse emotionale Distanz - was für mich ein eher negativer Nebeneffekt ist. Dennoch empfehle ich den Roman gern für eine unterhaltsame Lektüre mit Tiefgang und politischer Dimension.
Ich habe ein mehrheitlich positives Bild vom pola-Verlagsprogramm und dieser Titel versprach wieder eine tolle Lektüre. Dem war auch so, das Buch eignet sich ganz toll zum Durchrauschen. Ich habe allerdings ...
Ich habe ein mehrheitlich positives Bild vom pola-Verlagsprogramm und dieser Titel versprach wieder eine tolle Lektüre. Dem war auch so, das Buch eignet sich ganz toll zum Durchrauschen. Ich habe allerdings auch ein paar kleine Kritikpunkte.
Mary Newnham überzeugt mit tollem Witz und einem ganz flüssigen Schreibstil, sodass ich super unterhalten wurde. Amy ist als Figur sympathisch und ich habe sie gerne begleitet. Ich muss aber schon sagen, dass der Klappentext für mich nicht ganz den Inhalt wiedergibt. Ja, das Sexleben von Amy und Josh ist inexistent und ja, sie versucht einiges, um das zu ändern. Aber der Fokus der Handlung lag für mich viel deutlicher auf dem allgemeinen Leben Amys als auf den Problemen in ihrer Partnerschaft. So ist sie z. B. eine ganz tolle Lehrerin und den Umgang mit ihren Schülerinnen empfand ich als sehr warmherzig und auf Augenhöhe.
Sie setzt sich außerdem mit ihrer grauenhaft misogynen Chefin, der Helikopter-Schwiegerfamilie sowie den eigenen zerrütteten Eltern auseinander und trifft nebenbei auf Lace, die eine anfangs wirklich eigenartige Figur zu sein scheint und deren Bedeutung ich auch nicht vollends entschlüsseln konnte.
An der Stelle setzt auch meine Kritik an - die Figuren waren mir teilweise zu karikiert und nicht immer konsistent dargestellt. Josh wirkt eigentlich wie ein sehr sensibler Partner, Amy betont das in ihren Schilderungen auch. Dann ist er aber auch sowas von unreflektiert und unfähig, im Haushalt eine erwachsene Rolle einzunehmen, dass ich Amy regelrecht schütteln wollte. Auch ihre Freundinnen haben da für meinen Geschmack zu wenig interveniert - das schien mir für die Altersklasse irgendwie nicht ganz glaubwürdig zu sein. Am schlimmsten ist es bei Joshs Familie und Amys Chefin - diese Figuren sind so dermaßen überzeichnet, da wäre weniger deutlich mehr gewesen.
Dennoch empfehle ich diesen Unterhaltungsroman, der mir phasenweise zwar zu karikativ war, insgesamt aber auch Spaß gemacht hat. Wer keine Maximalanforderungen an vielschichtige und konsistente Nebenfiguren hat, wird hier sicher fündig.
„Die Stimmen der Nacht“ ist ein literarisch anspruchsvolles Debüt mit einer wichtigen Perspektive. Ich habe echt eine Weile gebraucht, um in die Figurenwelt einzufinden - ein selbst gezeichneter Stammbaum ...
„Die Stimmen der Nacht“ ist ein literarisch anspruchsvolles Debüt mit einer wichtigen Perspektive. Ich habe echt eine Weile gebraucht, um in die Figurenwelt einzufinden - ein selbst gezeichneter Stammbaum hat mir im Laufe der Handlung dann sehr geholfen. Es bietet sich eindeutig an, den Roman so gut es geht am Stück zu lesen, weil er einfach sehr dicht ist.
Meine persönliche Herausforderung war Margaret als eine Person mit Schizophrenie. Einerseits finde ich die Darstellung der Figur sehr sensibel und ich ziehe meinen Hut vor dem Talent Tochi Ezes, hier nicht in Klischees abzudriften und dann auch noch die Balance zu wahren zwischen moderner Psychiatrie und kulturell-religiösem Umgang. Andererseits wird Margaret damit auch zu einer für mich unberechenbaren sowie leicht unzuverlässigen Figur und mit solchen habe ich immer meine Schwierigkeiten. Das ist aber einfach eine persönliche Präferenz.
Der Roman ermöglicht den Leser:innen spannende Einblicke in eine Kultur, die literarisch bislang wenig Aufmerksamkeit erhält. Ich fand es sehr geschickt, wie die Autorin koloniale Taten und das damit einhergehende Erbe sowie konkrete Identitätsfragen in die Geschichte einwebt - wobei sie hier auch gern noch deutlicher hätte werden können. Stark war auf jeden Fall die Herausstellung patriarchalen Anspruchsdenkens über die Zeit und Ländergrenzen hinaus.
Ein ambivalenter Punkt ist die Dichte der Erzählung, die zwar wirklich bemerkenswert ist, allerdings auch dazu führt, dass mir die Figuren weitläufig eher distanziert blieben. Die Handlung wird trotz aller Komplexität jedoch sehr atmosphärisch und authentisch beschrieben, lokale Sprache klug eingesetzt und für Nicht-Sprachkundige elegant im Erzählfluss übersetzt.
Ein Werk, das definitiv mit hohem literarischen Anspruch daherkommt und eine vielschichtige Familiengeschichte geschickt ineinanderspinnt. Durch die vielen Nebenerzählungen, komplexen Figurenverflechtung und verschiedenen Zeitebenen hat mir das Buch einiges abverlangt und dadurch auch die Emotionalität ein wenig in den Hintergrund verschoben, obwohl mich die Geschichte gerade in der zweiten Hälfte sehr fesseln konnte. Eze hat hier wirklich einen sehr würdigen Debütroman geschrieben, der viele Leser:innen verdient hat.
Ich kenne die beiden Vorgänger der Trilogie nicht und würde mich der allgemeinen Einschätzung anschließen, dass das auch nicht notwendig ist, gerade den Nebenfiguren aber durchaus ein tieferes Profil gegeben ...
Ich kenne die beiden Vorgänger der Trilogie nicht und würde mich der allgemeinen Einschätzung anschließen, dass das auch nicht notwendig ist, gerade den Nebenfiguren aber durchaus ein tieferes Profil gegeben hätte.
Ich hatte über eine ziemlich lange Strecke hinweg ganz schön zu kämpfen mit der Struktur des Buches. Die Erzählperspektiven der Kapitel wechseln, auch hin zu Mehdi, obwohl ich eine Geschichte über Mia erwartet hatte. Auch wenn es natürlich ebenso um seine Vergangenheit geht, die Mias Kindheit und Aufwachsen nun einmal geprägt hat, hätte das vielleicht auch auf eine andere Art erzählt werden können. Immer wieder irritierend war zudem, dass aus den Kapitelüberschriften nicht hervorgeht, wer gerade spricht. Bei so komplexen Büchern kenne ich das anders und ich finde es auch ziemlich hilfreich, um beim Lesen nicht immer wieder zu stolpern.
Der Roman erfordert nicht nur deshalb ein recht aufmerksames Lesen. Auch die Zeiten wechseln durchaus häufig und sorgen zusätzlich zu den vielen erzählenden Figuren dafür, dass sich die Geschichte recht fragmentarisch anfühlt. Erst in der zweiten Hälfte konnte sich für mich so etwas wie ein Lesesog einstellen. Denn erst dann hatten manche Figuren für mich ein greifbares Profil. Besonders die Nebenfiguren verblassen dagegen zunehmend und gerade Aïcha sowie Selma hätte ich wirklich gern ebenso bis zum Ende begleitet.
Das ist deshalb schade, weil Slimani durchaus ein Händchen dafür hat, interessante und ambivalente Figuren zu erschaffen. Mia und Inès sind starke Frauenfiguren, die mich in ihrer jeweiligen Rebellion begeistert haben. Gleichzeitig wurde ich von ihnen auf unterschiedlichen Ebenen berührt. Mia macht eine furchtbare schulische Erfahrung in Bezug auf ihre Homosexualität und erfährt die konkrete Solidarität ihrer ehemals verhassten Schwester, die wiederum ein sexuell sehr aktives Leben führt - mit durchaus fragwürdigen Verbindungen. Aber ich mochte die Zeichnung der beiden, die nicht klassisch gut, sondern eben authentisch ambivalent ist.
Was mich schon enttäuscht hat, war der Fakt, dass Mias auf dem Klappentext sowie den ersten Seiten angesprochener Brain Fog und eine damit eventuell in Verbindung stehende Erkrankung überhaupt nicht relevant ist. Ich habe mir wirklich erhofft, Mia auch in der Gegenwart begleiten zu dürfen, aber dem war nicht so. Deshalb kann ich die Vermarktung des Buches nicht so richtig nachvollziehen und bin entsprechend ernüchtert.
Ein Werk, welches das große Schreibtalent der Autorin zeigt und mir am Ende auch Lesefreude bereitet hat, das aber bis dahin wirklich viel Ausdauer sowie aufmerksames Lesen erfordert und welches mich trotz der Lichtblicke nicht so richtig nachhaltig beeindruckt hat. Da ich logisch aufgebaute bzw. klar strukturierte Familienerzählungen bevorzuge, habe ich mich hier schwerer getan als erhofft.
Dieses Werk Maria Navarro Skarangers bewerten zu wollen, ist kein leichtes Vorhaben. Denn ich bin gleichermaßen beeindruckt wie auch ernüchtert und es fällt mir schwer, hier eine konkrete Empfehlung auszusprechen ...
Dieses Werk Maria Navarro Skarangers bewerten zu wollen, ist kein leichtes Vorhaben. Denn ich bin gleichermaßen beeindruckt wie auch ernüchtert und es fällt mir schwer, hier eine konkrete Empfehlung auszusprechen - obwohl ich eine super flüssige Lesezeit mit dem Roman hatte.
Die Perspektive einer jungen, voraussichtlich alleinerziehenden (Bald-)Mutter in eher ärmlichen Lebensumständen ist literarisch schon noch eine eher seltene. Deswegen hat mich die Geschichte auch sehr angesprochen, zumal der Klappentext einen angenehm ironischen Unterton vermuten ließ. Und dieses Versprechen konnte auch auf jeden Fall eingehalten werden.
Die Autorin hat eine beeindruckende und sehr besondere Erzählstimme, die aus der Fülle an Veröffentlichungen klar heraussticht. Dass muss mensch in so jungen Jahren erst einmal schaffen. Die Erzählerin der Geschichte ist dabei eine eigenständige Person, die spürbar auf Emilys Seite steht. Sie ordnet für uns Dinge ein, bedient sich manchmal eines Foreshadowings, wirft spitze Bemerkungen ein und bewertet gern einmal den ein oder anderen Mann, wenn Emily selbst es nicht zu können scheint. Sie ist damit auf ganz subtile Art selbst auch Protagonistin, obwohl es vordergründig natürlich um Emily geht.
Neben der wirklich fein gearbeiteten Ironie und der klaren Erzählweise fand ich es schlicht bemerkenswert, welches Tempo die Autorin auffährt. Ich bin regelrecht durch dieses Werk gerauscht und das passiert mir im Literaturbereich nicht sehr oft.
Auf der anderen Seite muss ich aber auch sagen, dass es diese positiven Dinge sind, die sich für mich negativ auf die emotionale Nähe ausgewirkt haben. Sowohl das Tempo als auch die eigenständige Erzählerinnenstimme sorgen dafür, dass wir zwar sehr viel über Emily lesen, mir ihre Gefühle jedoch überwiegend fremd blieben. Dabei gab es diesbezüglich auch ganz starke Momente, etwa als ihre Gewalterfahrung thematisiert wird. Durch die erzählerische Distanz kann hier das Trauma zumindest beim Lesen abgeschwächt werden, ohne dieser Erfahrung dabei ihre Relevanz zu nehmen. Doch abgesehen von diesen Momenten hätte ich Emily wirklich gern als greifbarere Figur erlebt.
Auch die nicht klar gekennzeichneten Perspektivenwechsel (die natürlich nicht im eigentlichen Sinne welche sind, weil es stets eine auktoriale Erzählerin gibt) haben mir diese Nähe erschwert. Mal geht es um Pablo, mal um Emilys Mutter, mal um ihren Nachbarn - manchmal mit detaillierten Einblicken, dann aber auch wieder mit inhaltlichen Lücken, die auch die Erzählerin nicht zu füllen können scheint. Zum Ende hin wurde es mir dann auch zu diffus, zu inkonsistent und die Handlungslücken zu groß.
Es fällt mir daher schwer, eine klare Empfehlung auszusprechen, weil ich nicht so wirklich sagen kann, wohin das Buch will. Gleichzeitig möchte ich aber diese außergewöhnliche literarische Stimme anerkennen und bewerte deshalb wohlwollend. Menschen mit einer Begeisterung für besondere Erzählstimmen haben hier sicherlich einen wertvollen Pick.