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Veröffentlicht am 24.02.2018

Originelle Buchidee

Und du kommst auch drin vor
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Inhalt:
Als die 15jährige Kim zusammen mit ihrer Schulklasse eine Autorenlesung besucht, ist sie wie vom Donner gerührt: Als Protagonistin dieses Buches wird eindeutig sie beschrieben, in diesem Buch ...

Inhalt:
Als die 15jährige Kim zusammen mit ihrer Schulklasse eine Autorenlesung besucht, ist sie wie vom Donner gerührt: Als Protagonistin dieses Buches wird eindeutig sie beschrieben, in diesem Buch scheint die Autorin Leah Eriksson bestens über ihr Leben Bescheid zu wissen, denn bis auf die Namensgebung stimmt in der Geschichte alles mit dem tatsächlichen Leben Kims überein! Kims Neugierde ist geweckt, doch als sich herausstellt, dass die Geschichte für einen von Kims Klassenkameraden tödlich ausgeht, setzt Kim alles daran, zusammen mit ihrer recht exzentrischen Freundin Petrowna, die Autorin kennenzulernen, um diese zu einer Änderung des Schlusses zu bewegen, um irgendwie das vermeintliche Schicksal des Jungen zu beeinflussen.

Handlung:
Eine sehr gruselige Vorstellung, sein eigenes Leben, bis ins kleinste Detail erzählt, in einem Buch vorzufinden! Verständlich, dass einen diese Erkenntnis erstmal völlig aus der Bahn wirft. Kim sieht sich von der Autorin ihres eigenen Lebens beraubt und versucht mit allen Mitteln, dem vorgegebenen Schicksal zu entrinnen, was sie zu recht kuriosen und erfrischend einfallsreichen Methoden greifen lässt, zu denen nur Teenager imstande sind. An diesem Punkt beginnen Realität und Fiktion zu verschwimmen, als Leser fragt man sich, inwieweit bildet sich das Mädchen alles nur ein, oder vermag die Autorin tatsächlich Einfluss auf Kims Leben zu nehmen?

Schreibstil:
Alina Bronsky bedient sich hier einer sehr modernen Sprache, von der ich mir vorstellen kann, dass sie sehr gut von Jugendlichen angenommen wird. Die Geschichte selbst wird in einer recht einfachen, aber sehr lockeren und erfrischenden Art aus der Sicht einer typischen 15jährigen erzählt, und wirkt dadurch sehr authentisch, sodass ich die 190 Seiten dieses Buches „in einem Rutsch“ gelesen habe.

Charaktere:
Die aus reichem Haus stammende Protagonistin Kim mit ihrer doch recht ich-bezogenen Art wirkt nicht unbedingt sympathisch, zumal sie die Tendenz hat, die Schuld für alles Negative, das ihr in ihrem bisherigen Leben passiert, bei anderen zu suchen und in keinster Weise bereit ist, Eigenverantwortung für ihr Tun zu übernehmen. In krassem Gegensatz dazu steht ihre beste Freundin Petrowna, die ganz augenscheinlich zwar daran zu knabbern hat, aus sehr ärmlichen Verhältnissen zu stammen, dies aber mit viel Originalität und Einfallsreichtum überspielt. Obwohl gleich alt, scheint sie in ihrem Tun wesentlich reifer zu sein als Kim, nicht zuletzt aufgrund ihrer Intelligenz und ihrem Empathievermögen, die denen einer durchschnittlichen 15jährigen weit übersteigen.

Cover:
Das Cover wirkt verspielt und dem Inhalt entsprechend jugendlich gestaltet. Sehr originell die Verwendung einer silbernen Spiegelfolie, mit der man den Titel hinterlegt hat, durch die Reflexion des eigenen Spiegelbildes hinter dem Schriftzug wirkt dieser wie ein versteckter Hinweis, der direkt an den Leser gerichtet ist.

Autorin:
Alina Bronsky wurde 1978 im russischen Jekaterinburg geboren, verbrachte ihre Jugend in Marburg und Darmstadt. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Berlin-Charlottenburg.

Meinung:
Ich fand die Idee für diese Geschichte sehr originell, in ein Buch mit seinem eigenen Leben konfrontiert zu werden. Trotz aller - zum Teil wirklich grotesken - Situationen, in die Kim hier gerät und die einen schmunzeln lassen, wird in diesem Buch aber auch ganz alltäglichen Teenager-Problemen Raum gegeben. So bekommt man Einblick in die Gedankenwelt eines Trennungskindes, das versucht mit den neuen Lebenspartnern der Eltern klarzukommen, und in das Gefühlschaos, in das Heranwachsende bei ihren ersten Kontakten mit dem anderen Geschlecht geworfen werden.

Fazit:
Ein Jugendbuch mit der Botschaft, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, um es aktiv zu gestalten und sich nicht irgendwelchen widrigen Umständen schicksalsergeben zu unterwerfen, und damit seine Möglichkeiten zu verspielen, in den Fluss des Lebens korrigierend einzuwirken.

Veröffentlicht am 02.10.2025

Obsessiv und verstörend

Das Beste sind die Augen
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In groben Zügen beschreibt dieses Buch den Alltag der asiatisch-stämmigen Studentin Ji-won, die mit ihrer Mutter und ihrer 15 jährigen Schwester Ji-hyun in einer kleinen Wohnung in den Vereinigten Staaten ...

In groben Zügen beschreibt dieses Buch den Alltag der asiatisch-stämmigen Studentin Ji-won, die mit ihrer Mutter und ihrer 15 jährigen Schwester Ji-hyun in einer kleinen Wohnung in den Vereinigten Staaten lebt. Der Vater hat seine Familie vor einem Jahr verlassen, was die Mutter komplett aus der Bahn geworfen hat. Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden, die Mutter, welche selbst eine Kindheit voller Entbehrungen erlebt hatte, möchte sich und ihren Töchtern jedoch ein besseres Leben ermöglichen, und so geht sie eine Beziehung mit George ein, einem Amerikaner mit einem Hang zu asiatischen Frauen.

Die beiden Mädchen, die nach wie vor um den Verlust ihres Vaters trauern, sind von der neuen Liebe ihrer Mutter alles andere als angetan, zumal ihr Stiefvater keinen Hehl daraus macht, dass er sich auch von seinen Stieftöchtern angezogen fühlt. Ji-won hasst die dominante Art Georges, sie möchte ihn am liebsten tot sehen, und beginnt Halluzinationen zu entwickeln, in denen sie die Augäpfel ihres baldigen Stiefvaters aufisst. Die Vorstellung Augen zu essen, wird zur fixen Obsession, die sie schon bald auszuleben beginnt. So tauchen im Univiertel schon bald die ersten Todesopfer auf, denen die Augen herausgeschnitten wurden, man vermutet einen Zusammenhang zwischen den Opfern und sucht nach einem Serienmörder.

Auch Ji-won macht ihre Erfahrungen mit dominanten amerikanischen Männern, etwa ihrem Studienkollegen Geoffrey, der von der Idee besessen ist, sie als Lebensgefährtin zu gewinnen. Ji-won wehrt sich auf ihre Weise – es kommt zu einem dramatischen Show-Down.

Das Buch beginnt bereits mit einer recht verstörenden Szene, in denen die Mutter ihren Töchtern Fischaugen zum Probieren anbietet, da das Verspeisen von Fischaugen im asiatischen Raum Glück bringen soll. Anfänglich zeigt sich Ji-won davon abgestoßen, nachdem sie jedoch erstmals ein Fischauge gekostet hat, entwickelt sich daraus eine generelle Gier nach Augen. Gerade blaue Augen haben eine magische Anziehung auf die junge Asiatin, für sie sind sie ein Symbol für männliche Dominanz, die sie zu zerstören versucht. Dieses zunehmend obsessive Verhalten spiegelt sich auch in der Erzählweise der Autorin wieder, ist diese anfangs klar und realitätsbezogen, ändert sich dies im Laufe der Geschichte jedoch drastisch, man weiß oft nicht, ob sich die Protagonistin im Hier und Jetzt befindet, oder halluziniert bzw. träumt. Dabei werden diese Halluzinationen immer abartiger und morbider. Die Autorin lässt bei den Beschreibungen keine Grauslichkeit aus, um dem Leser alles sehr bildhaft vor Augen zu führen. Als Leser ist man einerseits komplett abgestoßen, andererseits möchte man trotzdem wissen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Hält man Ji-won und Ji-hyun aufgrund ihrer prägenden Erziehung anfangs für sehr angepasst und devot, merkt man bald, dass hinter dieser vermeintlich devoten Fassade ein äußerst emanzipierter und kritischer Geist steckt.
Ich tue mir schwer, dieses Buch zu bewerten, weil es so anders ist, es liest sich sehr flüssig, die kurzen Kapitel laden geradezu zum Weiterlesen ein. Trotzdem konnte ich mich mit kaum einer der Figuren identifizieren, auf ihre Weise hatte jede einzelne Figur ihre Schattenseiten. Besonders positiv möchte ich die wunderschöne Aufmachung des Bucheinbandes und der kolorierten Seiten hervorheben, sie sind definitiv ein echter Blickfang!

Fazit: Ein Buch, das man schwer aus der Hand legen kann, das einen zugleich fasziniert, aber auch massiv abstößt und verstört!

Veröffentlicht am 08.05.2022

Systematisches Doping oder doch Sabotage?

Ein Grab für zwei
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Inhalt & Handlung:
Selma Falck, einst selbst Spitzensportlerin, verliert ihre Zulassung als Anwältin und wird von Jan Morell, dem Vater von Norwegens derzeit bester Langläuferin, beauftragt, die Unschuld ...

Inhalt & Handlung:
Selma Falck, einst selbst Spitzensportlerin, verliert ihre Zulassung als Anwältin und wird von Jan Morell, dem Vater von Norwegens derzeit bester Langläuferin, beauftragt, die Unschuld seiner Tochter zu beweisen, welche des Dopings durch das Steorid Clostebol bezichtigt wird. Die Lage spitzt sich zu, als auch noch Norwegens bester männlicher Langläufer tot aufgefunden wird und in seinem Blut ebenfalls Spuren von Clostebol gefunden werden. Geht es hier um einen skandalträchtigen Dopingskandal, der die gesamte Elite aus dem norwegischen Langlaufnationalteam betrifft, oder handelt es sich hier um einen Sabotageakt?

Schreibstil:
Anne Holt hat die Tendenz in ihren Ausführungen – oft unnötigerweise - sehr ins Detail zu gehen, was auf Kosten der Länge des Buches geht. Die Fülle an Charakteren wird von ihr stets mit vollem Namen angeführt.

Charaktere:
Protagonistin Selma Falck hat neben ihrer Ermittlungstätigkeit stets vor allem auch gegen ihre eigenen Dämonen in Form ihrer Spielsucht, die sie sich nicht eingestehen will, zu kämpfen. Aufgrund dieser Sucht verliert sie ihre Konzession als Rechtsanwältin und macht sich dadurch für Erpressung angreifbar, sondern sie verliert mit einem Schlag auch ihre Familie, die sie durch ihre Spielleidenschaft in finanzielle Probleme stürzt. Ansonsten erweist sie sich als akribisch arbeitende, schlaue Ermittlerin. Sie wird in ihrer Arbeit durch Einar unterstützt, einem ihrer ehemaligen Klienten, der als karrieretechnisch gestrandeter Polizeichef zum Aussteiger und Outlaw der Gesellschaft geworden ist, der jedoch nach und nach zu ihrem einzigen Vertrauten und Mentor wird. Im Gegensatz zu der recht kühl agierenden Selma Falck erscheint Einar sehr warmherzig und altruistisch.

Cover:
Das Cover ist themabezogen und zeigt eine Langlaufloipe, wobei die Farbgebung in Rot, Schwarz und Weiß recht karg ausfällt. Einzig die ungewöhnliche Art der Beschriftung fällt auf, ansonsten fällt das Cover relativ unspektakulär aus.

Autorin:
Anne Holt studierte Rechtswissenschaften in Oslo und Bergen. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Journalistin, danach im Polizeidienst und als Rechtsanwältin. Die Erfahrungen bei diesen Tätigkeiten ließ sie später in ihre Werke einfließen. 1996 wurde sie zu Norwegens Justizministerin ernannt, musste dieses Amt jedoch krankheitsbedingt im Jahr darauf zurücklegen. Heute lebt sie als Autorin in Oslo.

Meinung und persönliche Kritikpunkte:
Ich habe das Buch in der Hörbuchfassung, gelesen von Katja Bürkle „konsumiert“. Dieser Sprecherin mit ihrer angenehmen Stimme und ihrem Geschick, den einzelnen Figuren Leben einzuhauchen, ist es zu verdanken, dass man über etliche Längen, die das Buch aufweist, hindurchgerettet wird. Diese Längen ergeben sich durch zum Teil unnötige Beschreibungen, die für die Geschichte völlig irrelevant sind. Was bei diesem Hörbuch erschwerend hinzukommt, ist die unglaubliche Fülle an verschiedenen Personen, durch die es zum Teil wirklich zum Spießrutenlauf wird, der Geschichte problemlos zu folgen. Was mir ebenfalls eher unangenehm aufgefallen ist, ist die fortwährende Benutzung der vollständigen Namen der Personen, die wie ein Mantra ständig wiederholt werden. Bereits beim ersten Zusammentreffen des Lesers mit Selma Falck, kommt in einer reinen Beschreibung dieser Person in jedem einzelnen Satz ihr Name vor, bei längeren Doppelnamen wie etwa Hege Jean Morell, wird dieses Prozedere wirklich mühsam bis enervierend, wenn man den Namen gebetsmühlenartig ständig in voller Länge wiederholt bekommt.

Was die Geschichte selbst betrifft, bin ich vom Plot sehr angetan, zumal sie mich stark an einen realen Dopingfall aus dem Jahre 2016, als die Athletin Therese Johaug aus dem im norwegischen Langlauf-Team ebenfalls mit Dopingvorwürfen durch Clostebol konfrontiert wurde; mag sein, dass das Buch auch an diesem Fall Anleihen genommen hat. Was mich allerdings ein wenig enttäuschte, war die Auflösung dieses Kriminalfalles, welche für mich zu konstruiert war. Gerade beim Schluss wäre wesentlich mehr möglich gewesen!

Fazit:
Ein Buch, das durch einen realen Bezug an Aktualität gewinnt, das phasenweise sehr spannend ist, aber durch sein Ende enttäuscht!

Veröffentlicht am 18.01.2022

Zunehmende Gewalt auf Kosten von plausibler Handlung

Meeressarg (Ein Fabian-Risk-Krimi 6)
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Inhalt & Handlung:
Zusammen mit seiner ehemaligen, mittlerweile untergetauchten Kollegin Dunja Hougard sammelt Kommissar Fabian Risk gegen den Polizeichef von Kopenhagen, Kim Sleizner, Beweise über dessen ...

Inhalt & Handlung:
Zusammen mit seiner ehemaligen, mittlerweile untergetauchten Kollegin Dunja Hougard sammelt Kommissar Fabian Risk gegen den Polizeichef von Kopenhagen, Kim Sleizner, Beweise über dessen Machenschaften, um diesen ein für alle Mal hinter Schloss und Riegel zu bringen, als ein im Meer versunkenes Auto im Hafen von Kopenhagen, aus dem 2 Leichen geborgen werden, wobei eine ein hochrangiger Polizeibeamter ist. Die anfängliche Theorie, dass es sich hierbei um Mord und Selbstmord handeln könnte, zerschlägt sich jedoch bald. Fabian Risk, der noch eine persönliche Rechnung mit Sleizner offen hat, da dieser für den vermeintlichen Selbstmord von Risks Sohn verantwortlich ist, stellt auch hier Verbindungen Selzers zu dieser Tat fest, nur kann er ihn diesmal überführen? Oder wird am Ende die Falle doch für jemand anderen zuschnappen?

Schreibstil:
In gewohnter Manier baut Stefan Ahnhem in diesem 6. Band der Reihe um den Ermittler Fabian Risk mit einem Leichenfund gleich zu Beginn Spannung auf. Die Geschichte wir in mehreren Handlungssträngen aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt. Im zweiten Abschnitt kommt es zu einem gnadenlosen Showdown, der mit sehr brutalen Szenen aufwartet.

Charaktere:
War in den ersten 5 Bänden dieser Reihe ganz klar Fabian Risk der Hauptcharakter, so ist diese Rolle im vorliegenden Band nicht ganz klar, Auf der einen Seite wird dem mit der Leitung des Kriminalfalles betrauten Jan Hesk sehr viel Platz eingeräumt, einem aufstrebenden Jungermittler, der unter dem Druck steht, sich in seinem ersten großen Fall profilieren zu müssen. Fabian Risk, der nur in eigener Sache recherchiert, da er außer Dienst gestellt ist, spielt hier eher nur am Rande eine Rolle. Auch Dunja Hougard, die schon seit längerem aus dem Untergrund heraus gegen Sleizner ermittelt, tritt in diesem Band immer wieder in den Vordergrund. Man ist als Leser daher ein wenig gespalten, wen man nun als hauptermittelnde Person ansehen soll.

Cover:
Dass Cover mit den schroffen Felsen eines Fjords, auf denen eines dieser typischen roten Schwedenhäuser mit seinen charakteristischen weißen Sprossenfenstern steht wirkt vor dem nebeligen Hintergrund sehr ausdrucksstark und strahlt sehr viel Mystik aus.

Autor:
Stefan Ahnhem stammt gebürtig aus Stockholm, wo er auch heute noch mit seiner Frau und drei seiner vier Kinder lebt und als Schriftsteller und Drehbuchautor arbeitet.

Meinung und persönliche Kritikpunkte:
Ich bin gleich in die Geschichte „hineingekippt“, so sehr nahm mich die Erzählung gefangen, ich fand sie aus mehrerlei Hinsicht sehr spannend: zum einen fand ich es auf psychologischer Ebene sehr interessant - Fabian Risk versucht, mit dem Tod seines Sohnes fertigzuwerden, und in weiterer Folge, seinen Sohn zu rächen bzw. den Schuldigen für dessen Tod zur Verantwortung zu ziehen - zum anderen gefielen mir oftmalige, raffinierte Wendungen, die der Geschichte zusätzlichen Input lieferten. Im Laufe der Geschichte werden feinen psychologisch gut durchdachten Nuancen jedoch immer weniger und leider zunehmend von einem erbarmungslosen Showdown abgelöst, der an Brutalität seines Gleichen sucht. Für mich hätte dieser zweite Teil ruhig etwas weniger brutal und auch weniger blutig ausfallen können, irgendwie erinnerte mich dieser Teil sehr an einen typischen amerikanischen Blockbuster, der mit zahlreichen Special Effects aufwartet, aber damit nur von holprig konstruierten, und im Grunde auch sehr unrealistischen Handlungsverläufen ablenken will.
Meine anfängliche Euphorie für das Buch ging irgendwann ein wenig in Enttäuschung über, zum einen weil das Ende sehr vorhersehbar war und zum anderen, weil mich die hier dargestellte, beinahe schon zelebrierte Gewalt abstieß. Ehrlich gestanden hatte ich mir von einem Krimi von Stefan Ahnhem einfach mehr erhofft!

Fazit:
Ein anfangs sehr spannender Krimi, der dann leider qualitativ stark nachließ.

Veröffentlicht am 12.12.2021

Ein Ratgeber mit praktischen Tipps – aber auch mit Vorsicht zu genießen!

Kindern mehr zutrauen
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Inhalt & Handlung:
Ausgehend von den Problemen mit denen sie bei der Erziehung ihrer eigenen dreijährigen Tochter Rosy konfrontiert ist, macht sich Michaeleen Doucleff auf die Suche nach Lösungen. Sie ...

Inhalt & Handlung:
Ausgehend von den Problemen mit denen sie bei der Erziehung ihrer eigenen dreijährigen Tochter Rosy konfrontiert ist, macht sich Michaeleen Doucleff auf die Suche nach Lösungen. Sie macht sich mit ihrem Kind auf die Reise, um bei indogenen Völkern, die oftmals eine völlig andere Herangehensweise zu diesem Thema haben als der „typisch“ amerikanische Erziehungsstil im Sinne einer Kleinfamilie, welche aus Mutter, Vater und Kind besteht. Sie führte dabei unzählige Interviews mit Vertretern indigener Völker wie den Mayas, Inuits und Hadzas, stellte ihre eigenen Beobachtungen an, und bediente sich dabei auch einschlägiger Literatur.

Schreibstil:
Dieser Ratgeber ist kein Ratgeber im landläufigen Stile, der mit erhobenem Finger belehrt, wie „man es richtig macht“, sondern Michaeleen Doucleff möchte niemanden Vorwürfe machen, sondern in einer wertschätzenden Form Tipps und Hinweise geben, die sie aus fremden Kulturen übernommen hat. In einem sehr leicht verständlichen Schreibstil, der sich sehr flüssig liest, stellt sie Vergleiche zwischen den Erziehungsstil unterschiedlicher Kulturen her, pickt sich positive Elemente heraus, und untermauert diese mit wissenschaftlichen Studien.

Cover:
Das Bild eines fröhlich lächelnden Kindes vor einem neutralen Hintergrund nimmt einen in Beschlag, darunter in sehr prominenten Lettern der Buchtitel, der das Ganze aufs Wesentliche fokussiert.

Autorin:
Dr. Michaeleen Doucleff hat in Berkeley an der University of California Chemie studiert. Sie war mehrere Jahre als Redakteurin für Cell, eines der renommiertesten Wissenschaftsmagazine tätig .Sie gewann als Radio Korrespondentin Preise und ist eine der bekanntesten Blogger. Doucleff lebt heute mit Mann und Tochter in San Francisco.

Meinung:
Der Hauptunterschied, wenn man den Erziehungsstil indogener Völker mit den gängigen Methoden westlicher Kulturen vergleicht, ist jener, dass bei Indogenen Völkern das Leben innerhalb der Großfamilie geführt wird. Durch dieses Miteinander werden die Kinder von Anfang an dazu ermuntert, ihren Beitrag zu leisten, da sie früh verstehen, dass es auf die Leistung eines jeden einzelnen ankommt, wenn dieses Gefüge funktionieren soll. In den westlichen Kulturen, in dem historisch bedingt, das Leben in der Kleinfamilie großgeschrieben wird, genießt man zwar mehr Privatsphäre, es bleibt aber zwangsläufig die gesamte Arbeit an den Eltern, respektive den Müttern hängen. Diese fungieren dann als Erzieherin, Spielgefährtin, Haushaltsführende, und „Bespasserin“ in einer Person, was natürlich letztlich zu einer enormen Belastung der Einzelpersonen führt. Um dieses Gefüge am Laufen zu halten, ist man manchmal besser beraten, etwas autoritärer aufzutreten und zu führen, was allerdings oftmals beim Kind negatives Feedback hervorruft, da es sich zu sehr eingeschränkt fühlt. Doucleff möchte hier Hilfestellungen anbieten, um den Einzelnen das Leben zu erleichtern, letztlich liegt es jedoch an jedem von uns selbst, zu entscheiden, ob und wieviel Hilfe man von außen annimmt, zum Preis, einen Teil seiner eigenen Souveränität abzugeben.

Persönliche Kritikpunkte:
Für mich sind Michaeleen Doucleffs einleitende Worte ein bisschen zu viel der Lobhudelei in eigener Sache. Sie erweckt darin den Eindruck, dass sie hier mit diesem Ratgeber mit der Herangehensweise indogener Völker quasi den Stein der Weisen in Sachen Kindererziehung gefunden hat. Die Kernaussage ist hier jedoch lediglich, dass man möglichst breitbandig die Aufgaben verteilt, um sich auf diese Weise das eigene Leben zu erleichtern. Klar, in Gemeinschaft erziehen sich Kinder quasi selbst, weil sie lernen miteinander umzugehen, bzw. sie lernen vieles von unterschiedlichen Generationen. Was mich hier allerdings extrem stört, ist dieses Schlechtmachen westlicher Erziehungsmethoden, kindgerechte Ansätze bzw. Ansichten werden hier völlig außer Acht gelassen. Es fängt schon damit an, dass hier das eigene Kind eingangs als „Feind“ bezeichnet wird. Man kann sich den Eindrucks nicht erwehren, dass das Kind möglichst rasch zu einem gut funktionierenden Teil der Gesellschaft herangezogen werden soll, dessen Bedürfnisse nebensächlich sind. Kinder sollen das sein, was sie sind mit all ihren Marotten und Bedürfnissen, und vor allem: man sollte sie Kind sein lassen! Alleine, wenn ich lese, wenn müsse keine langweilige Zoobesuche oder ähnliches über sich ergehen lassen, wenn es einen nicht freut, kann ich nur verständnislos den Kopf schütteln. Sind solche Aktivitäten für die Autorin bloß lästige Opfer? Ich habe mich immer gefreut, mit meinem Kind Dinge wieder neu zu entdecken, und Gelegenheit zu haben, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen! Für mich war dies eine Bereicherung und ich wäre nicht im Traum auf die Idee gekommen, dies als lästiges Übel zu sehen, wie man hier den Eindruck gewinnt!
Was ich mich darüber hinaus etwas nachdenklich stimmte: in sämtlichen Berichten von indogenen Völkern, die hier angeführt wurden, klinkte sich die männliche Bevölkerung in Sachen Kindererziehung augenscheinlich völlig aus. Ist es nicht ein Rückschritt, dies auch hier als Maß aller Dinge anzupreisen, und den Frauen das „Projekt Kindererziehung“ als alleinige Verantwortliche zuzuschanzen?

Fazit:
Ein Ratgeber mit zahlreichen guten Tipps, mit guter Recherche, aber sicher nicht der Weisheit letzter Schluss – wie so oft im Leben, sollte man sich hier lieber auf das eigene Bauchgefühl verlassen!