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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.05.2026

Ein interessantes Buch über Japan

Mit Staunen und Zittern
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‚In dem alten japanischen Hofprotokoll ist vorgesehen, daß man sich an den Kaiser >mit Staunen und Zittern< zu wenden habe.‘ (Seite 145)

Amelie Nothcomb, die die ersten fünf Jahre ihres Lebens in Japan ...

‚In dem alten japanischen Hofprotokoll ist vorgesehen, daß man sich an den Kaiser >mit Staunen und Zittern< zu wenden habe.‘ (Seite 145)

Amelie Nothcomb, die die ersten fünf Jahre ihres Lebens in Japan verbrachte, betrachtet das Land als ihre Heimat und strebt danach, dort zu leben und zu arbeiten. Sie nimmt eine Stelle als Übersetzerin in einem großen Unternehmen in Tokio an. Dort begegnet sie den tief verwurzelten hierarchischen Strukturen der japanischen Gesellschaft. Anfangs glaubt sie, in ihrer direkten Chefin eine Verbündete gefunden zu haben. Doch als sie eigenständig eine von einem Kollegen vorgeschlagene Recherche durchführt, lernt sie diese besser kennen. Unbeabsichtigt verstößt sie gegen die Rangordnung und wird daraufhin in ihren Aufgaben zunehmend degradiert.

Amelie Nothcomb schildert die japanische Arbeitswelt, in der hierarchische Strukturen vorherrschen, mit satirischem Unterton. Manche Begebenheiten erscheinen so absurd, dass sie unglaubwürdig wirken - doch leider entsprechen sie der Realität. Wie immer besticht sie durch ihre sprachliche Brillanz. Ich habe das Buch sehr genossen, musste aufgrund der Absurdität gelegentlich lachen und fand es äußerst faszinierend, eine fremde Gesellschaft näher kennenzulernen.

Ich empfehle dieses Buch jedem, der sich für Japan und seine Menschen interessiert.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Ein Lesehighlight

Solange ein Streichholz brennt
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„Zeit war seltsam. Es waren seltsame Zeiten.“ Seite 157(ebook)

Wow, was für ein Buch! Ich bin heute Morgen eingetaucht und erst am Abend wieder aufgetaucht. Die Sogwirkung dieses Buches ist unglaublich. ...

„Zeit war seltsam. Es waren seltsame Zeiten.“ Seite 157(ebook)

Wow, was für ein Buch! Ich bin heute Morgen eingetaucht und erst am Abend wieder aufgetaucht. Die Sogwirkung dieses Buches ist unglaublich. Ein absolutes Highlight, hier passt einfach alles.

Alina arbeitet bei einem Fernsehsender, aber ihre Karriere stagniert und sie erwartet eigentlich die Kündigung. Völlig überraschend wird ihr eine Reportage über Obdachlose mit dem Titel „Wie entgleitet ein Leben“ angeboten. Der einzige Haken: Sie darf nicht moderieren und muss eng mit Jakob, einem Blender, zusammenarbeiten. Auf der Suche nach einem Obdachlosen, den sie begleiten kann, lernt sie Bohm kennen. Zuerst lehnt er ihr Angebot, tausend Euro zu verdienen, ab. Erst als sein Hund bei einer Messerstecherei verletzt wird und operiert werden muss, nimmt er an und sie lernen sich näher kennen.

Christian Huber hat es geschafft, die Welt der beiden Protagonisten unglaublich gut einzufangen. Beide erzählen in den einzelnen Kapiteln ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive, was dem Ganzen eine unglaubliche Tiefe verleiht. Es wird nicht auf die Tränendrüse gedrückt, sondern die Geschichte sachlich, aber dennoch emotional dargestellt. Es wird nicht gerichtet, sondern berichtet. Alles ist realistisch, man hat das Gefühl, alles live mitzuerleben. Es ist eine Geschichte über ein Leben außerhalb von Konventionen, das alles andere als bequem ist.

Ich spreche eine unbedingte Leseempfehlung für dieses absolute Highlight aus.

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Ein schönes Wohlfühlbuch

Mirabellentage
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Martina Bogdahns zweites Buch entführt uns zurück in die bezaubernde Welt des ‚Mühlensommers‘ und lässt uns die Geschichten der dort lebenden Menschen hautnah erleben.

Nach dem plötzlichen Tod von Josef, ...

Martina Bogdahns zweites Buch entführt uns zurück in die bezaubernde Welt des ‚Mühlensommers‘ und lässt uns die Geschichten der dort lebenden Menschen hautnah erleben.

Nach dem plötzlichen Tod von Josef, dem Pfarrer von Blumfeld, steht seine Haushälterin Anna vor einer ungewöhnlichen Aufgabe. Josef hatte einen besonderen letzten Willen: Er wollte nicht im Grab neben seiner Mutter beigesetzt werden, sondern verbrannt und seine Asche im Meer verstreut sehen. Wie soll Anna diesen Wunsch erfüllen? Der neue Pfarrer, ein Nordlicht, steht bereits am nächsten Tag vor der Tür. Kann sie ihr Geheimnis für sich behalten? Und wie soll sie an die Nordsee kommen, wenn sie doch seit dreißig Jahren nicht mehr Auto gefahren ist? Zudem beschäftigt sie die Frage, ob sie ihre Stelle behalten kann oder ob der neue Pfarrer sich eine neue Haushälterin sucht.

Mit viel Liebe zum Detail und bildreicher Sprache lässt uns Martina Bogdahn in die Welt von Blumfeld eintauchen. Man riecht förmlich die Mirabellenmarmelade, sieht die malerische Landschaft vor dem inneren Auge und spürt den Fahrtwind auf dem Gesicht. Durch Rückblicke erfahren wir von kleinen Anekdoten, die zum Teil so humorvoll sind, dass man laut loslachen muss. Die Protagonisten sind liebevoll und fein gezeichnet und gewinnen schnell das Herz der Leser*in.

Dieses Buch ist eine absolute Leseempfehlung für alle, die in eine wunderschöne und einfühlsame Welt eintauchen möchten.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Vier Menschen finden wieder Lebensfreude

Überlebensstrategien
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In ‚Überlebensstrategien‘ begegnen sich vier Menschen, die alle mit ihren eigenen Herausforderungen zu kämpfen haben.

Arni ist aufgrund gesundheitlicher Probleme vorzeitig in den Ruhestand getreten. Die ...

In ‚Überlebensstrategien‘ begegnen sich vier Menschen, die alle mit ihren eigenen Herausforderungen zu kämpfen haben.

Arni ist aufgrund gesundheitlicher Probleme vorzeitig in den Ruhestand getreten. Die sechzehnjährige Hannah ist mit ihrer Mutter nach der Trennung von ihrem Vater umgezogen und leidet unter Einsamkeit. Für den elfjährigen Aron bricht eine Welt zusammen, als seine Mutter in die Klinik eingeliefert wird. Berghildur muss den plötzlichen Tod ihres Mannes verarbeiten.

Zufällig treffen die vier aufeinander, unterstützen sich gegenseitig und entdecken, dass sie dadurch wieder Sinn und Erfüllung in ihrem Leben finden können.

‚Überlebensstrategien‘ ist ein kleines, aber feines Buch, das ich in einem Rutsch verschlungen habe. Am Ende war ich traurig, diese kleine Welt auf Island schon wieder verlassen zu müssen. Die Protagonisten sind liebevoll und einfühlsam gezeichnet, man muss sie einfach gern haben, trotz all ihrer Probleme. Sie begegnen einander mit so viel Toleranz und Unvoreingenommenheit, dass man sich wünscht, mehr Menschen wären so. Dieses Buch schenkt Hoffnung und Zuversicht, und ich kann es nur wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Das Leben einer türkischen Gastarbeiterin

Geliebte Mutter – Canım Annem
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Aynur wird als neunzehnjährige mit Alvin verheiratet. Sie lebt in Istanbul, kleidet sich freizügig, trinkt Alkohol, ist gebildet und der Glaube spielt für sie keine Rolle. Er kommt aus Ost-Anatolien, ist ...

Aynur wird als neunzehnjährige mit Alvin verheiratet. Sie lebt in Istanbul, kleidet sich freizügig, trinkt Alkohol, ist gebildet und der Glaube spielt für sie keine Rolle. Er kommt aus Ost-Anatolien, ist arm, ungebildet und streng gläubig. Die beiden ziehen nach Deutschland, um sich ein neues Leben aufzubauen, doch bald stellt sich heraus, dass nichts von dem, was Alvin ihr versprochen hat, eintritt, sie ist verzweifelt und möchte nur noch zurück.
Als Ada, ein Junge, geboren wird, ist sie glücklich, bei Meyrem, einem Mädchen, ist sie verzweifelt, weil sie arbeiten muss, da ihr Mann sich mehr dem Glücksspiel als dem Geld verdienen hingibt.
Cigdem Akyol hat eine eindrucksvolle Familiengeschichte geschrieben. Sie erzählt von einer arrangierten Ehe, dem Fremdsein in einem anderen Land, Gewalt innerhalb der Familie, Brechen von Traditionen, aufwachsen als Ausländerkind und wie sich so eine Kindheit auf das spätere Leben auswirkt.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Es hat mir eine fremde Kultur näher gebracht. Ich habe unglaublich viel über die Türkei gelernt und kann die Schwierigkeiten, die eine Immigration mit sich bringt, viel besser verstehen.

Ich empfehle das Buch sehr gerne allen weiter, die beim Lesen in eine andere Kultur eintauchen wollen.

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