Düster, roh, verstörend
Hurting ShadowsGleich der Anfang ist so düster und unheilverkündend, dass mich das Buch sofort in seinen Bann gezogen hat. Nichts wird beschönigt – stattdessen wird einem schonungslos die Realität eines zutiefst gestörten ...
Gleich der Anfang ist so düster und unheilverkündend, dass mich das Buch sofort in seinen Bann gezogen hat. Nichts wird beschönigt – stattdessen wird einem schonungslos die Realität eines zutiefst gestörten Menschen vor Augen geführt. Es hilft definitiv, vorher „Following Ghosts“ gelesen zu haben, da dieses Buch einen auf genau diese verstörende Tiefe vorbereitet.
Gleichzeitig ist es auf eine gewisse Weise faszinierend, die Geschichte aus Shadows Perspektive zu erleben und dieses Verbotene mitzuvollziehen. Besonders fand ich, dass die Protagonistin nicht dem typischen Bild von „perfekt“ oder „wunderschön“ entspricht – etwas, das in Büchern und Filmen leider viel zu selten ist. Elizabeth ist durch einen Brand gezeichnet, doch genau das macht sie in Tanners Augen schön. Diese Sichtweise gibt ihrer Verbindung etwas sehr Eigenes und Besonderes.
Tanners Vergangenheit – insbesondere der Missbrauch durch seine Mutter – ist schwer zu ertragen. Mehr als einmal habe ich gemerkt, wie belastend sich diese Einblicke anfühlen, obwohl es „nur“ eine fiktive Geschichte ist. Auch Elizabeths Schicksal ist auf seine Weise brutal: Sie sieht sich selbst als Monster, obwohl sie das eigentliche Opfer ist. Beide Charaktere eint, dass sie nie echte Liebe erfahren durften – und genau das macht ihre Dynamik so tragisch.
Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich Menschen mit traumatischen Erfahrungen umgehen: Manche zerbrechen daran, andere versuchen daran zu wachsen. Tanner ist so tief gebrochen, dass er sich selbst verletzt, um sich „rein“ zu fühlen – seine inneren Qualen wirken dabei erschreckend real.
Die beiden finden eine Art Heilung, indem sie sich von gesellschaftlichen Normen lösen und ihre dunklen Fantasien ausleben. Was für Außenstehende toxisch wirken mag, ist für sie ein Weg, mit ihrem Schmerz umzugehen. Genau das macht die Geschichte so unbequem, aber auch so eindringlich.
Insgesamt ist es ein Buch, das noch lange nachwirkt – schwer, intensiv und emotional belastend. Es ist roh, düster und gewaltvoll und definitiv keine klassische Liebesgeschichte, ganz so, wie es die Autorin selbst beschreibt.
Einen Stern ziehe ich allerdings ab, da mir einige Passagen – besonders Tanners gefühlvolle Monologe – zu verschachtelt und schwer zugänglich waren. Die poetische Sprache hat mich stellenweise aus dem Lesefluss gerissen, weil ich Sätze mehrfach lesen musste, um sie vollständig zu verstehen. Das ist nicht grundsätzlich negativ, hat für mich aber die emotionale Intensität in manchen Momenten etwas abgeschwächt.