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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2026

emotional, ehrlich, fast perfekt

The Iced Caramel Coffee Agreement
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In Band 2 der Lower-Whilby-Reihe begleiten wir Dex - den Bruder von James aus dem ersten Teil und Eleanor, die wir bereits aus Band 1 kennen. Erzählt wird wieder in der Ich-Perspektive aus beiden Sichten, ...

In Band 2 der Lower-Whilby-Reihe begleiten wir Dex - den Bruder von James aus dem ersten Teil und Eleanor, die wir bereits aus Band 1 kennen. Erzählt wird wieder in der Ich-Perspektive aus beiden Sichten, abwechselnd, was mir schon im ersten Band gefallen hat und hier erneut sehr gut funktioniert. Der Schreibstil ist angenehm eingängig, sodass ich sofort wieder in das Kleinstadt-Setting eintauchen konnte.

Für mich war dieser Band deutlich stärker als der erste. Ich konnte mich viel besser mit den Figuren identifizieren, vor allem emotional haben mich beide deutlich mehr abgeholt. Eleanor fand ich als Charakter besonders spannend, weil sie gleichzeitig vertraut wirkte, aber auch Seiten hatte, die sie unvorhersehbar und interessant gemacht haben. Besonders hervorheben möchte ich Dex. Er war für mich eine sehr greifbare, nahbare Figur mit klaren Werten und einer emotionalen Tiefe, die mich wirklich überrascht hat. Im Vergleich zu James aus Band 1 wirkte sein Charakter deutlich konsistenter. Bei James hatte ich oft das Gefühl, dass er je nach Perspektive unterschiedlich dargestellt wurde, was mich eher irritiert hat. Dex hingegen blieb in sich stimmig und hat mich emotional viel mehr erreicht. Auch seine Hintergrundgeschichte, insbesondere das Familiendrama und seine Karriere als Musiker, bringt zusätzliche Tiefe in die Handlung. Gerade in Dex’ Perspektive gab es viele Momente, in denen ich mich ihm ungewöhnlich nah gefühlt habe. Es war das erste Mal, dass ich mich einem männlichen Protagonisten in dieser Form emotional verbunden gefühlt habe.

Was mich besonders begeistert hat, waren die vielen kleinen, aber bedeutungsvollen Passagen: Sätze, die zum Nachdenken anregen oder Gefühle auf den Punkt bringen. Ein weiterer Punkt, der mir extrem positiv aufgefallen ist, war der Humor. Dieser ist eher subtil und teilweise fast schon unterkühlt oder stumpf gehalten, gerade in den inneren Monologen der Figuren. Viele Aussagen wirken zunächst sehr nüchtern oder beiläufig, treffen dann aber genau dadurch ins Schwarze und sind unglaublich witzig. Ich musste an einigen Stellen wirklich laut auflachen, weil Dinge so trocken und direkt ausgesprochen wurden. Besonders schön fand ich, dass dieser Humor oft in Momenten auftaucht, in denen ich ihn gar nicht erwartet hätte. Für mich ist das definitiv ein großes Herzstück des Romans und hat das Leseerlebnis nochmal deutlich aufgewertet.

Ein weiteres Highlight war für mich die Dynamik zwischen Eleanor und Dex. Ihre Interaktionen wirkten authentisch und haben mich komplett abgeholt. Insgesamt hatte ich stellenweise wirklich ein Fünf-Sterne-Gefühl beim Lesen.

Allerdings gibt es auch ein paar Kritikpunkte:

Das Ende kam mir zu abrupt. Obwohl ich nachvollziehen kann, warum die Handlung diesen Verlauf nimmt, hätte ich mir hier mehr Raum gewünscht. Es war für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt, was zu dem vorherigen Teil des Buches nicht passte. Zusätzlich war das Zeitgefühl im Verlauf der Geschichte manchmal etwas verwirrend. Stellenweise hatte ich das Gefühl, es vergeht deutlich mehr Zeit, als tatsächlich beschrieben wird.

Trotz dieser kleinen Schwächen konnte ich die Beziehung und die Entwicklung der Figuren gut nachvollziehen und emotional mitgehen.

Fazit
Ein emotional starker zweiter Band mit tollen Charakteren und einer besonders gelungenen männlichen Perspektive. Kleine Schwächen im pacing und beim Ende verhindern die volle Punktzahl, aber insgesamt ein sehr überzeugender Roman der den ersten Band um einiges übertrifft.

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Veröffentlicht am 11.04.2026

Gelungener Abschluss

Kiss of the Broken – Seine Liebe ist ihre Verdammnis
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Der zweite Band, Kiss of the Broken von Julia Pauss, knüpft direkt an die Ereignisse des ersten Teils an und schafft es dadurch, einen sehr gelungenen Einstieg zu liefern.

Schreibstil & Lesefluss

Der ...

Der zweite Band, Kiss of the Broken von Julia Pauss, knüpft direkt an die Ereignisse des ersten Teils an und schafft es dadurch, einen sehr gelungenen Einstieg zu liefern.

Schreibstil & Lesefluss

Der Schreibstil bleibt angenehm flüssig, atmosphärisch dicht und sehr zugänglich. Man kommt schnell durch, ohne dass dabei die Intensität verloren geht. Besonders die emotionalen Momente sind eindringlich und bildhaft beschrieben.

Worldbuilding & Atmosphäre

Ein großer Pluspunkt dieses Bandes ist das erweiterte Worldbuilding. Während wir im ersten Teil hauptsächlich die Menschenwelt kennengelernt haben, öffnet sich die Geschichte nun stärker in Richtung Tenebria – dem Reich der Dämonen. Das sorgt für frischen Wind und macht die Welt noch vielschichtiger. Gleichzeitig wird auch die ohnehin schon düstere Atmosphäre noch intensiver. Die Brutalität dieser Welt tritt deutlicher hervor, was stellenweise wirklich unter die Haut geht.

Ein kleiner Kritikpunkt: Die verschiedenen Dämonenarten waren zwar spannend gedacht, aber ich hatte manchmal Schwierigkeiten, mir diese klar vorzustellen.

Charaktere & Dynamik

Die Dynamik zwischen Ren und Scarlet bleibt ein zentraler Bestandteil der Geschichte. Ihre Verbindung ist weiterhin emotional greifbar, und gerade Rens innerer Konflikt – zwischen Wut, Enttäuschung und seinen Gefühlen – wurde sehr gut ausgearbeitet. Allerdings hat sich die Beziehung der beiden im Vergleich zum ersten Band etwas anders angefühlt. Während sie dort fast durchgehend gemeinsam unterwegs waren und man ihre Entwicklung sehr intensiv miterleben konnte, sind sie hier zeitweise getrennt. Dadurch rückt ihre direkte Dynamik etwas in den Hintergrund. Gleichzeitig bekommen Nebenfiguren mehr Raum, was die Welt bereichert, aber eben auch dazu führt, dass der Fokus sich stärker verteilt.

Romantik & Emotionen

Die romantischen und körperlichen Szenen sind sehr intensiv und atmosphärisch geschrieben, das kann die Autorin definitiv. Für meinen Geschmack waren es stellenweise jedoch etwas viele dieser Szenen, vor allem in Momenten, in denen sie sich nicht ganz natürlich in die Situation eingefügt haben. Was mir im ersten Band besonders gefallen hat, war die langsame Annäherung. Diese feine Entwicklung tritt hier etwas in den Hintergrund zugunsten von mehr Intensität.

Spannung & Handlung

Im Vergleich zum ersten Band gibt es weniger überraschende Wendungen und große Twists. Das sorgt für ein etwas anderes Lesegefühl: weniger „Wow“-Momente, dafür mehr Fokus auf Entwicklung, Atmosphäre und die Gesamtgeschichte.

Trotzdem bleibt die Spannung erhalten, vor allem durch die Frage, wie sich alles zum Ende hin auflösen wird. Besonders ein neuer Handlungsstrang rund um Scarlet zum Ende hin konnte mich nochmal richtig packen.

Kritikpunkte

Trotz der vielen positiven Aspekte sind mir jedoch auch ein paar kleinere Kritikpunkte aufgefallen. Zum einen lag der Fokus weniger stark auf der zentralen Dynamik zwischen Ren und Scarlet, was für mich einen Teil der emotionalen Intensität aus dem ersten Band etwas abgeschwächt hat. Auch die Anzahl an überraschenden Wendungen war geringer. An manchen Stellen hätte ich mir außerdem mehr Klarheit gewünscht. Besonders das Magiesystem, das hier stärker in den Fokus rückt, wirkte zwar spannend, blieb aber nicht immer vollständig greifbar. Gerade gegen Ende gab es Momente, in denen ich mir eine genauere Erklärung gewünscht hätte, um die Abläufe besser nachvollziehen zu können. Auch die verschiedenen Dämonenarten waren interessant, aber nicht immer leicht vorstellbar, wodurch ein Teil der Atmosphäre etwas an Wirkung verloren hat.

Finale

Das Ende ist für mich ein echtes Highlight. Die Autorin nimmt sich Zeit, die Geschichte sauber abzuschließen, gibt einen Ausblick und lässt die Welt nicht einfach abrupt zurück. Genau so sollte ein Finale sein: rund, durchdacht und befriedigend.

Fazit

Insgesamt ist Kiss of the Broken ein würdiges Finale, das die Geschichte rund abschließt, auch wenn es mich nicht ganz so stark begeistern konnte wie der Auftakt. Für mich sind es daher starke 4,5 Sterne – mit Tendenz nach oben, je nachdem, welche Aspekte man persönlich am meisten gewichtet.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Liebe, Lügen und Geheimnisse

Firewatch
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Dieses Buch hat mir wirklich sehr, sehr viel Spaß gemacht und zwar auf eine Art, mit der ich so nicht gerechnet hätte. Es hat meine Erwartungen übertroffen, aber anders als gedacht. Vor allem hat es mich ...

Dieses Buch hat mir wirklich sehr, sehr viel Spaß gemacht und zwar auf eine Art, mit der ich so nicht gerechnet hätte. Es hat meine Erwartungen übertroffen, aber anders als gedacht. Vor allem hat es mich hervorragend unterhalten.

Das Buch wird als Thriller beziehungsweise Suspense-Romance eingeordnet. Wer hier allerdings von der ersten Seite an knallharte Thriller-Elemente erwartet, sollte seine Erwartungen ein wenig anpassen. Die Romance nimmt einen großen Raum ein deutlich größer, als ich zunächst angenommen hatte. Für mich war das jedoch kein Kritikpunkt, im Gegenteil: Genau dieser starke Romance-Anteil hat mich letztlich überzeugt.

Im Zentrum steht ein ungeklärter Vermisstenfall. Aaron ist verschwunden, und sein bester Freund Robin versucht auf eigene Faust herauszufinden, was mit ihm passiert ist. In der Gegenwart begleiten wir vor allem Robin, während die Vergangenheit sich stark um Aaron und Kian dreht. Diese Struktur – Vergangenheit und Gegenwart – wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt: Die Vergangenheit aus einer Erzählperspektive, die Gegenwart aus der Ich-Perspektive. Gerade am Anfang fiel es mir etwas schwer, die Perspektiven klar einzuordnen. Ich war zunächst überzeugt, dass Robin selbst der Erzähler der Vergangenheitskapitel sei. Erst als der Erzähler deutlich aus dem Geschehen heraustrat und sogar an Robin appellierte, wurde klar, dass hier anders gearbeitet wird.

Der Autor spielt gezielt mit Unsicherheit und Irritation, ein Stilmittel, das der Spannung definitiv zugutekommt. Diese bewusste Verwirrung passt hervorragend zur Atmosphäre des Buches. Besonders gelungen fand ich die mysteriösen, fast poetisch anmutenden Kapitel, in denen eine unbekannte Person von Dunkelheit, Vergangenheit und Geheimnissen spricht. Diese Einschübe sind leicht verstörend, wirken psychologisch intensiv und lassen einen rätseln: Wer spricht hier? Was bedeutet das? Diese Momente haben die Geschichte spürbar vorangetrieben und für echtes Gänsehaut-Feeling gesorgt.

In der Mitte hatte das Buch kleinere Längen, vor allem weil der Romance-Plot hier sehr präsent ist. Die Beziehung zwischen den Figuren, es handelt sich um eine Gay Romance nimmt viel Raum ein, inklusive "romantischer" Szenen. Wer damit nichts anfangen kann oder einen reinen Thriller erwartet, könnte hier enttäuscht sein. Für mich war diese Entwicklung jedoch stimmig und emotional nachvollziehbar.

Das Ende hat mir dann wieder richtig gut gefallen. Es gibt mehrere Twists: einen konnte ich im Moment der Auflösung erahnen, aber ein weiterer hat mich wirklich überrascht. Das war stark umgesetzt. Lediglich ganz zum Schluss hätte ich mir noch ein zusätzliches Kapitel gewünscht. Das Finale wirkte etwas abrupt, fast zu stark „geschnitten“. Ein kleiner Ausblick hätte dem Ganzen für mich noch das gewisse Extra gegeben.

Trotz des etwas holprigen Einstiegs und kleiner Längen im Mittelteil vergebe ich 4,5 von 5 Sternen. Eine spannungsgeladene Suspense-Romance mit emotionaler Tiefe, überraschenden Wendungen und einer Atmosphäre, die stellenweise richtig unter die Haut geht.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Zwischen Misstrauen, Lügen und schockierenden Wahrheiten

Don't Believe Her
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Dieser Thriller hat mich wirklich von Anfang an gepackt und dann immer tiefer in seinen Bann gezogen. Ich wollte permanent wissen, wie es weitergeht und genau das macht für mich einen richtig guten Spannungsroman ...

Dieser Thriller hat mich wirklich von Anfang an gepackt und dann immer tiefer in seinen Bann gezogen. Ich wollte permanent wissen, wie es weitergeht und genau das macht für mich einen richtig guten Spannungsroman aus.

Wir folgen Ellie in der Ich-Perspektive. Schon ihre Vorgeschichte ist ungewöhnlich und geheimnisvoll: In jungen Jahren ist Ihre Beste Freundin von zu Hause abgehauen und gilt seit zwölf Jahren als verschwunden. Inzwischen lebt Ellie mit dem Bruder Ihrer besten Freundin, in den sie sich verliebt hat, seiner Mutter, sowie ihrer Tochter aus einer früheren Beziehung unter einem Dach.

Als plötzlich Ellies beste Freundin von früher wieder auftaucht, beginnt das eigentliche Spiel. Denn Ellie spürt sofort: Das ist nicht die Person, die sie vorgibt zu sein. Und genau dieser Grundgedanke ist einfach großartig. Man fiebert die ganze Zeit mit, weil man gemeinsam mit der Protagonistin weiß, dass hier etwas nicht stimmt. Es macht unglaublich viel Spaß, Ellie dabei zu begleiten, wie sie Indizien sammelt, Beweise sucht und versucht, hinter die Wahrheit zu kommen.

Der Anfang nimmt sich etwas Zeit. Die ersten zweieinhalb bis drei Stunden dienen vor allem dazu, Figuren, Beziehungen und Hintergründe aufzubauen. Das ist gut gemacht, aber noch nicht wirklich Thriller-typisch nervenaufreibend. Es geht mehr um Charakterentwicklung als um Hochspannung. Dadurch wirkt der Einstieg stellenweise etwas schleppend.

Doch sobald die Geschichte Fahrt aufnimmt, entfaltet sie eine enorme Sogwirkung. Kleine Hinweise werden wie Brotkrumen gestreut, scheinbar unscheinbar, aber unglaublich effektiv. Man stellt Theorien auf, verwirft sie wieder, wird überrascht und ständig zum Weiterdenken angeregt. Genau dieses Miträtseln hat mir viel Spaß gemacht.

Neben der konstanten Spannung transportiert der Thriller auch unglaublich viele Emotionen. Besonders in den Momenten, in denen Ellie alles daransetzt, die Wahrheit über die vermeintliche beste Freundin aufzudecken, entstehen Szenen, bei denen man sich teilweise für ihr Verhalten schämt. Man denkt sich „Oh nein, bitte tu das nicht“, oder fühlt sich selbst unwohl bei dem, was sie tut. Ellie wird einem dadurch nicht immer sympathisch, man hinterfragt sie, zweifelt an ihr und ist sich zeitweise unsicher, ob man wirklich hinter ihr steht. Genau dieses emotionale Schwanken macht die Geschichte so intensiv.

Auch andere Figuren treffen Entscheidungen oder geraten in Situationen, bei denen man innerlich aufstöhnt und sich denkt: „Nein, warum passiert das jetzt?“ oder „Warum macht die Person das?“ Dieses Aufregen, dieses Mitfiebern und teilweise Schockiert sein verstärkt die Wirkung des Thrillers enorm, weil man eben nicht nur zuschaut, sondern emotional komplett involviert ist.

Besonders hervorzuheben sind die Wow-Momente: Einige Twists habe ich wirklich nicht kommen sehen. Sie verleihen der Geschichte eine neue Dynamik und sorgen für echte Gänsehaut. Auch das Ende hat mich beeindruckt. Es war stellenweise sprachlos machend, emotional intensiv und insgesamt sehr befriedigend. Zwar hätte ich mir an ein, zwei Stellen noch etwas mehr Ausarbeitung gewünscht, da es gegen Schluss etwas abrupt wirkte, aber der Ausblick rundet das Ganze gelungen ab.

Don’t Believe Her – Die Fremde unter deinem Dach ist ein spannungsgeladener Thriller mit starken Wendungen, interessanten Figuren und einer fesselnden Grundidee.Trotz des etwas gemächlichen Einstiegs vergebe ich 4,5 von 5 Sternen, hätte der Anfang minimal mehr Tempo gehabt, wären es für mich ganz klar 5 Sterne gewesen.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Gezeichnet von Liebe, Leid und Magie

Medea
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Medea ist ein Fantasyroman mit starkem historischem und mythologischem Einschlag. Wir begegnen Königen, Prinzessinnen, Machtstrukturen, Magie und Göttern, eingebettet in eine Welt, die stark von der griechischen ...

Medea ist ein Fantasyroman mit starkem historischem und mythologischem Einschlag. Wir begegnen Königen, Prinzessinnen, Machtstrukturen, Magie und Göttern, eingebettet in eine Welt, die stark von der griechischen Mythologie geprägt ist.

"Als ich noch klein war, verwandelte ich meinen Bruder in ein Schwein. Damals fand ich das Knacken seiner berstenden Knochen und das fleischige Geräusch seiner sich verformenden Muskeln und Sehnen amüsant."

Die Sprache ist dabei bewusst förmlich gehalten, ohne jemals gekünstelt zu wirken. In vielen Passagen ist sie überraschend poetisch, teilweise sehr düster, stellenweise auch derb. Besonders hervorheben möchte ich hier die deutsche Übersetzung, die es schafft, die Atmosphäre und die sprachliche Tiefe des Originals eindrucksvoll zu transportieren.

Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Medea selbst. Dadurch entsteht eine intensive Nähe zur Hauptfigur, die das gesamte Buch trägt. Wir begleiten Medea von ihrer Kindheit an über mehrere Jahrzehnte hinweg. Sie wächst in einer zutiefst dysfunktionalen Familie auf: ein gewalttätiger Vater, eine emotional abwesende Mutter, eine Schwester, der der Kontakt zu ihr verboten ist, und ein Bruder, der sie hasst. Gleichzeitig besitzt Medea eine immense magische Macht eine Gabe, die ebenso gefährlich wie isolierend ist.

Das Worldbuilding hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Die Welt ist stark von der griechischen Mythologie geprägt, und Magie ist kein beiläufiges Element, sondern ein fester Bestandteil der Geschichte. Die Götter sind präsent, werden immer wieder namentlich genannt und greifen auf unterschiedliche Weise in das Geschehen ein. Besonders schön fand ich, dass sich diese göttliche Präsenz sehr natürlich in die Welt einfügt und ihr spürbar Leben einhaucht. Mir haben die vielen Beschreibungen von Räumlichkeiten und vom äußeren Erscheinungsbild der Figuren sehr gefallen. Orte, Kleidung und Personen werden so detailliert dargestellt, dass man sich die Welt gut vorstellen kann und schnell ein klares Bild im Kopf hat. Gegen Ende des Buches hat es für mich etwas nachgelassen, sodass ich nicht mehr ganz so viele klare Bilder im Kopf hatte wie zuvor. Das war stellenweise etwas schade, insgesamt aber auch in Ordnung, da der Fokus dort stärker auf dem Abschluss der Geschichte lag.

Das Buch lebt weniger von einer actionreichen Handlung sondern von inneren Konflikten, Entwicklungen und Konsequenzen. Die Geschichte erstreckt sich über mehrere Zeitsprünge. Gerade nach diesen Zeitsprüngen hatte ich kurzzeitig das Gefühl, den emotionalen Anschluss zu verlieren, da Beziehungen und Dynamiken neu eingeordnet werden müssen. Das ist für mich eine kleine Schwäche des Romans, auch wenn ich verstehe, dass diese Struktur notwendig ist, um das Ende in dieser Form zu ermöglichen. Glücklicherweise findet man relativ schnell wieder in die Geschichte zurück.

Ein zentrales Thema des Buches ist der Umgang mit Konsequenzen, was es bedeutet, mit den eigenen Taten zu leben, egal wie gerechtfertigt sie sich im Moment angefühlt haben. Was mich besonders beeindruckt hat, ist, wie es der Autorin gelingt, trotz Medeas oft moralisch fragwürdiger oder sogar grausamer Entscheidungen eine starke emotionale Bindung zu ihr aufzubauen. Man leidet mit ihr, ist wütend auf sie, versteht sie und verurteilt sie zugleich. Diese Ambivalenz macht die Figur unglaublich spannend und menschlich.

Es gab immer wieder Passagen, in denen ich bewusst Pausen brauchte; nicht aus Langeweile, sondern weil mich die Emotionen überwältigt haben. Angst, Wut, Trauer: Gefühle, die ich bei vielen anderen Büchern so intensiv nicht erlebe. Medea berührt auf einer anderen Ebene als klassische Liebesgeschichten oder typische Fantasyromane. Es ist kein Buch zum Wegatmen, sondern eines, das nachhallt.

Der Abschluss jedoch etwas überhastet, da viele Entwicklungen in kurzer Zeit zusammengeführt werden. Ich hätte mir hier mehr Raum und ein längeres Auskosten der Konsequenzen gewünscht. Dennoch ist das Ende inhaltlich stimmig, emotional überzeugend und passt gut zu Medeas Weg.

Fazit

Medea ist ein düsteres, emotionales Fantasybuch, das sich Zeit für seine Figuren nimmt und vor allem durch seinen besonderen Schreibstil und die intensive Nähe zur Hauptfigur überzeugt. Es ist keine Geschichte für zwischendurch, sondern ein Buch, auf das man sich einlassen muss. Wer vielschichtige Charaktere, moralische Grauzonen und eine von Mythologie geprägte Welt schätzt, wird hier ein sehr eindrückliches Leseerlebnis finden.

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