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Veröffentlicht am 20.04.2026

Wahnsinn

Am Meer ist es schön
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Beim Lesen des Klappentextes ist mir ganz anders geworden. Kleine Kinder, die getrennt von ihren Eltern und ihrer Familie auf Kur geschickt werden. Weil sie entweder nicht den "Richtlinien" entsprechen, ...

Beim Lesen des Klappentextes ist mir ganz anders geworden. Kleine Kinder, die getrennt von ihren Eltern und ihrer Familie auf Kur geschickt werden. Weil sie entweder nicht den "Richtlinien" entsprechen, sprich: zu wenig oder zu viel Gewicht aufweisen, oder zu frech sind und sich nicht an Regeln halten. Sie wurden damit "Verschickungskinder" genannt. Die Verschickungen erfolgten von der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre.

Hier im Buch geht es um Susanne, sie ist Ende 50 und sitzt im Altenheim am Sterbebett ihrer Mutter. Plötzlich bricht Luise in Tränen aus und entschuldigt sich bei ihrer Tochter. Susanne weiß direkt um was es geht. Um die Zeit, die für sie die Schlimmste war: 1969. Susanne hat damals nach der Kur von ihren Erlebnissen dort berichtet. Und ihre Eltern haben ihr nicht geglaubt. Haben es als kindlichen Wahnsinn abgestempelt. Denn in den Briefen, die sie schrieb, sagte sie ja immer, dass es ihr gut gefiel. "Am Meer ist es schön". Nach und nach beginnt Susanne ihrer Mutter und ihrer eigenen Tochter von der Zeit im Heim zu erzählen, zum ersten Mal nach so langer Zeit.

Die Autorin schreibt sehr einfühlsam und mit bildhafter Sprache. Sie gibt den einzelnen Charakteren unheimlich viel Tiefe, sie werden greifbar und das, was sie erlebt haben, wird umso realistischer. Auf zwei Zeitebenen wird die Geschichte erzählt. Susanne spricht mit ihrer Familie 2018 über die Geschehnisse aus 1969, dabei wechseln sich die Kapitel immer ab, und es ist ein nahtloser Übergang. Unfassbar was damals passiert ist, und dass die Kurheime und Verantwortlichen da so lange mit durchgekommen sind.

Barbara Leciejewski hat mir einen guten Einblick in diese Thematik gegeben. Ich fand es spannend und unheimlich zugleich. Ich habe mit den Kindern mitgefühlt, die Strafen die sie erleiden mussten waren hart. Zucht und Ordnung war da das große Thema. Es ist großartig geschrieben und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Zwischendurch musste ich immer mal wieder meine Gedanken kreisen lassen und das gelesene verarbeiten.

⭐⭐⭐⭐,75 | 5 Sternen

  • Einzelne Kategorien
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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.04.2026

Toll

Ruf der Leere
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Die Thematik des Klappentextes hat mich enorm angesprochen. Eine Gruppe von Leuten feiert in einer abgelegenen Waldhütte die Rückkehr eines Freundes. Bis am Abend ein mysteriöser, alter Mann auftaucht. ...

Die Thematik des Klappentextes hat mich enorm angesprochen. Eine Gruppe von Leuten feiert in einer abgelegenen Waldhütte die Rückkehr eines Freundes. Bis am Abend ein mysteriöser, alter Mann auftaucht. Er sagt, er sei der Tod. Und sie müssten sich für eine Person entscheiden, die den Abend überleben dürfte. Alle anderen müssten sterben.

Ein Buch über Moral und Ethik. Wie fällen wir Menschen Entscheidungen? Welches Leben ist mehr wert als das andere, und warum?
Das hat mich an den ein oder anderen Stellen wirklich zum Nachdenken angeregt. Es werden viele Vergleiche und Beispiele angeführt, die mir vor Augen führten, weshalb sich in manchen Momenten vielleicht so verhalten wird.

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir tatsächlich nicht so leicht, was aber überhaupt nicht mit dem Schreibstil zusammenhängt. Denn dieser war von Beginn an sehr anschaulich gehalten. Es wird in Rückblenden aus der Vergangenheit und in der Gegenwart geschrieben. Jedes Kapitel umfasst eine Person aus der Freundesgruppe. Die Rückblenden starteten größtenteils aus einer Universität heraus. Das konnte mich erst nicht so fesseln, dafür aber später umso mehr. Denn alles was gegen Ende ans Licht kommt, geht mit dem Anfang einher. Der Autor beschreibt die Entscheidungen der jeweiligen Personen sehr glaubhaft und überzeugend. Der Hauptcharakter Felix wirkte auf mich die ganze Zeit überheblich und von sich selbst sehr überzeugt. Aber auch sein Verhalten lässt sich im Laufe des Buches erklären. Ob es nachvollziehbar ist, dass darf jeder für sich selbst entscheiden.

Für mich war es ein sehr besonderes Buch, welches ich auch als einen Spannungsroman betiteln würde. Denn es war nahezu auf jeder Seite packend. Spätestens ab der Hälfte war ich im Sog und konnte nicht mehr aufhören. Die Charaktere blieben erst blass, bekamen aber mit der Zeit sehr viel Farbe. Ich mag es sehr, wie ausdrucksstark der Autor schreibt. Ein Buch,was definitiv noch nachhallen wird!

Eine gelungene Überraschung und eine große Empfehlung meinerseits!

⭐⭐⭐⭐,5 | 5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Wow

Alle glücklich
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Eine Familie, die scheinbar glücklich ist. Jeder führt sein Leben, alles reine Routine. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Nina ist Mutter zweier Kinder und die Ehefrau von Alexander. Sie arbeitet als ...

Eine Familie, die scheinbar glücklich ist. Jeder führt sein Leben, alles reine Routine. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Nina ist Mutter zweier Kinder und die Ehefrau von Alexander. Sie arbeitet als medizinische Fachangestellte und fühlt sich von ihrem Mann und ihren Kindern öfter mal missverstanden. Alexander ist Oberarzt, bringt das Geld nach Hause und sorgt dafür, dass die Familie es gut hat. Ein bisschen mehr Anerkennung würde auch er sich wünschen.
Emilia ist sechzehn und so richtig verliebt. Blind vor Liebe, könnte man meinen. Ben ist neunzehn und Student. Aber das auch nur gezwungenermaßen. Eigentlich fühlt er sich ziemlich allein.

Der Schreibstil von Kira Mohn ist unheimlich flüssig und authentisch. Sie schreibt soo anschaulich. Es erweckt den Eindruck, als würde sie von einer Familie in der Nachbarschaft schreiben. Jedes Kapitel ist aus der Sicht eines anderen Familienmitgliedes geschildert. Die Reihenfolge bleibt immer gleich,somit wusste ich nach einer Weile schon, wer als nächstes wieder drankommt. Ich habe an den Zeilen gehangen und jedes Wort aufgesogen. Emilias Geschichte hat mich persönlich sehr mitgenommen. Ich habe den Schmerz gefühlt, den sie beschrieben hat. Aber auch Ninas Gedanken haben mich bewegt. Ben konnte ich lange Zeit sehr schwer einschätzen, aber auch seine Gefühle waren hart. Echt. Authentisch. Alexander wird definitiv nicht mein Lieblingscharakter, aber ich muss zugeben, dass mir sein Werdegang ein bisschen gefallen hat. (🤭)

Es geht ums Zuhören, Hinsehen und Da sein. Nicht alles in sich hineinzufressen, über Probleme reden und auch genau so richtig zu sein wie man ist. Jedenfalls nehme ich das aus dieser Geschichte mit. Mir hat es unheimlich gut gefallen und es hat mal wieder aufgezeigt, wie manche Familien scheinbar einfach nebeneinander her leben. Da sagt man lieber: Alle sind glücklich. Alles ist gut.

Für mich ein großartiges Buch und eine absolute Leseempfehlung!

⭐⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Wow

Die Nacht der Bärin
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Nachdem ich vor zwei Tagen Kira Mohns aktuellsten Roman "Alle glücklich" beendet hatte (und es für mich ein Highlight geworden ist), musste ich nun auch direkt "Die Nacht der Bärin" lesen. Und was war ...

Nachdem ich vor zwei Tagen Kira Mohns aktuellsten Roman "Alle glücklich" beendet hatte (und es für mich ein Highlight geworden ist), musste ich nun auch direkt "Die Nacht der Bärin" lesen. Und was war das bitte für ein Buch? Es hat mich zerrissen..💔

Jule flüchtet sich nach einer Auseinandersetzung mit ihrem Freund zu ihren Eltern. Dort wird ihre Mutter über den plötzlichen Tod ihrer Großmutter im Kenntnis gesetzt. Die Reaktion ihrer Mutter ist heftiger als erwartet, denn Jule kannte ihre Großmutter nur von Briefen und es wurde so gut wie nie von ihr gesprochen. Was ist damals vorgefallen? Jule möchte es genauer wissen, und taucht in die Vergangenheit ein. Zusammen mit ihrer Mutter fährt sie in das nun leerstehende Elternhaus.

Auf zwei Zeitebenen wird die Geschichte erzählt. Die Vergangenheit zeigt das Leben von Maja und Anna, die zusammen mit ihrem Vater und ihrer Mutter in einem kleinen Haus am Waldrand leben. Die beiden Geschwister trennen 4 Jahre, sind sehr verspielt und unzertrennlich. Sie lieben es gemeinsam im Wald herumzutoben, die Feen zu besuchen, und die Natur zu genießen. Aber der Alltag Zuhause ist von Gewalt geprägt. Kira Mohn beschreibt die Situationen ziemlich eindrücklich. Wobei die Szenen auch immer aus der Perspektive eines 12 jährigen Mädchens geschildert werden. Somit beschreibt Maja was sie wahrnimmt. Was sie durchmachen. Auch wenn es nicht immer detailliert beschrieben wird, so hatte ich dennoch Bilder im Kopf, die manchmal echt lange gedauert haben bis sie wieder verschwanden.

Nach und nach werden im Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart einzelne Puzzleteile zusammengefügt. Ich konnte mich gar nicht von den Seiten losreißen, obwohl ich manchmal auch gerne eine Pause einlegen wollte um das gelesene zu verarbeiten. Die Art und Weise wie die Geschichte erzählt wird, hat mir unheimlich gut gefallen. Ich liebe das Verknüpfen von zwei Zeitebenen.

Bewegend. Beängstigend. Echt. Großartig!
Ich verstehe,warum der Autorin so viel an diesem Buch liegt. Es ist einfach was ganz besonderes!❤️

⭐⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Wunderbar

Das Echo der Moore
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Wer mich schon etwas länger verfolgt weiß, dass ich Familiengeschichten total gerne lese. Letztes Jahr bin ich auf der Suche nach genau diesem Genre fündig geworden. Das Echo der Moore klang wieder einmal ...

Wer mich schon etwas länger verfolgt weiß, dass ich Familiengeschichten total gerne lese. Letztes Jahr bin ich auf der Suche nach genau diesem Genre fündig geworden. Das Echo der Moore klang wieder einmal genau nach einer Geschichte für mich:

Zwei entfremdete Zwillingsschwestern. Ein traumatisches Ereignis aus der Vergangenheit und ein Neubeginn.
Theresa kehrt nach über 15 Jahren wieder zurück in den Ort ihrer Kindheit, um ihre Doktorarbeit über das Moor zu schreiben. Sie war schon immer sehr wissbegierig und wollte was aus ihrem Leben machen. Chrissi, ihre Zwillingsschwester, lebt derweil immernoch in Moosbrunn. Gemeinsam mit ihrem Jugendfreund Lukas hat sie drei Kinder. Die beiden Schwestern verbindet eine traumatische Vergangenheit. Ihr kleinerer Bruder litt unter einer chronischen Krankheit und ist auch daran gestorben. Ihre Mutter hat die Kinder nahezu alleine großgezogen, denn ihr Vater war lange Zeit auf Montage und später dann ganz weg.

Abwechselnd zwischen Vergangenheitskapiteln wechseln wir immer wieder in die Gegenwart. So wird nach und nach aus unterschiedlichen Perspektiven die Vergangenheit aufgerollt. Es wird sowohl die missliche Lage von Helen (der Mutter) aufgezeigt, als auch die der beiden Zwillingsmädchen. Denn meist sind sie es, die sich um die Mutter kümmern.

Mir hat es unglaublich gut gefallen, wie mit der Zeit immer mehr Ereignisse aus der Vergangenheit ans Licht kamen und ich mehr über die Figuren erfahren habe. Nicole Wellemin schreibt mit ganz viel Tiefe und feinem Gespür für Emotionen. Ich mochte vor allem auch die Verbindung zwischen Theresa und ihrem Neffen Korbinian. Denn der scheint sich sehr für seine Tante und deren Job zu interessieren. Eigentlich ist er der Held der Geschichte,denn durch ihn raufen sich die beiden Geschwister wieder zusammen. Dinge, die früher gesagt wurden, und zu dem Bruch geführt haben, konnten endlich angesprochen werden.

Eine wirklich tolle Familiengeschichte mit einem starken Setting und wunderbaren Charakteren. Große Empfehlung !

⭐⭐⭐⭐,5 | 5 Sternen

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