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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2025

Fast ein besserer Autor als Fußballer ;)

Das Leben fing im Sommer an
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Ein Profifußballer als Schriftsteller. Ist klar, denkt man, der hat das safe schreiben lassen. Wenn man dann aber das Buch gelesen hat wird einem klar, dass kein Dritter die Geschichte so erzählen hätte ...

Ein Profifußballer als Schriftsteller. Ist klar, denkt man, der hat das safe schreiben lassen. Wenn man dann aber das Buch gelesen hat wird einem klar, dass kein Dritter die Geschichte so erzählen hätte können wie Christoph Kramer selbst. Der Horrorsommer von 2006, dessen einziges Highlight die Fußball WM in Deutschland war (ansonsten war brutzeln im eigenen Saft angesagt), wird für den fünfzehnjährigen Chris ein Sommer der Liebe, der Enttäuschungen und der Abenteuer. Chris liebt Debbie, das schönste Mädchen der Schule und Debbie liebt auch. Ihn? Sich mehr? Nein, kein Spoiler, aber wenn Kramer diesen Sommer wirklich (oder nur zu 50%) so erlebt hat, dann beneide ich ihn darum. Denn er schreibt alles so anschaulich, dass man sich wünscht, man wäre dabei gewesen und hätte ihn auf seiner Sommerreise begleiten können.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Krimikomödie für den Sommer

Very Bad Widows
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Was tun, wenn das ganze schöne Geld durch einen schlechten Finanztipp eines Freundes den Bach runter ist? Alternative Quellen auftun. Und wenn dann noch eine Lebensversicherung winkt, allerdings die eigenen ...

Was tun, wenn das ganze schöne Geld durch einen schlechten Finanztipp eines Freundes den Bach runter ist? Alternative Quellen auftun. Und wenn dann noch eine Lebensversicherung winkt, allerdings die eigenen Ehemänner im Weg stehen, dann wird eben ein Killer beauftragt. Keine wirklich neue Geschichte, aber sehr unterhaltsam umgesetzt. Selbst die "Very Bad Widows" sind sympathisch dargestellt. Lustig, anspruchslos, perfekt für den Sommer fürs Zwischendurchlesen.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Hier wird nicht nur eine Seite vermisst

Missing Page - Tödliche Worte
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Antonia ist 17 und steckt mitten in einer Schreibblockade. Ihr Drachen-Fantasyroman kommt einfach nicht voran. Also bewirbt sie sich auf einen Workshop für kreatives Schreiben des Bestsellerautors R.E. ...

Antonia ist 17 und steckt mitten in einer Schreibblockade. Ihr Drachen-Fantasyroman kommt einfach nicht voran. Also bewirbt sie sich auf einen Workshop für kreatives Schreiben des Bestsellerautors R.E. Giffard, den er in seinem Haus in den schottischen Highlands veranstaltet. Und obwohl Toni mit ihrer Bewerbung eigentlich zu spät dran war, bringt sie eine kleine Bestechung der zuständigen Mitarbeiterin doch noch in den Genuß ihrer Reise. Und dort erwarten sie schon 5 andere Schreibbegeiserte, die vom literarischen Genie des R. E. Giffard profitieren wollen. Der Hausherr ist allerdings ein Haustyrann. Sowohl zu seinen Besuchern wie auch zum Personal ist er extrem unfreundlich, ja sogar unverschämt. Seinen Teilnehmern gibt er verschiedene Aufgaben und selbstverständlich bewältig keiner diese auch nur annährend zu seiner Zufriedenheit. Umso erstaunter sind alle Nachwuchsschreiber, als Giffard verkündet, dass derjenige, der ihn am meisten überzeugt, sein ganzes Vermögen erben soll. Gut, ein wenig Motivation hat noch nie geschadet, aber als Giffard tot ausgefunden wird, haben alles Hausbewohner noch ein anderes Problem: Warum und vor allem, durch wen, musste R.E. Giffard sterben?

Okay, bei einem schönen Farbschnitt hat man mich schon fast und wenn das Vorgängerbuch, in diesem Fall "Hotel Ambrosia" (das ich allerdings nicht gelesen habe), so viele Lobeshymnen einsackt, dann kann doch mit "Missing Page" nichts schiefgehen? Naja, teilweise. Die Ausgangslage ist wie immer bei solchen Thrillern, smart gewählt. Dass ein Unwetter hereinbricht und alle isoliert im Haus festsitzen, ist ein gängiges Mittel, um Spannung zu erzeugen, denn niemand kann dann seinem Schicksal entgehen. Aber Katie Kento hat sich ziemlich viel von Agatha Christie abgeschaut, denn der im Buch öfter mal zitierte Hercule Poirot stand Pate für Antonia Roth, die im Laufe der Geschichte zur Meisterdetektivin aufblüht. Zusammen mit George, einem anderen Kursteilnehmer, für den sie romantische Gefühle entwickelt, sind sie auf der Suche nach dem Mörder. Wenn es den ünerhaupt gibt, denn alles lässt auf Selbstmord schliessen. Wenn dann am Ende alles auf den Tisch kommt und Toni die typische Zusammenfassung hält, bei der man sich denkt "Respekt, wie die das doch recht plötzlich alles zusammenkombiniert hat", dann bekommt man schon so Peter Ustinov Vibes (für die Jüngeren "Kenneth Brannagh Vibes"). Was mich aber sehr gestört hat war, dass Antonia Schlafwandlerin ist. Katie Kento möchte somit uns Leser im Unklaren lassen, was Toni nun wirklich erlebt hat und was nur in ihrer Fantasie passiert ist. Aber im Endeffekt ist das einfach nur nervig verwirrend. Man durchblickt nicht mehr, was Realität und Fiktion ist und das stört den Lesefluss ungemein. Hinzu kommt, dass der Roman einfach viel zu lang ist. 100 Seiten weniger hätte ihm gutgetan, denn es tun sich einige Längen in der Geschichte auf, die dadurch nur umso verschachtelter wird. Aber keine Panik, am Ende wird alles schlüssig erklärt. Ob's logisch und halbwegs realitisch, lassen wir mal dahingestellt.

So bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück. Spannend war es oft, aber ich habe ab einem bestimmten Punkt das Ende des Buches herbeigesehnt. Und das ist nie ein gutes Zeichen.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

(I Got this Feeling) Somebody's Watching Me

Der Nachbar
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Sarah Wolff leidet an Monophobie (Angst vor Einsamkeit). Das ist ein umso größeres Problem, als sie nach einem Streit mit ihrem Freund wieder Single ist. Nur Tochter Ruby wohnt mit ihr zusammen. Allerdings ...

Sarah Wolff leidet an Monophobie (Angst vor Einsamkeit). Das ist ein umso größeres Problem, als sie nach einem Streit mit ihrem Freund wieder Single ist. Nur Tochter Ruby wohnt mit ihr zusammen. Allerdings gibt es noch jemanden in ihrer Nachbarschaft, der dafür sorgt, dass Sarah nicht so alleine ist, wie sie glaubt.

Ich habe Fitzek Verfilmungen gesehen, Fitzek Hörbücher gehört, aber "Der Nachbar" ist tatsächlich der erste Roman, den ich von ihm gelesen habe. Wer allerdings glaubt, dies hier sei ein Ratgeber, wie man mit nervigen Nachbarn adäquat umgeht, ist leider schief gewickelt. Denn diesen Nachbarn möchte man noch weniger haben, als den Dauer-Bass Typen oder den, der mit Mülltonnen auf der Straße seinen Parkplatz reserviert. Und das Buch gibt vom ersten (immer sehr angenehm kurze) Kapitel Vollgas. Als Leser möchte man immer am Ball bleiben. Fitzek versteht es wie kein Zweiter, den Leser an seine Geschichte zu fesseln, auch wenn es rückblickend eine gar nicht mal so innovative Story ist. Denn psychisch gestörte Typen sind Fitzeks Kernkompetenz. Natürlich wird wieder in die Abgründe der menschlichen Seele geschaut und auch eine Erklärung präsentiert, wieso der Nachbar so handelt, wie er handelt.

Dieser Roman ist auch für etwas zartbesaitetere Leser geeignet. Denn Bücher wie "Das Kind" oder "Der Augensammler" sind nochmal eine ganz andere Kategorie an Psychohorror. Dies ist kein Thriller der Extraklasse, dafür ist er nicht nur etwas zu gewöhnlich, auch das Ende fand ich ziemlich enttäuschend. Kein "Wow Effekt". Eher so das typische Hollywoodende, in dem nicht mal erklärt wird, warum es so gekommen ist, wie es gekommen ist. Kann sich dann jeder Leser selber zusammenreimen.

Die positiven Punkte überwiegen aber dennoch, denn spannend war es und hat mich bis zu einem Punkt, der so im letzen Drittel eingesetzt hat, auch gefesselt. Erwartungen teilweise erfüllt, aber das nächste Mal gerne wieder etwas verschachtelter und überraschender.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Die Geschichte eines Lebens

Die sieben Männer der Evelyn Hugo
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Dies war mein zweites Buch von TJR. Leider hat es mich nicht ganz so abgeholt wie Atmosphere.

Das liegt in erster Linie daran, dass die Lebensgeschichte von Evelyn Hugo zwar sehr interessant und bewegend ...

Dies war mein zweites Buch von TJR. Leider hat es mich nicht ganz so abgeholt wie Atmosphere.

Das liegt in erster Linie daran, dass die Lebensgeschichte von Evelyn Hugo zwar sehr interessant und bewegend ist, aber vor Klischees strotzt. Evelyn muss all das erleiden, was wir schon aus unzähligen Filmen und Büchern, die die Gesellschaft der 50er und 60er Jahre als Inhalt behandelt haben, kennen. Saufende und prügelnde Männer, Frauen, die nicht ernstgenommen werden, weil sie nicht arbeiten, sondern im Haushalt arbeiten sollen. Diese Stereotypen (die es zweifelos in Massen damals gab) haben mein Lesevergnügen etwas getrübt. Was aber nicht heißen soll, dass dies ein nur mittelmäßiger Roman ist (gibt es den von TJR überhaupt?).

Den Plot-Twist gegen Ende des Buches habe ich so nicht kommen sehen (ich hatte auf etwas Anderes getippt). Aber er erklärt schlüssig, wieso ausgerechnet Monique Evelyn Hugos Biografie schreiben soll.

Emotionen beim Leser wecken kann Jenkins Reid wie keine Zweite. Nicht so sein können wie man wirklich ist bzw. dies nicht mit der Welt teilen zu können, das haben "Atmosphere" und "Evelyn Hugo" gemeinsam. Aber nachfühlen konnte ich dies beim Erstgenannten mehr.

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