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Veröffentlicht am 24.04.2026

Tod am See

Das letzte Buch von Marceau Miller
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Er hatte doch versprochen, dass er nicht mehr ungesichert klettert. Sarah ist fassungslos als sie die Nachricht erhält, dass ihr Mann nach einem Absturz vom Berg tot aufgefunden wurde. Alles sieht nach ...

Er hatte doch versprochen, dass er nicht mehr ungesichert klettert. Sarah ist fassungslos als sie die Nachricht erhält, dass ihr Mann nach einem Absturz vom Berg tot aufgefunden wurde. Alles sieht nach einem Unfall aus. Aber Sarah hat ein komisches Gefühl und an der Unfallstelle bemerkt sie einige Ungereimtheiten. Ein befreundeter ehemaliger Polizist hilft ihr, ein paar Nachforschungen anzustellen. Die Polizei allerdings, besonders in From des zuständigen Ermittlers Delmas, beharrt auf der Unfallthese. Nach und nach findet Sarah mehr Indizien, die etwas anderes aussagen. Gleichzeitig muss sie sich den Erinnerungen an Marceau stellen, der ein berühmter Schriftsteller war, aber eben auch ihr Mann.

Sarah Miller muss zum einen mit dem unerwarteten Tod ihres geliebten Mannes klarkommen, den Versuch starten, ihren Kindern gerecht zu werden, und dem Verdacht nachgehen, der Absturz könnte absichtlich herbeigeführt worden sein. Manchmal weiß sich Sarah nicht anders zu helfen als ihren überbordenden Gefühlen nachzugeben und auszurasten. Zum Glück hilft ihre Freundin Karen mit den Kindern und der Firma. So kann sich Sarah auf ihre Trauer, aber auch auf ihre Nachforschungen konzentrieren. Immer wieder denkt sie an die Vergangenheit zurück. Und dann gibt es Hinweise auf ein letztes Manuskript, die eine fieberhafte Suche auslösen.

Der See auf dem Titelbild dieses spannenden Romans wirkt sehr idyllisch wie er in die Landschaft eingebettet ist. Das Leben von Marceau Miller spiegelt das nicht wieder wie sich herausstellt. Sehr fesselnd und überraschend entwickelt sich die Handlung. Sarah wehrt sich gegen die Erkenntnis, dass ihr Mann nicht mehr da ist. Sie hat eine Wut, aus der sich nur langsam die Trauer kristallisiert. Der Weg wird schwieriger je mehr sie merkt, dass sie nicht alles von Marceau wusste. Wie kann das sein nach einer langen Beziehung? Sie und ein paar Freunde waren doch eine eingeschworene Clique. Man fühlt mit beim Lesen. Nicht jede überbordende Emotion mag vielleicht für die norddeutsche Seele zur Gänze nachvollziehbar sein, aber grundsätzlich ist man ausgesprochen gepackt von der Story, in der eine Frau ihren Mann nochmal ganz neu kennenlernen muss, nachdem dieser verstorben ist. Jede neue Wendung birgt eine Erklärung und eine Überraschung.

Veröffentlicht am 19.04.2026

Mehr Familie

Yasemins Kiosk - Eine bunte Tüte voller Lügen
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Yasemins Tochter Ela ist inzwischen acht Monate alt. Dorothea und Nina sind der Meinung, dass Yasemin so langsam mal wieder in ihrem Kiosk arbeiten sollte, wenigstens stundenweise. Zu dritt werden sie ...

Yasemins Tochter Ela ist inzwischen acht Monate alt. Dorothea und Nina sind der Meinung, dass Yasemin so langsam mal wieder in ihrem Kiosk arbeiten sollte, wenigstens stundenweise. Zu dritt werden sie es schon schaffen, sich um die Kleine zu kümmern. Es dauert nicht lange, da bittet die Kundin Erika um Hilfe. Ihr Sohn führ ein erfolgreiches Cateringunternehmen und hat mit einer Rufmordkampagne. Zu kämpfen. Seit Wochen bekommt er schlechte Bewertungen und Kommentare. Und nun fängt es auch noch mit Anrufen an. Nina und ihre Freundinnen versprechen, dass sie helfen werden. Und sie richten die Kommandozentrale wieder ein.

Dies ist der zweite Band der Kriminalromane um Yasemin und ihre Freundinnen. Dorothea, Vermieterin und Freundin, kann zwar das Haus nicht verlassen, ist aber richtig gut, Informationen aus dem world wide web zu holen. Nina, die nicht weiß, ob es mit ihrer Karriere bei der Polizei weitergehen wird, und Yasemin mit Kind und Kiosk. Gemeinsam haben sie zwar keine Detektei, aber wenn sie von Bekannten gefragt werden, helfen sie natürlich. Und so auch hier. Was erst aussieht als wollte ein Konkurrent dem Caterer Pascal schaden, entwickelt noch ganz andere Dimensionen. Gefährlich wird es sicherlich nicht werden, schließlich spielt sich das Meiste bisher im Internet ab.

Es hat eine Weile gedauert bis man den zweiten Fall um Yasemins Kiosk gelesen hat. Doch der erste Band ist in guter Erinnerung geblieben, deshalb nimmt man diese Gelegenheit gerne wahr. Und wieder hat man einen Cozy-Crime mit liebenswerten handelnden Personen. Was die drei Damen herausfinden, ist dabei überhaupt nicht so Cozy. Es kann richtig fies und mitunter auch gefährlich werden. Nina, Yasemin und Dorothea stehen zusammen. Sie zeigen, was Familie bedeuten kann, auch wenn keine Verwandtschaft da ist. Freunde kann man sich aussuchen. Und in Ninas Leben ändert sich so einiges. Leider ist die Reihe wohl nicht weitergeführt worden, obwohl durchaus Ansätze da gewesen wären. Aber immerhin kann man die Lektüre der beiden Kriminalromane um Yasemin und ihren Kiosk gerne empfehlen.

Veröffentlicht am 18.04.2026

Das Kind

Alle unsere Gestern
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Anna lebt mit ihren Geschwistern, dem Vater und Signora Maria in Italien. Die Faschisten sind an der Macht. Der Vater schreibt in seinen Memoiren auf, was ihm alles nicht gefällt. So schlecht gelaunt wie ...

Anna lebt mit ihren Geschwistern, dem Vater und Signora Maria in Italien. Die Faschisten sind an der Macht. Der Vater schreibt in seinen Memoiren auf, was ihm alles nicht gefällt. So schlecht gelaunt wie der Vater meist ist, versucht die Signora Maria das ein wenig auszugleichen. Die Kinder wachsen langsam auf, beginnen mit der Ausbildung und finden Partner. Nur Anna kommt sich etwas verloren vor. Ein Lichtblick für sie ist der Kontakt mit einem Nachbarsohn, was zu einer unerwarteten Schwangerschaft führt. Ein Bekannter der Familie, Cenco Rena heiratet das junge Mädchen kurzerhand, um ihr Leid zu ersparen. Mit ihm zieht sie in ein Bergdorf in Süditalien.

Eine etwas chaotische Familie scheinen sie zu sein. Die Mutter ist schon vor Jahren verstorben, der Vater ein knorriger Typ, der sich am ehesten durch schlechte Laune auszeichnet, der Sohn, der sich tyrannisieren lässt. Anna, die Jüngste, scheint ein wenig nebenher zu laufen. Ihre Unauffälligkeit macht sie aber auch nicht glücklich. Zu allem müssen sie sich durch die Zeit des faschistischen Regimes bringen. Je länger diese Zeit andauert, desto schwieriger wird es. Man kann sagen, für Anna ist es eine Art Glück, dass sie bei Cenco Rena lebt. Je weiter der Krieg dann voranschreitet, desto gefährlicher wird es für die Menschen im Dorf. Cenco hat dafür gesorgt, dass dort jeder Zuflucht fand, der sich vor dem Regime verstecken musste.

So sehr wird der Faschismus im Alltag der Familie nicht thematisiert. Sie sind sich einig, wie sie dazu stehen, hängen es aber nicht an die große Glocke. Zwar versuchen einige Familienmitglieder Widerstand zu leisten, aber wenn sie mit Menschen klarkommen müssen, die andere Überzeugungen haben, geht das auch auf eine Art. In ihren jüngeren Jahren sind die Kinder noch nicht wirklich in der Lage die Situation zu erfassen. Später ist klar, dass sie durch den Vater geprägt wurden. Und dennoch leben sie durch die Zeit, gehen zur Schule, verlieben sich, verloben sich, heiraten. Wie war es, in dieser Zeit zu leben? Hatte jeder eine Meinung? Und wenn sie nicht der staatlichen Vorgabe entspracht, wer hatte den Mut, sie auszusprechen? Der Vater war da wohl eindeutig, er schimpfe auf die Halunken. Vermutlich wollte er seine Familie später schützen. Nach seinem Tod, wird der Umgang normaler. Und doch leiden einige Familienmitglieder unter dem Regime oder der Zeit, die vorgibt, wie sie zu sein haben. Aus Cenco Rena wird man nicht so richtig schlau, aber er hilft selbstlos, wann immer er kann. Ein nachdenklich stimmender Roman.

Veröffentlicht am 17.04.2026

Und Berlin?

Seven Days
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Normalerweise arbeitet der Anwalt Eddie Flynn vor New Yorker Gerichten. Doch nun wird er von einem Bekannten gebeten, einen Fall in den Südstaaten zu übernehmen, bei dem dem Angeklagten die Todesstrafe ...

Normalerweise arbeitet der Anwalt Eddie Flynn vor New Yorker Gerichten. Doch nun wird er von einem Bekannten gebeten, einen Fall in den Südstaaten zu übernehmen, bei dem dem Angeklagten die Todesstrafe droht. Der junge Afroamerikaner soll eine weiße junge Frau umgebracht haben. Die Stadt kocht und der Staatsanwalt will kurzen Prozess machen. Innerhalb nur einer Woche soll der junge Mann zum Tode verurteilt werden. Staatsanwalt Korn ist bekannt dafür, dass er ein Todesurteil nach dem anderen erwirkt. Schon als Eddie und Harry Ford anreisen, gibt es Schwierigkeiten, denn auch Harry ist schwarz. Wie sollen sie es schaffen, den jungen Andy Dubois zu retten.

In diesem sechsten Band um den Anwalt Eddie Flynn zeichnet der Autor ein Bild von einem amerikanischen Rechtssystem, dem man nicht gerne ausgesetzt sein möchte. Da wird gemordet, Beweise werden so hingebogen, dass sie zur Anklage passen, und man hat auch keine Hemmungen zu erpressen. Können Eddie und seine Mitstreiter da überhaupt eine Chance haben? Ihre erste Aufgabe ist es, Andy aus der Untersuchungshaft herauszuholen. Schließlich wäre es gut, wenn der junge Mann bis zum Prozess am Leben bleibt und natürlich auch darüberhinaus. Doch alle Bediensteten der Behörden scheinen sich gegen Andy verschworen zu haben. Und sein vorheriger Verteidiger ist verschwunden.

Es schüttelt einen, wenn man liest, wie Andy Dubios in die Mühlen des Systems gerät. Man muss befürchten, dass es auch Eddie in Schwierigkeiten kommen wird, wenn er sich mit seinen Gegnern anlegt. Diesbezüglich neigt der Autor machmal dazu den Lesenden einiges zuzumuten. Und in dieser Stadt wirkt es so, als wären die meisten normal und moralisch denkenden Menschen in Gefahr. Was sich da zusammenbraut, wird erst nach und nach klar. Nach einem extrem spannenden Showdown wirkt das eigentliche Finale fast schon entspannt. Dennoch ein packender Thriller, über den sich gut diskutieren lässt.

Veröffentlicht am 17.04.2026

Angesehene Menschen

Wer Zwietracht sät
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In dem kleinen Küstenort Trevellas wird der Unternehmer Michael Lobb ermordet aufgefunden. Er hat vor Jahren seine Familie für die erst neunzehnjährige Kayla verlassen. Natürlich waren Frau und Kinder ...

In dem kleinen Küstenort Trevellas wird der Unternehmer Michael Lobb ermordet aufgefunden. Er hat vor Jahren seine Familie für die erst neunzehnjährige Kayla verlassen. Natürlich waren Frau und Kinder alles andere als glücklich. Doch schienen sich die Wogen geglättet haben. Warum also jetzt dieser Mord? Lobb wollte seine Anteile an dem Unternehmen nicht verkaufen, obwohl es ein lukratives Angebot gab. Andererseits ist der Täter vielleicht doch im persönlichen Umfeld zu suchen. Die örtliche Polizei hat schnell einen Verdächtigen. Was zu einem Anruf bei Barbara Havers führt, die wegen des Todes ihrer Mutter für jede Ablenkung dankbar ist. Dass sie ihre Aktivitäten nicht vor Inspector Lynley geheimhalten kann, war eher nicht der Plan.

In ihren 22. Fall geraten Barbara Havers und Thomas Lynley mal wieder durch Zufall. Eigentlich ermitteln sie in London und Trevellas liegt nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich. Havers ist schockiert vom Tod ihrer Mutter. Dieser war zwar zu erwarten, da die unter Demenz leidende alte Dame schon eine Weile im Pflegeheim lebte. Aber wenn ein naher Angehöriger stirbt, fühlt es sich immer plötzlich und zu früh an. Die verordnete Auszeit auf Lynleys heimatlichem Herrenhaus kommt ihr nach einigem Zögern ganz recht. Sie muss nur zusehen, dass der Inspector von der anderen Sache nichts mitbekommt.

Wie gewohnt entwickelt sich ein Kriminalroman von der Autorin zwar langsam, aber gründlich. Es wird erklärt, wie sowas zu sowas führt. Wenn man beim Lesen langsam merkt, wie die Intention war und sich dadurch die Einstellung zu einzelnen Personen ändert, sieht man wieder, was für eine tolle Schriftstellerin Elizabeth George ist. Geschickt ist auch, wie die privaten Belange von Havers und Lynley mit leichter Hand in die Handlung gewoben werden. Lediglich einer der Handlungsstränge wird entweder etwas aufgepfropft oder nicht richtig auserzählt. Doch insgesamt bietet die Autorin wieder ein fesselndes Drama, in dem einiges ganz anders ist als man zu Beginn denken würde.