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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.04.2018

Nicht die richtige Lektüre für mich

Der Abfall der Herzen
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Dies ist der erste Roman, den der Autor (und Musiker und Künstler) unter seinem richtigen Namen veröffentlicht. Und das passt auch, weil die Geschichte Autobiografisches aus seinem Leben als 22/23jähriger ...

Dies ist der erste Roman, den der Autor (und Musiker und Künstler) unter seinem richtigen Namen veröffentlicht. Und das passt auch, weil die Geschichte Autobiografisches aus seinem Leben als 22/23jähriger im Jahr 1999 behandelt. Gefallen hat mir die Idee zu beschreiben, wegen einer Art Schreibblockade ein eigentlich in Arbeit befindliches Buch aufzugeben und statt dessen anhand alter Tagebuchaufzeichnungen und vieler Gespräche mit früheren Freunden sein Leben in den Monaten von April bis September 1999 darzustellen. Allerdings vermisse ich das, wovon es im Klappentext aufreißerisch heißt „innerhalb weniger Monate verwandelte sich seine Welt in einen Scherbenhaufen“. Denn eigentlich werden nur ganz unspektakuläre Dinge aus dem Alltag eines jungen, nicht unbedingt der Norm entsprechenden Erwachsenen wiedergegeben. „Nagel“ lebt seinerzeit in der ihm verhassten Provinzstadt Rheine. Seine langjährige Beziehung geht in die Brüche, was ihm erheblichen Liebeskummer und Eifersucht beschert; er lebt in einer WG, hat Gelegenheitsjobs, spielt mäßig erfolgreich in einer Band und hat eine ganze Armada an Freunden, mit denen er fast pausenlos Konzerte, Kneipen und Partys besucht, wo Alkohol strömt und gekifft wird. Alles in allem eher das Leben eines unreifen Erwachsenen, dem ich selbst überhaupt nichts abgewinnen kann. Vielleicht soll der erwähnte Scherbenhaufen der Umstand sein, dass Nagel am Ende des Sommers seinem Nebenbuhler eine Falsche über den Kopf zieht.
Vermutlich gehöre ich nicht zu dem angesprochenen Leserkreis. Allein die Bezugnahme auf aktuelle Ereignisse des Jahres, an die ich mich selbst gut erinnere, wie die Sonnenfinsternis im August oder der Bewurf von Joschka Fischer mit Farbbeuteln, hat das Buch für mich einigermaßen lesenswert gemacht.

Veröffentlicht am 27.03.2018

Ein Bergdorf im Wandel der Zeit

Alles was glänzt
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In melancholischer, distanzierter Tonart erzählt dieses Romandebüt von dem Leben in einem namenlosen, abgelegenen Bergdorf. Bis vor einigen Jahren wurde dort Erz abgebaut; seit das Bergwerk still gelegt ...

In melancholischer, distanzierter Tonart erzählt dieses Romandebüt von dem Leben in einem namenlosen, abgelegenen Bergdorf. Bis vor einigen Jahren wurde dort Erz abgebaut; seit das Bergwerk still gelegt ist, droht der Ort zu veröden, weil seine Bewohner in die Stadt ziehen. Ein Journalist hat sein Übriges dazu beigetragen, indem er prophezeite, der Ort werde unter Geröll verschwinden. Und tatsächlich bilden sich Erdspalten. Die wenigen verbliebenen Bewohner sind genauso verletzt wie der Berg – die Gastwirtin Susa hat ihren Mann durch Suizid verloren, der ehemalige Bergmann Wenisch fühlt sich im Alter von seiner entfernt lebenden Tochter vernachlässigt, die Jugendliche Teresa sehnt sich danach, in die Stadt zu ziehen, ihre Schwester Esther trauert um ihren verunfallten Freund. In dieser Situation trifft der Regionalmanager Merih ein, um das Dorf umzusiedeln.
Eigentlich mag ich solch ungewöhnliche Bücher wie das vorliegende, in denen in wechselnden Perspektiven gesellschaftliche Probleme abgehandelt werden. Allerdings wirkt diese Geschichte auf mich zu bedrückend, als dass sie mir tatsächlich gefallen hätte. Zudem stehen die verschiedenen Romanfiguren recht isoliert nebeneinander. Vermutlich habe ich den Sinn nicht wirklich erfasst.

Veröffentlicht am 25.03.2018

Ein Leben für die Justiz

Justizpalast
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Auf dieses Buch aufmerksam wurde ich im letzten Herbst bei seiner Vorstellung durch eine Literaturkritikerin. Ich war seinerzeit der Überzeugung, es mit einem wahren Lesehighlight zu tun zu bekommen. ...

Auf dieses Buch aufmerksam wurde ich im letzten Herbst bei seiner Vorstellung durch eine Literaturkritikerin. Ich war seinerzeit der Überzeugung, es mit einem wahren Lesehighlight zu tun zu bekommen. Der Preis von immerhin 25,00 EUR hielt mich dann noch geraume Zeit von seinem Kauf ab. Jetzt ist es endlich so weit, dass ich das Buch in den Händen halte. Aber wie wurden meine hohen Erwartungen doch enttäuscht, so dass ich letztendlich nur eine durchschnittliche Bewertung von drei Sternen abgebe, wenngleich objektiv betrachtet das Buch vielleicht mehr verdient. Denn die Autorin, die selbst wohl keine Juristin ist, hat sich so viel sichtbare Mühe gegeben. Sie hat über neun Jahre hinweg fundierte Recherchen betrieben und die Arbeit mit fünfzig Juristen besprochen. Genau das ist es dann wohl, was mich ein wenig gegen das Buch einnimmt.
Herausgekommen ist eine penible und akribische Aneinanderreihung einer Vielzahl juristischer Fälle, die die Protagonistin, die Vorsitzende Richterin am Landgericht Thirza Zorniger, im Laufe ihrer Karriere bearbeitet hat. Gegen Ende ihrer Berufslaufbahn versucht sie selbst die Anzahl zu berechnen und kommt auf horrende Zahlen. Diese Fälle sind zwar nicht seitenlang eingefügt. Dennoch sind sie für einen Laien nicht immer gut verständlich. Sie sind in nicht chronologischer Reihenfolge allen Dezernaten entnommen, mit denen Thirza in ihrem Berufsleben befasst war. Somit stammen sie aus ihrer anfänglichen Tätigkeit bei der Staatsanwaltschaft, ihrer Tätigkeit als Familienrichterin beim Amtsgericht, als Sachbearbeiterin für Gnadenentscheidungen im Ministerium, als Mediatorin und vor allem ihrer am Ende des Berufslebens stehenden Tätigkeit als Vorsitzende Richterin einer Kartellkammer. Diesem Bereich ist etwa das letzte Buchdrittel gewidmet, und ab da hatte ich erhebliche Mühe, der Geschichte zu folgen. Die geschilderten anspruchsvollen kartellrechtlichen Streitigkeiten konnte ich geistig einfach nicht nachvollziehen. Meinen vorigen Ausführungen lässt sich schon entnehmen, dass im Vordergrund das Berufsleben der Protagonistin steht. Ein Privatleben hat sie auch lange Jahre nicht. Nach zwei kurzen Liebschaften findet sie erst spät ihr Glück mit einem Mann. Dieser bevorzugt zudem anspruchsvolle Literatur und diese liest er gerne Thirza vor, was ein weiterer Aspekt ist, der für mich den Lesefluss gestört hat. Die ausgewählte Literatur habe ich oft nicht verstanden, wie übrigens auch Thirza nicht, die lieber auf Liebesromane von Courts-Mahler zurückgreift. Was mich ebenfalls am letzten Buchdrittel stört, ist der Umstand, dass Thirza hier oft private Gespräche mit einem pensionierten Kollegen führt, dessen Ansichten auch recht wirr sind. Schwierig zu verstehen sind auch rechtsphilosophische Ausführungen. Der Schreibstil ist insgesamt nüchtern und sachlich gehalten.
Eigentlich schade, dass dieses Buch, auf das so viel Mühe verwandt wurde, wohl nicht die breite Leserschaft ansprechen wird.

Veröffentlicht am 25.02.2018

Eine Wortspielerei

Der Wortschatz
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Die äußere Gestaltung des Buches ist wunderschön, vor allem die zahlreichen Illustrationen. Inhaltlich muss man bereit sein, sich auf ein völlig ungewöhnliches Buch aus dem Genre Fantasy einzulassen. Und ...

Die äußere Gestaltung des Buches ist wunderschön, vor allem die zahlreichen Illustrationen. Inhaltlich muss man bereit sein, sich auf ein völlig ungewöhnliches Buch aus dem Genre Fantasy einzulassen. Und genau das fiel mir sehr schwer. Zurückzuführen ist das wohl auf mangelnde Fantasie meinerseits und darauf, dass die Geschichte sehr metaphernlastig ist. Schon die „Protagonistin“, ein Wort, das durch den Menschen Familie und Erinnerung verloren hat und sich nun auf die Sinnsuche begibt, ist eine einzige Metapher. Der Schreibstil ist sehr wortgewandt. Es gibt viele Wortspielereien. Vieles erinnert mich an ein Märchen, von denen einige bekannte selbst auch in die Geschichte eingearbeitet wurden.
Für mich war das Buch nichts. Anerkennenswert ist aber, dass es sich wirklich um ein Buch jenseits des Mainstreams handelt, so dass ich es als im Durchschnitt liegend bewerte.

Veröffentlicht am 15.02.2018

Eine originelle Resozialisierung

Die Königin von Lankwitz
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Was machen zwei weibliche Strafgefangene, um nach der Haftentlassung ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, wenn sie in ihren früheren Berufen als Steuerfachgehilfin bzw. Miederwarenverkäuferin nicht mehr ...

Was machen zwei weibliche Strafgefangene, um nach der Haftentlassung ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, wenn sie in ihren früheren Berufen als Steuerfachgehilfin bzw. Miederwarenverkäuferin nicht mehr Fuß fassen können? Sie gründen eine Ich-AG und bieten als Dienst an, auf Wunsch ihrer (ausschließlich weiblichen) Kundinnen unliebsame Männer aus dem Weg zu räumen. Die eine ist für die Kundenakquise zuständig, die andere für die praktische Durchführung, die durch das An- bzw. Überfahren mit dem firmeneigenen PKW vonstattengeht.
Dieser zwar wirklichkeitsfernen, aber recht originellen und humorvoll beschriebenen Geschäftsidee lässt sich über gut ein Drittel des Buches gut folgen und ich war sicher, das Buch am Ende mit Bestnote bewerten zu können. Die beiden Protagonistinnen – zwei Berliner Typen - kommen einfach sehr sympathisch herüber, indem sie zwar eindeutig als Kriminelle einzustufen sind, andererseits aber doch ein Gewissen und durchaus ehrenwerte Prinzipien haben. Im Widerspruch zu ihrer kriminellen Ader stellen sie sogar für sich geltende Vorschriften auf, den sog. Zehn-Punkte-Plan. Dann jedoch wird ein potentieller männlicher Kunde mit einem K-Orakel (was ist das überhaupt?) eingeführt und mit ihm tut sich ein Bruch auf, der noch tiefer wird, als auch noch eine Konkurrenz-Agentur auf der Bildfläche erscheint. Aus Spaß wird jetzt Ernst. Das Weiterlesen fiel mir fortan immer schwerer. Der skurrile Humor, Charme und Sarkasmus aus dem ersten Teil fehlen. Mich hat die Geschichte nicht mehr unterhalten.
Deshalb alles in allem nur drei Sterne. Schade.