Profilbild von Gabriele_70

Gabriele_70

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Gabriele_70 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Gabriele_70 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2026

Brüder - oder nicht?

Der Junge aus dem Meer
0

Eines Tages taucht am Strand ein Findelkind auf. Das ganze irische Fischerdorf kümmert sich abwechselnd darum, bis der Fischer Ambrose sich entschließt, es in seiner Familie aufzunehmen. Sein eigener Sohn ...

Eines Tages taucht am Strand ein Findelkind auf. Das ganze irische Fischerdorf kümmert sich abwechselnd darum, bis der Fischer Ambrose sich entschließt, es in seiner Familie aufzunehmen. Sein eigener Sohn ist etwa zwei Jahre alt und von Anfang an dem Eindringling skeptisch. Während sein Vater überzeugt ist, eine gute Tat vollbracht zu haben, schaukelt sich die Eifersucht auf. Nachdem Ambrose eine Zeitlang finanziell ganz gut dastand, verdient er nun nicht mehr genug für die Familie und Schulden häufen sich auf. Gleichzeitig macht Phyl ihrer Schwester Christine, Ambroses Frau, die Hölle heiß. Sie möchte, dass sie sich mehr um den alt gewordenen Vater kümmert und da das wegen der eigenen Familie mit zwei Kindern nicht möglich ist, fordert Phyl häufig Geld von ihr.

Die beiden „Brüder“ sind nicht nur vom äußeren her sehr unterschiedlich, auch ihre Charaktere sind konträr. Brendon, der schmächtige, adoptierte Sohn ist von der ganzen Dorfgemeinschaft gern gesehen, weil er auf die Menschen zugeht. Er redet zwar wenig, aber hört gerne zu, was alle sehr schätzen. Bei ihm können sie ihre Sorgen und Nöte abladen. Der robuste Declan dagegen ist unbeholfen und störrisch und kommt ganz nach dem Vater. Er versucht ständig, bei seinem Vater die erste Geige zu spielen, was ihm aber nicht so recht gelingen will. So entstehen natürlich viele Spannungen, der der Autor auszubauen weiß.

Das Leben im Dorf, wo jeder jeden kennt, verläuft ruhig und plätschert zwischendurch vor sich hin. Doch gibt es auch durchaus spannende Episoden, die ich sehr gern gelesen habe. Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches sieht es so, als würden sich die Brüder nach dem Tod des Vaters endgültig entzweien. Oder vielleicht doch nicht?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.04.2026

Wenig Bezug zu den Vorgängern

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
0

Dieses Buch ist das Dritte in der Reihe einer Familiengeschichte. Die ersten beiden haben mir gut gefallen, beim Dritten benötigte ich viel Zeit um in der Geschichte anzukommen. Vielleicht lag es daran, ...

Dieses Buch ist das Dritte in der Reihe einer Familiengeschichte. Die ersten beiden haben mir gut gefallen, beim Dritten benötigte ich viel Zeit um in der Geschichte anzukommen. Vielleicht lag es daran, dass es ein Hörbuch war und ich die beiden anderen gelesen habe. Dabei ist es durchaus angenehm, Julia Nachtmanns Intonation zuzuhören. Es lag wohl eher an mir, die mit den beiden Zeitebenen (1945, am Ende des Krieges und 2023) nicht zurecht kam. Auch war mir lange Zeit nicht bewusst, dass ich Hannah Berowski bereits aus den Vorgängerbänden (mit einem ähnlichen Cover) kannte. Mir waren Marlen und Wilma suspekt und fremd. Aber ich hatte in Erinnerung an die beiden Vorgänger positive Gefühle, weshalb ich das Buch auch auswählte. Erst als ich mir etwa zur Hälfte klar wurde, wer Hannah ist, fand ich echtes Interesse am Geschehen. Vielleicht würde ich das Buch besser bewerten, wenn ich es unter anderen Vorzeichen ausgesucht hätte. So aber kam mir alles so abstrakt vor, wie Marlens Bild, an dem sie 15 Jahre lang gemalt hatte.

Das Buch kann übrigens gut ohne die Vorkenntnisse von Hannahs Familiengeschichte gelesen werden, da die beiden Zeitebenen lange Zeit völlig unabhängig nebeneinander stehen. Ich dagegen suchte verzweifelt nach Zusammenhängen, die ich viel zu lange nicht fand. Zum Glück rundete das Ende die Zusammenhänge gut ab.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.04.2026

Leben lohnt sich

Die Mitternachtsbibliothek
0

„Nicht, was man betrachtet ist wichtig, sondern was man sieht.“

Jeder Mensch hat die Möglichkeit Entscheidungen zu treffen und jede einzelne Entscheidung beeinflusst die nächsten Schritte im Leben. ...

„Nicht, was man betrachtet ist wichtig, sondern was man sieht.“

Jeder Mensch hat die Möglichkeit Entscheidungen zu treffen und jede einzelne Entscheidung beeinflusst die nächsten Schritte im Leben. Das könnte das Fazit dieses Romans sein, in dem Nora ihr Leben beenden will, weil sie keinen Sinn mehr darin sieht.

Der britische Autor Matt Haig (*1975) macht eigene Erfahrungen mit Depressionen und Angststörungen zu zentralen Themen in seinen Büchern. In dem vorliegenden schickt er seine lebensmüde Protagonistin Nora Seed in die Mitternachtsbibliothek, wo sie ganz unterschiedliche Leben erlesen kann. So erfährt sie, dass Träume nur manchmal zum Glück führen, weil überall Stolpersteine im Weg liegen. Während sie diverse Möglichkeiten in ihren möglichen Leben näher betrachtet, bemerkt sie, dass es wenig Sinn macht, sich darüber Gedanken zu machen, wie sie in bestimmten Momenten anders hätte handeln können. Denn nicht in Erfüllung gegangene Träume sind auch nicht das, was sie glücklicher machen würde.

Dieser Roman, der schon viele Leser beeindruckt hat, hat mich leider nur teilweise erreicht. Vielleicht passt er nicht in meine augenblickliche Lebenssituation. Er lässt sich zwar gut lesen, aber die vielen hier vorgestellten Varianten eines Lebens können auch überfordern. Es dauert lange, ehe sich eine klare Ausrichtung herausschält. Es zeigt sich, dass zu viele Variablen ebenso schädlich sein können, wie der verzweifelte Versuch, nichts im Leben verändern zu wollen.

Während ich Das Buch hin und her gerissen zur Seite lege, kann ich mir vorstellen, dass es Menschen in zerstörerischen depressiven Phasen durchaus zum Nachdenken darüber anregen kann, ob es nicht doch Gründe zum Weiterleben gibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.09.2025

Eine ungewöhnliche Adlige

Prinzessin Alice
0

Schon das Cover macht es deutlich: hier geht es um eine gut gekleidete Frau, die durch ein Gitter von ihrer Umgebung abgeschnitten ist. Die Erzählung handelt vom Leben der Victoria Alice Elizabeth Julia ...

Schon das Cover macht es deutlich: hier geht es um eine gut gekleidete Frau, die durch ein Gitter von ihrer Umgebung abgeschnitten ist. Die Erzählung handelt vom Leben der Victoria Alice Elizabeth Julia Marie Prinzessin von Battenberg (*25. Februar 1885 in Windsor Castle; † 5. Dezember 1969 im Buckingham Palace, London). Sie war die Mutter von Philip Mountbatten und die Großmutter von Charles III.

Irene Dische hat sich damit schon zum zweiten Mal einer ungewöhnlichen historischen Figur gewidmet. Und ebenso wie in Die militante Madonna, in der sie ihre Hauptfigur Chevalier d'Eon de Beaumont zu Wort kommen ließ, lässt sie auch in diesem Buch die Protagonistin selbst erzählen. Doch das macht das Buch nicht unbedingt einfacher zu verstehen.

Während der Beginn einen heiteren Einblick in die Familiengeschichte gewährte, hat der zweite Teil, der das Leben der Protagonistin in der Psychiatrie erzählt, meine Begeisterung etwas gedämpft. Hier habe ich viele Gedanken nicht nachvollziehen können. Aber sicherlich war das Absicht, denn wer kann sich schon in einen verwirrten Kopf hineindenken? Im dritten und letzten Teil durfte ich Alice begleiten, als sie als Nonne verkleidet nach Athen reiste, um sich dort vor den Deutschen zu verstecken. Eine traurige Angelegenheit, die sie aber mit viel Verve zu meistern wusste.

Alles in allem konnte ich einen Blick in ein ungewöhnliches Leben mit werfen. Aber meiner Meinung nach hat die Autorin schon bessere Bücher geschrieben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.08.2025

Notizen eines Lebens

Meine Mutter
0

Das Cover war für mich ein Grund zu diesem Buch zu greifen. Welche Mutter möchte nicht wissen, wie die erwachsenen Kinder sie sehen? Doch in diesem Buch geht es mehr: Die Mutter der Autorin hat vor Jahrzehnten ...

Das Cover war für mich ein Grund zu diesem Buch zu greifen. Welche Mutter möchte nicht wissen, wie die erwachsenen Kinder sie sehen? Doch in diesem Buch geht es mehr: Die Mutter der Autorin hat vor Jahrzehnten Suizid begangen. Warum? Was hat sie dazu bewegt? Dieser Frage versucht Bettina Flitner in ihrem Roman auf den Grund zu gehen.

Sie begibt sich auf die Reise nach Niederschlesien, wo ihre Vorfahren lebten und ein Sanatorium betrieben. Dieser Teil der Recherchen nimmt den größten Teil des Buches ein. Anhand von Tagebüchern und Briefen nähert sich die Autorin der Kindheit des verwöhnten Nesthäkchens an. Hitlers Macht zerstörte das unbeschwerte Leben und bewog die Familie nach 1945 nach Celle umzusiedeln. Die Untreue des Großvaters und die eigene Unfähigkeit Nähe zu leben erschwerten das Dasein der Familie.
Bettina Flitner erzählt ohne zu werten, was ich sehr sympathisch finde. Trotz des nicht immer leichten Verhältnisses zu ihrer Mutter zeugen viele Zeilen auch von der Liebe zu ihr. Schließlich kümmerten Bettina und ihre Schwester sich während des Schulabschlusses um die schwer depressive Frau.

Trotz der gut lesbaren Sprache hatte ich Probleme mit diesem Buch. Häufige Zeitsprünge machten es mir schwer, mich in der jeweiligen Zeit zurecht zu finden. Zwar rundet sich im Laufe der Erzählung der Blick auf die Mutter, doch wirklich erreicht hat mich der Lebensroman nicht. Vielleicht liegt zwischen dem Tod vor 40 Jahren und dem Heute ein zu großer Abstand?

Aber etwas ist Frau Flitner gelungen: Sie hat mich neugierig auf den Vorgängerroman „Meine Schwester“ gemacht. Denn auch die hat Suizid begangen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere