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Veröffentlicht am 26.04.2026

Elefanten in Afrika

Der weiße Knochen
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„Die Essenz des Daseins: die Schinderei, die kurze Erholung, die Schinderei…“

Grausam, das Leben der Tiere in Afrikas Steppe während einer lange anhaltenden Trockenperiode mitzuerleben!

„Am Mittag ...

„Die Essenz des Daseins: die Schinderei, die kurze Erholung, die Schinderei…“

Grausam, das Leben der Tiere in Afrikas Steppe während einer lange anhaltenden Trockenperiode mitzuerleben!

„Am Mittag brennt die Sonne vom Himmel, die aufgepickte Stelle am Bein pocht. Der Körper fühlt sich an wie ein Felsblock, der nicht weiter rollen will, die Kehle ist ein trockener rauer Krater und der Geist versinkt in Erinnerung, schlüpft von einem vergangenen Ereignis zum nächsten, durch Löcher hindurch, die damals Pausen, Geheimnisse, Missverständnisse waren.“

Die kanadische Schriftstellerin Barbara Gowdy hat für ihren Roman Elefanten als Hauptdarsteller gewählt. Sie erzählen aus ihrem Leben in der afrikanischen Steppe, so dass LeserInnen unmittelbar daran teilhaben können.

Um sie auseinander zu halten, bekamen sie sehr fantasievolle Namen. Bei der Protagonistin Matsch wurde gerade der Geburtstunnel gegraben, was bedeutet, dass sie nun ein Kalb erwartet. Und, wie es bei Elefanten üblich sein soll, bekommt sie einen neuen Namen: „Sie-Schmollt“ aus der Familie der „Sie“. Doch sie möchte ihren alten Namen behalten…

Matsch hat also sehr menschliche Eigenschaften, ebenso wie die anderen Familienmitglieder eindeutig zu erkennen sind. Das hat mich beim Lesen sehr erheitert.

Weniger lustig war das Gemetzel, das sie durch Menschen ausgesetzt waren. Die Größe der Steppe wird beim Lesen der Wanderungen erfahrbar.


Insgesamt ist der Roman gut lesbar, allerdings ging mir zwischendurch die ständige Namensnennung etwas auf die Nerven. Andererseits sind einige Stellen im Buch ausgesprochen spannend. Das Buch beginnt mit mit Matschs Geburt und endet mit der Geburt ihres Kalbes, wodurch es passend abgerundet ist. Gut fand ich die Aufstellung der Elefantenfamilien um die es im Buch geht. Auch die Übersichtskarte am Anfang des Buches habe ich des öfteren benutzt.


Fazit: Da Elefanten mich schon immer fasziniert haben, habe ich es sehr gern gelesen. Ich habe einiges neues über sie erfahren und vergebe vier Sterne.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Sehen und gesehen werden

Mit anderen Augen
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„Nichts wird sich jemals ändern, wenn man sich nicht selbst ändert“

Obiges Zitat kann man auch als Quintessenz des Buches sehen. Denn welche Frau fühlt sich nicht manchmal übersehen, unsichtbar? ...

„Nichts wird sich jemals ändern, wenn man sich nicht selbst ändert“

Obiges Zitat kann man auch als Quintessenz des Buches sehen. Denn welche Frau fühlt sich nicht manchmal übersehen, unsichtbar? Die australische Autorin Jane Tara lässt ihre Protagonistin Tilda, die Mutter von erwachsenen Zwillingstöchtern und von ihrem Mann verlassen ist, an Unsichtbarkeit erkranken. Es beginnt mit einem fehlenden Finger, geht weiter mit einem Ohr und dem Hals … Ihre Ärztin bezeichnet das als unheilbare Krankheit und empfiehlt ihr eine Selbsthilfegruppe. Dort trifft die Fotografin auf Frauen, bei denen eine gar nicht mehr zu sehen ist. In der Gruppe wird gejammert und geklagt. Doch Tilda findet eine Therapeutin, die sie überzeugt, dass es Heilung gibt – die dann tatsächlich eintritt. Während die Leiterin der Selbsthilfegruppe plötzlich völlig von der Bildschirmfläche verschwindet, werden die Teilnehmerinnen der Gruppe zu Freundinnen, die gemeinsam füreinander einstehen, kämpfen und nach und nach wieder sichtbar werden.

Dieses Buch ist nicht nur ein märchenhafter Roman, sondern auch ein psychologischer Ratgeber mit bewährten Rezepten und vielen guten Ideen. Er enthält auch ein wenig Liebe, doch Selbstliebe und Freundschaft stehen eindeutig im Vordergrund.

Das erste Drittel empfand ich als spannend und nachdenklich machend – wie ein Blick in den Spiegel. Als es um Meditation ging, musste ich aussteigen, da mir diese Erfahrungen fehlen. Dass die Autorin vor allem auf deren Wirksamkeit hinweisen will, erfuhr ich erst im Nachwort. Im letzten Drittel fand ich manches übertrieben. Doch geblieben sind die positive Grundeinstellung zu sich selbst, dem Leben an sich und dem Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Jedes der 66 Kapitel beginnt mit einem aussagekräftigen Zitat, wie beispielsweise

„Im Grunde geht es nur um eine veränderte Sicht auf die Dinge“

Fazit: Lesenswert!

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Klassiker von 1908

Das Tränenhaus. Roman
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„Ein feines Surren und Sirren, ein Flirren und Säuseln schwebte über dem Gräsergewoge“.

An der blumigen und farbenfrohen Schreibweise merkt man von Beginn an, dass das Buch vor langer Zeit geschrieben ...

„Ein feines Surren und Sirren, ein Flirren und Säuseln schwebte über dem Gräsergewoge“.

An der blumigen und farbenfrohen Schreibweise merkt man von Beginn an, dass das Buch vor langer Zeit geschrieben wurde. Was mich anfänglich mit Ausdrücken wie „Schelmerei", „wunderbar hold“ und „beseligte Erinnerung“ begeisterte, erschwerte mir mit zunehmender Seitenzahl die Freude am Lesen. So ausschweifende Ausschmückungen zu lesen sind wir heute nicht mehr gewohnt.

Wobei das Erzählte schon interessant ist: Eine junge Frau aus gutem Haus, der einst die Ehe versprochen wurde, sitzt schwanger und verlassen im „Haus der Tränen“, das sehr einfach und alles andere als heimelig ist. Sie teilt ihr Los mit mehreren, viel jüngeren Leidensgenossinnen, die ihre Kinder hinter verschlossenen Türen zur Welt bringen müssen, um die Moral zu halten. Dazu kommt, dass die Herbergsmutter nicht gerade zimperlich mit den Mädchen umgeht.

„Keine von ihnen ließ sich die Kosten für ihren Aufenthalt bei der Uffenbacher von ihrem Liebhaber bezahlen – durch Erniedrigung der bittersten Art, durch Schluchzen und Jammern vor Basen und Onkels hatten sie es alle erreicht, die jungen Männer von dieser Steuer zu befreien, um nur ja nicht darüber ihrer Neigung verlustig zu gehen.“

Einzig Cornelie versuchte sich die Ausgaben durch das Schreiben von Artikeln, also durch eigene Arbeit zu verdienen. Sie erreichte dadurch Anerkennung und konnte es sich so auch erlauben, sich nicht jede Boshaftigkeit ihrer Wirtin gefallen zu lassen. Es gelang ihr sogar, auch für ihre Leidensgenossinnen eine Milderung der Umstände zu erreichen.


Dieses Buch gewährt einen tiefen Einblick in den Beginn des vorigen Jahrhunderts, als die besser gebildeten Frauen kräftig für ihre Emanzipation kämpften, die Mädchen auf dem Land aber noch völlig dem Einfluss von Eltern und Mann ausgesetzt waren. Im Tränenhaus kämpften sie füreinander und versuchten alles, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Während ich nach der anfänglichen Begeisterung im Mittelteil meine Schwierigkeiten mit dem blumigen Text hatte, hat mich das Ende des Romans mitgerissen. Das sind wahrscheinlich gerade die Stellen, die beim Erscheinen des Buches den Skandal auslösten. Hier wird sehr ausführlich das Leid der Frauen bei der Geburt beschrieben, von dem Männer häufig nichts wissen wollten.


Gabriele Reuter wurde 1859 in Ägypten geboren. Die Schriftstellerei war der Tochter eines Import- und Exporthandels von der Urgroßmutter in die Wiege gelegt worden. Ihre Kindheit verbrachte sie zwischen Alexandria und Dessau. Nach dem Tod des Vaters begann sie schon 16jährig mit Texten für die Magdeburger Zeitung das Familieneinkommen aufzubessern. Ihren ersten Roman „Aus guter Familie“ veröffentlichte sie mit 19. Er wurde zum ersten Bestseller des S. Fischer Verlags und war damals sogar bekannter als die gleichzeitig erschienene „Effie Briest“ von Theodor Fontane. Wie ich dem Anhang des vorliegenden Buches, das übrigens sehr ansprechend aufgemacht ist, entnehmen konnte, hat sie im Tränenhaus auch Teile ihres eigenen Lebens aufgearbeitet.


Fazit: eine durchaus empfehlenswerte Leseerfahrung.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Charakterstudie

Dius
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Dius war etwa 20, als er seinen Professor einlud, sein Freund zu werden.. Entstanden ist über die Jahre eine nicht ganz einfache Beziehung, die beider Leben beeinflusste.

Im Mittelpunkt des gesamten Romans ...

Dius war etwa 20, als er seinen Professor einlud, sein Freund zu werden.. Entstanden ist über die Jahre eine nicht ganz einfache Beziehung, die beider Leben beeinflusste.

Im Mittelpunkt des gesamten Romans steht die Kunst. Gemälde werden auf eine Weise beschrieben, die mich neugierig machten, so dass ich nicht umhin kam, sie im Internet zu suchen. Auch alte Musik spielt eine große Rolle. Doch zu Beginn, das muss ich ehrlich zugeben, hat mich das Buch gelangweilt. Schließlich geschieht die meiste Zeit nicht allzu viel. Wie so oft im Leben, wird die Lethargie dann glücklicher Weise immer mal wieder durch Geschehnisse unterbrochen, die einen aufwachen lassen.

Was mich aber ab etwa der Hälfte nicht mehr losgelassen hat, waren die hervorragenden Charakterisierungen der im Mittelpunkt stehenden Figuren. Da schreibt der inzwischen promovierte Professor auf Seite 175 über seinen Eleven, der sich kaum mal im Unterricht sehen ließ: „Immer wieder beobachtete ich ihn; er war ein Mensch, der nicht in die Zeit passte, in der er lebte, und dadurch zur Verkörperung all dessen wurde, woran es in der heutigen Zeit mangelte …“ Während Anton Dius’ Talente voller Bewunderung anerkennt, beschreibt er sich selbst so: „Ich bin ein Mann vieler halber Talente, nichts Ganzes…, war kaum mit der rohen Übermacht wahrer Begabung konfrontiert … So bin ich ein Mann geblieben,der stets davon träumte, kreativ zu sein, der aber zu gelehrt, zu kultiviert, vielleicht auch zu sensibel war, um das Joch einer echten Begabung zu ertragen.“ (Seite 260).

Fasziniert hat mich, wie der wechselhafte Dius, der sich häufig über den Dingen stehend wähnte, seinen älteren Freund manipulierte. Meist hat er an sich und sein Wohlergehen gedacht und dabei Anton in so mancher Situation vor den Kopf gestoßen. Im zweiten Teil des Romans ist er ganz aus Antons Leben verschwunden und der fällt – schlimmer als zuvor - in seine Lethargie zurück, um dann im dritten Teil Dius trauriges Ende unmittelbar mitzuerleben. Aber nicht, dass ein falsches Bild entsteht: Hier geht es nicht um homosexuelle Liebe, sondern um eine echte, tiefe Freundschaft. Beide Männer lieben Frauen, was aber auch nicht komplikationslos verläuft.


Fazit: Nach einer viel zu langen Einlesezeit, während der ich schon über einen Abbruch nachdachte, hat mich das Buch schließlich doch gepackt. Aber die volle Punktzahl kann ich nach der anfänglich negativen Erfahrung nicht vergeben.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Veränderungen

Das glückliche Leben
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Seit ich „Charlotte“ von David Foenkinos zu meinen Lieblingsbüchern zähle, ist mir der Name des Autors ein Begriff. Kein Wunder also, dass ich dieses neu erschienene Buch von ihm unbedingt lesen wollte. ...

Seit ich „Charlotte“ von David Foenkinos zu meinen Lieblingsbüchern zähle, ist mir der Name des Autors ein Begriff. Kein Wunder also, dass ich dieses neu erschienene Buch von ihm unbedingt lesen wollte. Die Inhaltsangabe machte mich zudem neugierig. Denn was hat das Erleben der eigenen Beerdigung mit einem glücklichen Leben zu tun?

Der erste Teil des Romans hat meine Frage nicht beantwortet. Da lernte ich einen ausgepowerten Vierzigjährigen kennen, der so gut wie nicht lebte, sondern nur funktionierte. Ebenso wie seine ehemalige Klassenkameradin, die ihn für einen Job angeheuert hat, der ihm eine Reise nach Seoul beschert. Seine Chefin hat große Ansprüche an ihn, die er bisher immer zu erfüllen bereit war. Doch auf einem Spaziergang in Seoul erlebt er mit dem Ritual seiner eigenen Beerdigung Unvorstellbares und wird aus seinem Leben katapultiert.
Der geschiedene Vater eines Sohnes, immer etwas träge und unschlüssig, gibt seinen Job auf und beginnt etwas ganz Neues. Plötzlich empfand ich das Buch spannend. Die totale Veränderung zu einem tatkräftigen Mann und liebevollen Vater habe ich mit Interesse verfolgt. Èric beginnt, sein Seouler Erlebnis in seiner Heimat zu etablieren und erhält viel Lob und Anerkennung dafür.

Der dritte Teil zeigt dann, wie er mit seiner Geschäftsidee auch seiner ehemaligen Chefin ermöglicht, ihr festgefahrenes Leben zu ändern.


Das Buch, das in der Zeit zwischen 2017 und 2024 angesiedelt ist, erinnert unter anderem an die Coronakrise und wie sie das Leben beeinflusst (durcheinandergebracht) hat. Da waren diejenigen, die wie Èric ein finanzielles Polster angesammelt hatten, eindeutig im Vorteil.

Ich muss gestehen, dass ich mit dem ersten Teil des Buches am wenigsten anfangen konnte. Mir kamen die Figuren langweilig und nichtssagend vor – während sie sich selbst als wichtig sahen. Doch als zur Hälfte des Buches der Bruch stattfand, konnte ich es nicht mehr zur Seite legen.
Insgesamt zeigt der 1974 geborene französische Schriftsteller in seiner lakonischen Schreibweise, die mir des öfteren ein wissendes Lächeln entlockte, wie Zufälle das Leben beeinflussen. Wenn man die zu nutzen weiß, kann man es weit bringen.


Fazit: Gute Unterhaltung mit einigen Episoden über die es sich lohnt, nachzudenken. Die Weisheiten sind meines Erachtens vor allem für Menschen in der Lebensmitte geeignet.

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