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BrigittesitztinderMitte

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2025

Hinter der Idylle

Heimat
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Jana ist schwanger mit dem dritten Kind. Sie ist mit ihrer Familie in ein ländliches Neubaugebiet gezogen und trägt noch die rosarote Brille, durch die sie vom heilen, idyllischen Landleben träumt. Doch ...

Jana ist schwanger mit dem dritten Kind. Sie ist mit ihrer Familie in ein ländliches Neubaugebiet gezogen und trägt noch die rosarote Brille, durch die sie vom heilen, idyllischen Landleben träumt. Doch schon bald wird sie mit der Tatsache konfrontiert, dass gerade in den ländlichen Gebieten ein grosser Rechtsrutsch passiert. Da sie ohne Absprache mit ihrem Mann ihren Job gekündigt hat, kriselt zudem die Ehe und es kommt zur zunehmenden Entfremdung in der Beziehung.
Wie anders scheint das Leben von Karoline und deren Mann Clemens! Jana freundet sich mit Karoline an und idealisiert bald alles an ihr. Karoline führt ein ausgeglichenes Leben in Einklang mit sich selber, dem Ehemann und den fünf Kindern. Sie ist zudem eine Instagram Influencerin und preist das einfache und nachhaltige Landleben an. Bald muss Jana aber erkennen, dass hinter der glücklichen Fassade Abgründe lauern.
Wenn Faszination zur Besessenheit wird, der Tradwife-Hype, die zunehmende Radikalisierung unserer Gesellschaft sowie die ständige Frage, was das Richtige für unsere Kinder ist: Die Autorin schafft es auf vergleichsweise wenig Seiten, diese aktuellen Themen spannend und immer wieder kritisch aufzubereiten. Das einzige, was mich enttäuscht hat, war das Ende.

Veröffentlicht am 16.10.2025

Subversion

Wir dachten, das Leben kommt noch
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London 1998: BBC-Redakteurin Gwen stösst bei der Regelung des Nachlasses ihrer verstorbenen Grossmutter auf ein Stück Familiengeschte, das bislang verborgen lag. Ihre Grossmutter stand offenbar im zweiten ...

London 1998: BBC-Redakteurin Gwen stösst bei der Regelung des Nachlasses ihrer verstorbenen Grossmutter auf ein Stück Familiengeschte, das bislang verborgen lag. Ihre Grossmutter stand offenbar im zweiten Weltkrieg einer britischen Agentin sehr nahe.

1942: Pat Conway, eine junge Engländerin, deren Mutter aus der Normandie stammt, spricht fliessend Französisch und löst blitzschnell jedes Kreuzworträtsel. Eines Tages werden sie und ihre Schwester von der "Special Operations Executive" (SOE) angeworben. Es handelt sich dabei um eine geheime britische Spezialeinheit, die in von den Deutschen besetzten Gebieten verdeckt Sabotageakte ausführt, Nachrichten oder Dinge übermittelt, Morsecodes knackt und den Feind unterwandern soll. Unterstützt werden die Agenten von den örtlichen Widerstandskämpfern. Pat wird als Funkerin ausgebildet und springt mit dem Fallschirm über dem besetzten Frankreich ab. Auf sich allein gestellt, muss sie ihre lebensgefährliche Mission erfüllen. Sie darf unter keinen Umständen auffallen und schon bald wird die wichtigste Entscheidung sein, wem sie vertrauen soll.

Sorgfältig recherchiert, serviert die Autorin nicht nur einen spannenden Agentinnenroman in einem brennenden Europa, sondern auch viel historisches Hintergrundwissen. Das Figurenverzeichnis im Anhang erweist sich als hilfreich, da die Zeitsprünge zwischen 1998 und 1942 teilweise recht abrupt erfolgen. Als Buchtitel hätte ich mir einen etwas weniger sentimental klingenden Titel gewünscht, denn er wird meines Erachtens dem hochspannenden und rasanten Inhalt nicht ganz gerecht.

Veröffentlicht am 28.04.2026

Teilweise poetisch, aber zerfahren

Das Mosaik der Frauen
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Nadim Suri ist alt, sehr reich und todkrank. In einer Klinik in Deutschland verbringt der herzkranke Mann seine letzten Tage und blickt zurück. Sein Wunsch ist es, einem Autoren, der wie er selbst syrische ...

Nadim Suri ist alt, sehr reich und todkrank. In einer Klinik in Deutschland verbringt der herzkranke Mann seine letzten Tage und blickt zurück. Sein Wunsch ist es, einem Autoren, der wie er selbst syrische Wurzeln hat, sein bewegtes Leben zu erzählen. Er möchte besonders aufzeigen, wie die Frauen seines Lebens (und es waren einige) ihn nachhaltig beeinflusst und geprägt hatten. Seine besten Charakterzüge will er den Frauen seines Lebens verdankt haben. So erzählt er dem Zuhörer seine Erinnerungen, beginnend mit seiner Kindheit als syrischer Christ in Damaskus.

Es folgt eine lose Aneinanderreihung von Erlebnissen, Liebschaften und Geschichten, die immer neue und fernere Personenkreise einschliessen. Dazu betont der Protagonist gerne, wie sehr er die Frauen stets achtete, verehrte und respektierte, und damit dem gewohnten arabischen Vorbild nicht folgte. Als Regimekritiker kommt er auch immer wieder mit den jeweiligen Repräsentanten und Schergen des syrischen Diktatur in Berührung, erleidet Verluste und muss sogar fliehen. Verfolgung, Terror, Mord und Unterdrückung werden anhand vieler Beispiele beschrieben.

Von arabischer Erzählkunst ist dieser Roman weit entfernt, bzw. ich habe falsche Vorstellungen davon. Immer wieder erkannte ich gute Ansätze, z.B. bei der Schilderung des Aufwachsens im lebendigen christlichen Viertel von Damaskus. Schon nach kurzer Zeit wurde abgeschweift um irgendedeine Anekdote eines Nachbarn zu berichten. Der Patient musste sich wiederholt selbst ermahnen, weil er erneut abgelenkt war, was mich mit der Zeit gelangweilt hat.

Von den zahlreichen Verflossenen der Hauptfigur ist mir nach Buchende nicht eine einzige Frau in Erinnerung geblieben, weder namentlich noch inhaltlich. Zu blass sind sie geblieben. Pluspunkte gibt es für die mutige Regimekritik, den Bericht über das Kriegsgrauen und die schonungslose Darstellung der Rolle der Frau in diesem Kulturkreis. Gerne würde ich positivere Bilanz ziehen, doch Vorschusslorbeeren und Promiboni verteile ich nicht, auch nicht bei grosse Namen. Dieser Roman ist für mein Empfinden so schwach auf der Brust geblieben, wie der Protagonist der Geschichte.

Veröffentlicht am 17.11.2025

Es fehlt der Feinschliff

Belladonnas
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Julie und Chloe sind eineiige Zwillingsschwestern. Im Alter von drei Jahren wurden sie getrennt, als die Eltern starben. Chloe wird von einem reichen New Yorker Paar adoptiert, lebt in Saus und Braus und ...

Julie und Chloe sind eineiige Zwillingsschwestern. Im Alter von drei Jahren wurden sie getrennt, als die Eltern starben. Chloe wird von einem reichen New Yorker Paar adoptiert, lebt in Saus und Braus und führt ein erfolgreiches Leben als Influencerin. Julie hingegen muss in ärmlichen Verhältnissen bei der boshaften Tante leben und sich mit unterbezahlten Jobs über Wasser halten.

Als ihre Schwester Chloe überraschend stirbt, ergibt sich für Julie DIE Chance ihres Lebens, unerkannt die Identität der Schwester anzunehmen. Sie taucht ein in das scheinbar sorglose Leben einer Millionärin und steht plötzlich im Rampenlicht. Doch es wird gefährlich, denn nicht nur ihr falsches Spiel droht aufzufliegen, sondern es gibt nebst Followern und Fans offenbar auch Todfeinde.

Anfangs hat es mich sehr inspiriert, über das ganze Social Media Phänomen, inszenierte Authenzitität, unreflektiertes Konsumverhalten, Pseudopersönlichkeiten, sowie der Gier nach Reichweite, Macht und Geld zu lesen. Der Erzählstil, den ich zu Beginn noch als Coolness wahrgenommen habe, wurde mir aber schon bald zu oberflächlich und eindimensional. Der teilweise hemdsärmelige Plot hat mich nicht überzeugt, ich fand ihn ziemlich anspruchslos. Ich mag es, wenn ich beim Lesen eines Buchs intellektuell gefordert werde, hier habe ich teilweise Szenen regelrecht vorausgesehen. Auch die Übergänge fand ich ziemlich abrupt, manchmal einfach eine lieblose Aneinanderreihung einzelner Szenen - wie bei einem gut gemeinten Schüleraufsatz. Es hat der Feinschliff gefehlt.

Veröffentlicht am 17.11.2025

Es fehlt der Feinschliff

Belladonnas
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Julie und Chloe sind eineiige Zwillingsschwestern. Im Alter von drei Jahren wurden sie getrennt, als die Eltern starben. Chloe wird von einem reichen New Yorker Paar adoptiert, lebt in Saus und Braus und ...

Julie und Chloe sind eineiige Zwillingsschwestern. Im Alter von drei Jahren wurden sie getrennt, als die Eltern starben. Chloe wird von einem reichen New Yorker Paar adoptiert, lebt in Saus und Braus und führt ein erfolgreiches Leben als Influencerin. Julie hingegen muss in ärmlichen Verhältnissen bei der boshaften Tante leben und sich mit unterbezahlten Jobs über Wasser halten.

Als ihre Schwester Chloe überraschend stirbt, ergibt sich für Julie DIE Chance ihres Lebens, unerkannt die Identität der Schwester anzunehmen. Sie taucht ein in das scheinbar sorglose Leben einer Millionärin und steht plötzlich im Rampenlicht. Doch es wird gefährlich, denn nicht nur ihr falsches Spiel droht aufzufliegen, sondern es gibt nebst Followern und Fans offenbar auch Todfeinde.

Anfangs hat es mich sehr inspiriert, über das ganze Social Media Phänomen, inszenierte Authenzitität, unreflektiertes Konsumverhalten, Pseudopersönlichkeiten, sowie der Gier nach Reichweite, Macht und Geld zu lesen. Der Erzählstil, den ich zu Beginn noch als Coolness wahrgenommen habe, wurde mir aber schon bald zu oberflächlich und eindimensional. Der teilweise hemdsärmelige Plot hat mich nicht überzeugt, ich fand ihn ziemlich anspruchslos. Ich mag es, wenn ich beim Lesen eines Buchs intellektuell gefordert werde, hier habe ich teilweise Szenen regelrecht vorausgesehen. Auch die Übergänge fand ich ziemlich abrupt, manchmal einfach eine lieblose Aneinanderreihung einzelner Szenen - wie bei einem gut gemeinten Schüleraufsatz. Es hat der Feinschliff gefehlt.