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Veröffentlicht am 07.05.2026

Wenn eine Kleinstadt ein ganzes Land erzählt

Sanditz
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Manche Bücher liest man nicht einfach weg, sie legen sich wie feiner Staub auf die Gedanken und bleiben dort erst einmal liegen.

Sanditz ist so ein Roman. Eine Kleinstadt am Rand, aber eigentlich mitten ...

Manche Bücher liest man nicht einfach weg, sie legen sich wie feiner Staub auf die Gedanken und bleiben dort erst einmal liegen.

Sanditz ist so ein Roman. Eine Kleinstadt am Rand, aber eigentlich mitten in allem, was dieses Land geprägt, zerrissen und verändert hat. Lukas Rietzschel erzählt nicht laut, nicht reißerisch, sondern mit einem genauen Blick für Menschen, die oft übersehen werden. Für Familien, die sich durch Umbrüche kämpfen. Für Hoffnungen, die groß beginnen und irgendwann müde in der Ecke sitzen. Für diese leisen Brüche, die niemand sieht, die aber ein ganzes Leben verschieben können.

Besonders berührt hat mich, wie viele Stimmen hier Platz bekommen. Alte Geschichten, neue Verletzungen, Wendezeit, Corona, Ukraine, Freundschaft, Familie, Zugehörigkeit und diese ständige Sehnsucht nach Freiheit. Das ist viel, manchmal fast zu viel, und genau deshalb braucht das Buch Aufmerksamkeit. Sanditz ist kein Roman zum Nebenbei-Lesen. Er fordert Geduld, aber er gibt auch viel zurück.

Die Sprache ist warm, beobachtend und oft schmerzhaft nah. Nicht jede Figur hat mich gleich stark erreicht, manche Wege wirken sperriger als andere, doch das Gesamtbild hat Kraft. Am Ende bleibt ein Roman, der nicht beschönigt, nicht erklärt wie ein Schulbuch, sondern fühlen lässt, wie Geschichte in Menschen weiterlebt.

Für mich ein eindrucksvolles, kluges und emotional nachhallendes Buch.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Wenn eine WG plötzlich nach Zuhause riecht

Laute Nächte
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Manchmal kommt ein Buch daher wie diese eine WG Küche um zwei Uhr nachts. Ein bisschen Chaos, ein bisschen Rotwein im Kopf, irgendwo klappert ein Herz und keiner weiß so richtig, wer jetzt eigentlich wen ...

Manchmal kommt ein Buch daher wie diese eine WG Küche um zwei Uhr nachts. Ein bisschen Chaos, ein bisschen Rotwein im Kopf, irgendwo klappert ein Herz und keiner weiß so richtig, wer jetzt eigentlich wen retten soll.

Laute Nächte von Anne Freytag ist kein Roman, der laut brüllt. Der schleicht sich eher an, setzt sich neben dich und fragt irgendwann ganz frech: Na, alles gut verdrängt? Kenni trägt seine Trauer nicht dramatisch vor sich her, sondern eher wie eine Jacke, die viel zu schwer geworden ist. Und genau das hat mich erwischt.

Diese WG in Wien fühlt sich herrlich echt an. Paul, Elif, Julia und Kenni sind keine glatten Romanfiguren, sondern Menschen mit Ecken, Macken und dieser leichten Überforderung, die man Leben nennt. Besonders Elif bringt eine Energie mit, bei der man gleichzeitig grinsen und die Augen verdrehen möchte. So jemand nervt, bis man merkt, dass genau dieses Nerven vielleicht gerade gebraucht wird.

Die Geschichte springt durch Zeiten, Erinnerungen und offene Fragen. Das ist ruhig erzählt, manchmal fast tastend, aber nie kalt. Es geht um Verlust, Freundschaft, Schuld, Liebe und darum, dass das Leben einfach weiterläuft, auch wenn man selbst noch irgendwo am Straßenrand steht und nicht mitkommt.

Ganz ehrlich, an manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht. Ein paar Figuren hätten für mich noch mehr Raum bekommen dürfen. Aber die Atmosphäre, die Sprache und diese leise Wucht machen sehr viel wieder gut.

Und dann war da noch die tolle Bloggerbox von Ehrlich & Anders, bereitgestellt zum Buch, inklusive geheimer Mission 🤫 Da fühlt man sich natürlich direkt ein bisschen wie Teil dieser lauten Nacht. Nur ohne Kater. Hoffentlich.

Ein emotionaler, kluger und sehr menschlicher Roman, der nicht alles erklärt, aber vieles spürbar macht.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Ein Weckruf mit ordentlich Druck auf dem Kessel

Systemversagen
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Dieses Buch kommt nicht auf leisen Sohlen daher, es tritt eher die Tür ein, stellt den Aktenkoffer auf den Tisch und fragt: So, Deutschland, was ist hier eigentlich los?

Gabor Steingart nimmt sich in ...

Dieses Buch kommt nicht auf leisen Sohlen daher, es tritt eher die Tür ein, stellt den Aktenkoffer auf den Tisch und fragt: So, Deutschland, was ist hier eigentlich los?

Gabor Steingart nimmt sich in Systemversagen nicht weniger vor als den Zustand der Republik. Wirtschaft, Politik, Bildung, Verwaltung, Sozialstaat, alles wird einmal aufgeschraubt, durchgeleuchtet und mit ziemlich spitzer Feder kommentiert. Das liest sich nicht wie ein trockenes Sachbuch, sondern eher wie ein politischer Weckruf mit eingebautem Kaffeevollautomaten: stark, heiß und manchmal ein bisschen bitter.

Besonders gefallen hat mir, dass Steingart komplizierte Zusammenhänge verständlich macht. Man muss kein Wirtschaftsprofessor sein, um mitzukommen. Viele Stellen haben bei mir dieses unangenehme Nicken ausgelöst, bei dem man denkt: Mist, ganz falsch liegt er da nicht. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass hier jemand bewusst zuspitzt. Manche Thesen wirken so knallig formuliert, dass man innerlich kurz die Augenbraue hochzieht und denkt: Na, Gabor, jetzt aber langsam mit den jungen Pferden.

Trotzdem hat mich das Buch gepackt. Es macht wütend, nachdenklich und stellenweise sogar hoffnungsvoll. Kein Wohlfühlbuch, eher ein Tritt gegen das bequeme Sofa. Aber manchmal braucht es genau das, damit man wieder gerade sitzt.

Für alle, die politische und wirtschaftliche Debatten mögen, ist Systemversagen eine spannende, unbequeme und sehr lesbare Lektüre. Nicht jede Pointe sitzt perfekt, aber der Weckruf hallt ordentlich nach.

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Veröffentlicht am 02.05.2026

Wenn Geschichte plötzlich die Maske fallen lässt

Schneider / Schwerte
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Manchmal liest man ein Sachbuch und merkt schon nach wenigen Seiten: Na wunderbar, jetzt wird es unbequem. Schneider / Schwerte ist genau so ein Fall. Kein netter Spaziergang durch Geschichte, sondern ...

Manchmal liest man ein Sachbuch und merkt schon nach wenigen Seiten: Na wunderbar, jetzt wird es unbequem. Schneider / Schwerte ist genau so ein Fall. Kein netter Spaziergang durch Geschichte, sondern eher ein Gang in einen Keller, in dem jemand viel zu lange das Licht ausgelassen hat.

Angelina Pils nimmt sich Hans Ernst Schneider vor, später bekannt als Hans Schwerte, und legt Schicht für Schicht frei, wie aus einem SS-Offizier ein angesehener Hochschulmensch, Rektor und Vorzeigedemokrat werden konnte. Und ganz ehrlich, beim Lesen sitzt man da teilweise mit hochgezogener Augenbraue und denkt: Das kann doch nicht einfach so funktioniert haben. Tja. Offenbar konnte es das doch.

Besonders stark ist, dass das Buch nicht nur auf diese eine Person starrt. Es geht nicht bloß um einen Mann mit falschem Namen, sondern um ein ganzes System aus Wegsehen, Mitmachen, Anpassen und sehr bequemer Erinnerungslücke. Genau da wird es spannend und auch ziemlich bitter.

Der Stil ist sachlich, aber nicht trocken wie alter Zwieback. Man merkt die wissenschaftliche Tiefe, trotzdem bleibt der Stoff greifbar. Natürlich ist das kein Buch, das man mal eben nebenbei wegatmet. Man muss schon dabei bleiben. Aber wer sich für Nachkriegsgeschichte, Erinnerungskultur und diese seltsamen Brüche in der Bundesrepublik interessiert, bekommt hier richtig viel Futter.

Für mich ist Schneider / Schwerte ein starkes, wichtiges und ziemlich nachhallendes Sachbuch. Nicht gemütlich, nicht leicht, aber genau deshalb lesenswert. Geschichte klopft hier nicht höflich an, sie tritt eher mit schmutzigen Schuhen in den Raum.

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Veröffentlicht am 01.05.2026

Wenn Paris plötzlich nach Verbot und Herzklopfen schmeckt

All the prices we pay - Hearts of Paris
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Paris hat in dieser Geschichte keinen glitzernden Postkartenfilter, sondern fühlt sich dunkel, verboten und gefährlich lebendig an. Zwischen alten Mauern, illegalen Partys und unausgesprochenen Wahrheiten ...

Paris hat in dieser Geschichte keinen glitzernden Postkartenfilter, sondern fühlt sich dunkel, verboten und gefährlich lebendig an. Zwischen alten Mauern, illegalen Partys und unausgesprochenen Wahrheiten entsteht eine Atmosphäre, die sofort neugierig macht und gleichzeitig dieses leise Kribbeln im Bauch auslöst.

Nicolas hat mich besonders berührt, weil er so sehr versucht, perfekt zu funktionieren. Der perfekte Sohn, der perfekte Student, der Mensch, der bloß keine Risse zeigen darf. Gerade dadurch wurde seine innere Zerrissenheit für mich spürbar. Harmony bringt mit ihren pinken Haaren, ihrer wilden Art und ihrer Energie genau das Chaos in sein Leben, das er eigentlich meiden müsste.

Die Verbindung zwischen den beiden lebt nicht nur von Anziehung, sondern auch von Verletzlichkeit. Dieses langsame Näherkommen, das Kämpfen gegen Gefühle und die Angst, gesehen zu werden, haben für mich sehr gut zum New Adult Genre gepasst.

Manchmal hätte ich mir noch etwas mehr Tiefe in einzelnen Momenten gewünscht, aber insgesamt ist es ein intensiver Reihenauftakt mit Herzklopfen, Schattenseiten und Figuren, die nicht einfach nur lieben, sondern erst lernen müssen, sich selbst auszuhalten.

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