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Veröffentlicht am 07.05.2026

Eine wirklich exklusive Liebe!

Eine exklusive Liebe
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Ein wunderbares Buch, das mich zum perfekten Zeitpunkt fand, als ich frustriert und furchtbar uninspiriert war. Johanna Adorján setzt ihren Großeltern ein literarisches Denkmal, diesen beiden Menschen, ...

Ein wunderbares Buch, das mich zum perfekten Zeitpunkt fand, als ich frustriert und furchtbar uninspiriert war. Johanna Adorján setzt ihren Großeltern ein literarisches Denkmal, diesen beiden Menschen, die sie zeitlebens mit kindlicher Ehrfurcht bewundert, und nie richtig verstanden hat. Sie rekonstruiert den Tag des gemeinsamen Suizids und begibt sich gleichzeitig auf die Suche nach den Geschichten dahinter. Wer war dieses Ehepaar, das sich zeitlebens siezte, hinter der fast glamourösen Fassade - und wer bin ich eigentlich, wie passe ich da rein und zu ihnen? Eine sehr persönliche Aufarbeitung ist es geworden, aber auch ein wichtiges Zeitzeugnis, denn gerade der sich bei den Recherchen oft gezeigte Unwille der befragten Menschen, an den alten Zeiten zu rühren, offenbart besonders eindrücklich den traumatischen Charakter der Erlebnisse, und wie diese bis zum Tod und darüber hinaus zusammenschweißen.

Die Geschichte einer wirklich exklusiven Liebe zweier Menschen füreinander - und die eines Mädchens für seine Großeltern. Sehr bewegend, erschütternd, zärtlich. Große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 07.05.2026

So heiß!

Ewig Sommer
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Es ist schon Oktober und doch liegt noch immer diese unglaubliche Hitze über dem ehemaligen Kurort Bad Heim, die Wälder brennen, eine feine Ascheschicht färbt alles grau, der Ausnahmezustand steht unmittelbar ...

Es ist schon Oktober und doch liegt noch immer diese unglaubliche Hitze über dem ehemaligen Kurort Bad Heim, die Wälder brennen, eine feine Ascheschicht färbt alles grau, der Ausnahmezustand steht unmittelbar bevor. Iris lebt hier alleine in dem Hotel der Großeltern, alle sind längst verstorben oder weg, alle außer der alten Nachbarin Baby und ihr selbst, Gäste gibt es schon länger keine mehr - bis eines Tages eine Frau mit ihrer kleinen Tochter auftaucht, einfach an ihrer Rezeption steht und bleibt. Verschlossen ist die Frau, Dori, geheimnisvoll und manchmal seltsam abwesend, das kleine Mädchen still und oft auf sich allein gestellt, wie Iris irritiert feststellt. Eine unruhig vibrierende Aura umgibt beide, die Iris spürt, aber nicht ganz greifen kann. Und doch, eine Art Alltag stellt sich ein, ein Rythmus aus gemeinsamen Mahlzeiten und beiläufigen Gesprächen, der ihr zu gefallen beginnt, ebenso wie das Kind um sich zu haben, und besonders Dori. Während die Gefahr um sie herum sich mit einer Mordshitze heranfrisst, wird auch Iris’ stabiles, eintöniges Leben von einer Unsicherheit erfasst, die sie schwindeln lässt, aber auch das leise Versprechen, die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft verspricht.

Wow - das war einfach fantastisch! Wieder ein deutschsprachiges Debüt, das mich über alle Maßen begeistern konnte, was ist da bitte los im Moment, wo kommen all die talentierten Autorinnen her? Franziska Gänslers Roman „Ewig Sommer“ lotet ruhig und fein nuanciert die großen Fragen unserer Zeit aus. Wie kann ein glückliches Leben aussehen angesichts des Klimawandels, der Entscheidungen, die es heute mehr als je zuvor zu treffen gilt, dem Wunsch nach persönlicher Entfaltung? Jeder Satz sitzt und trifft, 200 Seiten präzise Sprache, die einfach nur Freude macht und mitreißt, einen faszinierenden Sog ausübt. Sensibel, sehr behutsam geht Gänsler mit ihren Figuren um, nie wertend lässt sie ihre Lesenden diese zarte, ja, beglückende Geschichte erkunden. Ein Highlight - lesen! Bitte!

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Eins der besten Bücher überhaupt!

Der alte König in seinem Exil
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Den Großvater hat es damals auch getroffen und trotzdem bleibt sie lange unerkannt, die Krankheit, die den Vater von Arno Geiger Stück für Stück aus dieser Welt holt, ihr Netz bedächtig strickt, so schleichend, ...

Den Großvater hat es damals auch getroffen und trotzdem bleibt sie lange unerkannt, die Krankheit, die den Vater von Arno Geiger Stück für Stück aus dieser Welt holt, ihr Netz bedächtig strickt, so schleichend, dass es erst keinem auffällt und Jahre dauert bis klar ist, dass der August nicht einfach nur ein bisschen schusselig, nicht nur durch die Trennung von seiner Frau so antriebslos geworden ist. Eine schwere Zeit ist das für die Familie, besonders für den Erkrankten, der bohrende Ängste durchgestanden haben muss, und geprägt von den Schuldgefühlen der Kinder, als die Diagnose Demenz sich nicht mehr leugnen und die Ärgernisse der Vergangenheit in ganz neuem Licht erscheinen lässt. Doch Zeit haben sie, wenn auch irgendwo am Horizont begrenzt, Zeit die der Autor sich nimmt, nehmen will, um dem Vater beizustehen und gemeinsame Erinnerungen zu schaffen, während Augusts immer mehr verblassen, die lichten Momente immer seltener werden. Intensive Stunden sind das, die ein hohes Maß an Kreativität erfordern um sich auf die sich stetig verändernde Realität des Vaters einzustellen. Doch die Krankheit öffnet auch neue Türen, wo sie andere schließt. Da ist eine Zärtlichkeit, die vorher so nicht möglich war, tiefes Verständnis für die Eigenarten des anderen, ein feiner Humor ist dem Vater inne, eine subtile Klugheit, die sich in erstaunlich treffenden Gedanken äußert. So lernt Geiger ihn noch einmal ganz neu kennen, diesen Mann, der nichts so sehr liebte wie daheim zu sein, sicher und geborgen in seinem selbstgebauten, etwas schiefen Haus; diesen verschlossenen, immer nur leicht an der Oberfläche kratzenden, bloß nicht tiefer rührenden Menschen, der seine Kinder zwar begleitet doch nie wirklich angeleitet hat.

„Es ist eine seltsame Konstellation. Was ich ihm gebe, kann er nicht festhalten. Was er mir gibt, halte ich mit aller Kraft fest.“ S. 178

Welch ein menschliches, in seiner Schlichtheit geniales Buch! Ich war tief bewegt, hab gelacht und auch ein bisschen geweint, und dazwischen viel an meine Mutter gedacht, an meinen Schwiegervater und an meinen Schwager, dessen Mutter diese grausame Krankheit ebenfalls geholt hat. An all die Menschen, die zu früh gehen mussten und schmerzlich fehlen. „Es heißt: Wer lange genug wartet, kann König werden.“

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Ein sehr besonderes Buch!

Solange wir schwimmen
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Solange wir schwimmen ist es nur ein hauchfeiner Riss. Eine zarte, im bewegten Wasser fast unsichtbare Linie am Ende von Bahn vier, eine winzige Anomalie in der Atmosphäre. Solange wir schwimmen wissen ...

Solange wir schwimmen ist es nur ein hauchfeiner Riss. Eine zarte, im bewegten Wasser fast unsichtbare Linie am Ende von Bahn vier, eine winzige Anomalie in der Atmosphäre. Solange wir schwimmen wissen wir genau, was zu tun ist: eintauchen, kraftvoll das Wasser durchstoßen, auftauchen, Luft holen. Solange wir schwimmen ist nebensächlich, wer wir da draußen sind, im echten Leben. Solange wir schwimmen ist es nur ein verirrter Cremetiegel im Gefrierschrank, ein plötzlich abwesend werdender Blick, ein irritierender Moment, bevor deine Stimme zu ihr durchdringt und die vertrauten Züge annimmt. Solange wir schwimmen ist Alice noch Alice, ist Alice deine Mutter und noch da, kannst du sie noch ein wenig festhalten.

Ich habe vor zehn Jahren Julie Otsukas „Wovon wir träumten“ gelesen und dieses eindrückliche, originelle Buch über die Sehnsüchte, Hoffnungen und den Schmerz junger Japanerinnen in den USA sehr geliebt und nie vergessen. In ihrem neuen Roman widmet die Autorin sich erneut einem sehr persönlichen, wenn auch gegenwärtigerem Thema, dem der Demenz, des leisen Verschwindens eines Menschen. Wie schon damals eröffnet die Autorin einen vielstimmigen Kanon mit ihrer ungewöhnlichen Wahl der Wir-Erzählperspektive sowie dem Stilmittel der Repetition, der steten Wiederholung. Die lyrische Sprache, gleichsam monoton wie dringlich, treibt den Plot schnell voran, die kurzen Sätze geben einen meditativen Rhythmus vor. Ein sehr berührendes, besonderes Leseerlebnis und eine große Empfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Neues Lieblingsbuch

Das Haus der Türen
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Doornfontein, Südafrika, 1947.
Lesley Hamlyn lebt ein zurückgezogenes Leben, als ein Päckchen eintrifft, dessen Inhalt alte Geister heraufbeschwört. Darin: „Der Kasuarinenbaum“, ein Buch, geschrieben ...

Doornfontein, Südafrika, 1947.
Lesley Hamlyn lebt ein zurückgezogenes Leben, als ein Päckchen eintrifft, dessen Inhalt alte Geister heraufbeschwört. Darin: „Der Kasuarinenbaum“, ein Buch, geschrieben von W. Somerset Maugham, einem Freund ihres verstorbenen Mannes, der 1921 den Sommer bei ihnen in Penang, Malaysia, verbrachte. Der Autor befindet sich damals in einer schöpferischen Krise und hofft, hier neue Kräfte und Ideen sammeln zu können. Lesley ist zu Beginn unnahbar, fast kühl; eine Frau, die unter ihrer geheimnisbelasteten Ehe und den starren Konventionen der Kolonialgesellschaft verborgen eine stille, tiefe Einsamkeit in sich trägt.

Die Begegnung zwischen Maugham und Lesley bildet den narrativen Mittelpunkt dieses vielschichtigen Romans. Während seines Aufenthalts wächst zwischen ihnen ein vorsichtiges Vertrauensverhältnis, in dem Lesley sich nach und nach öffnet und dem fremden Gast bisher verborgene Teile ihrer Vergangenheit, ihre Sehnsüchte und Verletzlichkeiten anvertraut; im vollen Bewusstsein, dass Maugham all dies in Literatur verwandeln kann – und wird. Beide leiden, brauchen einander und so gehen sie einen unausgesprochenen Pakt ein: Er erhält echte Geschichten, sie einen aufmerksamen Zuhörer. Durch den Akt des Erzählens gewinnt Lesley die Hoheit über ihre eigene Geschichte zurück und übergibt sie zugleich furchtlos an die Welt. Was für Maugham zur Quelle neuer Inspiration wird, wird für Lesley zu einer Form der Selbstbefreiung, die ihr weiteres Leben prägt, und ihren Weg aus dem privaten Raum hinaus in die Literatur findet.

Tan Twan Engs biografisch gefärbter Roman ist eins meiner absoluten Highlights in diesem Jahr. Die Sprache ist von ruhiger Schönheit, die Atmosphäre melancholisch und von einer tropischen Schwere durchzogen, die sowohl die äußere Landschaft Penangs als auch die inneren Spannungen der Figuren wie auch die unterschwellig brodelnden politischen Strömungen der Zeit widerspiegelt. Hinter der eleganten kolonialen Fassade liegt durchweg ein Gefühl von etwas Unausgesprochenem, das wie feuchte Hitze in der Luft hängt, die Handlung leise, aber intensiv auflädt und mich ab der ersten Seite gefangen hielt. Große Empfehlung!

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