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Veröffentlicht am 16.08.2021

Generationskonflikte zwischen Tradition und Fortschritt

Wildtriebe
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Nachdem Elisabeth’s Brüder nicht aus dem zweiten Weltkrieg wiederkamen, wird sie die Erbin des Bethches-Hofes. Den Erhalt und den Fortbestand des Hofes sieht sie als ihr Lebenswerk an. Seit Generationen ...

Nachdem Elisabeth’s Brüder nicht aus dem zweiten Weltkrieg wiederkamen, wird sie die Erbin des Bethches-Hofes. Den Erhalt und den Fortbestand des Hofes sieht sie als ihr Lebenswerk an. Seit Generationen geprägt von Traditionen, festen Regeln, im Rhythmus des Jahresverlaufes und der Versorgung der Tiere. Als nun Konrad, ihr einziger Sohn und Hoferbe, Marlies heiratet, ist Lisbeth nicht sehr angetan von der modernen jungen Frau, die keine Bäuerin ist. Dies soll sich unter Lisbeth’s Führung ändern. Doch Marlies kann es ihrer Schwiegermutter nicht recht machen. Sie möchte sich nicht immer unterordnen, sondern ihr Leben selbst bestimmen. Sie nimmt wieder ihren Beruf im Kaufhaus auf, macht den Jagdschein und den Traktorführerschein. Lisbeth ist in ihren Traditionen und Wertvorstellungen so verankert, dass die stillen Kriege tagtäglich zu spüren sind, denn es wird nicht miteinander gesprochen, jeder macht das mit sich allein aus.
Als Marlies Tochter Joanna geboren wird, ist Lisbeth ganz stolze Oma, endlich hat der Hof eine Nachfolgerin. Doch die stillen Kämpfe bleiben, um Mützen, Kinderwagen oder Erziehung. Zwischen Lisbeth und Joanna entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung. Doch auch Joanna hat ihren ganz eigenen Lebensentwurf.

Die Männer in dieser Geschichte bleiben sehr im Hintergrund.

Dieser Roman ist sehr schön und atmosphärisch geschrieben, wobei der Schreibstil bzw. das Stilmittel mit den unvollendeten Sätzen für mich das ein oder andere Mal etwas gewöhnungsbedürftig war.
Die Geschichte spiegelt die Generationsunterschiede und die Lebensmodelle der drei Protagonistinnen, sowie die Landwirtschaft im Wandel der Zeit sehr schön wider.

Das sehr schön gestaltete Cover mit den drei Blumen kann man gut den drei Frauen zuordnen. Der Bezug gefällt mir sehr.

Fazit: Ein unaufgeregter gut zu lesender Roman.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Guter Krimi

Trauma – Kein Entkommen
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Katja Sand, eine taffe Mordermittlerin, und ihr Kollege Rudi Dorfmüller haben es hier mit 2 Toten zu tun. Der eine im Baggersee ertrunken, der andere kurze Zeit später im Kühlschrank erstickt. Nach der ...

Katja Sand, eine taffe Mordermittlerin, und ihr Kollege Rudi Dorfmüller haben es hier mit 2 Toten zu tun. Der eine im Baggersee ertrunken, der andere kurze Zeit später im Kühlschrank erstickt. Nach der Obduktion deutet alles auf Suizid hin. Doch erste Parallelen werden zwischen den Toten sichtbar. Beide Opfer waren traumatisiert. Dies wird auch durch den behandelnden Psychoanalytiker Dr. Alexander Hanning bestätigt. Entgegen den Anordnungen ihres Chefs ermittelt Katja weiter. Je tiefer sie gräbt, desto klarer werden die Zusammenhänge, doch dabei wird sie von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt.

Das Buch ist aufgeteilt in drei Teile. Am Anfang eines jeden Teils wird vom Trauma eines Kindes erzählt. Sehr brutal, verstörend, lässt Raum für Spekulationen wer dieses Kind ist.

Guter flüssiger Schreibstil. Die Protagonisten sind exzellente Ermittler. Katja ist in ihrer Art manchmal abweisend und auch mal ungerecht. Rudi ist der immer gutgelaunte, schlagfertige Kollege, der sie bei allem unterstützt. Die Ermittlungsarbeit wird leider durch das Privatleben von Katja oft unterbrochen. Ihre eigene unaufgearbeitete Vergangenheit steht ihr und dem Leser öfters im Weg.

Eine unterhaltsame Lektüre, die erst im zweiten Drittel an Spannung aufnimmt. Für mich eher ein guter Krimi als ein Thriller.

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Veröffentlicht am 09.05.2026

Stimmiger Cold Case ohne Sogwirkung

Home Before Dark
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Die Island-Krimis von Eva Björg Ægisdóttir hatten mich völlig begeistert und darum war ich auf ihren neuen Psychothriller absolut gespannt.

Schon das Cover und der Buchschnitt haben ein ansprechendes ...

Die Island-Krimis von Eva Björg Ægisdóttir hatten mich völlig begeistert und darum war ich auf ihren neuen Psychothriller absolut gespannt.

Schon das Cover und der Buchschnitt haben ein ansprechendes Alleinstellungsmerkmal.

Das Verschwinden von Marsibels Schwester Kristin von vor 10 Jahren blieb ein Cold Case, bis Marsibel einen Brief bekommt, der die Chance birgt, den Verbleib oder sogar den Tod von Kristin aufklären zu können.

Die Handlung springt dabei geschickt zwischen zwei Zeitebenen. In der einen im Jahr 1966, als Kristin noch gegenwärtig war und in einer zweiten Zeitebene 1977, in der Marsibel mit einer unglaublichen Vehemenz versucht zu ergründen, was mit ihrer Schwester passiert ist.

Handwerklich ist das Buch stark konstruiert. Die zwei Stränge fließen perfekt zusammen, sodass Kristíns letzte Monate und Marsibels Suche stimmig ineinandergreifen.

Die Charaktere sind individuell ausgearbeitet, dennoch blieb ich als Leser eher in der Rolle des distanzierten Betrachters. Im Nachgang wirkt dies fast wie eine bewusste Entscheidung der Autorin, um den Blick auf das große Ganze der Handlung zu schärfen.

Der Schreibstil ist gewohnt leichtgängig und die isländische Atmosphäre, dunkel, kühl und mysteriös, ist absolut greifbar. Dennoch blieb die Spannung über weite Teile der Story leider auf einem eher niedrigen Niveau. Ein atmosphärisch dichter Island-Krimi, der eher durch seine Konstruktion und Stimmung besticht als durch rasanten Nervenkitzel.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Gefühlvolle Spurensuche zwischen Gegenwart und DDR-Vergangenheit

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen wird hier in der Gegenwart die Geschichte von Hannah und in der Vergangenheit das Leben von Marlen erzählt. Für Hannah könnte ihr Leben einfach so weiterlaufen, doch ...

Auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen wird hier in der Gegenwart die Geschichte von Hannah und in der Vergangenheit das Leben von Marlen erzählt. Für Hannah könnte ihr Leben einfach so weiterlaufen, doch ihre beste Freundin Rubi eröffnet ihr, dass sie schwanger ist und mit ihrem Freund Max in ein alternatives Wohnprojekt auf dem Land zieht. Zusätzlich taucht plötzlich auch noch ihr Vater auf und möchte sich mit ihr treffen. Sein plötzliches Auftauchen wirft Fragen nach seinen wahren Beweggründen auf.

Parallel dazu erleben wir das Aufwachsen der 14-jährigen Marlen in der Nachkriegszeit der DDR. Sie wird von der Malerin Wilma adoptiert und entwickelt sich über die Jahre zu deren wichtigster Stütze.

Die Charaktere sind wunderbar detailliert ausgearbeitet, ihre innere Zerrissenheit und ihre Emotionen sind für mich als Leser absolut greifbar. Der Schreibstil ist angenehm ruhig, sehr emotional und fließt wunderbar dahin. Besonders spannend ist es, wie sich die beiden Zeitstränge nach und nach miteinander verweben.

Das verschwundene Bild wird hier nur sehr nebensächlich erwähnt. Wahrscheinlich wird es im Vorgängerbuch näher erläutert und so bleibt dieser, vielleicht entscheidende Aspekt, dem Leser vorenthalten. Hier sollte man wirklich die Vorgängerbände lesen, um die volle Tragweite der Geschichte zu erfassen. Alles in allem eine gute Lektüre, die mir einige berührende Lesestunden bereitet hat.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Eine Zugfahrt - ein Gespräch

In einem Zug
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Wie das Cover unschwer erahnen lässt, sitzen sich in einem Zug von Wien nach München Eduard Brünhofer, schon etwas in die Jahre gekommen, und Catrin Meyr, eine Frau frühen mittleren Alters, schräg gegenüber. ...

Wie das Cover unschwer erahnen lässt, sitzen sich in einem Zug von Wien nach München Eduard Brünhofer, schon etwas in die Jahre gekommen, und Catrin Meyr, eine Frau frühen mittleren Alters, schräg gegenüber. Er einst erfolgreicher Liebesromanautor mit Schreibblockade, sie Physio- und Psychotherapeutin ohne längere tiefgreifende Beziehungen. Und so kommt es wie es kommen muss, sie verwickelt ihn in ein Gespräch. Nichts belangloses, sondern über die Liebe und mit jeder Frage entlockt sie Eduard mehr über seine eigene Liebe und die Beziehung zu seiner Ehefrau Gina.

Die raffinierten wie tiefgründigen Dialoge sind das Kernstück dieser Zugfahrt. Wortgewandt, mit Humor und Selbstironie führt uns Glattauer auch durch die Gedankenwelt von Eduard.

Die Spannung bzw. Anspannung wächst mit jeder Haltestelle, die hier eigene Kapitelüberschriften bilden und wo man als Leser noch die eine oder andere Anekdote zu dem jeweiligen Ort erfährt.

Eine kurzweilig geschriebene Geschichte mit überraschender Wendung. Eine Zugfahrt, ein Gespräch. Für Glattauer-Fans genau das Richtige.

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