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Veröffentlicht am 12.03.2022

Sehr speziell - von zurückhaltendem Charme

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Westjütland, das Land der kurzen Sätze, ein Landstrich mit sehr speziellen Menschen, etwas wortkarg und von sehr zurückhaltendem Charme. Eine junge Mutter zieht mit ihrem Partner und dem gemeinsamen noch ...

Westjütland, das Land der kurzen Sätze, ein Landstrich mit sehr speziellen Menschen, etwas wortkarg und von sehr zurückhaltendem Charme. Eine junge Mutter zieht mit ihrem Partner und dem gemeinsamen noch namenlosen Baby nach Velling in eine Heimvolkshochschule, an der ihr Freund eine Anstellung als Lehrer bekommen hat. Für die Ich-Erzählerin ist das Leben auf einmal voller Hindernisse, doch sie wird von der Schulleiterin ermuntert, in der Lokalzeitung den Part des Kummerkastens zu übernehmen. Von da an verändert sich ihr Leben.

Die Romanhandlung, also der Alltag der Protagonistin mit Familie, Tagesmutter, Begegnungen mit Freunden und den Dorfbewohnern, Fahrschule und dem Leben in der Heimvolkshochschule, wechselt sich ab mit Anfragen und Antworten des Kummerkastens, sowie Liedertexten.

Mir persönlich haben die tiefsinnig und mit Wortwitz angereicherten Antworten des Kummerkastens am besten gefallen. Der schnelle Wechsel der kurzen Kapitel hat für mich keine Einheit ergeben. Anfänglich war auch der Schreibstil sehr gewöhnungsbedürftig. Trotzdem werde ich das Buch mit Sicherheit noch einmal lesen und versuchen, mich ganz darauf zu fokussieren und es als einen Roman darüber zu sehen, sich mit Humor und Menschenfreundlichkeit im Nirgendwo auf die Mitte des Lebens einzulassen.

Erst dachte ich, was für ein merkwürdiges Cover, doch als ich das Buch in den Händen hielt, war ich von der Gestaltung ganz angetan. Das untere Dreiviertel ist ein Schutzumschlag und hat eine ganz leicht glänzende, strukturierte Oberfläche. Macht man ihn ab, vervollständigt sich das Bild mit den Wolken über der Dünenlandschaft von Westjütland. Tolle Idee, so gefällt es mir richtig gut.

Sehr spezielle Lektüre, aber im Nachhinein betrachtet vergebe ich gerne 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 16.08.2021

Generationskonflikte zwischen Tradition und Fortschritt

Wildtriebe
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Nachdem Elisabeth’s Brüder nicht aus dem zweiten Weltkrieg wiederkamen, wird sie die Erbin des Bethches-Hofes. Den Erhalt und den Fortbestand des Hofes sieht sie als ihr Lebenswerk an. Seit Generationen ...

Nachdem Elisabeth’s Brüder nicht aus dem zweiten Weltkrieg wiederkamen, wird sie die Erbin des Bethches-Hofes. Den Erhalt und den Fortbestand des Hofes sieht sie als ihr Lebenswerk an. Seit Generationen geprägt von Traditionen, festen Regeln, im Rhythmus des Jahresverlaufes und der Versorgung der Tiere. Als nun Konrad, ihr einziger Sohn und Hoferbe, Marlies heiratet, ist Lisbeth nicht sehr angetan von der modernen jungen Frau, die keine Bäuerin ist. Dies soll sich unter Lisbeth’s Führung ändern. Doch Marlies kann es ihrer Schwiegermutter nicht recht machen. Sie möchte sich nicht immer unterordnen, sondern ihr Leben selbst bestimmen. Sie nimmt wieder ihren Beruf im Kaufhaus auf, macht den Jagdschein und den Traktorführerschein. Lisbeth ist in ihren Traditionen und Wertvorstellungen so verankert, dass die stillen Kriege tagtäglich zu spüren sind, denn es wird nicht miteinander gesprochen, jeder macht das mit sich allein aus.
Als Marlies Tochter Joanna geboren wird, ist Lisbeth ganz stolze Oma, endlich hat der Hof eine Nachfolgerin. Doch die stillen Kämpfe bleiben, um Mützen, Kinderwagen oder Erziehung. Zwischen Lisbeth und Joanna entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung. Doch auch Joanna hat ihren ganz eigenen Lebensentwurf.

Die Männer in dieser Geschichte bleiben sehr im Hintergrund.

Dieser Roman ist sehr schön und atmosphärisch geschrieben, wobei der Schreibstil bzw. das Stilmittel mit den unvollendeten Sätzen für mich das ein oder andere Mal etwas gewöhnungsbedürftig war.
Die Geschichte spiegelt die Generationsunterschiede und die Lebensmodelle der drei Protagonistinnen, sowie die Landwirtschaft im Wandel der Zeit sehr schön wider.

Das sehr schön gestaltete Cover mit den drei Blumen kann man gut den drei Frauen zuordnen. Der Bezug gefällt mir sehr.

Fazit: Ein unaufgeregter gut zu lesender Roman.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Guter Krimi

Trauma – Kein Entkommen
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Katja Sand, eine taffe Mordermittlerin, und ihr Kollege Rudi Dorfmüller haben es hier mit 2 Toten zu tun. Der eine im Baggersee ertrunken, der andere kurze Zeit später im Kühlschrank erstickt. Nach der ...

Katja Sand, eine taffe Mordermittlerin, und ihr Kollege Rudi Dorfmüller haben es hier mit 2 Toten zu tun. Der eine im Baggersee ertrunken, der andere kurze Zeit später im Kühlschrank erstickt. Nach der Obduktion deutet alles auf Suizid hin. Doch erste Parallelen werden zwischen den Toten sichtbar. Beide Opfer waren traumatisiert. Dies wird auch durch den behandelnden Psychoanalytiker Dr. Alexander Hanning bestätigt. Entgegen den Anordnungen ihres Chefs ermittelt Katja weiter. Je tiefer sie gräbt, desto klarer werden die Zusammenhänge, doch dabei wird sie von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt.

Das Buch ist aufgeteilt in drei Teile. Am Anfang eines jeden Teils wird vom Trauma eines Kindes erzählt. Sehr brutal, verstörend, lässt Raum für Spekulationen wer dieses Kind ist.

Guter flüssiger Schreibstil. Die Protagonisten sind exzellente Ermittler. Katja ist in ihrer Art manchmal abweisend und auch mal ungerecht. Rudi ist der immer gutgelaunte, schlagfertige Kollege, der sie bei allem unterstützt. Die Ermittlungsarbeit wird leider durch das Privatleben von Katja oft unterbrochen. Ihre eigene unaufgearbeitete Vergangenheit steht ihr und dem Leser öfters im Weg.

Eine unterhaltsame Lektüre, die erst im zweiten Drittel an Spannung aufnimmt. Für mich eher ein guter Krimi als ein Thriller.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Eine Zugfahrt - ein Gespräch

In einem Zug
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Wie das Cover unschwer erahnen lässt, sitzen sich in einem Zug von Wien nach München Eduard Brünhofer, schon etwas in die Jahre gekommen, und Catrin Meyr, eine Frau frühen mittleren Alters, schräg gegenüber. ...

Wie das Cover unschwer erahnen lässt, sitzen sich in einem Zug von Wien nach München Eduard Brünhofer, schon etwas in die Jahre gekommen, und Catrin Meyr, eine Frau frühen mittleren Alters, schräg gegenüber. Er einst erfolgreicher Liebesromanautor mit Schreibblockade, sie Physio- und Psychotherapeutin ohne längere tiefgreifende Beziehungen. Und so kommt es wie es kommen muss, sie verwickelt ihn in ein Gespräch. Nichts belangloses, sondern über die Liebe und mit jeder Frage entlockt sie Eduard mehr über seine eigene Liebe und die Beziehung zu seiner Ehefrau Gina.

Die raffinierten wie tiefgründigen Dialoge sind das Kernstück dieser Zugfahrt. Wortgewandt, mit Humor und Selbstironie führt uns Glattauer auch durch die Gedankenwelt von Eduard.

Die Spannung bzw. Anspannung wächst mit jeder Haltestelle, die hier eigene Kapitelüberschriften bilden und wo man als Leser noch die eine oder andere Anekdote zu dem jeweiligen Ort erfährt.

Eine kurzweilig geschriebene Geschichte mit überraschender Wendung. Eine Zugfahrt, ein Gespräch. Für Glattauer-Fans genau das Richtige.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Außergewöhnlich schonungslos

Yoko
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Das in Pastellfarben gestaltete Cover dieses Buches ist schon ein Eyecatcher und kommt nur mit einem schwarzen Titelschriftzug daher.

Yoko ist eine junge Frau, die bei ihrem Vater in der Metzgerei gelernt ...

Das in Pastellfarben gestaltete Cover dieses Buches ist schon ein Eyecatcher und kommt nur mit einem schwarzen Titelschriftzug daher.

Yoko ist eine junge Frau, die bei ihrem Vater in der Metzgerei gelernt und diese später übernommen hat, um dort ihr Glück mit einer kleinen Glückskeksmanufaktur zu versuchen. Als sie eine Kiste Glückskekse an ein chinesisches Restaurant liefert und dort einem kleinen Hund zur Hilfe eilt, der von zwei Chinesen zu Tode geprügelt wird, fängt für sie der Alptraum an.

Bernhard Aichners Schreibstil ist speziell, rasant, brutal, schonungslos und an detailliert beschriebenen Aktionen wird nicht gespart. Der Rhythmik zwischen kurzen und längeren Sätzen ist gut austaxiert und machen den Thriller sehr dynamisch.

Yoko ist der Hauptcharakter, verletzlich, emotional, gerechtigkeitssuchend und über sich hinauswachsend. Alle weiteren Nebenfiguren geben der Geschichte den nötigen Hintergrund. Der Autor versteht es, die Spannung von Anfang an auf einem recht hohen Niveau zu platzieren und zu halten.

Leider war der Rachefeldzug in einigen Teilen etwas unglaubwürdig, trotzdem hat mich der Thriller gut unterhalten.

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