Profilbild von Archer

Archer

Lesejury Star
offline

Archer ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Archer über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2018

Axeman's Jazz

Höllenjazz in New Orleans
0

New Orleans, 1919. Ein Serienkiller geht in der Stadt um, und fast in der Tradition des berüchtigten Jack the Rippers schreibt der "Axeman" Briefe an die Zeitungen. Drei verschiedene Parteien versuchen, ...

New Orleans, 1919. Ein Serienkiller geht in der Stadt um, und fast in der Tradition des berüchtigten Jack the Rippers schreibt der "Axeman" Briefe an die Zeitungen. Drei verschiedene Parteien versuchen, ihn zu finden: der Ermittler Michael Talbot, der in seinem eigenen Revier zum Abschuss freigegeben ist, weil er als Nestbeschmutzer gilt, seit er gegen den beliebten Ex-Bullen Luca d'Andrea ausgesagt hat, der dafür fünf Jahre im Knast verschwand. Jetzt ist Luca wieder draußen und bekommt vom Mafiapaten den Auftrag, den Axeman zu stellen. Und dann ist da noch Ida, eine junge Frau, die als Mädchen für alles in der Pinkerton-Abteilung von NO arbeitet, die aus genau ihr und ihrem Chef besteht. Wer ist der Mörder? Welche Motive treiben ihn an? Der Regen wütet überLouisiana, die Volksseele kocht und tanzt und niemand ist mehr sicher.

Historische Krimis, die auch noch auf wahren Fällen beruhen, finde ich von Natur aus spannend. Allerdings fand ich die erste Hälfte des Buches ein wenig zäh, obwohl (oder gerade weil?) es verschiedene Perspektiven gab, aus denen erzählt wurde. Gut getroffen fand ich die Zeit, die geprägt war durch die Schwarze Hand (Mafia) und dem noch immer schwelenden Rassenhass. Ab der zweiten Hälfte ging es ein bisschen flotter zur Sache und man konnte erkennen, dass es eigentlich keine Pro- oder Antagonisten mehr gab; auf Dauer waren fast alle korrumpiert und brutal, und die Leute starben wie die Fliegen. Ein wenig unklar war mir zum Schluss die Motivation von Luca; sehr interessant hingegen ist die Spielerei des Autors mit der Tatsache, dass alle drei Ermittlungen in verschiedene Richtungen gingen, aber trotzdem alle die Lösung fanden. Es war also schon eine interessante Lektüre, die durchaus fesselnder hätte sein können, wenn sich Autor und/oder Lektor für etwas mehr Straffung entschieden hätten.

Veröffentlicht am 30.03.2018

Magpie Murders

Die Morde von Pye Hall
0

Atticus Pünd ist einer der berühmtesten Detektive Englands - zumindest in der Literatur. Der Bestsellerautor Alan Conway liefert seinen achten und letzten Roman mit dem deutsch-griechischen Meisterdedektiv ...

Atticus Pünd ist einer der berühmtesten Detektive Englands - zumindest in der Literatur. Der Bestsellerautor Alan Conway liefert seinen achten und letzten Roman mit dem deutsch-griechischen Meisterdedektiv ab, und Susan Ryeland, seine Lektorin, freut sich darauf. Doch nicht lange - ausgerechnet das Schlusskapitel, in welchem Atticus normalerweise alle Verdächtigen versammelt und den Mörder benennt, fehlt. Damit nicht genug, erreicht am darauffolgenden Montag den Verlag ein Brief, der verdächtig nach Suizid klingt. Und wirklich, Alan Conway ist tot. Susan kann weder den einen Tod noch das unvollständige Ende auf sich beruhen lassen, ganz im Stile Atticus' nimmt sie Ermittlungen auf.

Ein Krimi in einem Krimi, keine schlechte Idee. Auch die Umsetzung war zum größten Teil spannend, wobei mir der zweite Teil "in der Realität" um ein Stück besser gefallen hat. Zu gemächlich war mir die Geschichte um Atticus gestrickt, nicht so sehr, dass ich mich gelangweilt habe, aber, und wahrscheinlich mit Absicht, so konzipiert, dass ich ständig das Gefühl hatte: alles schon mal gesehen und gelesen. Mir fehlte zwischendurch der Sog, unbedingt weiterlesen zu müssen, spannender kam mir der zweite Teil mit Susans Ermittlungen vor, als sich herausstellte, was alles aus dem Buch des Autors mit seinem realen Leben übereinstimmte und als beide Fälle zu einem Abschluss gebracht wurden. Dabei wiederum fand ich Atticus' Lösung ein wenig stimmiger als den des "true crimes".

Veröffentlicht am 24.03.2018

Hautgier

Palace of Glass - Die Wächterin
0

Rea lebt in einem London der Zukunft, doch die Umgangsformen sind steifer als zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Berührungen sind strengstens verboten, lediglich Ehepaare dürfen, und auch dann nur im Sinne ...

Rea lebt in einem London der Zukunft, doch die Umgangsformen sind steifer als zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Berührungen sind strengstens verboten, lediglich Ehepaare dürfen, und auch dann nur im Sinne der Fortpflanzung. Diese Gesetze wurden geschaffen, um zu verhindern, dass magisch begabte Menschen, sogenannte Magdalenen, in den Geist eines anderen eindringen und ihn manipulieren können. Rea ist eine dieser Magdalenen, was niemand erfahren darf, denn dann ist ihr Leben nichts mehr wert. Sie nutzt ihre Gabe, um in illegalen Kämpfen ihre überlegenen Gegner auszuschalten - doch genau das wird ihr zum Verhängnis. Eines Tages steht der Geheimdienst vor ihrer Tür und sie wird gezwungen, die Leibwächterin des Kronprinzen zu werden. Plötzlich wird sie in Intrigen, Verrat und Lebensgefahr gebracht, denn nicht nur eine unterschwellige Rebellion, die das Leben des Prinzen bedroht, sondern auch ihr Geheimnis kann tödlich für sie ausgehen.

Die Idee und auch die Umsetzung ist schon mal richtig krass gut. Ich mochte dieses moderne England, in welchem ein Königshaus herrscht und Sitten aus einer Zeit vor 200 Jahren. Es war auch spannend und interessant geschrieben, sodass ich erfahren möchte, wie es in den nächsten Bänden weitergeht. Einige Sachen waren für mich nicht richtig stimmig; ohne spoilern zu wollen kann ich damit nur auf die Liebe zwischen Rea und dem Prinzen eingehen und das Verhalten einiger Personen. Vielleicht klärt sich da noch einiges in den Folgebüchern, doch falls nicht, ergibt nicht alles einen richtigen Sinn für mich. Wie gesagt, man muss abwarten, das Lesen hat auf jeden Fall schon mal Spaß gemacht.

Veröffentlicht am 28.02.2018

Der Dichter zweyter Streich

Die Affäre Carambol (Goethe und Schiller ermitteln)
0

Goethe hat Schiller nach Franckfurt eingeladen, seine Heimatstadt. Schon die Reise dorthin steht unter keinem guten Stern, vier Kutschen brauchen sie wegen Defekten und Unfällen, und einen Tag zu spät ...

Goethe hat Schiller nach Franckfurt eingeladen, seine Heimatstadt. Schon die Reise dorthin steht unter keinem guten Stern, vier Kutschen brauchen sie wegen Defekten und Unfällen, und einen Tag zu spät erreichen sie ihr Ziel. Dann jedoch entwickelt sich ihr Aufenthalt zu einer angenehmen Erfahrung, bis zu dem Tag, an dem sie abreisen wollen. Genau dann bitten ein paar Stadträte um ihre Hilfe. Wie es scheint, versucht jemand, die Stadt mit aller Gewalt zu einem Krieg mit Napoleon zu zwingen, und das, obwohl sich Franckfurt durch seine Reparationszahlungen an Frankreich ohnehin nichts mehr leisten kann. Jemand geht über Leichen, skrupellos, und nur Goethe und Schiller scheinen in der Lage, ihn aufzuhalten. Schon bald befinden sich die Dichter in höchster Lebensgefahr.

Ich gehe nicht oft auf Cover oder Handling ein, aber in dem Fall mache ich eine Ausnahme. Das Buch ist klein und das Cover in einem altmodischen Stil gehalten, wie auch die echten Bücher der Dichter hätten aussehen können, finde ich eine coole Idee, zumal der Verlag ein Nachfolger von Cotta ist, dem Herausgeber sowohl Goethes als auch Schiller.
Wie auch im ersten Abenteuer um diese beiden wird hier zum Teil die alte Schreibweise beibehalten, auch der Stil ist ganz im Sinne des späten 18./sehr, sehr frühen 19. Jahrhunderts anzusiedeln. Dass ich nicht volle Punktzahl vergebe, ist dem Schluss geschuldet, der für mich ein wenig lahm gestaltet war, ansonsten wusste das Büchlein wieder sehr gut mit kurzen Kapiteln, aberwitzigen Geschehnissen und beiläufigen Informationen um die berühmtesten deutschsprachigen Dichter zu unterhalten.

Veröffentlicht am 22.02.2018

Zeit ist Geld

Everless 1. Zeit der Liebe
0

Jules lebt in einer Welt, in der man sein Blut abzapfen lassen, es zu Gold prägen kann und dadurch Lebenszeit verliert. Die Ärmsten der Armen haben nichts anderes als das, viele sterben ausgezehrt vor ...

Jules lebt in einer Welt, in der man sein Blut abzapfen lassen, es zu Gold prägen kann und dadurch Lebenszeit verliert. Die Ärmsten der Armen haben nichts anderes als das, viele sterben ausgezehrt vor ihrer Zeit. Auch Jules und ihr Vater gehören dazu, und selbst für die Miete ihrer heruntergekommenen Kate muss Jules Vater zu Ader gelassen werden. Um ihre Situation aufzubessern, lässt sich das Mädchen als Dienerin auf Everless anheuern, da die Hochzeit des jüngeres Sohnes der Familie Gerling mit dem Mündel der Königin ansteht. Als Kind hat sie bereits auf dem Schloss gelebt, und sie weiß, dass diese adlige Familie aus blutsaugenden Ausbeutern besteht, doch sie hat keine andere Wahl. Und dann kommt sie hinter ein Geheimnis - ihr Geheimnis - das Menschenleben kosten wird.

Eine richtig originelle Idee! Ich mochte den Einstieg in diese Welt, auch die Protagonisten waren mir anfangs sympathisch. Mit dem Fortlauf der Geschichte musste ich allerdings einsehen, dass ich nicht viel mit Jules gemeinsam habe, ich verstand sie meistens gleich mal gar nicht, ihre Handlungen und Denkweise wurden mir immer suspekter. Irgendwo ab der Mitte wurden einige Ereignisse vorsehbar, doch dann wiederum gab es Dinge, die sogar mich überrascht haben, obwohl ich viele Bücher dieser Art gelesen habe. Auf jeden Fall ein Pluspunkt! Manches war too much. Sie ist immer noch einen Jungen verliebt, mit dem sie als Siebenjährige gespielt und zehn Jahre nicht gesehen hat? Really? Von solchen Sachen abgesehen fand ich es spannend, in diese gleichzeitig bekannte, mittelalterlich angehauchte und doch so fremde magische Welt einzutauchen.