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Veröffentlicht am 28.05.2026

Ein Garten voller Geschichte, Hoffnung und Herz

Ein Ort, der bleibt
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Manchmal braucht ein Buch keine lauten Knalleffekte, um richtig tief zu gehen. Ein Ort, der bleibt macht das eher auf die feine Art. Still, klug, warmherzig und plötzlich sitzt man da, liest von einem ...

Manchmal braucht ein Buch keine lauten Knalleffekte, um richtig tief zu gehen. Ein Ort, der bleibt macht das eher auf die feine Art. Still, klug, warmherzig und plötzlich sitzt man da, liest von einem Botanischen Garten in Istanbul und denkt sich: Na toll, jetzt hänge ich emotional an Pflanzen, Menschen und Orten, die ich vorher gar nicht kannte.

Sandra Lüpkes erzählt von drei Frauen, drei Generationen und einem Ort, der mehr ist als nur Kulisse. Magda, die mit ihrer Familie Deutschland verlassen muss, weil ihr Mann Alfred 1933 als Jude seine Stelle verliert. Mehpare, die im Botanischen Garten arbeitet und dabei nicht nur Pflanzen sortiert, sondern auch ihr eigenes Gefühlschaos irgendwie in den Griff bekommen muss. Und Imke, die viele Jahre später nach Istanbul kommt und merkt, dass Vergangenheit nie einfach brav im Archiv liegen bleibt.

Besonders schön ist, wie ruhig der Roman erzählt ist. Nicht langweilig ruhig, sondern eher wie ein Garten am frühen Morgen. Da raschelt es, da wächst etwas, da merkt man erst nach ein paar Seiten, wie viel Leben eigentlich zwischen den Zeilen steckt. Historisch wirkt das Ganze sehr sauber recherchiert, aber zum Glück nie wie eine Geschichtsstunde mit erhobenem Zeigefinger. Danke dafür, mein innerer Schulmuffel hat erleichtert aufgeatmet.

Ein kleiner Punkt Abzug bleibt, weil das Erzähltempo stellenweise schon sehr gemächlich ist. Da hätte ich mir ab und zu einen kleinen Schubs gewünscht. Aber emotional, atmosphärisch und thematisch hat mich das Buch absolut bekommen.

Ein Roman über Heimat, Verlust, Neubeginn und die Frage, wo man eigentlich Wurzeln schlägt, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Leise, berührend und definitiv ein Buch, das bleibt.

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Veröffentlicht am 27.05.2026

Zwischen Eichenwald, Künstlerträumen und sehr viel Sehnsucht

Olevano
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Olevano klingt erstmal nach einem dieser Bücher, bei denen man denkt: Kunstgeschichte, Romantik, Bergdorf nahe Rom, na gut, holen wir uns vorher lieber noch einen Kaffee. Und dann sitzt man da, blättert ...

Olevano klingt erstmal nach einem dieser Bücher, bei denen man denkt: Kunstgeschichte, Romantik, Bergdorf nahe Rom, na gut, holen wir uns vorher lieber noch einen Kaffee. Und dann sitzt man da, blättert weiter und merkt: Moment mal, das ist gar nicht trocken, das lebt ja.

Golo Maurer nimmt einen mit in dieses abgelegene italienische Dorf, in dem junge deutsche Künstler um 1820 nicht einfach Urlaub gemacht haben, sondern gleich mal die Kunst neu erfinden wollten. Bescheiden waren die Herren also nicht gerade. Aber genau das macht den Reiz aus. Da wird gewandert, gezeichnet, gestritten, geträumt, gehofft und wahrscheinlich auch ordentlich gelitten, wie es sich für Romantiker eben gehört.

Besonders stark fand ich, wie greifbar Olevano als Sehnsuchtsort wird. Man spürt diese Mischung aus Flucht, Überforderung, Naturrausch und dem großen Wunsch, irgendwo etwas Echtes zu finden. Das hat schon Herz. Gleichzeitig schwingt immer mit, dass diese romantische Projektion auf ein Dorf und seine Menschen nicht ganz unschuldig ist. Da sitzt man beim Lesen schon mal da und denkt: Schön verklärt, Jungs, aber schaut vielleicht auch mal richtig hin.

Der Schreibstil ist angenehm bildhaft, klug und trotzdem zugänglich. Kein staubiger Museumsflur, eher ein Spaziergang durch Landschaft, Kunst und ein paar sehr große Künstler-Egos. Für mich ist das kein Buch, das man mal eben nebenbei wegatmet, aber eins, das hängen bleibt.

Ein schönes, besonderes Sachbuch für alle, die Italien, Kunst, Romantik und diese leicht verrückte Sehnsucht nach einem anderen Leben mögen.

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Veröffentlicht am 27.05.2026

Wenn Kindheit keine weiche Erinnerung ist

Zähe Hunde
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Manche Bücher kommen nicht leise daher, sie treten die Tür ein, stellen sich mitten in den Raum und zwingen einen hinzusehen. Zähe Hunde war für mich genau so ein Buch. Rau, schmerzhaft, kantig und trotzdem ...

Manche Bücher kommen nicht leise daher, sie treten die Tür ein, stellen sich mitten in den Raum und zwingen einen hinzusehen. Zähe Hunde war für mich genau so ein Buch. Rau, schmerzhaft, kantig und trotzdem voller Mitgefühl für Figuren, die viel zu früh lernen mussten, dass Liebe manchmal wie Härte aussieht.

Ada wächst mit einem Vater auf, der Erziehung mit Abhärtung verwechselt. Dieses Wohnmobil, diese Schwimmlektionen bis zur Erschöpfung, diese ständige Forderung, stark zu sein, haben sich mir beim Lesen richtig unter die Haut geschoben. Da ist nichts weichgezeichnet, nichts bequem gemacht. Falun Ellie Koos schreibt mit einer Wucht, die fast körperlich spürbar ist.

Besonders stark fand ich, wie Ada später versucht, sich aus diesem alten Leben herauszuschälen. Kunststudium, Rückzug, Wald, Galizien, eine Hütte fernab von allem. Und doch reist die Vergangenheit einfach mit. Genau das hat mich berührt, weil dieses Buch so ehrlich zeigt, dass man nicht automatisch frei ist, nur weil man weit genug weggeht.

Für mich ist Zähe Hunde kein Wohlfühlroman, sondern ein literarisch intensives Buch über Prägung, Überleben, Wut, Familie und die Sehnsucht danach, endlich anders atmen zu können. Nicht leicht, aber beeindruckend.

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Veröffentlicht am 25.05.2026

Wenn die ganze Welt auf dem Lesetisch liegt

WAS IST WAS Wissen rund um den Globus. 46 Karten, die uns die Welt nach Hause bringen
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Schon beim ersten Aufschlagen lag dieses schöne Weltgefühl auf dem Tisch, als hätte jemand einmal den Globus geschüttelt und all seine spannendsten Fragen bunt auf Papier verteilt. Zusammen mit meinen ...

Schon beim ersten Aufschlagen lag dieses schöne Weltgefühl auf dem Tisch, als hätte jemand einmal den Globus geschüttelt und all seine spannendsten Fragen bunt auf Papier verteilt. Zusammen mit meinen Nichten und Neffen habe ich WAS IST WAS Wissen rund um den Globus gelesen, bestaunt und immer wieder zurückgeblättert, weil es auf jeder Karte etwas Neues zu entdecken gab.

Besonders schön finde ich, dass hier Wissen nicht trocken erklärt wird, sondern über Bilder, Farben und Zusammenhänge lebendig wird. Plötzlich reden Kinder über Handelsrouten, Haie, Häfen, heilige Orte, Süßigkeiten, Sportarten oder darüber, wo unser Essen eigentlich herkommt. Genau solche Bücher liebe ich, weil sie nicht nur Antworten geben, sondern noch viel mehr Fragen wecken.

Die Illustrationen von Barbara Schulze Frenking sind freundlich, detailreich und trotzdem übersichtlich. Der Text von Birk Grüling bleibt verständlich, ohne die Kinder zu unterschätzen. Meine Nichten und Neffen hatten sichtbar Spaß daran, sich gegenseitig Dinge zu zeigen, zu vergleichen und kleine Aha-Momente zu sammeln.

Für mich ist dieses Buch ein richtig gelungenes Sachbuch für neugierige Kinder und Familien. Es bringt die Welt nicht nur nach Hause, sondern direkt an den gemeinsamen Lesetisch.

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Zwischen Sehnsucht, Herkunft und leiser Stärke

Wind in meinem Kopftuch
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Manchmal reicht schon ein leiser Comic, um innerlich richtig laut zu werden. Wind in meinem Kopftuch hat mich nicht mit großen Gesten gepackt, sondern mit diesen kleinen, stillen Momenten, die plötzlich ...

Manchmal reicht schon ein leiser Comic, um innerlich richtig laut zu werden. Wind in meinem Kopftuch hat mich nicht mit großen Gesten gepackt, sondern mit diesen kleinen, stillen Momenten, die plötzlich mitten ins Herz treffen.

Ich begleite Roya auf einer Reise, die sich anfühlt wie ein vorsichtiges Tasten nach den eigenen Wurzeln. Deutschland ist ihr Zuhause, der Iran lebt in den Erzählungen ihrer Familie weiter. Als sie mit ihrem Vater dorthin reist, wird aus Erinnerung endlich Wirklichkeit. Und genau da entsteht diese besondere Spannung zwischen Sehnsucht und Vorsicht, zwischen Schönheit und Angst.

Die Graphic Novel zeigt ein Land voller Wärme, Landschaften, Familiennähe und kultureller Kraft. Gleichzeitig liegt über allem ein Druck, der beim Lesen spürbar wird. Besonders als queere Frau bewegt sich Roya durch Situationen, in denen Freiheit nicht selbstverständlich ist. Das macht viele Szenen unglaublich intensiv, ohne dass die Geschichte laut werden muss.

Sehr berührt hat mich die Beziehung zu ihrem Vater. Diese letzte gemeinsame Reise bekommt eine Schwere, die man erst nach und nach richtig begreift. Die Erinnerungen wirken dadurch noch kostbarer, fast wie kleine Bilder, die man festhalten möchte, bevor sie verblassen.

Für mich ist das eine eindrucksvolle, persönliche und wunderschön erzählte Graphic Novel über Herkunft, Identität, Verlust und den Mut, sich selbst nicht zu verlieren.

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