Wenn Blau nach Freiheit schmeckt
In Zeiten des blauen LichtsParis, Blau, verbotene Träume und eine Frau, die sich nicht in die Ecke stellen lässt. Klingt erstmal nach hübschem historischen Roman mit ein bisschen Farbeimerromantik, aber nein, da steckt deutlich ...
Paris, Blau, verbotene Träume und eine Frau, die sich nicht in die Ecke stellen lässt. Klingt erstmal nach hübschem historischen Roman mit ein bisschen Farbeimerromantik, aber nein, da steckt deutlich mehr drin.
Alouette hat mich schnell gepackt. Diese junge Frau will nicht einfach nur zusehen, wie Männer entscheiden, was sie darf und was nicht. Sie will erschaffen. Dieses perfekte Blau, dieses Blau der Hoffnung, wird beim Lesen fast greifbar. Man riecht die Werkstätten, sieht die Stoffe, hört innerlich wahrscheinlich irgendeinen alten Zunftmeister meckern und denkt sich nur: Junge, lass sie doch einfach machen.
Die zweite Zeitebene mit Kristof bringt dann eine dunklere Schwere rein. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Kunst, Handwerk und verbotene Träume, sondern um Schutz, Angst, Widerstand und die Frage, wie viel Mut ein Mensch aufbringen kann, wenn die Welt um ihn herum immer enger wird.
Besonders schön fand ich, dass beide Ebenen nicht einfach nur nebeneinander herlaufen, sondern sich langsam wie Fäden in einem großen Wandteppich verbinden. Ja, manchmal braucht das Buch etwas Geduld. Es ist kein Roman, der laut an die Tür hämmert. Eher einer, der sich neben dich setzt, eine Tasse Kaffee nimmt und dann irgendwann mitten ins Herz trifft.
Ein atmosphärischer, gefühlvoller und starker Roman über Freiheit, Liebe, Kunst und den Mut, den eigenen Platz zu suchen. Nicht perfekt, aber wunderschön nachhallend.