Eine Geschichte über häusliche Gewalt
Die NamenWie sehr beeinflusst unser Name unsere Identität und unsere Persönlichkeit?
Dieser Roman beschäftigt sich genau mit dieser Frage.
England 1987: Cora muss ihren neugeborenen Sohn registrieren lassen. ...
Wie sehr beeinflusst unser Name unsere Identität und unsere Persönlichkeit?
Dieser Roman beschäftigt sich genau mit dieser Frage.
England 1987: Cora muss ihren neugeborenen Sohn registrieren lassen. Doch selbst auf dem Weg zum Amt kann sie sich nicht entscheiden, ob er nun die Familientradition fortführen und damit den selben Namen tragen soll, wie ihr Ehemann. Schließlich hängt an der Namensgebung so viel mehr und ihr persönlich wäre Julian viel lieber. Ginge es nach Tochter Maia, so würde der kleine Junge „Bear“ heißen.
Hinter diesen drei Namen verbergen sich vollkommen verschiedene Charaktere und Lebenswege.
Die Autorin spinnt die Geschichte jeweils weiter und kann man in Zeitsprüngen von jeweils sieben Jahren mitverfolgen, zu welchen Persönlichkeiten Gordon, Julian und Bear heranreifen und wie sich ihre und die Zukunft der anderen Figuren weiterentwickelt.
Was wäre, wenn Cora sich für den Willen ihres gewalttätigen Mannes entschieden hätte?
Denn was keiner ahnt: Der beliebte und angesehene Arzt hat seine Freundlichkeit ausschließlich für die Außenwelt reserviert und misshandelt und erniedrigt sie hinter verschlossener Tür.
Die Szenen häuslicher Gewalt sind zutiefst erschütternd und in jedem Erzählstrang gegenwärtig.
Gerade diese Szenen wirken so realistisch, dass man Gänsehaut bekommt und zugegebenermaßen, ist es teilweise kaum zum Aushalten, was insbesondere Cora hier durchlebt. Man bekommt eine Ahnung davon, wie schwer es für unmittelbar Betroffene ist, sich aus ihrer Zwangslage zu befreien und welche Konsequenzen dies nach sich ziehen kann.
Besonders die parallel ablaufenden und gleichzeitig so unterschiedlichen Handlungsstränge finde ich besonders stark. Sie zeigen auf, wie schwer es wäre, hier selbst eine Entscheidung zu treffen.
Definitiv eine absolut fesselnde und gleichzeitig verstörend authentisch erzählte Geschichte, die so schnell niemanden mehr loslassen wird. Eine ganz klare Leseempfehlung für diejenigen, die sich dem Thema häusliche Gewalt und Femizid in seinen schrecklichen Facetten gewachsen fühlen.