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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2026

Eine Geschichte über häusliche Gewalt

Die Namen
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Wie sehr beeinflusst unser Name unsere Identität und unsere Persönlichkeit?


Dieser Roman beschäftigt sich genau mit dieser Frage.

England 1987: Cora muss ihren neugeborenen Sohn registrieren lassen. ...

Wie sehr beeinflusst unser Name unsere Identität und unsere Persönlichkeit?


Dieser Roman beschäftigt sich genau mit dieser Frage.

England 1987: Cora muss ihren neugeborenen Sohn registrieren lassen. Doch selbst auf dem Weg zum Amt kann sie sich nicht entscheiden, ob er nun die Familientradition fortführen und damit den selben Namen tragen soll, wie ihr Ehemann. Schließlich hängt an der Namensgebung so viel mehr und ihr persönlich wäre Julian viel lieber. Ginge es nach Tochter Maia, so würde der kleine Junge „Bear“ heißen.

Hinter diesen drei Namen verbergen sich vollkommen verschiedene Charaktere und Lebenswege.

Die Autorin spinnt die Geschichte jeweils weiter und kann man in Zeitsprüngen von jeweils sieben Jahren mitverfolgen, zu welchen Persönlichkeiten Gordon, Julian und Bear heranreifen und wie sich ihre und die Zukunft der anderen Figuren weiterentwickelt.

Was wäre, wenn Cora sich für den Willen ihres gewalttätigen Mannes entschieden hätte?
Denn was keiner ahnt: Der beliebte und angesehene Arzt hat seine Freundlichkeit ausschließlich für die Außenwelt reserviert und misshandelt und erniedrigt sie hinter verschlossener Tür.

Die Szenen häuslicher Gewalt sind zutiefst erschütternd und in jedem Erzählstrang gegenwärtig.
Gerade diese Szenen wirken so realistisch, dass man Gänsehaut bekommt und zugegebenermaßen, ist es teilweise kaum zum Aushalten, was insbesondere Cora hier durchlebt. Man bekommt eine Ahnung davon, wie schwer es für unmittelbar Betroffene ist, sich aus ihrer Zwangslage zu befreien und welche Konsequenzen dies nach sich ziehen kann.

Besonders die parallel ablaufenden und gleichzeitig so unterschiedlichen Handlungsstränge finde ich besonders stark. Sie zeigen auf, wie schwer es wäre, hier selbst eine Entscheidung zu treffen.

Definitiv eine absolut fesselnde und gleichzeitig verstörend authentisch erzählte Geschichte, die so schnell niemanden mehr loslassen wird. Eine ganz klare Leseempfehlung für diejenigen, die sich dem Thema häusliche Gewalt und Femizid in seinen schrecklichen Facetten gewachsen fühlen.

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Ein Reisebericht aus dem Leben der fabelhaften Amélie Nothomb

Die unmögliche Rückkehr
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Amélie Nothomb ist die Tochter eines belgischen Diplomaten und verbrachte ihre Kindheit in verschiedenen Ländern, doch keins hat sie so sehr geprägt, wie Japan.
Als Kind lernt sie nicht nur dessen Landessprache, ...

Amélie Nothomb ist die Tochter eines belgischen Diplomaten und verbrachte ihre Kindheit in verschiedenen Ländern, doch keins hat sie so sehr geprägt, wie Japan.
Als Kind lernt sie nicht nur dessen Landessprache, sondern verspürt in Japan erstmals das Gefühl von Heimat. Nach vielen weiteren Stationen, entscheidet sie sich im frühen Erwachsenenalter bewusst für ein Leben in Tokio, das sie wenige Jahre später jedoch, tief enttäuscht wieder verlässt.
Bis auf eine Kurzreise im Rahmen einer Dokumentation, bleibt sie dem Land physisch fern und hat ihre emotionalen Verknüpfungen tief in sich vergraben.

Als die Fotografin Pep Beni elf Jahre später zwei Tickets für eine Fernreise gewinnt, sucht sie sich Japan als Reiseziel aus und erwartet von Amélie, sie als vermeintlich „Ortskundige“ durch das Land zu begleiten. Doch zwischen Erinnerungen aus längst vergangenen Zeiten und der Realität der Gegenwart liegt eine vollkommen neue Welt, in der sich auch Amélie ganz neu zurecht finden muss.
Sie möchte Pep nicht enttäuschen und verschweigt ihr deshalb, wie fremd ihr Japan inzwischen geworden ist.

In einer Art Reisebericht erzählt sie neben den vielen kulinarischen und kulturellen Eindrücken, von nostalgischen Gedanken, die aufkommen, aber auch einigen absurden Momenten.
Besonders amüsant wird es, wenn Pep mal wieder höfliche Zurückhaltung der japanischen Gastgeber bis an die Grenzen strapaziert und Amélie mit ihren eingerosteten Sprachkenntnissen diplomatische Kunststücke vollführen muss, um die Situation zu retten.

Wer Bücher der Autorin kennt, weiß, dass sie in ihren Texten oft sehr intime Einblicke aus ihrem Leben, in ihre Persönlichkeit oder aber ihren Alltag teilt und dabei viel selbstironische Beobachtungsgabe und Ehrlichkeit beweist.
Sie verbirgt sich auch hinter diesem Buch wieder einmal eine herrlich unterhaltsame und kurzweilige Geschichte aus dem Leben der fabelhaften Amélie Nothomb, die ich euch sehr gerne weiterempfehlen möchte!

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Ein Buch für viele Geschmäcker!

Real Americans
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Da dieser Roman ist der erste Titel der @kiwi_verlag -Kampagne „Deutschland liest ein Buch“. Ein Prädikat, das hohe Erwartungen an den Titel stellt und hier tatsächlich übertroffen werden.

Es ist ein ...

Da dieser Roman ist der erste Titel der @kiwi_verlag -Kampagne „Deutschland liest ein Buch“. Ein Prädikat, das hohe Erwartungen an den Titel stellt und hier tatsächlich übertroffen werden.

Es ist ein spannender, kluger Gesellschaftsroman, in dem zwei junge Menschen auf der Suche nach ihren Wurzeln, bei der älteren Genration auf eine Mauer des Schweigens stoßen.

Lily, die Tochter chinesischer Einwanderer, wächst in den USA auf. Ihre Eltern haben sich ihrer neuen Heimat vollkommen angepasst, jede Verbindung zu China und ihrer Herkunft bewusst gekappt. So lernt Lily nie Chinesisch und spürt dennoch, dass ihr Stücke ihrer eigenen Identität fehlen.
Als Lily um den Jahrtausendwechsel den reichen Erben eines Pharmaimperiums kennenlernt, scheint daraus eine süße romantische Liebesgeschichte zu entstehen, die schwer an ein wahrwerdendes Aschenputtel-Märchen erinnert.

Einundzwanzig Jahre später findet Lilys Sohn Nick über einen heimlichen Gentest heraus, wer sein Vater ist. Dabei kommt es zu einem emotionalen Bruch mit seiner Mutter, die dessen Identität ihm gegenüber bewusst verschwiegen hat.
Als wäre dieser zweite Teil nicht schon tragisch genug, hat mich besonders der dritte Teil des Romans tief bewegt.

In dem letzen Abschnitt geht es um May, die mit ihrer Heimat eine schreckliche Vergangenheit verbindet und sie dazu bewegt hat, China noch vor der Kulturrevolution zu verlassen und ihr Glück in Amerika zu suchen.

Mich hat sowohl die Familiengeschichte interessiert, als auch mehr über die genauen Hintergründe , die später zum Bruch der einzelnen Konstellationen geführt haben. Es ist traurig und fesselnd zugleich.

Die Mischung aus streng gehüteten Geheimnissen, die Frage nach der eigenen, wahren Identität, welche entscheidende Rolle hier die Genforschung spielt und überhaupt- wer sind eigentlich „Real Americans“? - Auf der Suche nach den Antworten habe ich das Buch regelrecht inhaliert!

Ein großartiges Lesehighlight, das einem so schnell nicht aus dem Kopf geht!

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Wohlfühlroman

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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💗Hand aufs Herz - wer freut sich nicht über einen handgeschriebenen Brief?!💗

Bevor das digitale Zeitalter so richtig Einzug gehalten hat, habe ich noch regelmäßig Briefe geschrieben und verschickt. ...



💗Hand aufs Herz - wer freut sich nicht über einen handgeschriebenen Brief?!💗

Bevor das digitale Zeitalter so richtig Einzug gehalten hat, habe ich noch regelmäßig Briefe geschrieben und verschickt. Es war jedes Mal ein ganz besonders Gefühl, einen eben solchen in den Händen zu halten und zu lesen. Doch diese Momente sind heutzutage leider selten geworden.



Durch eine Unbedachtheit hat Hyoyeongs Schwester ihre eigene Familie in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Als sich ihre Mutter auch noch die Hüfte bricht, wird es Hyoyeong zu viel. Sie zieht aus und beginnt, als Aushilfe im Briefladen eines ehemaligen Uni-Kommilitonen zu arbeiten.

In dem Letter Shop gibt es nicht nur besonderes Briefpapier, handgefaltete Umschläge und spezielle Schreibutensilien zu kaufen. Vielmehr ist der Briefladen eine Anlaufstelle für Menschen, die Trost, Verständnis und Zuflucht gegen ihre Einsamkeit suchen. Ob Stammkunden oder zufällige Besucher - sie alle können anonyme Briefe hinterlassen und einen solchen mitnehmen, auf den sie antworten möchten. Der daraus entstehende Briefwechsel wird ebenfalls über den Briefladen gesteuert, der als Mittlerstelle funktioniert. Im Verlauf der Geschichte lernt man so einige der Kunden kennen und bekommt viele berührende Einblicke in deren Lebenssituationen und die ungewöhnlichen Brieffreundschaften, die daraus wachsen.

Obwohl ich eigentlich recht gesättigt an „Healing Fiction“ -Literatur bin, hat mich diese wunderschöne Hommage an das analoge Briefschreiben dennoch angesprochen und sich als echtes Herzensbuch entpuppt.

Nicht nur die Idee dahinter ist schön. Was mich an diesem Roman besonders begeistert, die Briefe im Buch basieren tatsächlich auf echten Briefen aus zwei südkoreanischen Letter Shops.

Eine große Leseempfehlung von mir! Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung der Geschichte, die noch in diesem Jahr erscheint.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Eine grandiose Geschichte!

Stunden wie Tage
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Als junge Frau erhält Martha eine Stelle als Hausbesorgerin für das Mietshaus der Brüder Berkowitz in Berlin-Schöneberg. Fortan kümmert sich nicht nur um die Belange des Hauses und dem bunten Potpurri ...

Als junge Frau erhält Martha eine Stelle als Hausbesorgerin für das Mietshaus der Brüder Berkowitz in Berlin-Schöneberg. Fortan kümmert sich nicht nur um die Belange des Hauses und dem bunten Potpurri an Bewohnern, sondern nimmt sich vor allem auch der kleinen Liane an, der Tochter von Henry Berkowitz. Doch die Machtübernahme Adolf Hitlers’ und der zweite Weltkrieg haben tragische Auswirkungen auf die Familie Berkowitz. Eine davon, ist das Schicksal, welches Liane ereilt, die sich aus Liebe dem Widerstand anschließt.

Der Grundstein zu dieser Geschichte legt eine alte, heruntergekommen wirkende Frau, die der Autorin auf den Straßen von Berlin-Schöneberg immer wieder auffällt und ihr nicht mehr aus dem Kopf geht. Sie erfährt, dass die verarmt aussehende Martha E. ist, die in Wirklichkeit ein beachtliches Vermögen besitzt und welches Gerüchten zufolge einer früheren Affäre mit einem hochrangigen Nazi-Bonzen entsprungen sein soll.

Bei ihren intensiven Recherchen fördert Shelly Kupferberg mehr und mehr spannende Fragmente aus der Vergangenheit zutage und verbindet sie mithilfe von einer Spur Fiktion, zu einer erschütternden Geschichte, die einen nicht mehr loslässt. Absolut grandios erzählt.
Der historische Kontext setzt dem Ganzen die Krone auf und macht den Roman zu einem literarisch wichtigen Beitrag gegen die Verbrechen des Nationalsozialismus.

Dieses Buch hätte ich mir damals als Schullektüre gewünscht und hoffe von Herzen, dass es von vielen Menschen gelesen wird!
Für mich ist dieser Roman schon jetzt ein Jahreshighlight!

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