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Veröffentlicht am 12.03.2018

Jambon, die Delikatesse Barcelonas

Spanische Delikatessen
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Eva Siegmund schrieb den Krimi "Spanische Delikatessen" unter dem Pseudonym Catalina Ferrera. Der Barcelona-Krimi erscheint im Droemer Verlag.

Karl Lindberg ist Kommissar bei der Berliner Kripo, seiner ...

Eva Siegmund schrieb den Krimi "Spanische Delikatessen" unter dem Pseudonym Catalina Ferrera. Der Barcelona-Krimi erscheint im Droemer Verlag.

Karl Lindberg ist Kommissar bei der Berliner Kripo, seiner spanischen Frau zuliebe ist er beurlaubt und lebt nun mit ihr in ihrer Heimat in Barcelona. Sein Schwager ist Comisario Alex Diaz von der katalanischen Polizei, Mossos d`Esquadra. Die Schwager bilden ein deutsch-spanisches Ermittler-Duo und sorgen gemeinsam für Aufklärung in einem besonders delikaten Fall. Es gibt in einem spanischen Delikatessengeschäft auf der Rambla einen Fund eines als Menschenfleisch deklarierten Schinkens. Was steckt dahinter und ist es wirklich das Fleisch eines Menschen?

Voller Neugier habe ich diesen Krimi verfolgt, denn ein als Schinken verabeitetes menschliches Hinterteil ist mir in all meinen Büchern noch nicht untergekommen.

Mit dem Schinken gerät man geradewegs auf die Rambla mit ihren schönen Geschäften, den Touristenschwärmen und dem ganz besonderen Flair Barcelonas.

Die beiden Schwager und Ermittler Karl und Alex lernt man schnell kennen und sie werden auch genauso schnell sympathisch. Karl ist Deutscher mit irischer Abstammung, was man anhand seiner roten Haare erkennen kann. Sein Schwager Alex ist lässig, wirkt eher wie ein Sportler und hat einen besonderen Charme, der bei Frauen gut ankommt. Die Vorstellung, dass Karl, der gewiefte Kommissar als Praktikant beim unerfahrenen Alex, dem ehemaligen Streifenpolizist, dienen soll, ist schon mal humorvoll inszeniert. Beide führen etliche Dialoge, die zum Schmunzeln einladen und ihre Zusammenarbeit gewinnt im Laufe der Ermittlung an zielgerichtem Handeln und an Qualität. Ich bin jetzt schon ein Fan dieses Duos und erhoffe mir weitere Fälle.

Die Geschichte versprüht viel Lokalkolorit und macht Lust auf eine Reise nach Barcelona. Neben den köstlichen Tapas, zu denen im Anhang einige Rezepte beigefügt sind, bekommt man ein lebendiges und anschaulisches Bild dieser quirligen Stadt geboten.

Catalina Ferrera zeigt mit ihren bildhaften Beschreibungen nicht nur die örtliche Szenerie genau, sie lässt uns auch an den Widrigkeiten zwischen Katalanen und Spaniern teilhaben. Sie lebt in Barcelona und baut die Stimmungen authentisch vor dem Auge des Lesers auf.

Von der kriminalistischen Ebene her gelingt es der Autorin ihren verzwickten Fall spannend aufzubauen und mit einigen Tatverdächtigen auszustatten. Die vielfältigen Charaktere bilden genügend Potential, um als Täter in Frage zu kommen. Als Leser wird man hier mehrfach an der Nase herumgeführt und kann diesen Krimi mit seinem lustigen Schwager-Gespann sehr genießen.

Mit "Spanische Delikatessen" ist der Autorin ein Krimi gelungen, der mit Humor, Spannung und guter Unterhaltung punkten kann, die bildreiche und atmosphärische Stimmung Barcelonas setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Ich würde mich über weitere Fälle von Karl und Alex sehr freuen.

Veröffentlicht am 07.03.2018

Ein aussergewöhnliches Bilderbuch

Irgendwohin oder der Tag, an dem George das Fliegen lernte
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Alle Vögel ziehen im kalten Winter in den Süden, doch George nicht. Er ist ein weißer Gänserich, der wunderbar backen kann, gerne in seinem Haushalt lebt und sich dort wohl fühlt. Gerne bewirtet er Gäste ...

Alle Vögel ziehen im kalten Winter in den Süden, doch George nicht. Er ist ein weißer Gänserich, der wunderbar backen kann, gerne in seinem Haushalt lebt und sich dort wohl fühlt. Gerne bewirtet er Gäste und wenn sie seine Kuchen essen, erinnert sie das an ferne Orte. Immer wieder möchten seine Freunde ihn bei ihren Flügen mitnehmen, ob in die Anden oder nach Paris. Doch George möchte seine Heimat nicht verlassen.

George ist beliebt und wird von allen akzeptiert, obwohl er anders ist als die anderen Zugvögel. Im Winter ist niemand mehr da und George fühlt sich einsam.


Doch dann taucht der Bär Pascal auf, ein Spezialist für viele Dinge, der nach einem warmen Platz im Winter sucht. Ihm vertraut sich George an. Er ist zwar ein Vogel, aber er kann nicht fliegen, weil er damals schlicht und einfach gefehlt hat als es alle gelernt haben.

Der Bär ist ein echter Freund und er beschliesst George das Fliegen beizubringen, doch es klappt nicht und schliesslich bauen sie einen Heißluftballon. Damit gelingt endlich die Fliegerei und sie reisen damit um die Welt und sogar nach Paris und in die Arktis. Doch irgendetwas fehlt ihnen, es ist die Heimat und die leckeren Kuchen, die George immer zuhause backt.


Die Botschaft hinter dieser Geschichte lege ich mal so aus: Wenn man ein Ziel vor Augen hat, entwickelt man Mut und findet neue Wege, die einen auch zum Ziel bringen. Es gibt nicht nur den einen gerade Weg, sondern auch die Umwege führen letztendlich noch zum Ziel. In der Gemeinschaft klappt das umso besser.


Mir hat dieses Bilderbuch sehr gut gefallen, die Bilder sind bunt, fröhlich und sehr aussagekräftig. Der bunte Mix von Kollagen, Zeitungsausschnitten und gemalten Bildern sorgt für interessante Abwechslung und für besondere Beachtung.

Die Texte sind relativ kurz, auf den Buchseiten kreuz und quer verteilt und damit ist dieses Buch schon außergewöhnlich. Als Altersklasse möchte ich 4-7 Jahre angeben. Es gibt genügend Bilder, die Kinder betrachten können und die Texte sind auch für kleinere Kinder einigermaßen verständlich.


Die Aussage hinter dem Buch muss man eventuell mit dem Kind etwas näher besprechen, im Grunde kommt bei einigen Kindern eher die Verbundenheit zur Heimat an.


Dieses Buch ist sehr aussergewöhnlich in seiner Bildzusammenstellung, man kann viele Dinge entdecken. Wenn man im Leben ein Ziel hat, gibt es viele Wege dorthin. Das ist auch für Kinder eine wissenswerte Botschaft.


Veröffentlicht am 06.03.2018

Geniales Buch des Genies Wilhelm Busch

Max und Moritz
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Erstklassige Reime, die mit genialen Zeichnungen zu einer Einheit verschmelzen. Einfach wunderbar, wie hier die Moralkeule geschwungen wird. Die Bösen bekommen am Ende ihre Strafe, dieses Buch war zu ...



Erstklassige Reime, die mit genialen Zeichnungen zu einer Einheit verschmelzen. Einfach wunderbar, wie hier die Moralkeule geschwungen wird. Die Bösen bekommen am Ende ihre Strafe, dieses Buch war zu einer Zeit geschrieben, als man Abschreckung als Lehrmittel angesehen hat.


Diese Episodenerzählung in sieben Streichen wirkt auf mich schon seit meiner Kindheit wie ein gut gereimter Comic. Daher hat mich das tragisch endende Schicksal von Max und Moritz auch nie wirklich sehr berührt. Für mich waren das keine echten Kinder. Nur Bösewichter, die ihre Strafe erhielten.


Wilhelm Busch war für mich der Inbegriff eines Universalgenies, denn er war nicht nur ein hervorragender Dichter, er beherrschte auch noch das Zeichnen wie kaum ein anderer. Er vermochte durch die Abbildung von Körpersprache und Mimik stets den treffenden Ausdruck in allen Lebenslagen zu Papier zu bringen, wie ich es bei keinem anderen Künstler bisher gesehen habe.

Dieses Buch ist einzigartig in seiner Art, es ist generationenübergreifend und durch den direkten anklagenden Blick auf Schülerstreiche und menschliche Bosheit auch etwas besonderes.


Diesen Klassiker sollte man kennen, er ist durch die treffenden Reime und die witzig anmutenden Bilder ein Buch für die Ewigkeit und für alle Generationen.
Autor: Wilhelm Busch
Buch: Max und Moritz: Der Bilderbuch-Klassiker von Wilhelm Busch: Eine Bubengeschichte in sieben Streichen

Veröffentlicht am 05.03.2018

Humoristisch, tiefsinnig und spannend geht es bei diesem Alpenkrimi zu

Rabenschwarze Beute
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Nicola Förg hat mit "Rabenschwarze Beute" einen weiteren Band ihrer Alpen-Krimireihe hinzugefügt. Der mittlerweile 9. Band um Kathi Reindl und Irmi Mangold erscheint im Pendo Verlag.


Es ist Silvester ...

Nicola Förg hat mit "Rabenschwarze Beute" einen weiteren Band ihrer Alpen-Krimireihe hinzugefügt. Der mittlerweile 9. Band um Kathi Reindl und Irmi Mangold erscheint im Pendo Verlag.


Es ist Silvester in Murnau und die übliche Silvesterknallerei ist in vollem Gange. Doch ein Mann ist wie von Sinnen und ballert im Tarnanzug wie wild geworden mit einer Schreckschusspistole herum. Bei dem Lärm wird erst später entdeckt, dass jemand totgeschossen wurde. Das Opfer, Markus Göldner, ist ein Architekt, der sich recht aktiv für den Vogelschutz eingesetzt hat. Seine Kritik galt Sommerfeuerwerken, unsinnigen Böllerschützentreffen und vor allem Windkraftanlagen. Er hatte also reichlich Feinde und somit gibt es viel zu tun für Irmi Mangold und Kathi Reindl. Als die kleine Tochter einer bekannten Modebloggerin zu Schaden kommt, nimmt der Fall plötzlich noch ganz andere Ausmaße an.

Nicola Förg schreibt wunderbar locker und mit landestypischem Dialekt durchmischt. Dabei kommt der Humor nicht zu kurz, immer wieder gibt es humorvolle Szenen zu belachen und dennoch sind ihre Krimis auch spannend. Eine herzliche Ebene bekommt das Buch durch die sich kabbelnden Ermittlerinnen Irmi und Kathi, die sich beruflich wunderbar ergänzen und ein eingespieltes Kommissarinnenteam darstellen.

Nicola Förgs Krimis sind immer Umweltproblemen und dem Tierschutz geschuldet, in diesem Fall geht es um Vogelschutz durch die Vermeidung von Windkraftanlagen und nächtlichen Beleuchtungsszenarien in den Städten. Dadurch kommen Zugvögel nicht nur gefährliche Hindernisse in den Weg gebaut, sie bekommen Orientierungsnöte und werden zudem durch Knallkörper und Feuerwerke derart erschreckt, dass sie durch häufiges Auffliegen an wertvoller Energie und Kraft verlieren, die sie für ihren kräftezehrenden Vogelflug in wärmere Gefilde nötig brauchen.



Die Figur der La Jolina sorgt ebenfalls für strittige Diskussion, es ist eine Modebloggerin, die ihr eigenes Kind in der Modebranche zu Werbezwecken vermarktet. Darüber mag man denken wie man will, kindgerecht ist das jedenfalls nicht.


Aber auch die kriminalistische Seite kommt in Förgs Krimis nicht zu kurz. Einerseits sorgen die gut gezeichneten Charaktere der Ermittlerinnen und Kollegen für gute und humorvolle Unterhaltung und dann gehen sie den Hintergründen des Täters geschickt nach und stochern in so manchem Ameisenhaufen. Man kann als Leser gut mitraten, bekommt allerdings auch einige Wendungen und falsche Spuren in den Weg gelegt.


Diese Buchreihe lebt durch die lebendig geschilderten Ermittlerinnen, die aktuelle Tierschutzthematik und die Krimihandlung und sorgt mit etwas Humor und spannender Täterermittlung für ausgefüllte Lesezeit.

Veröffentlicht am 03.03.2018

Entzückend illustriertes Bilderbuch über Tratsch und Gerüchte

Das verrückte Wiesengeflüster
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Das empfohlene Lesealter liegt bei 4- 6 Jahren. Wobei jüngere Kinder das Buch auch schon verfolgen können, auch wenn sie die Aussage dahinter vielleicht noch nicht genau verstehen werden.

Es ist Frühling, ...

Das empfohlene Lesealter liegt bei 4- 6 Jahren. Wobei jüngere Kinder das Buch auch schon verfolgen können, auch wenn sie die Aussage dahinter vielleicht noch nicht genau verstehen werden.

Es ist Frühling, die Sonne scheint und die ersten Blümchen sind auf einer hübschen Wiese am Wald zu sehen. Zwei vorbeifliegende Amseln zwitschern dem Schaf eine Neuigkeit zu. Das Schaf ist für den neusten Tratsch immer zu haben und erzählt dem Fuchs weiter, dass angeblich die Häschen was aufs Näschen bekommen haben. Dieser berichtet es dem Dachs, dieser der Gans und diese der Maus. Solange, bis die Neuigkeit einschlägt wie eine Bombe. Alle wundern sich und machen sich Sorgen um die armen Hasen. Man vermutet das Schlimmste. Doch das kleine Wildschwein geht dem Gerücht auf den Grund und klärt alles auf. Einfache Verständnisprobleme haben hier aus einer schönen Neuigkeit ein schreckliches Gerücht gemacht.

Die Gerüchteküche kocht bei den Tieren am Wald hoch her. Jeder hört die unglaubliche Nachricht, kann es aber kaum glauben, schliesslich sind die Hasen ja super freundlich und friedliche Tiere. Mit wem sollten sie Ärger haben?

Das Aufbauschen von Nachrichten und das falsche Weitergeben kennt jeder, Kinder erfahren das meistens schon im Kindergarten durch das bekannte Stille-Post-Spiel.


Die Geschichte, die hinter diesem Bilderbuch steckt ist eine lehrreiche Sache. Denn wer Informationen weitergibt und sie auch noch mit anderen Tatsachen ausschmückt, kann für ordentlich Verwirrung sorgen. In diesem Fall ging die Erzählung so weit, dass den friedlichen und liebenswerten Hasen einiges nachgesagt wurde und sie laut Gerücht sogar ihr wunderhübsches Häuschen verlassen mussten. Am Ende klärt sich alles auf, eine wunderbare Überraschung ist hier der spezielle Knüller.


Kinder werden durch dieses Buch an die Gerüchteproblematik herangeführt, es bedarf aber vielleicht noch einiger Erklärungen durch den Vorlesenden und ein Erleben durch ein durchgeführtes Stille-Post-Spiel.


Bei diesem herrlich bunt illustrierten Bilderbuch macht das Anschauen Spaß. Besonders die entzückend dargestellten Tiere sind eine echte Freude, alle haben Gesichter und der kleine Marienkäfer ist in echter Wimmelmanier der besondere Liebling der Kinder. Er ist auf allen Buchseiten zu sehen und sorgt immer wieder für neue Überraschung.




Dieses Bilderbuch thematisiert die Problematik der Gerüchteverbreitung und sorgt mit seinen entzückenden Tierdarstellungen für ein wunderbares Lese- und Anschauvergnügen bei Groß und Klein.