Profilbild von Lilli33

Lilli33

Lesejury Star
offline

Lilli33 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lilli33 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine gute Idee langweilig umgesetzt

Wir fangen gerade erst an
0

Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 2 (20. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596196814
Originaltitel: Kaffe med ran
Preis: 9,99 €

Eine gute Idee langweilig umgesetzt

Inhalt:
Märtha, ...

Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 2 (20. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596196814
Originaltitel: Kaffe med ran
Preis: 9,99 €

Eine gute Idee langweilig umgesetzt

Inhalt:

Märtha, Stina, Anna-Greta, Snille und Kratze sind Freunde. Sie leben im selben Altersheim und fühlen sich dort gar nicht wohl. Ständig wird an allem gespart und die alten Leute werden von früh bis spät gegängelt. In einem Fernsehfilm sehen sie, dass selbst die Häftlinge im Gefängnis es besser haben. Und schon entwickelt die Rentner-Gang einen Plan, um genau dahin zu kommen – ins Gefängnis …

Meine Meinung:
Die Idee der „Outlaw Oldies“ gefällt mir wirklich gut. Die Zustände im Altersheim sind mir so, wie sie beschrieben werden, auch bekannt und ich kann es den mehr oder weniger rüstigen älteren Menschen nicht verdenken, dass sie mehr erleben wollen. Eigentlich hätte das Buch mit dieser Idee wirklich lustig werden können, zumal den Herrschaften natürlich auch das ein oder andere Missgeschick passiert und die Coups nicht ganz so glatt ablaufen wie geplant.

Aber leider plätschert alles ein bisschen vor sich hin – mir fehlte der Knaller oder besser noch die Knaller in der Geschichte. Klar gibt es einige Überraschungen und Wendungen, aber das ist halt einfach nichts wirklich Außergewöhnliches.

Auch der Schreibstil hat das Seine zur Langeweile beigetragen. Er wirkt manchmal richtig bemüht, nicht so als ob die Worte der Autorin locker aus der Feder fließen würden, sondern als müsste sie (oder die Übersetzerin) um jedes Wort kämpfen. Es passt dann zwar alles zusammen und wirkt auch nicht holprig, aber es fehlt einfach das gewisse Etwas und vor allem der Wortwitz, den ich in einer solchen Geschichte auf jeden Fall erwarte.

Die fünf Protagonisten, allen voran der Kopf der Gruppe, Märtha, sind mir aber doch ans Herz gewachsen. Und da ich den zweiten Band gerade gewonnen habe, werde ich ihn auch bald lesen.

Die Reihe:
1. Wir fangen gerade erst an
2. Jetzt kriegt jeder was ab

★★★☆☆

Veröffentlicht am 15.09.2016

Mit gemischten Gefühlen gelesen

Liebes Leben
0

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (23. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596520619
Originaltitel: Dear Life
Preis: 12,00 €

Mit gemischten Gefühlen gelesen

„Liebes ...

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (23. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596520619
Originaltitel: Dear Life
Preis: 12,00 €

Mit gemischten Gefühlen gelesen

„Liebes Leben“ beinhaltet vierzehn Erzählungen, wovon die letzten vier stark autobiographisch geprägt sind, wie die Autorin selbst schreibt. Für mich waren es mit die schwächsten Geschichten in diesem Buch. Ihnen fehlt es doch ziemlich an Dramatik. Ich fand sie eher langweilig als spannend und besonders.

Auch die übrigen Erzählungen waren ziemlich durchwachsen. Während mich einige, zum Beispiel „Zug“ oder „Dolly“ wirklich in ihren Bann ziehen und begeistern konnten, habe ich mich durch andere mehr durchquälen müssen.

Die Erzählungen sind aus verschiedenen Leben gegriffen und befassen sich mal mit langen Lebensabschnitten, mal nur mit kurzen Ausschnitten. Oft spielt auch der Tod oder eine Krankheit eine große Rolle – schließlich gehört dies alles ja auch zum Leben.

Die Beschreibungen sind recht atmosphärisch. Man wird direkt in die jeweilige Zeit versetzt, aber die Handlung ist oft sehr unspektakulär. Nicht einmal die Sprache fand ich besonders gelungen, was möglicherweise aber auch an der Übersetzung liegt. Was von Kritikern gelobt wird, nämlich dass Munro erzählt, ohne auf Chronologie Wert zu legen, hat mir beim Lesen zuweilen Schwierigkeiten bereitet, weil die Zeitsprünge total unvermittelt kamen.

Wieder einmal habe ich mich nach dem Lesen gefragt, warum ein Autor den Nobelpreis und im Fall von Alice Munro auch noch viele andere Auszeichnungen bekommen hat.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 15.09.2016

Guter Durchschnitt

Ein Ja im Sommer
0

Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 2 (18. Mai 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596032334
Originaltitel: Save the Date
Preis: 9,99 €

Guter Durchschnitt

Inhalt:
Cara ist ...

Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 2 (18. Mai 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596032334
Originaltitel: Save the Date
Preis: 9,99 €

Guter Durchschnitt

Inhalt:

Cara ist 36 und hat einen Blumenladen in Savannah, Georgia. Ihre Haupteinnahmequelle sind Hochzeiten der Reichen, wo sie die Blumendekoration übernimmt. Ihr bester und einziger Freund ist ihr Angestellter Bert, bis sie auf einer Hochzeit Jack kennenlernt …


Meine Meinung:
Das Buch fängt ganz gut an. Eine witzige Szene ist der im Klappentext erwähnte Hundediebstahl. Auch die Auseinandersetzung mit nervigen Kunden wird locker beschrieben. Und die detaillierten Beschreibungen der Blumenarrangements machen Spaß. Sehr schön auch, wie Cara und Jack sich langsam verlieben. Beide waren mir von Anfang an sehr sympathisch, und auch als Paar mochte ich sie sehr gern.

Die zweite Hälfte des Romans hat mich an einigen Stellen aber doch ziemlich genervt. Hier hätte Mary Kay Andrews die detaillierten Beschreibungen der Blumensträuße besser etwas zurückschrauben sollen. So langsam konnte ich keine Blumennamen mehr lesen, zumal sich die einzelnen Blumen immer wieder wiederholten, nur eventuell in anderer Zusammensetzung. Irgendwann sollte es einfach mal gut sein.

Caras Verhalten konnte ich zuweilen auch nicht mehr verstehen. Sie ist in vielen Dingen total tough, aber plötzlich dreht sie durch, nur weil jemand nett zu ihr ist. Und obwohl sie eigentlich sehr friedliebend und harmoniesüchtig ist, lässt sie überhaupt nicht mehr mit sich reden. Dafür ging es mir dann im weiteren Verlauf wieder zu schnell, eine Entwicklung (ich möchte hier nicht spoilern) nimmt sich viel zu wenig Zeit. Sie kommt aus heiterem Himmel.

Dann sind mir noch mindestens drei Logikfehler aufgefallen. Das sollte eigentlich nicht vorkommen. Zum Beispiel sagt Cara auf S. 189: „Mein Schlafzimmer. Wenn das Fenster offen ist, höre ich alles, was auf der Straße passiert.“ Wenige Seiten später (S. 219) sagt sie: „Ich bekomme sie [die Fenster] nicht auf. Das Fenster in meinem Schlafzimmer habe ich mit einem Schraubenzieher und sogar mit einem Steakmesser bearbeitet, aber es hat sich nicht einen Millimeter bewegt. Und so sind alle Fenster in diesem Haus.“ Was denn nun? Auf oder zu?

Ich würde „Ein Ja im Sommer“ als locker-leichten Sommerroman bezeichnen, der viel Wert auf Blumen, Hochzeiten und Kleidungsbeschreibungen legt. Die Handlung ist im Großen und Ganzen recht vorhersehbar und ohne große Höhen und Tiefen. Lediglich mit einigen kleinen Details konnte die Autorin mich überraschen. Trotz allem lässt sich der Roman gut lesen, ist für mich aber allenfalls guter Durchschnitt.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine (allzu) komplexe Familiengeschichte

Sommerreigen
0

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 1 (20. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3810504579
Originaltitel: Kantata
Preis: 18,99 €

Eine (allzu) komplexe Familiengeschichte

Kristín ...

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 1 (20. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3810504579
Originaltitel: Kantata
Preis: 18,99 €

Eine (allzu) komplexe Familiengeschichte

Kristín Marja Baldursdóttir lässt uns mit ihrem Roman am Leben einer isländischen Familie teilhaben. Ich muss zugeben, dass ich über weite Strecken große Probleme mit der Zuordnung der vielen Personen hatte. Hier ist praktisch jeder mit jedem verwandt, und die Beziehungen sind nicht ganz einfach. Es gibt Halbbrüder, Stiefbrüder, Onkel, Schwager, Adoptivkinder, Cousins usw. Manche davon bleiben im Verlauf des Romans recht blass und unscheinbar, was ihre Einordnung noch erschwert.


Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, die sehr häufig und unvermittelt wechseln. Es wird praktisch jedes Mitglied dieser Großfamilie durch einen personalen Erzähler dargestellt. Daneben kommen auch noch LKW-Fahrer, Klavierlehrerin, Schneiderin und andere in der 1. Person zu Wort.

Während die Haupterzählung im Präsens erzählt wird, gibt es auch kurze Abschnitte im Präteritum. Dies geht alles nahtlos ineinander über und erfordert eine große Portion Konzentration beim Lesen, um die jeweilige Aussage richtig einordnen zu können.

Die Handlung konnte mich leider auch nicht hundertprozentig überzeugen. Denn es geschieht nicht wirklich viel. Stattdessen sind die Kapitel angefüllt mit Gedanken über Ängste, Unzufriedenheit, verschmähte Gefühle oder auch mal Zuversicht. Um die Charaktere zu beschreiben, hat die Autorin sehr viele alltägliche Situationen beschrieben. Allerdings fand ich das nicht besonders aufregend und spannend.

Sie erkundigen sich beim anderen, was es Neues gebe, und Ingdís erzählt, sie sei gerade in der Nähe in einem Laden gewesen und habe auf einmal Riesenlust auf einen Kaffee gehabt, woraufhin Dúi erklärt, er wolle noch einen Kaffee trinken, bevor er zur Arbeit müsse. Er sei auch shoppen gewesen, eine Angelrute und so. (S. 156)

Leider gibt es auch nur sehr wenige Dialoge, die das Ganze etwas lebendiger hätten erscheinen lassen. Und wenn es mal tatsächlich wörtliche Rede gibt, dann ist sie nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Das wird ja immer moderner und scheint für viele Autoren eine Möglichkeit zu sein, sich als fortschrittlich zu präsentieren.

Es gibt zuweilen aber auch ein paar wunderschöne poetische Formulierungen.

Er sieht, wie sich der Fluss hinunter zur Schlucht und durch sie hindurch windet, wie das kristallklare Wasser über die Steine tost, wie es rechts und links leicht gegen die Uferfelsen spritzt, als wolle es sie necken, diese Riesen, die nicht von der Stelle kommen, wie der Fluss reißend und unbeirrt durch die Schlucht rast, nahezu begierig, als erwarte er etwas Aufregendes, wenn sich das Wasser zusammenpressen muss, er sieht den Übermut, mit dem es aus dem Engpass schießt. (S. 241)

Nachdem ich mich von Zeit zu Zeit etwas gelangweilt und durch die Seiten gequält hatte, wurde das Buch 15 Seiten vor Schluss noch richtig spannend und dramatisch – um mich dann mit einem relativ offenen Ende sitzenzulassen.

„Sommerreigen“ ist entgegen dem sommerlich-leichten Cover ein eher düsterer Roman, der mir zum einen beim Personal viel zu komplex war, zum anderen bei den einzelnen Themen und Gedanken, die angeschnitten wurden, zu oberflächlich, um mich wirklich begeistern zu können. Nichtsdestotrotz wird sicher der ein oder andere Leser dem Buch etwas Gutes abgewinnen können.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 15.09.2016

„Lila“ und ich – eine Hassliebe

Lila
0

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: S. FISCHER; Auflage: 1 (20. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3100024305
Originaltitel: Lila
Preis: 21,99 €

„Lila“ und ich – eine Hassliebe

„Lila“ gehört ...

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: S. FISCHER; Auflage: 1 (20. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3100024305
Originaltitel: Lila
Preis: 21,99 €

„Lila“ und ich – eine Hassliebe

„Lila“ gehört zu einem Zyklus, der in Gilead spielt. Zuerst konnte man in „Gilead“ John Ames’ Geschichte als Brief an seinen Sohn lesen. In „Home“ (bisher nicht auf Deutsch erschienen, soweit ich weiß) liegt der Blickpunkt auf Jack Boughton, dem Sohn von John Ames’ Freund und Johns Patenkind. In „Lila“ spielt nun John Ames’ 2. Frau die Hauptrolle. Zeitlich ist der vorliegende Roman demnach vor „Gilead“ und „Home“ anzusiedeln.

Marilynne Robinson wurde für ihr Werk mehrfach mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet.


Inhalt:
Die Landstreicherin und Wanderarbeiterin Doll nimmt die verwahrloste kleine Lila an sich, stiehlt sie. Sie kümmert sich liebevoll um das Kind, soweit es in ihrer Macht steht. So hart das Leben in diesen harten Zeiten (1920er Jahre in den USA) auch sein mag, Lila möchte eigentlich nichts anderes haben. Und so stürzt sie in einen Konflikt, als sie schließlich den Reverend John Ames kennen- und in gewisser Weise auch lieben lernt. Beide können sich nie sicher sein, ob Lila wirklich bei ihm bleiben wird.

Meine Meinung:
Ehrlich gesagt hat mich das Buch anfangs ziemlich gelangweilt. Ein anderer hätte es vielleicht abgebrochen, aber ich mache das normalerweise nicht. Ich gebe jedem Buch die Chance, sich zu entwickeln und mich zu überzeugen. Es hat lange gedauert, bis ich mich auf die Protagonistin Lila einlassen konnte. Leider war sie mir nicht besonders sympathisch und konnte zuerst auch nicht mein Interesse wecken. Dies änderte sich, als sie den alten Reverend John Ames kennenlernt. Er ist ein wirklich liebenswürdiger Mensch, der keiner Fliege etwas zuleide tun mag und mit einer sympathischen Unsicherheit alles tut, um für Lila da zu sein. Er lässt ihr jedwede Freiheit.

Schließlich entwickelte sich auch Lila und ich erfuhr in Rückblicken, dass in ihrem früheren Leben doch so einiges passiert war, was mich überraschte. Das führte dazu, dass die Handlung, so karg sie auch sein mag, mich doch noch fesseln konnte. Die vielen Gedanken Lilas und auch die vielen Bibelzitate fand ich aber doch sehr ermüdend.

Eine Sache ging mir total gegen den Strich. Die Autorin springt nämlich ansatzlos zwischen den verschiedenen Zeitebenen hin und her. Es kam einige Male vor, dass ich erst nach etlichen Sätzen gemerkt habe, dass ich mich nun wieder in einem ganz anderen Lebensabschnitt von Lila befinde. Auch die Sprache konnte mich nicht gerade begeistern. Klar, Lila entstammt sozusagen der Gosse, entsprechend unentwickelt ist ihre Sprache. Doch wenigstens die Stellen, die nicht ihre Rede oder ihre Gedanken sind, hätte ich mir in einer vernünftigen Sprache gewünscht. Allerdings dann auch nicht unbedingt solche wirren Schachtelsätze.

Sie las in der Bibel, weil sie dachte, dann würde sie vielleicht kapieren, wovon er oft sprach, worüber er und der alte Boughton lachten, sich stritten, aber gleich flogen ihre Gedanken sonst wohin und landeten sie wieder dort in dem Keller, weiter weg als zuvor. Oder stahl sich mit dem Kind da im Arm davon, flüsterte ihr immerzu ins Ohr, die Wange an ihrem Haar, erzählte ihr, was von dem, was am Wegrand wuchs, gut war zum Essen, gut war zum Heilen, und sie flüsterten und lachten miteinander, wenn sie Schutz vor dem Regen fanden, zusammen alte Lieder sangen, die, die jeder kannte und die doch wie ein Geheimnis waren, wenn du sie einem Kind beibrachtest. Weil manchmal irgendwo gesungen wird, und dann sind genau das die Worte dazu, und du kennst sie auch. Ja, wir sammeln uns am Strome. (S. 220)

Im Endeffekt erging es mir mit diesem Buch wie mit vielen preisgekrönten Büchern. Es hat mich über weite Strecken gelangweilt, aber ich konnte ihm auch seine guten Seiten abgewinnen.

★★★☆☆