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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.05.2018

Drei Generationen unter einem Dach

Die Frauen von Long Island
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Zoe Fishmans Roman greift auf unterhaltsame Weise die Vor- und Nachteile von „Mehrgenerationenhaushalten“ auf. Hauptfigur des Romans ist Maggie, die von ihrer ehemals guten Freundin Liza ein Strandhaus ...

Zoe Fishmans Roman greift auf unterhaltsame Weise die Vor- und Nachteile von „Mehrgenerationenhaushalten“ auf. Hauptfigur des Romans ist Maggie, die von ihrer ehemals guten Freundin Liza ein Strandhaus in einem sehr exklusiven Ort in den Hamptons vererbt bekommt – allerdings mit Inhalt, und der besteht aus Edith, der 82jährigen Mutter von Liza. Maggie zieht mit ihrer kleinen Tochter Lucy dennoch ein und erlebt die Freuden, aber auch das Leid, das so eine Wohngemeinschaft mit sich bringt.

Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen, allerdings habe ich mich an einigen Stellen gefragt, ob es im „wirklichen Leben“ auch so laufen würde. Z. B. hat die zweijährige Lucy einen beeindruckenden Wortschatz und bildet z. T. Sätze, die aus meiner Sicht eher einem 4jährigen Kind zuzuordnen wären. Auf der anderen Seite fügt sich Maggie, die vorher in New York als Putzfrau gearbeitet hat, absolut unproblematisch in den elitären Ort Sag Harbour ein. An dieser Stelle habe ich gehofft, dass die – aus meiner Sicht nicht immer gesunde – Kluft zwischen dem sehr reichen und sehr armen Amerika mehr in den Vordergrund gerückt wird und auch mal ein paar kritische Blicke auf die Hamptons als „Wohlstandspürzel“ von New York geworfen werden. Davon war leider gar nichts zu spüren.

Meine Lieblingsfigur im Buch war Esther, eine Freundin von Edith, die so erfrischend geradeheraus war und mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg gehalten hat. Auch die Thematik von Ediths Alzheimer-Erkrankung passte gut ins Buch und die Handlung hinein. Sie war immer präsent, hat das Buch aber nicht „erschlagen“.

Insgesamt hatte ich mit dem Buch schöne Lesestunden und würde es auch weiterempfehlen. Aufgrund meiner Kritikpunkte ordne ich es „im guten Mittelfeld“ ein und vergebe daher 3 Sterne.

Veröffentlicht am 28.04.2018

Große Erwartungen – nur teilweise erfüllt

Die Villa am Meer
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Das Cover von „Die Villa am Meer“ weckte große Erwartungen in mir. Da ich die Ostsee und die Bäderarchitektur liebe, habe ich mich nach einer Geschichte gesehnt, die die Entstehung der Villenviertel thematisiert ...

Das Cover von „Die Villa am Meer“ weckte große Erwartungen in mir. Da ich die Ostsee und die Bäderarchitektur liebe, habe ich mich nach einer Geschichte gesehnt, die die Entstehung der Villenviertel thematisiert und die Zeit der Jahrhundertwende wieder aufleben lässt. Das hat dieser Roman auch geschafft.

Aber leider bin ich mit den beiden Hauptfiguren, Katharina und Greta, nicht so recht warm geworden. Mit beiden konnte ich mich nicht identifizieren. Beide waren mir in vielen Situationen nicht recht sympathisch und/oder ich konnte ihre Entscheidungen oder Handlungen nicht nachvollziehen.

Deshalb konnte ich auch nicht so richtig in dem Buch schwelgen, sondern habe viele Passagen eher mit Distanz, zuweilen auch mit einer gewissen Skepsis, gelesen.

Dazu kommt, dass der Roman einen sehr großen Zeitabschnitt abdeckt – über 20 Jahre. Da kann man natürlich nicht flüssig alle Vorkommnisse erzählen, sondern muss prägnante Stellen herausgreifen, an denen die Figuren Entscheidungen treffen müssen oder etwas Schicksalhaftes passiert. Dadurch wirkte das Buch auf mich aber etwas „bruchstückhaft“.

Der Schreibstil hat mir gefallen, er war gut und flüssig zu lesen. Trotzdem konnte mich das Buch nicht über die Maßen fesseln. Gesundes Mittelmaß nach meiner Einschätzung.

Veröffentlicht am 18.03.2018

Das Leben und das Glück hängen an einem dünnen Seil…

Töchter der Lüfte
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Es ist ein Phänomen, aber bei vielen Leuten hat das Wort „Zirkus“ auch als Erwachsene noch eine besondere Faszination. So auch bei mir und deshalb war ich neugierig auf diesen Roman, der zudem noch in ...

Es ist ein Phänomen, aber bei vielen Leuten hat das Wort „Zirkus“ auch als Erwachsene noch eine besondere Faszination. So auch bei mir und deshalb war ich neugierig auf diesen Roman, der zudem noch in einer schwierigen Zeit spielt – der des 2. Weltkriegs.

Man muss als Leser durchaus einige unschöne Bilder verarbeiten, wenn man dieses Buch liest (z. B. die Szene mit dem Güterwaggon voller sterbender Säuglinge und Kleinkinder). So ganz einfach liest es sich also nicht weg, auch wenn die Sprache gut verständlich ist und der Text gut „fließt“.

So ganz konnte mich die Geschichte der beiden Trapezartistinnen Astrid und Isa jedoch nicht packen. Ich kann nicht recht erklären, wieso das so war, aber vielleicht war es eher ein stilistisches Problem:
Ich hatte ein wenig Mühe mit den Perspektivwechseln. Der Roman ist abwechselnd aus Isas und Astrids Sicht geschrieben, jeweils aus der Ich-Perspektive und ich hatte mitunter ein bisschen Probleme, im Kopf jedes Mal „umzuswitchen“, wenn ein neues Kapitel begann. Manchmal hatte ich dann immer noch Isa vor mir, obwohl gerade Adtrid erzählte. Vielleicht war ich dort nicht konzentriert genug, aber für mich hat es das Lesevergnügen etwas geschmälert, mich aller paar Seiten auf die neue Protagonistin einlassen zu müssen. Da hätte es doch vielleicht andere stilistische Möglichkeiten gegeben, um es dem Leser etwas einfacher zu machen?

Letztlich empfand ich die Story selbst als höchst interessant, und wie die Autorin im Nachwort berichtet, fand sie ihre Inspiration ja in Tatsachenberichten über einen Zirkus, der jüdische Artisten versteckte. Bei der Umsetzung der Geschichte zum Roman bin ich nicht recht überzeugt, weil ich einfach mit dem Erzählstil nicht so gut zurecht kam. Ein lesenswertes Buch ist dieser Roman aber dennoch!

Veröffentlicht am 04.02.2018

Prag im Winter - voller Melancholie

Wintersterne
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Am Anfang dachte ich noch, es wird ein Wohlfühlroman. Ich stellte mir das so romantisch vor – eine Geschichte von drei Pärchen, die Prag im Winter erleben und als Leser ist man ganz vorn mit dabei. Ja, ...

Am Anfang dachte ich noch, es wird ein Wohlfühlroman. Ich stellte mir das so romantisch vor – eine Geschichte von drei Pärchen, die Prag im Winter erleben und als Leser ist man ganz vorn mit dabei. Ja, so ähnlich war es am Anfang auch. Aber unterschwellig war da immer Melancholie und irgendwas Bedrohliches. Vielleicht ging es mir nur so, weil ich den Roman gelesen habe, als ich mich selbst nicht wohlfühlte und mit einer fetten Virusgrippe tagelang fiebrig im Bett lag. Aber für mich sind es jetzt im Nachhinein keine „Wohlfühlmomente“, an die ich denke, wenn ich das Buch Revue passieren lassen. Damit hatte das Buch zwar eine starke Wirkung auf mich, aber leider nicht die, die ich mir gewünscht hätte.

Denn statt mit schönen Bauwerken und Adventszauber verbinde ich dieses Buch mit dem Gefühl starker Trauer, psychischer Labilität und Sinnkrisen. Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist sicher gut und gibt an vielen Stellen auch Anlass, sich selbst zu hinterfragen, seine Zielstellungen im Leben, Wünsche, Träume usw. Aber es hat mich leider in einem Moment getroffen, als ich selbst mich schwach und hilflos fühlte und den großen Gefühlen wie Trauer, Schmerz, Schuld usw. nicht gewachsen war, die sich hier am Ende offenbaren.

Und so hinterlässt das Buch zwiespältige Gefühle in mir. Es ist gut erzählt, es birgt große Überraschungsmomente und es ist auch anrührend. Es war nur für mich in diesem Moment leider nicht ganz das richtige Buch, um mir auf meiner „Krankenstation“ Freude und Wohlfühlmomente zu bringen.

Veröffentlicht am 04.02.2018

Mysteriöse Stimmung und ein dunkles Kapitel der irischen Geschichte

Tu Buße und stirb
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Dieser Roman über ein dunkles Kapitel in der irischen Geschichte verschenkt aus meiner Sicht ein wenig von seinem Potential. Ich fand es sehr interessant, mehr über die sogenannte „Magdalenen-Heime“ zu ...

Dieser Roman über ein dunkles Kapitel in der irischen Geschichte verschenkt aus meiner Sicht ein wenig von seinem Potential. Ich fand es sehr interessant, mehr über die sogenannte „Magdalenen-Heime“ zu erfahren, in denen – insbesondere im katholischen Irland – ledige Mütter einen Zufluchtsort haben sollten. Die Realität sah leider oft anders aus - so wurden die Kinder ihren Müttern gegen deren Willen weggenommen und an zahlungskräftige Adoptionswillige (oft aus dem Ausland) „verschachert“. Diese Zustände der 1960er/1970er Jahre greift dieser Krimi auf.

Da er sich aber an vielen Stellen nicht so recht entscheiden kann, ob er betont humorvoll sein will oder aber – dem Grundthema angemessen – eher ernst und düster, kommt ein merkwürdiger Mix dabei heraus, bei dem ich den Eindruck hatte, es sei weder Fisch noch Fleisch.

Der Kriminalfall an sich ist interessant und da er zu großen Teilen in einem Kloster spielt, kommt eine gewisse mysteriöse Grundstimmung dazu. Aber die Umsetzung hätte besser sein können, auch wenn die Ermittler Tom, Ray und Laura sympathische Akteure waren.