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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.04.2018

Die Flora lebt!

Stulpen und Buschwindhöschen
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Wie genau, das erfährt der Leser von Gabriele Volkmanns Buch "Stulpen und Buschwindhöschen". Der Leser? Naja, er ist in diesem Buch vor allem auch ein Seher, denn Frau Volkmann hat dieses Buch eigenhändig ...


Wie genau, das erfährt der Leser von Gabriele Volkmanns Buch "Stulpen und Buschwindhöschen". Der Leser? Naja, er ist in diesem Buch vor allem auch ein Seher, denn Frau Volkmann hat dieses Buch eigenhändig liebevoll und ausgesprochen individuell illustriert.

Worum geht es hier - nun, wie es bereits der Untertitel verrät: es ist ein heiteres Pflanzenraten, auf das sich der Rezipient dieses Buches einlässt, Nicht nur Stulpen und Buschwindhöschen, nein, eine ganze Reihe weiterer geheimnisvoller Gewächse, von denen ich noch nicht zu viel verraten will, geben sich hier die Ehre.

Ein Geschenk, das unterhält und auch durchaus gesellig sein kann, kann man sich doch die Fragen in Form eines heiteren Fragespiels gegenseitig vorlesen. Ein nettes kleines Geschenkbüchlein für Pflanzenfreunde und solche, die es werden möchten. Der Humor der Autorin ist nicht immer ganz der meinige - ich fand es teilweise ein wenig zu betulich und nicht richtig witzig. Doch die herrlichen, liebevollen Bildchen haben mich bei der Stange gehalten und ich denke,für Leser, die den Sinn für Humor mit der Autorin teilen, ist dies eine runde Sache!

Veröffentlicht am 18.04.2018

Fiese Morde - Fiese Typen

Tödliche Fortsetzung
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und das merkwürdigerweise nicht nur unter den "Bösen"! Nein, in Marc-Oliver Bischoffs Frankfurt-Krimi "Tödliche Fortsetzung" kommt ausser dem integrativen, väterlichen Abteilungsleiter bei der Polizei ...

und das merkwürdigerweise nicht nur unter den "Bösen"! Nein, in Marc-Oliver Bischoffs Frankfurt-Krimi "Tödliche Fortsetzung" kommt ausser dem integrativen, väterlichen Abteilungsleiter bei der Polizei Hartmann sowie dem lieblichen kleinen Mädchen Luzie so gut wie jeder erstmal als ziemlicher Unsympath rüber. Nun, auch das Thema ist kein schönes: es geht um Morde im Prostituiertenmilieu, die gleichwohl nahtlos an eine Jahre zurückliegende Serie anschließen. Diese wurde vom Schriftsteller Kanther in seinem sensationellen, vielgepriesenen Debutroman "Drachentöter" akribisch beschrieben, doch die Morde konnte man ihm nie nachweisen. So iist er bei den neuen Morden wiederum der Hauptverdächtige, schreibt er doch offenbar die Fortsetzung zu seinem Erfolgsroman. Doch alles ist ein wenig anders - hier ermittelt Hartmanns Frankfurter Team, allen voran die Polizeipsychologin Nora, auf der ein schweres Schicksal lastet und der aus der Innenrevision hinzugezogene Gideon Richter, zwischen denen bald ein Konkurrenzkampf tobt - falllen diesem die sachorientierten Ermittlungen zum Opfer?

Alles in allem ein Krimi über ein interessantes, doch nicht allzu originelles Thema, in dem einiige ausserordentlich gute Ideen angerissen, doch oft nicht abgerundet werden, so auch die Charaktere der Figuren. Ein solider Krimi mit leider viel zu wenigen Alleinstellungsmerkmalen - ich jedenfalls habe wenige Tage nach dem Lesen vieles schon wieder vergessen. Aber die Grundlagen sind da - mit ein bisschen Pfiff ließen sich einige Figuren - vor allem das Kripoteam - zu veritablen und charismatischen Serienfiguren ausbauen, zu denen der Leser immer wieder gern zurückkehrt. Wobei - neue Krimis, die im Frankfurter Raum spielen, haben mit großen Vorbildern wie der wunderbaren Nele Neuhaus und dem nicht minder eindrucksvollen Jan Seghers zu tun - es sind nicht gerade kleine Fußstapfen, in die sie treten. So auch "Tödliche Fortsetzung": ein eher unauffälliger Krimi mit ganz viel Potential nach oben!

Veröffentlicht am 17.04.2018

Ein bunter Hund

Eiskalter Hund
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Das ist Lebensmittelkontrolleur Berti Fellinger aus dem Bayerischen Wald, der sich eigentlich zu Höherem berufen fühlt. Er wollte nämlich eigentlich Polizist werden, hat aber nicht so recht hingehauen. ...

Das ist Lebensmittelkontrolleur Berti Fellinger aus dem Bayerischen Wald, der sich eigentlich zu Höherem berufen fühlt. Er wollte nämlich eigentlich Polizist werden, hat aber nicht so recht hingehauen. Und so stürmt er halt die lokalen Imbisse und Gaststätten - dort hat er inzwischen einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt - und versucht, sich dort auszutoben. Bis er eines Tages beim Chinesen auf einen weiteren Hund trifft, einen gehäuteten nämlich - dort für den Eigenverzehr gelagert. Aus Versehen überfahren und dann eingesack. Aber was ist mit dem Frauchen? Dem sieht es nämlich gar nicht ähnlich, dem verschwundenen Liebling nicht nachzuspüren. Dazu gäbe es nur einen Grund: sie kann nicht.

Da niemand den Fellinger ernst nimmt, muss er selbst recherchieren.Und das tut er, auch wenn ihn zunächst keiner ernst nimmt. Sogar auf internationaler Ebene. Denn wenn es nicht beim Hund bleibt, dann - nicht auszudenken!

Sosehr ich bayerische Krimis - Franz Eberhofer ist mein Gott - und den Autor Oliver Kern auch schätze, diesmal konnte er mich leider nicht vom Hocker reißen. In der Tat nimmt sich Berti Fellinger wie ein etwas farbloser Cousin vom Eberhofer Franz aus. Irgendwie nahm die Geschichte aus meiner Sicht nur langsam Fahrt auf und so richtig warm wurde ich auch mit dem Berti nicht. Vielleicht ja im nächsten Fall - hoffentlich!

Veröffentlicht am 21.03.2018

Eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft

Kaltenbruch
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ist es, die sich im kleinen rheinischen Dorf Kaltenbruch nach dem Krieg - man schreibt inzwischen das Jahr 1954 - zusammengefunden hat. Alteingesessene Dorfbewohner stehen den Hinzugezogenen: den Ausgebombten ...

ist es, die sich im kleinen rheinischen Dorf Kaltenbruch nach dem Krieg - man schreibt inzwischen das Jahr 1954 - zusammengefunden hat. Alteingesessene Dorfbewohner stehen den Hinzugezogenen: den Ausgebombten und mehr noch den Vertriebenen aus den ehemals deutschen Ostgebieten misstrauisch, wenn nicht gar ablehnend gegenüber. Da hat die Kölnerin Marlene einen vergleichsweise guten Stand: auch sie wurde, ein Kind noch, Opfer der Bombenhagel auf ihre Heimatstadt - ihre Mutter kosteten diese das Leben. Glücklicherweise fand sie nach einigen Irrwegen ein Zuhause bei der Bauersfamilie Leitner, auf deren Hof sie schon mit ihrer Mutter, die mit der Bäuerin befreundet war, oft in den Ferien weilte.

Andere, wie die Kaminskis aus Breslau, eine wahrhaft kinderreiche Familie, haben es da wesentlich schwerer: bereits in der Schule begegnet man den jüngeren Kindern ablehnend. Wie gut, dass sie ihren großen Bruder Rudi haben, der ihnen zur Seite steht und als sich als Einziger der "Dazugezogenen" uneingeschränkter Beliebtheit erfreut. Bis ein Mord geschieht - Opfer ist Heini, der jüngere der Leitner-Söhne, gerade mal siebzehn. Und der Hauptverdächtige Gruber folgt ihm sozusagen stehenden Fußes ins Grab.

War es derselbe Mörder? Rasch fällt der Verdacht auf Rudi, doch es gibt auch weitere Verdächtige. Kommissar Hoffmann, der aus Düsseldorf in die rheinische Provinz zwangsversetzt wurde, ermittelt eher unwillig und fühlt sich seinem Kollegen Kröger von der örtlichen Polizei überlegen. Bald steht ihnen als Schreibkraft Lisbeth Pfau zur Seite, die es ebenfalls durch Zufall in die eher abgelegene Gegend verschlagen hat. Doch das zunächst nicht gerade als Team arbeitende Gespann rauft sich mehr oder weniger zusammen und kommt zu ersten Ergebnissen...

Gerade das Ermittlerteam ist aus meiner Sicht ein sehr gelungener Aspekt des Krimis und ich hoffe, ihm in weiteren Folgebänden erneut zu begegnen. Auch der Umstand, dass die Erzählperspektive variierte, war aus meiner Sicht gelungen. Nicht jedoch die Durchführung - die "Wahrheiten", die nach und nach aufgerollt wurden, kamen in ihrer Darstellung häufig ein wenig unpassend, ja unglücklich rüber. Ebenso hat mir in der Aufschlüsselung der emotionalen Einbindung und Verquickung der Charaktere einiges gefehlt, vieles kam plakativ rüber, die Schlussfolgerungen, das Fazit sozusagen und auch die Begründung der Morde war aus meiner Sicht ein wenig platt.

Dennoch hoffe ich auf weitere Bände mit den Herren Hoffmann und Kröger sowie Lisbeth Pfau als mehr und mehr erfolgreichem Ermittlergespann im Westen von Nachkriegsdeutschland!

Veröffentlicht am 13.03.2018

Back to the roots

Das Kaff
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Zurück zu seinen Wurzeln, nämlich in ein kleines norddeutsches Dorf, begibt sich Architekt Micha Schürtz nicht ganz freiwillig. Seit Jahren erfolgreich in Berlin ansässig und nahezu ohne Kontakt zur Heimat ...

Zurück zu seinen Wurzeln, nämlich in ein kleines norddeutsches Dorf, begibt sich Architekt Micha Schürtz nicht ganz freiwillig. Seit Jahren erfolgreich in Berlin ansässig und nahezu ohne Kontakt zur Heimat erhält er nun einen Auftrag zu einer Bauleitung ebendort. Er sagt sich, dass sein Aufenthalt nicht von langer Dauer ist.

Zumal seine beiden Geschwister noch dort ansässig hat, zu denen er in den Regel gar kein, in Ausnahmefällen ein sehr kompliziertes Verhältnis pflegt.

Aber eigentlich ist Michas Verhältnis zu allem im Dorf kompliziert oder zumindest komplex, so zu seinem ehemaligen Verein - er war in seiner Jugend ein begeisterter Fußballer - wie auch zu früheren Freunden.

Micha drückt es natürlich viel cooler aus, aber er fühlt sich seinem ehemaligen Umfeld bestenfalls fern. Um die Wahrheit zu sagen, er fühlt sich überlegen.

Ja, es ist eine Fassade, die zunächst präsentiert wird, eine Fassade, die im Handlungsverlauf zu bröckeln beginnt. Ob sie schlussendlich zusammenbricht oder aber wieder aufgebaut wird - oder ob ein ganz neuer Weg beschritten wird, das sollte der potentielle geschätzte Leser doch bitteschön selbst herausfinden.

Ein Buch, mit dem ich es mir nicht leicht gemacht habe, wahrlich nicht. Zwar konnt mich bereits das Thema "aus der Stadt zurück ins Dorf und was dann?" mich nicht so recht begeistern, zu sehr folgte der Autor aus meiner Sicht einem aktuellen Trend. Doch das hat mich bei Juli Zehs "Unterleuten", einem Roman, in dem das Dorf sozusagen als eigenes Universum fungierte, auch nicht gestört und so startete ich durchaus offen in die Lektüre.

Interessant ist die Perspektive des Ich-Erzählers, eben jenes Micha, der alles andere als ein neutraler Beobachter, sondern im Gegenteil sehr stark in alle Entwicklungen involviert ist. Das heißt, dem Leser wird Michas Geschichte auf einem sehr persönlichen Level übermittelt, wechselnde Stimmungen und Einstellungen des Erzählers inklusive.

Aber leider tat ich mich ziemlich schwer, in dieses Buch reinzukommen. Der Autor kann schreiben, sicher: der Charakter der erzählenden Person, also Micha, wird in seiner Entwicklung eindringlich transportiert. Was also fehlt? Ich empfand die gesamte Handlung als zu wenig packend, ich habe mich zwar ganz gut auf die Chraktere einlassen können, muss aber im Nachhinein sagen - so richtig spannend fand ich das nicht.

Irgendwann schlich sich mir der Gedanke ein, dass Jan Böttcher einem Trend der Um-die-Vierzig-Autorengeneration folgt: aus der Stadt auf das Land, in vielen Fällen zurück zu den Wurzeln. Ich habe eigentlich nichts gegen diese Welle, mag viele der Romane, wie bspw. "Leinsee" von Anne Reinecke oder auch das bereits erwähnte "Unterleuten", in dem die Thematik jedoch ungleich komplexer ist. Doch dieser Roman war nicht so ganz meines.

Ob es daran liegt, dass das Buch von einem Mann geschrieben wurde? Dass Fussball eine nicht gerade geringe Rolle spielt, wenn auch eher als Symbol für eine Zugehörigkeit?

Ich glaube nicht. Vielleicht fehlt mir nur ganz einfach der Zugang zu Jan Böttchers Gedanken und zu seinem Stil! Genau deswegen möchte ich andere Leser ermutigen, zu diesem Buch zu greifen und es vorbehaltlos auf sich wirken zu lassen. Es kann sehr gut sein, dass das Resultat ein ganz anderes ist als in meinem Fall!